Exploitationsfilme

  • In den Sechziger Jahren machte sich im Kino eine neue Art von Filmen breit, die wie eine Welle über die hauptsächlich amerikanische Landschaft brach, und dann mit dem Ende des Kalten Kriegs auch ein leises Ende fand. Exploitation. Ausbeutung. Der Name war zwar nicht Programm, aber dennoch zeichnend für diese Art von Unterhaltung.

     

    B-Movies

    Exploitationfilme waren oft B-Movies. Unter B-Filmen versteht man eine Gattung mit ihren Wurzeln ab 1920. Früher gab es in den Kinos noch die sogenannten "Double Features". Man ging ins Kino und sah an einem Abend zwei Filme. Einen A- und einen B-Movie. Der Letzterer war stets eine Low-Budget Produktion (d.h. mit wenig Geld und Aufwand produziert) und hat sich auch oft inhaltlich von den anderen, bekannteren Filmen unterschieden.

     

    Gerade Tabuthemen wie z.B. Ed Woods Travestiedrama "Glenn oder Glenda" wurden aufgegriffen, auch wenn diese heute eher harmlos erscheinen. Stars wie Jack Nicholson und John Wayne hatten ihre Anfänge in B-Movies. Zu nennende Klassiker wären "El Topo"(Alejandro Jodorowsky) oder "The Blob" (Irvin S. Yeaworth Jr.).

     

    Action, Sex & Drogen

    Exploitationfilme waren Mitschwimmer. Mitläufer, die hofften auf die kommerzielle Welle aufspringen zu können, auch wenn viele diese Filme den Kommerz subversiv unterliefen. Nur wenige schafften es mit zu schwimmen und nur vereinzelte Werke wie "Shaft" sind der Masse (auch aufgrund von Remakes) heute noch bekannt. Als in den Siebziger Jahren das private Kabelfernsehen (in den USA) aufkam, war der Bedarf an Filmen groß. Um dem Zuschauer ein 24 Stunden Programm bieten zu können, wurden schnell massenweise, billige Filme produziert.

     

    Da die Bemühungen die Handlung zu rechtfertigen oft scheiterten, ergaben sich meist skurrile Handlungen. Doch oft ging es den Filmemachern bewusst um die Zerstörung von Vorbildern, sodass die Helden meist so verkommen wie ihre Gegenspieler waren und auch Drogen nur selten den gewünschten Abschreckungseffekt erhielten. Die Action wurde extrem übersteigert nach dem Motto: Quantität statt Qualität.

     

    Exploitationfilme wurden, auch schon damals, in Gattungen unterteilt wie Blaxploitation, Whitesploitation, Sexploitation,… Die bekannteste Gattung waren die Blaxploitation Filme wie "Superfly", "The diamond brothers", "Blacula" und "Dolemite", aber auch unbekannte Werke wie "Cleopatra Jones" oder "The legend of Nigger Charlie". Symptomatisch für diese Filme war, passend zum den ungleichmäßigen Verhältnissen in der Gesellschaft, dass der schwarze Hauptdarsteller mit oder auch ohne legale Mittel Kontrolle oder Macht erhalten hat. Im Whitesploitation war genau das Gegenteil, der Kontrollverlust, das gängige Bild der Hauptdarsteller.

     

    Generell war Sex sehr explizit, Bösewichte waren Nazis oder Zombies und es wurde viel getötet. Auch in Italien war der Exploitation Output mit "Spaghettiwestern" enorm. Charakteristisch waren die Werbemaßnahmen mit Untertiteln auf den Plakaten, um die Zuschauer von der Originalität und Qualität des Streifens zu überzeugen: "You don´t have to go to Texas to have a massacre. PIECES! It´s exactly what you think it is."

     

    Erbe

    Heute sind die meisten Filme der damaligen Zeit verstaubt oder gar verschollen, und der Exploitationfilm findet nur bei eingefleischten Cineasten Anklang. Doch Regisseure wie Quentin Tarantino lassen in ihren Filme Klassiker der damaligen Zeit wieder aufleben.

     

    Die Zitatspeilerei in seinem Werk "Jackie Brown" fängt bei der Besetzung von Pam Grier ("Coffy", "Foxy Brown", u.a.) an und geht sogar bis in den Soundtrack: der Titelsong "Across the 110th street" ist auch der Titelsong zu einem gleichnamigen Film von 1972. Manche Filme wie "Shaft" oder "The great white hype" wurden gar neu verfilmt und sorgen dafür, dass diese Gattung von Film nicht in Vergessenheit gerät.

     

  • Nach tagelangen Spaziergängen hatte das Warten ein Ende: der Hund schiss nun endlich auf die Straße, ein 150 Kilo schwerer Transvestit ging darauf los, bückte sich und fing an, in wahrer Leidenschaft, das Exkrement zu verzehren und hatte dabei noch größtes Vergnügen. So schmutzig und dreckig die Welt da draußen auch ist, Divine ist schmutziger.

     

    Den eingefleischten Kinofans ist diese Szene nicht fremd. John Waters´ "Pink Flamingos" reiht sich wie seine weiteren Werke "Desperate living" und "Female trouble" in die Reihe der klassischen Trashfilme, neben Werken von Russ Meyer ("Vixen" u.a.), Ed Wood ("Plan 9 from outer space") und Paul Morrissey ("Heat").

     

    Anfänge

    Doch wie der Name und die gängige Bezeichnung für TV- und Kinoschrott darauf schließen lassen, geht es bei Trashfilmen und deren Ästhetik nicht darum, schlechte Filme in einen Mülleimer der Bezeichnung zu werfen, sondern lassen sich hier viel mehr zwei Grundströmungen dieser Stilrichtungen ausmachen, die miteinander sehr verwandt und optisch erst auch nicht unterscheidbar sind.

     

    Bei Ed Wood, dem "schlechtesten Regisseur aller Zeiten", geht es bei den geschichtlichen Anfängen des Trash um ungewollten Dilettantismus, Low-Budget, abgefahrene Geschichten und ebenso die Intention der Schaffung eines "guten" Films. Zwei Darsteller für eine Rolle, eine Wechsel zwischen Tag und Nacht in einer Szene und die Taufe der gesamten Crew, um von der evangelischen Kirche ein Budget zu bekommen, sind nur wenige der von ihm verwendeten "Stilmittel", und küren somit sein Werk "Plan 9 from outer space" zum "schlechtesten Film aller Zeiten".

     

    Den Spannungsbogen nicht über den ganzen Film verteilt aufzubauen, sondern nach einer Minute schon mitten in Horror und Splatter zu sein, war George Andrew Romeros Devise in "Night of the living dead". Russ Meyer spezialisierte sich auf große Oberweiten seiner Darstellerinnen und löste mit seinen Filmen die Welle des "Sexploitation" (siehe Exploitation) los. Sein berühmtestes Zitat spricht für seine Vorliebe und steht für seine Filme: "Wenn ich mich nicht so sehr für Busen interessiert hätte, hätte aus mir vielleicht ein großer Filmemacher werden können."

     

    Neue Welle

    Im Zuge der sexuellen Revolution und den Vorläufern der 68er, kam eine neue Welle ins Medium Film. Im Gegensatz zu den Nachkriegsjahren, kam Ende der 60er eine enorme Flut von A-, aber verstärkt auch B-Movies (Low-Budget Produktionen, die zur damaligen Zeit als Vorfilm der eigentlichen Kinovorstellung, den A-Movies, gezeigt wurden), mit neuen Inhalten und Zielrichtungen.

     

    Filme wie "The Hustler Squad" (Cesar Gallardo), "Foxy Brown" (Jack Hill) oder "Blackenstein"(William A. Levey) sind Beispiele für den Output der Siebziger und deren Ästhetik, zusammengefasst im Genre "Exploitation". Rabiatere Gewalt, offener Sex und Endzeitvisionen wurden dem Zuschauer näher gebracht, während der Gang ins Kino (manchmal auch versehrt mit sog. Gimicks, wie z.B. dem Abschluss einer Lebensversicherung vor einem Horrorfilm) zum Happening wurde.

     

    Abseits dieser Ausschlachtung kam Anfang der 70er ein junger Mann aus Baltimore Namens John Waters mit neuen Vorstellungen von guter Unterhaltung und gab dem Begriff "Bad Taste" bis dato eine neue Bedeutung. Vielleicht nicht als der Erste, aber definitiv als einer der Pioniere, war es Waters der sich die Merkmale des ungewollten Trash als Maxime setzte: wenig Budget, skurrile Story und das freizügige Ignorieren jeglichen Talents. So war für ihn die Frage, ob seine Darsteller in Wirklichkeit so sind, wie sie in den Filmen dargestellt werden, das größte Kompliment.

     

    Auch große Künstler wie z.B. Andy Warhol widmeten sich zeitweise dem Trash. Paul Morrissey führte in den von Warhol produzierten Filmen "Blood for Dracula" (mit Udo Kier) und "Trash" Regie. Viele der damaligen Filme sind heute Kult, doch gemessen an der Vielzahl der damals gedrehten Filme, sind es nur wenige unter extrem Vielen, die heute noch bekannt und nicht in Vergessenheit geraten sind.

     

    Gegenwart

    In den Achtziger und Neunziger Jahren wurde aus diesen Mitteln mehr und mehr eine Stilrichtung, und viele heute bekannte Regisseure fingen mit "anspruchsvollem" Trash ihre Karrieren an, oder haben sich diesem gar ganz verschrieben. Gegen den Mainstream und der Bruch mit sozialen und handwerklichen Konventionen war die Devise.

     

    Die Liste geht von Christoph Schlingensief über Peter Jackson bis hin zu Quentin Tarantino. Während sich Schlingensief in seinen Werken "100 Jahre Adolf Hitler - Die letzte Stunde im Führerbunker" und "Das deutsche Kettensägenmassaker" aus den Mitteln einen Zweck machte und zum ersten mal mit Trash politisierte, ging es in Tarantinos "Jackie Brown", dem für viele so enttäuschenden Nachfolger von "Pulp Fiction", um eine Ode an den Exploitationfilm der Siebziger, mit Pam Grier in der Hauptrolle, der Queen des "Blaxploitation".

     

    Bis vor Jahren noch als Pseudo-Kunst verschrien, wird der Trashfilm heutzutage Salonfähiger, und erreicht nun schlussendlich seine Anerkennung. Sogar Filmhochschulen produzieren ab und an Trashfilme, wie der Film von einem Münchner HFF-Studenten "Der Goldene Nazivampir von Absam 2" zeigt. Auch wenn viele den Trash als einen Möchtegern Versuch in der Kinokultur sehen, bleibt es jedoch immer noch eine Kunst die Unkunst gut und unterhaltsam zur Schau zu stellen.

     

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