Synchronklappe

Die Filmklappe

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Als Symbol für Kino, in der Werbung, in Videoclips, ja, überall wo man den Mythos Kino herbeizitieren möchte, werden Klappen (Clapboards) abgebildet. Und tatsächlich: Bei Dreharbeiten (Film) ist die Klappe nach wie vor unentbehrliches Hilfsmittel, um das Material zu organisieren und vor allem, um später im Schneideraum Bild und Ton auch synchron zusammenfügen zu können.

 

Dass sie geschlagen werden muss, hat sich herumgesprochen, doch wie, warum, und welche Klappen überhaupt wann verwendet werden, darüber fehlen oft die Informationen. Wir wollen keine Wissenschaft daraus machen, aber die Basics zu dem Thema sollen hier erläutert werden:

 

Das Schlagen

Zunächst einmal hat die Filmklappe neben einer Fläche zum Beschriften an ihrer Oberseite einen schmalen Balken, der geöffnet und zugeschlagen werden kann. Das Schlagen hat den Sinn, sowohl im Ton (Schlaggeräusch) als auch im Bild (Die Balken sind geschlossen und damit ebenso die weißen Winkel) für den Schnitt klar erkennbar einen synchronen Punkt zu definieren. Im Schneideraum, wo Ton und Bild getrennt angeliefert werden, sucht man im Bild genau die Stelle, an welcher der Balken geschlossen ist, und im Ton die, an welcher man den Schlag hört, und verkoppelt Bild und Ton an dieser Stelle. Die Beschriftung der Klappe hilft bei allen Arbeitsproszessen, die einzelnen Aufnahmen zu identifizieren. Das ist besonders wichtig beim Schnitt, im Kopierwerk und beim Negativschnitt.

 

Welche Arten von Synchronklappen gibt es?

Klappen gibt es in unterschiedlichen Bauarten und Größen. Die „klassische“ schwarze, die wir alle kennen, hat im Laufe der Jahre Konkurrenz von optimierten, moderneren Modellen bekommen.

 

Der Klassiker aus Holz

KlappeHolzRueck.gifDie klassische wird nämlich mit Kreide bzw. dem Griffel beschriftet, und wer sich noch an seine kreideintensive Schulzeit erinnert, der weiß, wie sich die Hände dann anfühlen. Besonders am Set, wo man sich ja nicht dauernd die Hände waschen kann, ist diese Beschriftungsart nicht allzu beliebt. Deshalb werden diese Klappen meistens mit kleinen, beschrifteten Streifen aus „Lassoband“ (selbstklebendes Textilband) beklebt. Auf der Rückseite wird dann ein „Vorrat“ mit sämtlichen Zahlen von 0 bis 9 aufgeklebt und die Zahlen für die Beschriftung der Szenen, Takes etc. auf der Vorderseite dann einfach durch Zusammenstellen kombiniert. Die Lesbarkeit für die Kamera ist oft sogar noch besser als bei Kreideschrift, zumal weil die Kreide nie völlig abgewaschen wird, und der eigentlich schwarze Hintergrund mit der Zeit grau-weiß wird. So angenehm die Methode auch für die Hände sein mag: Der schwarze Lack der Klappen leidet unter dem ständigen Aufkleben und Abreißen, und die Klappen sehen nach ein paar Filmen schon ziemlich mitgenommen aus.

 

Ein weiterer Nachteil der „Klassiker“ ist, dass sie schwarz sind. Besonders bei Dreharbeiten, bei denen die Lichtsituation am Set oft sehr kontrastreich ist und viele Bildteile im Schatten liegen, kann es vorkommen, dass die Klappe in einem Bereich geschlagen wird, wo kaum Licht vorhanden ist. Dann kann es sein, dass extra für die Lesbarkeit der Klappe kurz ein Scheinwerfer nur für diese zugeschaltet wird.

 

Filz/Klett-Variante

Ziffern auf Klettstreifen zum Anheften

Ziffern auf Klettstreifen zum Anheften

Der Grundgedanke dieser Klappen klingt bestechend: Die Ziffern werden nicht geschrieben, sondern sie befinden sich auf der Rückseite von Klettbandstreifen und man heftet sie einfach auf die vollständig mit Klettfilz bezogene Holzklappe auf. Ändert sich die Takenummer, wird einfach die letzte Ziffer ausgewechselt. Stifte werden am Set praktisch nicht benötigt. Lediglich die unveränderten Einträge wie Regie, Kamera und Produktionstitel schreibt man auf weiße Plastikflächen. Doch in der Praxis ist solch eine Klappe kein guter Produktionspartner. Abnutzung und Verschmutzung setzen dem Filz bald zu, die Klettziffern haften nicht mehr richtig und fallen ab. Zudem geht auch der Stoff selbst bald kaputt, besonders die Kanten sind als Erstes beschädigt und erste Textilfäden, später Fetzen baumeln an den Kanten von dem guten Stück. Auch mit Feuchtigkeit und Regen kann sich der Textilbezug nur schlecht arrangieren. Zu guter Letzt haftet besonders der Nachteil der klassischen Holzklappe, dass man sie meistens zum Abfilmen extra beleuchten muss, auch dieser Variante an. Am Besten man nutzt sie lediglich als Dekoration, dann kann der "unberührbaren Schönen" nicht viel geschehen.

 

Plexiglas-Klappen

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Diese Probleme werden vermieden, wenn man moderne Filmklappen aus weißem Plexiglas einsetzt. Zum Beschriften dienen Filzmarker wie sie auch bei Clipboards zum Einsatz kommen. Man kann die Schrift bequem wieder wegwischen und Kreidestaubwolken gehören der Vergangenheit an. Und auch wenn die Klappe in einem dunkleren Bereich des Sets geschlagen wird, kann man die Beschriftung dennoch lesen, da die Klappe auch das Hintergrundlicht (in der Regel das ausgeleuchtete Motiv) durch lässt. Sie ist zwar nicht schwarz, wie unser „Klassiker“, aber dafür bietet sie doch viele entscheidende Vorteile, die man nicht unterschätzen sollte. Die Spezial-Lackierung gewährt hervorragende Sichtbarkeit und das Ahornholz erzeugt einen satten Klapp-Ton zum Synchron-Anlegen. Für Nahaufnahmen, bei denen die Kamera manchmal nur wenig Abstand zum Darsteller hat, sollte man auch eine kleinere Klappe besitzen, die auch in dem engen Bildausschnitt der Kamera noch alle Daten bereitstellt und geschlagen werden kann.

 

Time-Code-Klappen

Optisch besonders eindrucksvoll sind die elektronischen Time-Code-Klappen, bei denen auf der Klappe in einem Display mit LED-Zeilen der Timecode angezeigt wird. Diese lassen sich mit Tonbandgerät und Kamera synchronisieren und erleichtern besonders im Mehrkamerabetrieb das Tonanlegen. Nützlich sind Timecodeklappen, wenn man Playbackaufnahmen filmt (z. B. für Videoclips), bei denen zu vorproduzierten Musiknummern synchron gespielt, gesungen oder getanzt werden soll. Nachteil: Sie sind extrem teuer und man muss ein weiteres Gerät mit Akkustrom versorgen. Wir bilden sie an dieser Stelle gar nicht erst ab, damit Sie sich nicht finanziell ruinieren. Die anderen Klappen tun es in den meisten Fällen nämlich auch.

 

Beschriftung

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Nun soll sie noch beschriftet werden. Grundsätzlich gehört natürlich der Filmtitel auf die Klappe, und meistens auch die Namen von Regie und Kamera. Die übrigen Beschriftungen werden ständig verändert. Sie geben Auskunft darüber, welche Einstellung (Take) zu welcher Szene (Scene)  zum wievielten Male (No) wiederholt wird. Daneben wird manchmal auch die Filmkassette vermerkt, und ob es sich um Tag/Nacht (Day/Nite) oder Dämmerung (Dawn) handelt. Wird nur ein Teil einer Einstellung wiederholt, nennt man das Pick-Up, das wird auf der Klappe durch den Zusatz PU neben der Einstellungsnummer gekennzeichnet.

 

MOS

Die Abkürzung MOS kommt aus Amerika und stammt von deutschen Emmigranten die als Tonleute für stumme Einstellungen die seltsame Bezeichnung „Mit ohne Sound = MOS“ eingeführt haben. MOS bedeutet stumm. Das Datumsfeld erklärt sich von selbst. Die Klappe wird zu Beginn jeder Aufnahme mit gleichzeitiger Ansage (für den Ton) z. B. „Vier Zwei, die Sechste“ geschlagen. Hat man vergessen, vorher die Klappe zu schlagen, kann man sie auch am Ende der Aufnahme (Kamera und Ton müssen noch laufen) auf dem Kopf stehend ins Bild halten und schlagen (bei der Ansage dazusagen: Schlussklappe!). Wird die Klappe nicht geschlagen (z. B. bei stummen Einstellungen), kann sie auch vorgedreht werden. Man schaltet dann die Kamera kurz an und wieder aus. Die eigentliche Einstellung wird dann danach gedreht.

 

Video

Dass man bei Video, wo Ton und Bild ohnehin synchron auf dem selben Band aufgezeichnet werden, die Klappe nur ins Bild hält (zur Kennung, zu welcher Szene die Aufnahme gehört), aber nicht schlagen muss, versteht sich von selbst. Gerade bei der Fülle an Material, welches auf den verglichen mit Film preiswerten Videokassetten aufgezeichnet wird, hilft die Klappe den Überblick zu behalten. Wer den Ton getrennt aufzeichnet oder gerne bei der Postproduktion Ton gegenüber dem Bild verschiebt, sollte die Klappe auch schlagen - er/sie wird für die Synchroninformation zu jeder Einstellung ebenfalls dankbar sein.

 

Noch ein Rat: Wie oben erwähnt, sind Filmklappen häufig Fanobjekte. Dem entsprechend geistern viele Varianten herum, die leider nur „Souvenierqualität“ haben. Unsere Tests waren zum Teil erschütternd. Wenn Sie damit arbeiten wollen, sollte es schon etwas Ordentliches sein.

 

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