Die feinen Unterschiede...

Videotape

Das Innenleben der Kassetten ist gut verschlossen, wer macht sich schon Gedanken darüber, welche Bänder man verwendet?

Auch wenn heute überwiegend File-basiert aufgezeichnet wird und fest steht, dass Videobänder keine Zukunft mehr haben, momentan noch sind sie noch existent und der weitaus größte Teil aller archivierten Fernsehproduktionen ist auf Videoband gespeichert.

 

Nicht nur die im anspruchsvollen Amateurbereich noch verbreiteten HDV- Kameras zeichnen mehrheitlich auf Videoband auf, auch viele hochwertige professionelle Master wie HD CAM SR oder DVCPRO HD sind noch bandgestützt. Was einem aber niemand sagt, sind die grundsätzlichen Unterschiede zwischen verschiedenen Materialien, die im Ungünstigsten Fall sogar die Lebensdauer der eigenen Kamera halbieren können.

 

Schauen wir uns das Videoband einmal genauer an. Der Aufbau von Videobändern ist heutzutage High-Tech, auch wenn das Grundprinzip aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts stammt. Vom Prinzip her wird auf einen beschichteten Trägerfilm, heute wegen seiner Langlebigkeit meist aus Polyester (früher auch PVC oder davor Zellulosetriacetat) Metalloxyd aufgebracht. Spötter sprechen auch von Rost, eine Assoziation die nahe liegt, wenn man sich Bänder näher anschaut. Die Oberfläche sollte möglichst Glatt sein, und eine hohe mechanische Festigkeit aufweisen.

Die Beschaffenheit der Bandoberflächen ist gänzlich unterschiedlich, doch darüber denkt heutzutage kaum ein Anwender mehr nach. Die Industrie legt bei den Videobändern nicht mehr das aggressive Marketing wie es seinerzeit bei den Kompaktkassetten für die Musikaufnahme üblich war, an den Tag.

 

Damals haben die großen Bandhersteller wie TDK, Maxel, Sony & Co. sich wahre Werbeschlachten geliefert, haben die Kunden zwischen Feroxyd, Chromdioxyd und Reineisenbändern in Gewissenskonflikte vor den Regalen gestürzt.

Zugegeben, in der analogen Aufnahme hatte die Beschichtung und Beschaffenheit der Bänder noch Einfluss auf Grundrauschen und Frequenzgang, das ist in der digitalen Aufzeichnung etwas anders. Aber so zu tun, als wäre die Bandart beinahe gleichgültig,- das könnte fahrlässig sein.

 

Die kleinen Überraschungen...

Videoband

Auf so eine Videokassette gingen ettliche Meter an Videoband, die notwendig waren um ausreichende Aufnahmedauer sicher zu stellen

Wer die Verkaufsetagen der Geizwilligen Discounter (die wie sich inzwischen herumgesprochen haben sollte, so preiswert gar nicht sind) aufsucht und nach preiswerten Kassetten für seine Mini DV oder HDV Kamera suchte, fand möglicherweise von Einkauf zu Einkauf andere Kassetten im Fünferpack im Angebot . Und da auf den Mini-Kartons überall geschrieben steht, sie eigneten sich für alle Gerätetypen, mischt man munter die Hersteller.

In der Theorie sollte das auch kein Problem sein, in der Praxis dagegen schon. Denn allzu oft treten überraschend Bildfehler, Aussetzer, Zeilenfehler, Pixel mitten im Bild auf, weil die interne Fehlerkorrektur der Geräte mit den Bändern nicht klarkommt. Oder aber der Camcorder wirft die Kassette gleich aus und verweigert die Aufnahme gänzlich.

 

Der Grund für derartige Probleme ist in den unterschiedlichen Bandsorten und zusätzlichen Kennungen verschiedenere Hersteller zu suchen. Was die wenigsten Anwender bei ihren Bandkäufen wissen,- es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Verfahren, Videobänder herzustellen und zwischen diesen zwei Bandsorten sollte man nicht mischen. Ein Blick ins Handbuch verrät, für welche Bandsorte die Videoköpfe optimiert sind, ME oder MP. Wer absolut sicher sein will, sollte sogar immer nur eine Bandsorte, einen Hersteller für seine Kamera verwenden.

 

Beschichtungen

Videoband

Die Oberfläche von Videobändern musste möglichst fein und glatt sein

Zwei grundsätzlich andere Herstellungsprinzipien führen zu unterschiedlichen Bandsorten, die sich gut getarnt in den gleichen Kassettengehäusen verstecken und schon so manchen Anwender ins Schwitzen gebracht haben.

 

Der Konflikt ist noch aus analogen Zeiten bekannt, wird aber gerne um die eigenen Bandmaterialien uneingeschränkt absetzen zu können, verschwiegen. Bestenfalls empfehlen die Camcorder Hersteller, als Bandsorte die Produkte des eigenen Hauses zu verwenden.

Wir unterscheiden grundsätzlich sogenannte ME (Metal Evaporated = metallbedampfte) Bänder von MP (Metal Particle= Metallteilchen) Bändern.

 

In der Herstellung wird beim ME Prozess Kobalt in Gasform auf die Trägerfolie des Bandes aufgedampft und anschließend mit einer Schutzschicht überzogen.  Trotz dieser Schutzschicht können sich aber Reste dieses Kobaltdampfes auf der Kopftrommel und den Laufrollen, die mit dem Band in Berührung kommen, absetzen. Das Verfahren bildet eine sehr feine Magnetschicht und wird vorzugsweise für professionelle Anwendungen verwendet.

 

Bei der Herstellung von MP Band, werden feinste Metallteilchen in einem Bindemittel auf die Trägerfolie gegossen. Diese Schicht ist etwas dicker und gilt als robuster, wird aus diesem Grunde auch gerne als Massenprodukt für Consumer betrachtet. Doch auch hier kann sich durch Abrieb feiner Metallstaub auf Kopftrommel und Laufwerksteilen absetzen.

Beide Bandsorten haben für sich genommen Vor und Nachteile, keines der Bänder arbeitet, ohne Rückstände zu hinterlassen. Reinigungskassetten können diese aber in der Regel entfernen.

Richtige Probleme entstehen aber, wenn sich auf der gleichen Kopftrommel sowohl ME-Dampf als auch MP Staub gleichzeitig ansammeln, wenn man also beide Bandsorten gemischt verwendet. Dann vermischen sich beide Rückstände miteinander zu einem klebrigen Film, der die Videoköpfe zuschmiert und zu einer höheren Abnutzung führt.

 

Verkürzte Lebensdauer

Eine einheitliche Bandart ist für den langen einwandfreien Betrieb also Voraussetzung. Leider kann man aber nicht einmal vom Hersteller auf eine einheitliche Bandsorte schließen. Sony setzt zwar sowohl bei Mini DV als auch DVCAM und HDV auf ME, doch trotzdem laufen die Bänder nicht in allen Geräten. Andere Bandhersteller haben schlicht und einfach beide Sorten im Programm, ME und MP. Im Bereich DVCPRO arbeitet Panasonic nur mit MP-Bändern.

Probleme kann es mit sich bringen, wenn man etwa an einem Schnittplatz mit einem Player oder Rekorder unterschiedliche Formate und damit unterschiedliche Bandsorten verwenden muss! Wer etwa einen DVCPRO Player oder Rekorder benutzt, dessen Köpfe können, wenn sie nur DVCPRO Bänder verwenden, 3-5000 Stunden halten.

 

Da die Geräte aber auch in der Lage sind DVCAM Bänder abzuspielen, kann es leicht sein, dass Sie ihre Lebensdauer schnell mal halbieren. DVCAM-Bänder sind für die Köpfe der DVCPRO-Geräte wie feines Sandpapier- und entsprechend schädlich für die Geräte. Das gilt auch für HDCAM SR und DVCPRO HD Bänder.

 

Es ist eben ein Unterschied ob die Bänder mit Oxyd bedampft oder beschichtet sind. Ja und die Haltbarkeit der Bänder selbst spielt ebenfalls eine wichtige Rolle.  Diverse Umwelteinflüsse wie Feuchtigkeit, Sauerstoff und andere Gasen setzen der Magnetschicht nämlich ebenfalls zu. Neue Beschichtungen sowie sogenannte Nano-Teilchen Schichten sollen die Lebensdauer der Bänder verlängern helfen. Ob sie halten, was die Hersteller versprechen, werden wir wohl erst in einigen Jahren und nach einigen Dropouts mehr, beurteilen können.

Die einfachste Methode, seine Aufnahmen zu schützen besteht darüber hinaus darin, die Bänder staubfrei zu lagern, sie nicht unnötig offen liegen zu lassen.