
Dänemark, Schweden 2025
Drehbuch & Regie: Anders Thomas Jensen
Filmstart in Deutschland: 25.12.2025
Kamera: Sebastian Blenkov
Cast: Mads Mikkelsen, Nikolaj Lie Kaas, Sofie Gråbøl, Lars Brygman, Søren Malling
Der dänische Film ist längst über die Grenzen des kleinen nordeuropäischen Landes hinaus bekannt. Zum Beispiel durch Ausnahmeregisseure wie Nicolas Winding Refn, das Enfant Terrible Lars Von Trier und dessen Dogma-Mitbegründer Thomas Vinterberg, der mit „Der Rausch“ den Oscar für den besten ausländischen Film einheimste. Am bekanntesten dürfte dem internationalen Publikum jedoch Mads Mikkelsen sein. Seit seinem internationalen Durchbruch als Bösewicht Le Chiffre ist der vielseitige Schauspieler das Aushängeschild Dänemarks, das trotz seines US-Erfolges dem dänischen Film und insbesondere Anders Thomas Jensen treu geblieben ist. Nach „Dänische Delikatessen“ (2003), „Adams Äpfel“ (2005) und „Men & Chicken“ (2015) markiert „Therapie für Wikinger“ die vierte Zusammenarbeit von Mikkelsen und Jensen, die sich durch makaber-bissige Tragikomödien (längst auch ein Aushängeschild Dänemarks) auszeichnet.
Ganove Anker (Nikolaj Lie Kaas) wird nach 15 Jahren aus dem Gefängnis entlassen. In dieser Zeit hat sich nicht nur die Welt, sondern auch Ankers Familie verändert und so ist sein persönlichkeitsgestörter Bruder Manfred (Mads Mikkelsen) nicht mehr Manfred, sondern Musiker John Lennon, der suizidal wird, sobald man ihn mit dem falschen Namen anspricht. Manfred ist aber Ankers einzige Möglichkeit, an das Geld zu kommen, dass dieser nach Ankers Verhaftung auf dem elterlichen Grundstück vergraben hat. Dort betreibt mittlerweile das zerstrittene Paar Margarethe und Werner ein AirBNB, welches alsbald noch voller wird als Manfreds Psychiater Lothar mit zwei Patienten auftaucht, die sich für die anderen Beatles-Mitglieder halten. Auf diese Weise soll Manfred zu seinem alten Ich zurückfinden und sich wieder an das Geld erinnern. Die Zeit dafür drängt, denn Flemming, ein ehemaliger Komplize von Anker erpresst die Familie.

Der beschriebene Plot mag etwas ausufernd klingen und in der Tat rücken manche Handlungsstränge in den Hintergrund. Jedoch findet Jensen immer wieder einen Weg, diese auf überraschende Weise stimmig zurückzubringen und am Ende zusammenzuführen. Dabei wandelt die Tragikomödie zwischen den Genres – und wird mitunter auch sehr blutig.
Dieser Wandel geschieht sehr organisch, da hier der schwarze Humor auf die Spitze getrieben wird ohne dabei jedoch den Ernst der Lage zu verkennen. Der resultierende Kontrast trägt aber auch dazu bei, dass man näher bei den Figuren ist und diese auch schneller ins Herz schließt. Denn trotz seiner brutaleren Momente ist „Therapie für Wikinger“ ein sehr warmer und witziger Film, in dem das Ensemble rund um Jensens Stammschauspieler Mikkelsen und Kaas brilliert und vor Spielfreude (nicht nur bei den Proben an den Instrumenten) sprüht. Auch Mikkelsen zeigt erneut, warum er einer der wandlungsfähigsten Schauspieler unserer Zeit ist. Eine neurodivergente Person zu spielen, kann schnell ins Klischee abdriften, doch der dänische Starschauspieler verkörpert den autistischen Manfred jedoch glaubhaft und authentisch. Der Humor, der aus seiner Figur hervorgeht, ist dabei nie auf deren Kosten, sondern entsteht aus der Absurdität der Situationen, die der Film mit einer beeindruckenden Leichtigkeit erzeugt.
Somit ist auch Jensens neuester Film eine gelungene Tragikomödie, in der sowohl das Tragische als auch Komödiantische wunderbar ineinandergreifen und sich ergänzen. Daraus ergibt sich ein überraschender, urkomischer und warmherziger Film, der erneut beweist, warum der dänische Film ein hohes Ansehen genießt.
Gesehen von Tristan Rembold

