
Big Tech verknüpft sein vielen Jahren jeden auch noch so simplen Service mit dem Einholen von personalisierten Daten und Cookies, die deren Zurodnung präzise ermöglichen. Vor ein paar Jahrzehnten wurde so etwas noch als massive Verletzung von Perönlichkeitsrechten geächtet, heute steht es bestenfalls noch im Kleingedruckten der AGBs. Eigentlich überrascht es uns kaum noch, dass auch die Flatscreen Fernseher unser Verhalten präzise überwachen können...
Vor ein paar Jahren hatten die großen Flatscreen Hersteller schon einmal Probleme mit ihren innovativsten Technologien. Sie hatten nämlich ihre Fernseher mit Kameras ausgerüstet, damit die User ihre Geräte per Gestensteuerung bedienen oder Videochats mit ihnen durchführen konnten. Weshalb man auf dem Wohnzimmersofa Gesten verwenden sollte, um seinen Fernseher zu bedienen, muss sich nicht Jedem erschließen, dass diese Geräte damit aber, genau wie Smarthpones oder Notebooks mit Webcam etc. auch zu potentiellen Überwachungsgeräten geworden waren, ließ zumindest so manchen Datenschützer aufhorchen. Doch das ist Jahre her und inzwischen tendiert der Bedarf für gestensteuerbare Fernseher gegen Null. Dennoch stehen viele solche Geräte in unseren Wohnzimmern. Doch inzwischen sind es andere oder weitere Technologien, welche einem Unbehagen bereiten könnten.
Bildspeicherung und Erkennung
Es sind im wesentlichen zwei Technologien die da zusammen kommen. Da ist zunächst die sogenannte "Automated Content Recognition" (ACR)-Technologie die es Flatscreens erlaubt, Screenshot der gesehenen Programme zu machen und per Internetverbindung, die heute jeder "Smarte Fernseher" hat, zu versenden, in den meisten Fällen an den Hersteller des Gerätes. Damit wird das Sehverhalten in Echtzeit dokumentiert. Was das Ganze tatsächlich unheimlich macht ist die Tatsache, dass man sich bei den verschiedenen Geräten nicht nur persönlich, namentlich anmelden muss, sondern dass diese Systeme parallel dazu ja auch viele andere Informationen, wie die IP-Adresse, die Geräte-ID, den Standort, das verwendete WLAN-Netzwerk und andere möglicherweise mit sdiesem Netzwerk verbundene Geräte erkennt und zuordnen kann. Es kommen also zu den bereits von deer Softwaresteuerung der Geräte erfassten Informationen, wie dem Sender den man schaut, welche Apps (Netflix, YouTube, Amazon Prime, etc.) man dafür verwendet, zu welchen Uhrzeiten und wie lange man dies tut, zusätzlich auch noch zum Teil die exakten Inhalte über die Bilderkennung hinzu.
Die Fernsehgeräte zeichnen dazu kurze Bild,- und Tonausschnitte auf und generieren daraus sogenannte Fingerprints. Diese werden dann mit Datenbanken abgeglichen und zu Informationen verwertet. Interesssanterweise funktioniert das nicht nur mit laufendem TV Program sondern auch mit abgespielten DVDs, BluRays, SAT Programmen etc. Die Gründe dafür sind vielfältig. Dabei spielt personalisierte Werbung und der Verkauf von Nutzungsstatistiken ebenso eine Rolle wie die bessere Platzierung von Inhalten. Streamingdienste bezahlen für solche Daten, gar nicht selten werden Flatscreens bereits bei der Herstellung subventioniert und die Hersteller müssen zur Kompensation Daten liefern.
Das alte Gegenargument der Hersteller, dass ein Unternehmen viel zu viele Menschen bräuchte um all die gewonnenen Informationen sinnvoll auszuwerten, ist spätestens seit der Einführung von Künstlicher Intelligenz hinfällig geworden.
Der Texanische Staat hat Ende 2025 Klage eingereicht gegen diverse Flatscreen-Hersteller, wegen unerlaubter ACR Überwachung von US-Bürgern. Interessanterweise richtet sich die Klage nur gegen Asiatische Hersteller, nicht aber gegen US- Amerikanische Unternehmen, wie beispielsweise die Walmart Tochter Vizio, welche die gleiche Technologie in ihre Geräte implementiert haben. Es geht also mehr um die politische Sorge, dass Informationen an die Chinesischen Hersteller weitergegeben werden.
Während diese Variante dokumentiert ist und bei vielen Geräten sogar in tief in den Menüstrukturen versteckten Auswahlfeldern abgeschaltet werden kann, ist die zweite nur eine theoretische Möglichkeit, von der nicht bekannt ist, ob und welche Geräte diese nutzen.
Schallwandler
Dabei geht es nämlich um die akustische Überwachung. Naheliegend ist der Gedanke bei Fernsehern mit Sprachsteuerung „Hallo Fernsehen…“, da sind Mikrofone bereits hardwareseitig vorhanden, auch wenn man dieses Feature gar nicht nutzt. Doch auch ohne eingebautes Mikrofon besitzt der Fernseher erstaunliche Fähigkeiten: Es gibt nämlich bei jedem Flatscreen Bestandteile, die vorzüglich zum Aufnehmen von Gesprächen etc. verwendet werden können: Die Lautsprecher. Denn Lautsprecher sind, wie Mikrofone, sogenannte Schallwandler. Man kann sie sowohl zum Abspielen von Tönen, als auch zum Aufnehmen von Tonsignalen verwenden. Sie sind dafür zwar nicht optimiert, das heißt ihre Membranen sind groß und Träge, deshalb können Sie Töne nur in schlechter Qualität einfangen, doch zur Wandlung in Spracherkennungssoftware reicht es allemal. Dies ist allerdings immer nur dann möglich, wenn die nicht als Lautsprecher mit Signalen betrieben werden, also nur wenn der Flatscreen ausgeschaltet ist. Für die Werbetreibende Industrie sind Informationen über die aktuelle Interessenslage der Menschen sehr interessant, allerdings ist nicht erwiesen, ob und bei welchen Geräten diese Möglichkeit zur Anwendung kommt.
Maßnahmen
Wer sich bei all dem etwas unwohl fühlt, sollte in den Untiefen der TV Menüs danach suchen, ob es möglich ist...
- ACR / „Interessenbasierte Werbung“ zu deaktivieren
- Sprachsteuerung auszuschalten
- Gestensteuerung auszuschalten
- Eine evtl. vorhandene Kamera abzudecken
- Datenschutzoptionen manuell zu überprüfen

