Das Internet ist voll davon,- Zusammenstellungen und Empfehlungen wildfremder Menschen. Was ist davon zu halten, wem nutzen sie? Ein wenig erinnern sie an die Musikboxen in Restaurants und Cafés in den 50er und 60er Jahren, wo auf Tastendruck Schallplatten abgespielt und manch einer sein individuelles Wunschkonzert zusammengestellt und damit wildfremde Gäste beschallt hat.

 

Technische Begrenztheit

Früher war es richtig schwierig, bestimmte filmische Momente zu analysieren und mit anderen Filmen zu vergleichen. Filme standen nur als analoge Filmkopien zur Verfügung, die normalerweise mit 24 B/Sekunde durch den Filmprojektor liefen. So mancher Filmwissenschaftler schaute sich auf diese Weise Filmkopien unzählige Male an und machte sich Notizen. Wollte man einzelne Stellen genauer analysieren, brauchte man einen Filmschneidetisch, an dem man das Material vor,- und zurücklaufen lassen konnte und an einzelnen Stellen einfach anhalten konnte.

 

Die Heimvideorekorder in den Achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts erlaubten diesen Luxus erstmals auch ohne Filmschneidetisch. Allerdings standen nur wenige Titel zur Verfügung, das änderte sich langsam als dann die DVD marktreif war.

 

Pottpuri oder sinnvolles Instrument?

Über die Sinnhaftigkeit von Playlists mit Zusammenstellungen von Szenen oder Einstellungen, die irgendetwas gemeinsam haben, lässt sich streiten. Die besten Abschiede, die stärksten Kussszenen, die überraschendsten Auflösungen,- eine endlose Reihe manchmal auch sinnfreier Filmmomente.

 

Schließlich sind Szenen ja für einen bestimmten Platz eine bestimmte emotionale Grundbefindlichkeit der Zuschauer bzw. der Filmfiguren konzipiert. Wenn ich nun also den dramatischsten Höhepunkt eines Filmes ohne all das, was zu dem Höhepunkt geführt hat, einfach losgelöst zeige, verliert dieser nahezu alle Kraft. Und wenn ich die stärksten Höhepunkte aus Kinofilmen wild aneinander hänge, verlieren sie alle.

 

Etwas anders sieht es aus, wenn bestimmte Probleme oder Aufgabenstellungen von Filmen miteinander verglichen werden. Etwa, inwieweit Anfänge und Enden von Filmen etwas miteinander zu tun haben und vielleicht Bögen einer elliptischen Filmerzählung sinnstiftend schließen. Oder wenn man auf bestimmte Phänomene, wie extreme Detailaufnahmen etwa bei David Lynch oder  David Fincher aufmerksam macht. Oder identische Szenen verschiedener Verfilmungen einer  Romanvorlage einander gegenüberstellt.

 

Wenn es sich also nicht um eine krude Aneinanderreihung aller Filmszenen handelt, in den Menschen gekochte Eier essen, oder Pudelmützen tragen, können Playlists durchaus einen Sinn machen. Dann sind die technischen Möglichkeiten dank Youtube und Vimeo wirklich genial. Leider ist dies nicht immer der Fall.

 

Interessante Playlists

Im Internet gibt es Playlists für nahezu alles, auch für Heulszenen unter der Dusche. Oder die Liste der tollsten nicht im Schnitt verwendeten Szenen oder die besten improvisierten Filmszenen.

 

Die stärksten Wendepunkte

Inhaltlich erläutert und damit sinnstiftend:  http://theplaylist.net/50-best-movie-plot-twists-time-20170118/

Filmanfänge und Filmenden

https://vimeo.com/122378469

Extreme Details in David Finchers Filmen

https://vimeo.com/152923976

Subjektive Kameraeinstellungen bei Filmen der Coen-Brüder

https://vimeo.com/137187831

Weissblenden in Kinofilmen

https://vimeo.com/124885316

 

Vorbilder und Nachahmer

Auch wenn manch ein Ersteller von Playlists voller Schadenfreude auf Ähnlichkeiten hinweist,- es sollte Jedem klar sein, dass Kunst immer auch auf bereits Vorhandenes zurückgreift, manchmal als erkennbare Homage, manchmal klammheimlich. Wichtig ist, sich nur an den Besten zu orientieren.

 

Vorbilder und Kopien von Filmszenen

https://vimeo.com/208327835

Vergleich der alten "King Kong" Version 1933 mit der von 2005

https://youtu.be/5TUzaBSGhjo

Die Kino-Vorbilder bei denen Tarantino sich bedient hat

https://vimeo.com/148955244

Parallelen zwischen verschiedenen Remakes

https://vimeo.com/156684127

Filmszenen, bei denen "LaLa Land" kopiert hat

https://vimeo.com/200550228

Verleiche, wie "Moonlight" durch Wong Kar-wai beeinflusst war

https://youtu.be/66cIeb_nNO4 

 

 

Workshops 2018

Viel Kreatives vor? Mit Movie-College Hands-On Workshops Filmlicht, Filmton/Location Sound, Kamera, Drehbuch u.v.a, kann man sein Knowhow spürbar verbessern und stärkere Filme machen. Jetzt anmelden für den Workshop "Kamera" am 1. & 2. Dezember und den Workshop Filmton/Location Sound am 27. und 28. Oktober