Die niedrigen Preise vieler Powerbanks lassen die Fantasien der Filmgemeinde mit ihrem beständigen Bedarf an Akkuleistung abheben...

 

Das klingt zu schön, um wahr zu sein,- die praktischen und vor allem preiswerten Energieriegel, mit denen man Handys oder Tabletts auch ohne Steckdose wieder aufladen kann, müssten doch eigentlich auch für Filmsets gut zu gebrauchen sein, oder?

 

Wenn man nur wüsste, dass es funktioniert, bräuchte man sich nur ein paar billige Powerbanks bestellen und schon liefen Videokamera und Akkulicht stundenlang für kleines Geld...

Soweit die Theorie und Hoffnung vieler Bastler, doch wie sieht es mit diesen Plänen tatsächlich aus?

 

Leistungsfragen

Die erste Frage bezieht sich auf die Leistung, die eine solche Powerbank bereit stellt.  In der Werbung klotzen die Riegel mit 10.000, 20.000 oder gar 24.000 mAh, das klingt nach richtig viel, doch wenn man das kleine m vor den Ah (Amperestunden) weglässt, sind es eben nur 1,0, 2,0 oder 2,4 Ah.

 

Wenn diese sich dann wenigstens auf eine für Videokameras oder Akkulicht notwendige Spannung von 7,5, 9 oder 12 Volt bezögen, doch nein, sie beziehen sich auf gerade mal ungefähr 3,6 Volt, das ist nämlich der Wert, den die verwendeten Lithium-Ionen Zellen in der Regel haben.

 

Umgerechnet auf 7,5, 9 oder 12 Volt, sinkt der Wert in Amperestunden nämlich nochmals, will sagen, der Akku liefert nur bei 3,6 Volt diese Leistung, aber noch lange nicht bei 12. Das ist für den gedachten Verwendungszweck von 5 Volt für USB auch gar kein Problem, Handys ziehen oft gar nicht mehr als etwa 0,5 A über die USB Kabel.

 

Watt?

 

Um es noch ein wenig komplexer, aber endlich auch in Bezug auf Filmgeräte nachvollziehbarer zu machen, benötigen wir eine weitere Maßeinheit, nämlich die für die Leistung, welche in Watt angegeben wird. Die Leistung in Wattstunden (Wh) errechnet man, indem man die Spannung (z.B. 3,6  Volt) mit dem Strom (z.B. 10 mAh) multipliziert. Da uns die Leistung nicht nur für einen kurzen Moment etwas nützt, sondern länger benötigt wird, bringen wir auch noch die Zeit, genauer die Stunde ins Spiel und betrachten die Wattstunden. In unserem Beispiel sind das 36 Wh.

 

Die Lithium-Ionen Zellen in den Powerbanks können von 20 Wattstunden (Wh) bis zweihundert Wattstunden Leistung speichern. Das heißt nicht automatisch, dass sie diese auch liefern können, denn die Power-Banks verlieren auch einen gewissen Teil ihrer Leistung durch die Elektronik, Leitungen etc. Lithium Ionen Akkus müssen nämlich aus Sicherheitsgründen mit Schutzschaltungen versehen sein, die unter anderem die Temperatur kontrollieren und bei Überhitzung abschalten. Diese Schaltungen verbrauchen auch Strom. Dann geht noch Leistung durch die Steckverbindung und das Kabel sowie das zu versorgende Gerät verloren. Man kann da von rund 20 % Verlusten ausgehen, die obwohl es breit auf den Powerbanks aufgedruckt steht, von der Leistung verloren gehen.

 

Power Banks als Alternative ?

Kleine Akkuleuchten mit einer LED haben beispielsweise eine Leistungsaufnahme von etwa 5 Watt, mittlere von 15-20 Watt. Das ist nicht viel, verglichen mit einer Glühbirne... oder dem elektrischen Wasserkocher mit 1000 Watt.

 

Aber wie schlägt sich jetzt unsere Powerbank bei Verwendung mit dem Akku-Licht? Nun zunächst einmal will die Akkuleuchte mindestens 12 Volt, was die auf 3,6 Volt bezogenen 36 Wh schon mal deutlich reduziert, da landen wir dann eher bei 12 Wh.  Der Akku könnte, wenn man die Spannung auf 12 Volt umwandeln würde (was eine aufwändige Schaltung, die ebenfalls Leistung schluckt, erfordert), also eine Stunde lang 12 Watt liefern oder 12 Stunden lang 1 Watt. Doch in dieser Rechnung ist die Verlustleistung noch nicht einberechnet, zieht man diese 20 % noch ab, landet man bei 9,8 Wattstunden.

 

Falls also die Elektronik der Power-Bank die Leistung nicht auf durch die USB Norm vorgegebenen Werte drosselt, könnte man mit ihr maximal die kleine LED Leuchte betreiben. Für mehr reicht es dann leider doch nicht. Erst recht nicht für größere Videokameras, die auch gerne 15-25 Watt an Leistung aufnehmen.

 

Vergleicht man die ca. 10 Wh bei 12 Volt unserer Power-Bank mal mit den 75 Wh eines typischen NP 1 Lithium-Ionen Akkus oder den 95 Wh eines V-Mount Akkus, dann wird recht schnell deutlich, weshalb professionelle Hochleistungsakkus eben etwas mehr kosten, als Power-Banks. Dafür leisten sie auch viel mehr...

 

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