Movie-College Logo

Komfortable digitale Farbtemperaturmessung mit dem Minolta Colormeter 3

 

Farbtemperaturmesser

Nichts ist vollkommen und am allerwenigsten ist es die Farbsensibilisierung von Filmmaterialien oder Videokameras. Da wo unsere Augen enorm tolerant sind und viele Farbverschiebungen einfach auskorrigieren, reagiert die Technik weniger großzügig. Der Farbstich lauert überall!

Die Möglichkeiten, die uns heute in modernen Schnittprogrammen zur Verfügung stehen, um Farbstich auszukorrigieren, sind beeindruckend. Vieles hängt davon ab, auf welche Weise das Meterial in der Kamera aufgenommen wurde. Besonders bei stärker komprimierten 8-Bit Farbaufnahmen ist die Farbtiefe des zu korrigierenden Materials oft zu niedrig, um angemessen diese Möglichkeiten nutzen zu können. Hier sind 10-Bit oder 12-Bit Aufnahmen deutlich überlegen. Insbesondere Mini-DV, DVCam, DVCPro 25, HDV, 2K und auch diverse 4K und 8 K Bildauflösungen diverser Containerformate leiden in dieser Hinsicht unter der Farbabtastung von 4:2:0. Deshalb sind RAW oder Codecs mit 4:2:2 oder gar 4:4:4 Farbabtastung ermöglichen hochwertigere nachträgliche Korrekturen ohne dass irgendwelche Artefakte entstehen. Doch auch diese sind nicht in der Lage, Farbinformationen, die bei der Aufnahme fehlen, komplett wieder herzustellen.

Und,- ganz wichtig, LED Licht hat die Messung der Lichtzusammensetzung deutlich komplexer gemacht, sodass Farbtemperaturmesser (Colormeter) nicht mehr alleine ausreichen.

 

Besser einheitlich

Aus diesem Grunde ist es immer sinnvoll, seine Aufnahmen möglichst am Drehort sauber auszukorrigieren. Der Weißabgleich ist eine wichtige Voraussetzung hierfür. Wer aber Licht setzt und auskorrigiert, benötigt genauere Informationen über die Farbtemperatur des verwendeten Lichts. Selbst wenn man einen Weißabgleich vornehmen kann, muss sich darüber im klaren sein, dass die Videokamera immer nur auf eine Lichtart bzw. Farbtemperatur korrigieren kann.

Hat man es mit verschiedenen Lichtarten gleichzeitig zu tun, etwa Kunst- und Tageslicht, wird sich die Kamera zugunsten der auf dem weißen Blatt des Weißabgleichs stärkeren Lichtquelle entscheiden, die schwächere Lichtquelle wird dann einen Farbstich erzeugen. Den gilt es dann, falls er nicht gestalterisch explizit erwünscht ist, auszukorrigieren. Denn nicht immer ist eine absolut einheitliche Lichtfarbe gewünscht, das ist durchaus auch eine Geschmacksfrage. Eine Ausnahme stellt übrigens, falls man sie überhaupt setzt, die Kante dar, die darf durchaus auch eine andere Farbtemperatur als Führung und Aufhellung haben.

 

Messgerät für die Farbtemperatur

Für den Gossen-Profisix-Belichtungsmesser gab es verschiedene Aufsätze (hier mit Spot-Aufsatz), darunter auch einen zum Messen der Farbtemperatur

 

Wer das vermeiden will, sollte die verschiedenen Lichtquellen ausmessen, um ggf. die Farbtemperatur zu korrigieren. Farbtemperaturmesser (Colormeter) erlauben dies und berechnen je nach Gerätetyp sogar genau, welchen Korrekturfilter man vor die Kamera oder vor den Scheinwerfer befestigen muss, um ein neutrales Ergebnis zu erzielen.

 

Gerätearten

Die wichtigste Unterscheidung bei den angebotenen Geräten wird zwischen analoger und digitaler Technik gemacht. Während die analogen Geräte mit Rechenscheiben arbeiten, um den erforderlichen Mired (Konversionsfilterungs)- oder Kodak-Wratten (Korrekturfilterung)-Wert zu ermitteln, können die digitalen diese Angabe direkt aus den Messwerten berechnen und anzeigen. Im Prinzip sind Farbtemperaturmesser aufgebaut wie drei Belichtungsmesser in einem Gerät, wobei jedes Messelement (in der Regel Silizium-Messdioden) einen anderen Farbauszug von RGB ausmisst. Farbtemperaturmesser werden längst nicht nur für Film- und Fotozwecke eingesetzt. Auch zur Kalibrierung von Displays oder Beamern sowie im Printbereich kommen sie zum Einsatz. Die wichtigsten Hersteller von Colormetern: Bron, Gossen, Minolta (siehe Kenko), Seconic, Cooke, Thoma und Kenko.

Man unterscheidet deshalb:

  • Farbtemperaturmesser zum Ausmessen der Farbtemperatur einer Lichtquelle
  • Farbmessgeräte für Filmscheinwerfer, die zusätzlich oft auch Grün-Magenta-Abweichungen erkennen und Korrekturfilter.
  • Spektralmessgerät (Spektroradiometer) messen die spektrale Verteilung des Lichts und können dessen Farbgenauigkeit bewerten
  • Display-Colorimeter helfen, im Zusammenspiel mit entsprechender Software, Bildschirme zu kalibrieren.

 

LED-Licht ist anders

Mit dem Aufkommen der LED Scheinwerfer hat sich gezeigt, dass Farbtemperaturmesser allein zu Abstimmung von Scheinwerfern und Lichtarten nicht mehr ausreichen. Kelvin allein reicht zur Messung nicht mehr aus. Das Problem ist, dass LED Scheinwerfer nicht mehr wie bei den früheren Halogenscheinwerfern und natürlich bei Tageslicht ein kontinuierliches Lichtspektrum haben, sondern deutliche Spitzen aber auch Aussparungen in bestimmten Bereichen des Farbspektrums. (Kann man erkennen wenn man das Licht durch ein Prisma schickt)

Zwei Filmscheinwerfer mit LED Licht können beide am Colormeter 3400 Kelvin anzeigen und dennoch höchst unterschiedliche Farbwiedergabe haben. Das zeigt sich besonder auffällig bei Hauttönen, für die wir Menschen besonders sensibel sind.

Um diese Unterschiede messtechnisch erfassen zu können, verwendet man Spektralmessgeräte die eben nicht nur die Farbtemperatur (CCT) ausmessen, sondern auch in den unterschiedlichen Wellenlängenbereichen die Lichtenergie. Auf diese Weise kann man erkennen ob die Scheinwerfer gut zusammenpassen. Viele LED Scheinwerfer können dann auch per Menü etwas angepasst werden.

 

Bedienung

Weißabgleich: Kunstlicht. Die rechte Fensterseite ist mit CTO (85er Filter) Folie abgeklebt und korrigiert die Farbtemperatur aus, im linken Fenster erzeugt das nicht korrigierte Tageslicht einen Blaustich

 

Einstellungen: Grundsätzlich kann man einem Farbtemperaturmesser eine Lichtart vorgeben, auf welche die Kamera bzw. das Filmmaterial sensibilisiert ist. Also wärmeres Kunstlicht (B Tungsten mit 3200 Kelvin) oder mittleres Kunstlicht (A Tungsten mit 3400 Kelvin) oder Tageslicht (Daylight mit 5500 Kelvin). Ausgehend von dieser Vorgabe misst der Farbtemperaturmesser Lichtquellen aus und gibt an, welcher Filter notwendig ist, um die voreingestellte Farbtemperatur zu treffen. Einige Farbtemperaturmesser zeigen sowohl den direkten Kelvin-Wert der Lichtquelle, die Light-Balancing-Werte (LB) als auch die Color-Compensating-Werte (CC) an.

Das bedeutet, als Color-Compensating-Wert werden Werte der subtraktiven Filterung angezeigt, (zum Beispiel 30 Magenta), als Color-Compensating-Angabe Filterwerte zur Lichtkorrektur. Oder aber man korrigiert im Blau-Orange Bereich, also im Light-Balancing Bereich etwa mit einem 81 A oder 85 er Filter. Mit Hilfe von voreingestellten, abgespeicherten Farbtemperaturwerten kann man auch die Farbstimmung wärmer oder kälter gestalten, je nachdem wie man es für den Look des Filmes wünscht.

Übrigens können Farbtemperaturmesser auch altern, manchmal verändern sich die internen Filter der drei Farbkanäle und damit auch die Messergebnisse, manchmal kann man diese dann selbst wieder reparieren.

 

Mired

Rötliches Sonnenlicht

4800 K
210 Mireds

Halogenlampe

3400 K
295 Mireds

Glühbirne

2800 K
360 Mireds

 

Zeigt das Messgerät die benötigten Filterwerte nicht direkt an, sondern nur die verschiedenen Farbtemperaturen, die man aneinander anpassen möchte, kann man in einer MIRED-Tabelle nachschauen, welcher Filter erforderlich wäre. Mired ist eine andere Messeinheit für die Farbtemperatur (1 Mired ist das Millionenfachste des reziproken Wertes in Kelvin). 5600 Kelvin, also Tageslicht, entspricht einem Mired-Wert von ca. 175 und 3400 Kelvin, also Kunstlicht entspricht etwa 295 Mired.

Der große Vorteil von Mired-Werten liegt darin, dass sie gleichmäßige Abstände zueinander haben. Damit kann man sie problemlos addieren oder subtrahieren. Mit ihrer Hilfe kann man Filter definieren, welche berechenbare Korrekturen erlauben. Es gibt sowohl Filter mit +Mired-Werten, als auch solche mit -Mired-Werten. Haben wir beispielsweise ein Tageslichtfilmmaterial (5500 Kelvin), so hat es einen Mired-Wert von 180. Hat aber unser Filmscheinwerfer Kunstlicht (ca. 3000 Kelvin), so hat dieses einen Mired-Wert von 340. Um also von diesem Kunstlicht mit 340 Mired auf den Film in der Kamera mit 180 Mired ohne Farbstich aufnehmen zu können, müssen wir den Mired-Wert des Kunstlichtes reduzieren, also einen Minus-Filter verwenden. Die Differenz zwischen beiden Mired-Werten beträgt -160 Mired. Man verwendet deshalb einen Blaufilter mit -160 Mired (BC 18). Diese Arbeit nehmen Ihnen aber moderne Colormeter ab und zeigen Ihnen den benötigten Filter direkt an.

 

Auch Mired reicht nicht für LED

Die Farbabstimmung am Filmset ist komplexer geworden, deshalb kann ein simpler Weißabgleich bzw. ein sich verlassen auf Farbtemperaturwerte kein farbneutrales Grau mehr garantieren. Wenn Wellenlängen im Licht einer LED nicht vorhanden sind, bleibt dies unbemerkt und tritt erst bei der Farbkorrektur zutage. Um hier bessere Messmethoden zu besitzen hat beispielsweise die Academy den SSI entwickelt.

 

Wo messen?

Ähnlich, wie man mit einem Belichtungsmesser arbeitet, sollte man die zu messende Lichtquelle möglichst sauber erfassen. Ob man im Lichtkegel etwa auf halbem Weg zwischen Kamera und Scheinwerfer mit der Messkalotte in Richtung Scheinwerfer misst, oder die einzelnen Lichtquellen einzeln ausmisst, hängt letztlich vom jeweiligen Messgerät ab. Wichtig ist vor allem, das Licht dort zu erfassen, wo die Protagonisten im Bild sind.

 

Thema: Licht Dieser Beitrag gehört zum Themenbereich Licht. Mehr zu Filmlicht
Mehr zu Lichtgestaltung, Filmlicht und Set-Beleuchtung findest Du im Akademie-Bereich sowie in unseren Workshops.

Mehr zu Lichtqualität