
Regie: Paul Thomas Anderson
Länge: 2 h 42 min
Kamera: Paul Thomas Anderson, Michael Bauman
Kinostart: 25. September 2025
Paul Thomas Anderson hat mit seinem Spielfilm einen Mix aus Actionfilm und Roadmovie vorgelegt, der zugleich ein sehr politischer Film geworden ist. Der Film beginnt gleich sehr laut und mit einer Gruppe militanter Widerstandskämpfer*Innen, die sich "The French 75" nennt und gegen reaktionäre und Fremdenfeindliche Umtriebe kämpft. Sie befreien zahlreiche Insassen eines Abschiebelagers, zünden Sprengsätze um gegen ein Abtreibungsverbot zu protestieren und überfallen eine Bank um ihren Kampf zu finanzieren.
Dabei lernen wir Bob Ferguson (Leonardo DiCaprio) sowie seine Partnerin Perfidia Beverly Hills (Teyana Taylor) sowie ihren besessenen Gegenspieler, den Miltärfanatiker Steven Lockjaw (Sean Penn) kennen. Doch kaum kommt das Kind von Perfidia Beverly Hills zur Welt stürzt sie sich, statt ihre Mutterrolle anzunehmen, in eine weitere Protestaktion, die aber schiefgeht. Sie wird von Steven Lockjaw unter Druck gesetzt, ihre Mitstreiter zu verraten. All das ist aber nur der Prolog für die eigentliche Geschichte, die 16 Jahre später beginnt.
Bob und seine Tochter Willa (Chase Infiniti) leben mit neuer Identität in einer kalifornischen Kleinstadt. Von der Vergangenheit ihrer Eltern weiß der Teenager nichts, wird aber von Bob regelmäßig für Krisenfälle geschult. Das ist auch dringend nötig, denn Lockjaw, der sich bemüht, bei einem rechtsextremen Geheimverein Mitglied zu werden, jagt Bob und Willamit seinem ganzen Militärapparat. Doch zum Glück gibt es noch immer einen heimlichen Kreis an Unterstützern der damaligen "French 75" Mitglieder. So reiht sich denn in dem Film tatsächlich eine Schlacht an die nächste, es hätte dem Film vermutlich nicht geschadet, eine Schleife weniger zu drehen, die fast drei Stunden Filmlänge spürt man denn irgendwann doch.
Machart
Das sind die Grundrezepturen, aus denen sich, wie im Titel bereits angekündigt, eine Schlacht nach der anderen ergibt. Das gibt natürlich reichlich Möglichkeiten für Action,- und Verfolgungsszenen, sehr ungewöhnlich für Regisseur Anderson. Doch das Genre wird immer wieder gebrochen, Selbstironie wechselt sich ab mit dramatischen Szenen. Eine durchaus gelungene Balance zwischen Spannung und Komik. Allerdings zahlt der Regisseur für diese Mainstreamige Erzählweise auch einen Preis,- allzu nah kommt man den Hauptfiguren nur an wenigen Stellen. Dabei sind die Hauptfiguren allesammt excellent in ihrem Spiel, auch DiCaprio muss man Respekt zollen, wie uneitel und überzeugend er den kiffenden und zugleich leicht paranoiden Vater spielt. Grossartig auch Sean Penn mit seltsam verkrampftem militarisch verbrämten Gang und skurrilem Militärhaarschnitt, eine Figur, der man lieber nicht begegnen möchte. Wer allerdings sensible filmische Momente sucht und Zwischentöne zu schätzen weiß, wäre in einem Arthouse-Film gewiss besser aufgehoben.
Gedreht wurde der Film auf analogem 35 mm Eastman-Kodak Filmmaterial in dem alten VistaVision-Format. Das war in den 1950er und 60er Jahren das klassisches Breitwand-Format für die Kinos.
Zu den visuellen und akustischen Höhepunkten zählt sicherlich jene Showdown-Szene einer zermürbenden, trotz langer Einstellungen packenden Verfolgungsfahrt über eine hüglige Wüstenstraße. Diese bedient eben nicht das Muster schneller Schnittsequenzen üblicher Actionszenen. Stattdessen erzeugt sie in einem Wechselspiel von langen Brennweiten, Bewegungen, Timing und Tonebenen. Auf letzterer haben die beteiligten Autos jeweils einen eigenen charakteristischen Motorklang, der sich mit der Filmmusik entsprechend den jeweiligen Hügeln des Highways auf intelligente Weise mischt bis zu einem Autocrash der das Finale einläutet. Das ist absolut hörens,- und sehenswert.
Bei aller visueller und akustischer Aktivität zeigt der Film auf, wie nah diese filmische Vision tatsächlich an der US- Realität des Jahres 2025 ist. Paul Thomas Andersen hat in dieser Geschichte ein vermutlich kaum übertriebenes Bild der aktuellen amerikanischen Politik gezeichnet, greift damit die Ängste und Sorgen vieler Amerikaner angesichts eines autoritären Umbaus der Demokratie auf.
Gesehen von Mathias Allary

