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Kinosaal

Lautsprecher im Kinosaal für Links, Mitte und Rechts, sowie den Surround-Kanal

 

Die Anfänge

Schon in den 1940er und noch intensiver in den 1950er Jahren versuchte die Filmindustrie durch räumlichem Ton dem Publikum spektakuläreren Mehrwert gegenüber dem Fernsehen zu bieten. Die ersten Mehrkanal-Tonverfahren für den Film waren sehr aufwändig. Bereits 1940 lief Disneys „Fantasia“ in Stereo und besaß drei Lichttonspuren für Links, Rechts und Mitte. Dafür war aber ein eigener, zusätzlicher 35 mm-Lichttonfilm und ein eigenes Laufwerk erforderlich, welches mit dem Filmprojektor verbunden war und synchron mitlief. Disney entwickelte dafür eigens gemeinsam mit RCA das System Fantasound, bei dem verschiedene Gruppen von Lautsprechern im Kinosaal verteilt waren und es bereits Panorama-Effekte und Klangveränderungen gab. Allerdings war der technische Aufwand gigantisch. Es wurden zusätzliche Projektoren, Verstärker und Lautsprecher benötigt und auch die Snchronisation war komplex. So wurde es nur in sehr wenige Kinos eingebaut und verschwand schnell wieder. 

 

CinemaScope und Magnetton

Richtig durchsetzen konnte sich der Mehrkanalton erst mit dem von der 20th Century Fox eingeführten CinemaScope-Verfahren ab 1953. Einer der ersten Filme in dieser Technik war "The Robe" von Alfred Hitchcock. Bei dieser Technik wurde eine Magnetbandschicht auf den 35mm Film aufgebracht, auf den man zunächst vier analoge Tonspuren aufzeichnen konnte: Liks, Mitte, Rechts und Surround. Also eigentlich das, was auch heute noch der Mindest-Standard in Kinos ist. Der Vorteil des Magnettons lag darin, dass die Klangqualität viel besser war als die von Lichtton.

 

Todd-AO und 70mm

Mit dem 70mm-Film und Todd-AO waren dann sechs Kanäle auf Magnetton möglich. Zu den bekanntesten Filmen gehörte damals "In 80 Tagen um die Welt" sowie "Oklahoma". Allerdings waren die Filmkopien aufwändig in der Herstellung und teuer. Aber vermutlich war es das beste analoge Filmtonsystem mit Magnettonspuren.

 

Der Durchbruch

Den Durchbruch brachte Mitte der 70er Jahre das analoge Dolby Stereo-Verfahren. Drei Leinwandkanäle und ein Surroundkanal werden auf zwei Lichttonspuren bei gleichzeitiger Rauschunterdrückung aufgezeichnet. Darin sind kodiert (Matrix) die Bestandteile Links, Rechts, Mitte und Surround enthalten. Weltweit bekannte Filme in dieser Technik waren "Star Wars" und "Apocalypse Now".

Die neuesten Tonverfahren wie Dolby Digital, DTS, SDDS, DTS70mm oder Dolby Atmos verfügen inzwischen neben den drei Leinwandkanälen über mindestens zwei Surroundkanäle und einen zusätzlichen Tieftonkanal. Es gibt sogar Verfahren, die zusätzlich vorne auch noch Mitte links und Mitte rechts als Zusatzkanäle anbieten und damit die akustische Illusion absolut perfekt abbilden können. Und Dolby Atmos bespielt sogar die Luft über den Köpfen der Zuschauer und vermittelt damit eine ganz neue akustische Erfahrung. Interessanterweise gab es viele dieser Konzepte und Ideen bereits in den 40er und 50er Jahren, doch die technischen Möglichkeiten waren damals noch zu begrenzt. Erst die Digitalisierung machte es möglich, sie auch umzusetzen.

Doch all diese Verfahren finden ihre natürlichen Grenzen in den Kinos selbst. Neben den neuen High-Tech-Kinos gibt es natürlich weltweit noch immer viele„alte“ Kinos, in denen die Saalanlagen bestenfalls Dolby Stereo wiedergeben können. Abgesehen davon muss man mit diesen Kanaltrennungen sehr sensibel umgehen, sonst wirkt der Ton völlig vom Bild losgelöst und lässt dieses beinahe unwirklich, ja unecht erscheinen.

 

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