"Grand Budapest Hotel" by Wes Anderson

"Grand Budapest Hotel" ist der Film, mit dem 2014 die Berlinale eröffnet wird. Wenn man mit einer verrückten Komödie mit eigenwilligen Charakteren, ein paar Slapstick-Elementen und wirklich kuriosen Vorkommnissen rechnet, dann ist es genau das, was man auch zu sehen bekommt. Die Geschichte ist gleich dreifach verschachtelt, es gibt eine "Hauptrahmenhandlung", zwei weitere "Rahmenhandlungen" und die Haupthandlung, also das, was man dann tatsächlich zu sehen bekommt. Das erste, was der Zuschauer zu sehen bekommt, ist eine junge Frau irgendwo im ehemaligen Ostblock an dem Denkmal eines Autors, an dem zahlreiche Hotelschlüssel hängen. Sie hält sein Buch in der Hand "Das Grand Budapest Hotel". Viel länger ist sie dann aber auch nicht zu sehen, schwenkt das Bild doch zu dem Autor selbst, schon betagt, aber offensichtlich noch lebendig. 

Er erzählt ein wenig von der Arbeit eines Autors, um dann zu erzählen, wie es denn zum Grand Budapest Hotel kam - wurde doch ihm selbst die Geschichte nur erzählt. Der junge Autor (Jude Law) reist 1968 in das Grand Budapest Hotel, das aber aufgrund des Sozialismus seine besten Tage schon lange hinter sich hat. Skurrilerweise trifft er dort den Inhaber des Hotels, Zero Moustafa (F. Murray Abraham), der ihm während eines gemeinsamen Abendessens mehr oder minder seine ganze Lebensgeschichte erzählt - die Geschichte, die den Autor später berühmt machen wird. Und damit wären wir bei der Haupthandlung. Moustafa (jung: Tony Revolori), der vor dem Krieg in seinem Heimatland floh, befindet sich gerade in seiner Probezeit als Lobby-Boy im Grand Budapest Hotel, als er von dem großen und beliebten Concierge Monsieur Gustave (Ralph Fiennes) entdeckt wird. Dieser ist zunächst gar nicht begeistert, dass ein neuer Lobby-Boy ohne sein Wissen eingestellt wurde, nimmt sich aber dann dessen Ausbildung an und so entwickelt sich zwischen beiden eine enge, skurrile Freundschaft. 

Die wäre aber nicht annähernd skurril, wenn nicht Folgendes geschähe: Madame D. (Tilda Swinton), eine vierundachtzigjährige Dame, die schon fast Dauergast im Hotel ist und auch zu Monsieur Gustaves zweifelhaften Liebschaften gehört, stirbt, und die beiden Hotelangestellten machten sich sofort auf den Weg nach Schloss Lutz, wo sie gelebt hat und gestorben ist. Sie beerbt ihn mir dem Gemälde "Jüngling mit Apfel", das von unschätzbarem Wert ist, doch bevor man das überhaupt genießen kann, tritt ihr Testament und ihre geldgierige Familie eine Lawine von Ereignissen los. Der edle Concierge landet im Gefängnis, muss mit Zero vor einem brutalen Killer fliehen, einen schändlichen Verrat erleiden und sogar bei einer seltsamen Bruderschaft auf dem Berg Zuflucht suchen. 

Nicht zuletzt kommt es natürlich auch zu einer Liebesgeschichte zwischen Zero und der entzückenden Konditorin Agatha (Saoirse Ronan), die einen großen Teil dabei leistet, das - oder besser gesagt die - Verbrechen aufzuklären und Monsieur Gustave zu rehabilitieren. "Grand Budapest Hotel" ist ein Film, der einige Überraschungen bereithält. Man weiß nicht immer, ob man die Stirn runzeln, lachen oder weinen soll, aber alles in allem ist es ein toller, aber vor allem auch äußerst sympathischer Film. Natürlich hat Wes Anderson sein mittlerweile achtes Projekt in Spielfilmlänge grandios besetzt, aber das erklärt sich ja von selbst, wenn man die Casting-Liste ansieht. Vorherrschendes Thema sind Glanz und Reichtum der Goldenden 20er, aber vor allem auch der darauffolgende Verfall während des Krieges und des später folgenden Eisernen Vorhangs. 

Deshalb ist die Komödie auch durchgängig behaftet von einem leichten Anklang von Traurigkeit und Melancholie, ausgedrückt durch das einst stolze Hotel, das als halbe Ruine verbleibt, und die so tiefgehende Einsamkeit des alten Moustafas. Der Film, so skurril er auch ist, ist keine seichte Komödie, sondern durchdacht und fundiert und durchaus mit Hintergrund. Angesiedelt ist die Geschichte in einem Paralleluniversum, das jedoch das Wien der alten Zeit zeigt. Dafür tragen andere Orte nur allzu skurrile Namen, an denen man meist auch ablesen kann, was sie eigentlich meinen. Das Hotel selbst ist nämlich in der Republik Zubrowka angesiedelt. Kurzum, "Grand Budapest Hotel" ist ein würdiger Eröffnungsfilm, der sicherlich einige Zuschauer überraschen wird.

 

Gesehen von Theresa Schießl

 

 

Kritik "Arrête ou je continue", Sophie Fillières

Es handelt sich hier um die Geschichte von einem Paar, Pomme (Emmanuelle Devos) und Pierre (Mathieu Almaric), das vielleicht zu lange schon zusammen ist: Die Routine scheint die Liebe getötet zu haben. Sie sind gewohnt, regelmäßige Spaziergänge im Wald zu machen. Aber eines Tages weigert sich Pomme, wieder nach Hause zu kommen und entscheidet sich, im Wald allein zu bleiben. Das Thema hat Sophie Fillières nicht zum ersten Mal behandelt: das Umherreisen eines Paars, eine Frau die Schwierigkeiten hat, ihren Platz in einer sehr normativen Gesellschaft zu finden.

Die erste Teil des Films ist hervorragend: Urkomische Dialoge und tolle Schauspieler (der sechste Film in dem Devos und Almaric ein Paar interpretieren), die Regisseurin hat es geschafft, die beiden Figuren in einen Mikrokosmos zu setzen (oder vielleicht zwei Mikrokosmen: Jeder in einem eigenen). Der Zuschauer findet sich zwischen Pomme und Pierre in eine Falle gelockt.

Leider geht der Film zu weit: Pomme entscheidet sich im Wald zu bleiben, und so verzichtet Sophie Fillières auf ihre Stärke: die Dialoge. Von hier verliert der Film seinen Atem, seinen Rhythmus: Pomme wandert auf und ab, auf eine sehr unglaubwürdige Weise, und auch leider ohne Interesse. Man versteht nicht, warum der Waldteil so lang ist, das narrative Gleichgewicht ist gebrochen.

Der Film ist aber dennoch ein Erfolg, auch dank der letzten Szenen, die wieder spontan und leicht sind, trotz der Schwierigkeit des Themas.

 

Gesehen von Juliette Reichenbach

 

 

Kraftidioten

Der norwegische Regisseur Hans Petter Moland war mit seinem neuen Film „Kraftidioten“ (OT: "In Order of Diasappearence") auf der Berlinale 2014. Sein Film überraschte das Publikum sehr und entpuppte sich zu einem wahren Filmhighlight auf den Internationalen Filmfestspielen Berlin 2014.

Nils, von Stellan Skarsgård gespielt, ist ein Schneepflugfahrer, welcher dafür sorgt, die Wege und Bergpässe seiner Gemeinde von Schnee zu befreien. Nachdem er für seine Arbeit sogar zum Bürger des Jahres gekürt wurde, erreicht ihn eine schreckliche Nachricht. Sein Sohn sei an einer Überdosis Heroin gestorben, doch Nils ist sicher, dass sein Sohn kein Junkie war und er ermordet wurde. Er beginnt Nachforschungen zu machen und trifft dabei auf die wahren Mörder seines Sohnes. Ein erbitterter Rachefeldzug beginnt, Nils tötet ein Kartellmitglied nach dem anderen, um so an den „Grafen“ zu kommen, der Person, die für den Tod seines Sohnes verantwortlich ist. Nils löst unbewusst einen Konflikt zwischen zwei Fronten aus (die serbische Mafia gegen die norwegische), und schließlich führt Nils dabei immer noch seinen eigenen Rachefeldzug gegen alle, bis zum bitteren Ende...

Hans Petter Moland bietet uns eine bitter-schwarze Komödie, welche von unglaublich schönen Aufnahmen der norwegischen Landschaft ausgefüllt wird. Der nicht enden wollende schwarze Humor lässt einem keine Lacher aus, der Film ist niemals langweilig. Es ist höchstamüsant, mit welchem schwarzen Humor Moland das Gangstermilieu darstellt sowie den endlosen Rachefeldzug von Nils. Auch Stellan Skarsgård spielt wieder einmal einfach nur fantastisch. „Kraftidioten“, die wohl größte Überraschung auf der Berlinale in seinem Genre.

 

Gesehen von Robert Stemper

 

 

A Long Way Down 

Der aus Frankreich stammende Regisseur Pascal Chaumeil („Johanna von Orléans“), war mit seinem neuen Film „A Long Way Down“ auf der Berlinale 2014, der die Bestsellerverfilmung nach Nick Hornby ist, welche sich mit britischem Humor und Starbesetzung sehen lassen kann.

Martin, gespielt von Pierce Brosnan, ist ein TV-Star und glücklich verheiratet, bis er Geschlechtsverkehr mit einer Minderjährigen hat und deswegen alles verliert. Aufgrund seines in die Brüche gegangenes Lebens, beschließt er, am Silvesterabend von einem Hochhaus zu springen, doch bevor er dies in die Tat umsetzen kann, tauchen drei weitere Personen, J. J. (Aaron Paul), Maureen (Toni Collette) und Jess (Imogen Poots), auf, die ebenfalls sich umbringen wollen. Doch durch das Aufeinandertreffen kommt es zu keinem Suizid, und die vier verbringen eine sehr skurrile Nacht miteinander, bei der sie jeweils ihre Lebensgeschichten erzählen. Bei Sonnenaufgang schließen sie einen Pakt: Niemand bringt sich bis zum Valentinstag um, und wenn sie bis dahin immer noch glauben, dass das Leben keinen Sinn hat, wird niemand jemanden daran hindern, vom Dach zu springen. Bis dahin wollen die vier gegenseitig auf sich aufpassen und verbringen eine wunderbare Zeit miteinander und lernen sich immer besser kennen. Sechs Wochen später am Valentinstag ist J. J. verschwunden...

In der Bestsellerverfilmung von Nick Hornby fängt Regisseur Pascal Chaumeil die Einsamkeit, Verzweiflung und den Kummer der suizidgefährdeten Personen sehr gut ein und entwickelt somit Charaktere, mit denen man sich leicht identifizieren kann. Die Thematik der wichtigen Notgemeinschaft der Vier, um weiterzuleben, kommt sehr gut rüber. Der Humor und die gleichzeitige Tragik wechseln sich in einem angenehmen Wechselspiel der Emotionen ab und bieten schließlich Antworten auf die kleinen und großen Fragen des Lebens. Des Weiteren spielen die Schauspieler einfach grandios ihre Rollen, was wohl auch „A Long Way Down“ zu einem Großteil ausmacht. Im Großen und Ganzen eine sehr nette britische Komödie, welche richtig Spaß macht.

 

Gesehen von Robert Stemper

 

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