Technische Umwälzungen

Lange Jahre lang zeigten die Filmkameras das aufgenommene Bild nur durch Sucher, die sich neben oder oberhalb des Objektivs befanden. Der damit verbundene Paralaxenfehler machte sich insbesondere bei Personen, die nah vor der Kamera standen, störend bemerkbar.

Erich Kästner hieß der Chefkonstrukteur der Firma Arnold und Richter, dem 1937 eine technische Revolution gelang- die erste Spiegelreflex Filmkamera der Welt zu konstruieren. Seine Erfindung, die verspiegelte Umlaufblende erlaubte es, im Lauf und im Stand der Kamera das gleiche Bild, welches auf Film aufgenommen wurde, auch im Sucher zu betrachten. Diese Erfindung führte zur Arri IIa.

1949 entwickelte Kästner für den 16mm Bereich die Arri 16 ST, die erste professionelle 16mm Kamera.

Da die Kameras damals noch sehr laut waren, entwickelte Kästner für die 35 IIb damals eine Art Schallschutzummantelung, den sogenannten Kamerablimp.

Auch die 16 St wurde leise, man baute um sie herum ein geblimptes Gehäuse- so entstand die Arri 16 BL.

 

Wünsche der Zuschauer

Diese Entwicklung kommt den geänderten Sehgewohnheiten der Zuschauer entgegen. Viele möchten sich nicht mehr reglementierten Programmschemen unterwerfen, sondern selbst bestimmen, wann sie was sehen möchten.

Das Freizeitverhalten vor allem der jüngeren und mittleren Generation hat sich durch die vielfältigen Angebote so stark verändert, dass der klassische Abend vor dem Fernseher nicht mehr die Regel ist. Das bekommen die Fernsehveranstalter in Form von sinkenden Einschaltquoten mehr und mehr zu spüren.

Zeitversetztes Sehen oder auch Filme auf Abruf werden die Fernsehwirklichkeit der nahen Zukunft bestimmen.

 

Videothek aus dem Kabel

Für Video on Demand gab es in der Anfangszeit diverse Testreihen, an denen mehrer 100.000 User beteiligt waren. Fastweb in Italien, die Kingston Company in England oder die Telekom Austria etwa in Kärnten boten ihren Kunden bereits IP-Netze der nächsten Generation an.

FastWeb verfügte in Italien über ein Netz, welches schnelles Internet und TV über eine einzige Verbindung ermöglichte. Es bot diverse, sogenannte Mehrwertdienste, wie Fernsehen über das Breitbandnetz an. Wie in vielen anderen Netzen spielen Pay-TV-Fußballkanäle eine wichtige Rolle. Die Kunden konnten unter 120 Fernsehprogrammen in Rom, Neapel, Turin, Mailand und Genua wählen. FastWeb war der weltweit erste Netzbetreiber, der Fernsehen über ADSL-Leitung anbot. Damit stand das Unternehmen in direkter Konkurrenz zu Kabelfernsehen oder Satellitenübertragung. Das System hat sich bewährt, die Kundenzahlen erhöhten sich von Jahr zu Jahr um über 200 %.

Die Kingston-Company gehörte ebenfalls zu den europäischen Pionieren des IP-Fernsehens. Für  £50 Anmeldegebühr und  £6 monatlich konnte der Kunde ein Grundpaket mit den ITV und BBC Kanälen beziehen. Für £15 im Monat gab es bis zu 60 Kanäle. In der Anfangszeit war die monatliche Kundennachfrage höher, als die Zahl der Anschlüsse, die zur Verfügung gestellt werden konnten.

Die Telekom Austria warb für ihr Breitband-Fernsehen ganz offen damit, genau die immer schwerer wiegenden Nachteile des herkömmlichen Fernsehens zu umgehen. Da war von Multimedia Erlebnis die Rede, davon, dass man den täglichen Kampf um die TV-Fernbedienung und lähmende Werbepause vergessen könne. Die Telekom bot sogar Serverplatz zur Aufzeichnung von Inhalten an, damit die Kunden ihr Fernsehprogramm selbst gestalten konnten.

 

Interaktivität

Insbesondere Multimediaanwendungen wie Interaktives Fernsehen oder Online-Games profitierten von den erweiterten Bandbreiten und machten die Netzbetreiber indirekt zu Programmveranstaltern. Noch rätselt die Mehrzahl der Programmentwickler, wie denn die Killerapplikation im interaktiven Fernsehen aussehen könnte. Die meisten Entwicklungen gingen in der Anfangszeit eher in Richtung Shop-Systeme.

Internet und klassische Programmdistribution wachsen mehr und mehr zusammen, die Reaktionen auf Programminhalte via Chat oder Mail werden direkter, der Zuschauer beteiligt sich verstärkt an der Gestaltung.