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Daniela Lunkewitz und Jan Kurbjuweit in

Daniela Lunkewitz und Jan Kurbjuweit in "Franta

 

Die Neuverfilmung als solche

Ob „Ocean‘s Eleven“ (USA 2001) oder „Vanilla Sky“ (USA 2001), "Der Teufel trägt Prada" (USA 2026) oder Hannah Montana" (USA 2026) im Kino und Fernsehen wurden und werden mit hoher Regelmäßigkeit Filme aufgeführt, die es bereits schon einmal gab. Eigentlich merkwürdig, dass Neuverfilmungen (Remakes) fast ausschließlich in Amerika produziert werden. „Noch einmal machen“ ist das Motto, unter dem entweder ältere Filmerfolge oder nicht amerikanische Erfolgsfilme für eine neue Verwertung neu aufgelegt werden. In jedem Fall wird der Erfolg des Vorbilds als Produktions-Voraussetzung betrachtet.

Die amerikanischen Produzenten rechnen mit einem zweiten Erfolg, wenn man nur aktuelle amerikanische Stars in der gleichen, bereits früher erfolgreichen Geschichte platziert. Seltsamerweise bleiben die ursprünglichen Vorblider meist stärker in Erinnerung. Besonders spannend sind Remakes auch, weil man daran ablesen kann, wie die gleichen Stoffe kulturell, technisch und erzählerisch oft völlig unterschiedlich umgesetzt werden.

Dabei kommt es sehr darauf an, dass die Neuauflagen auch etwas Anderes mitbringen. Also nicht nur Vertrautes, das Format prägendes, Verweise auf das Vorbild, sondern eben auch Neues, Weiterentwicklungen die für eine neue Generation von Zuschauern attraktiv sind. Meistens sind die Hauptfiguren mit neuen Schauspielern besetzt, nicht selten treten aber die Besetzungen der Originalversion dann in Nebenrollen des Remakes auf. So werden auch die Zuschauer angesprochen, die das Remake aus nostalgischen Gründen anschauen.

 

Alles wird besser?

Dabei gäbe es durchaus unzählige Filme mit guten Ansätzen aber fehlerhafter Umsetzung, die durch eine Neuverfilmung deutlich verbessert, ja zu Erfolgen werden könnten. In diesem Fall hätten die Neuverfilmungen eine reale Chance, besser zu werden als die Vorbilder. Doch dieser Fall tritt praktisch nicht auf. Die amerikanischen Produzenten sind schließlich keine Dramaturgen, welche die Stärken und Schwächen vorhandener Filme abklopfen, sondern Geschäftsleute, die sich an den Einnahmen der Filme orientieren.

Stattdessen werden herausragende, nahezu perfekte Filme nochmals verfilmt, wodurch die Möglichkeiten für Verbesserungen weniger auf das Handwerk als vielmehr auf die spätere Vermarktung reduziert werden. Schlimmer noch, in vielen Fällen sind die Vorbilder trotz kleinerer Budgets den teuren Neuverfilmungen qualitativ überlegen. Besonders augenfällig wird dieses Phänomen, wenn Vorbild und Neuverfilmung sehr zeitnah oder gleichzeitig gestartet werden, wie es etwa bei „Vanilla Sky“ und dem Vorbild „Virtual Nightmare – Open Your Eyes“ („Abre los ojos“, Spanien/Frankreich/Italien 1997) von Alejandro Amenábar der Fall war. In diesem Fall übernahm Penélope Cruz ihre Rolle gleich in beiden Filmen. Oder wenn das Remake wie im Fall von "Funny Games" vom gleichen Regisseur wie beim Original (Michael Haneke) umgesetzt wird.

Manche Klassiker des Kinos sind sogar einige Male wieder verfilmt worden, wie beispielsweise der Hollywood-Klassiker "A Star Is Born" oder der Horror-Thriller "Invasion of the Body Snatchers".

Doch auch wenn der Aufwand zu vergleichen höher ist und man schon mal in ein Archiv gehen muss – wie bei „Ocean‘s Eleven“ und seinem Vorbild „Frankie und seine Spießgesellen“ („Ocean’s Eleven“, USA 1960) oder „Codename – Nina“ („Point of No Return“, USA 1993) und dem Vorbild „Nikita“ (Frankreich/Italien 1990), bleibt das merkwürdige Gefühl, dass es sich oft gar nicht gelohnt hat. Außer originäre Geschichten neu zu verfilmen und ggf. zu amerikanisieren, hat sich nicht viel getan. So schaffte es die französischen Komödie „Drei Männer und ein Baby“ („Trois hommes et un couffin“, Frankreich 1985) trotz amerikanischer Starbesetzung nur zu einem müden Imitat.

Zu den wenigen Remakes, die tatsächlich besser wurden, als das Original, gehören "The Thing from Another World", "Ocean’s 11", "The Departed" und "Scarface".

 

Was man nicht kennt

Da es um das Wissen vieler Amerikaner um die Filmkultur der restlichen Welt nach wie vor nicht zum Besten bestellt ist, geht die Rechnung der Produzenten auf; ein Vergleich mit den Vorbildern findet in der Regel nicht statt. Auch nach amerikanischen Vorbildern gedrehte Neuverfilmungen Asiatischer oder Europäischer Kinoerfolge werden vom größten Teil des vorwiegend jüngeren Kinopublikums als völlig neu wahrgenommen. Natürlich werden diese dann an den amerikanischen "Taste" angepasst, dafür werden die Figuren, der Humor, die Dramaturgie und natürlich die Locations „amerikanisiert.“ In den allermeisten Fällen werden Remakes nicht besser, wenn sie einfach nur kopiert werden. Wenn sie aber intelligent neu interpretiert werden, besteht zumindest die Chance, dass sich etwa neues, etwas kreativ anderes entwickelt.

Auch in Deutschland gibt es Beispiele, erfolgreiche Eigenproduktionen für das Fernsehen neu zu verfilmen. Unter dem folgerichtig „German Classics“ getauften Label produzierte Bernd Eichinger in den 90er Jahren Neuverfilmungen von „Charleys Tante“ (Deutschland 1934, 1955, 1963), „Die Halbstarken“ (Deutschland 1956), „Es geschah am helllichten Tag“ (Deutschland 1958) und „Das Mädchen Rosemarie“ (Deutschland 1959), welches Bernd Eichinger 1996 mit DOP Jörg Widmer neu verfilmte..

 

Erfolgsversprechen

Es drängt sich der Eindruck auf, dass es vor allem die Kassenwirkung der amerikanischen Stars ist, die im Vordergrund der meisten US-Neuverfilmungen steht. Doch es ist auch ein psychologischer Aspekt, der die Wertigkeit von Neuverfilmungen erhöht. Gegenüber der Vorstellungskraft, die Entscheider im Filmgeschäft aufbringen müssen, um aus den hunderten von Drehbüchern, die sie während eines Jahres lesen, die möglicherweise erfolgversprechenden herauszufinden, ist die Sichtung eines fertigen Films geradezu ein Vergnügen. Wohnen die Produzenten gar einer öffentlichen Aufführung des Vorbilds bei, haben sie sogar Gelegenheit, die Publikumsreaktionen live mitzuerleben – ein unschlagbares Verkaufsargument. Von der Kostenseite her ist der Erwerb von Buchrechten etwa europäischer Filme oft viel günstiger, als einen amerikanischen Starautor für sein Originaldrehbuch zu bezahlen.

 

Und die Vorbilder?

So manche europäische Filmemacher fühlen sich bereits geadelt, wenn eine US-Produktion die Stoffrechte für eine Neuverfilmung kauft. So mancher wähnte schon einen Fuß im amerikanischen Filmmarkt. Doch außer dem Geldsegen färbt auf die Urheber des Filmwerks durch die teurere amerikanische Neuverfilmung in der Regel nichts ab. Bestenfalls bleibt darüber hinaus eine höhere Anerkennung in der heimischen Filmbranche.

Oft genug hört man von den Neuverfilmungen nach dem Rechtekauf nie wieder etwas. Entweder wurden sie gar nicht verwirklicht oder gingen irgendwo als drittklassige TV-Produktionen unter. Jeder größere amerikanische Produzent hat mehr Buchrechte erworben, als er tatsächlich verwirklicht – nicht selten allein, um Stoffe, die den eigenen Projekten ähneln, aus dem Verkehr zu ziehen. Von Doris Dörries „Männer...“ (Deutschland 1985), Katja von Garniers „Bandits“ (Deutschland 1997) oder Caroline Links „Jenseits der Stille“ (Deutschland 1996) oder von Maren Ades "Toni Erdmann" Neuverfilmung hörte man bei uns nie wieder etwas. Bei "Tony Erdmann" weiß man zumindest, dass der ursprüngliche Hauptdarsteller der US-Version Jack Nicholson, das Hauptverkaufsargument, ausgestiegen ist, Drehbuchautoren und Regisseure mehrfach gewechselt wurden und auch ansonsten ein größeres Produktionschaos die Umsetzung bis 2026 verhindert hat.

 

Filme und ihre Remakes

  • Original: Scarface (USA, 1932), Regie: Howard Hawks
    Remake: Scarface (USA, 1983), Regie: Brian De Palma
  • Original: "A Star is born" 1937 (USA), Regie: William A. Wellman
    Remake: "A Star is born" 1954 (USA), Regie: George Cukor
    Remake: "A Star is born" 1976 (USA), Regie: Frank Pierson
    Remake: "A Star is born" 2018 (USA), Regie: Bradley Cooper 
  • Original: Shichinin no Samurai (Japan, 1954), Regie: Akira Kurosawa
    Remake: The Magnificent Seven (USA, 1960), Regie: John Sturges
  • Original: "Invasion of the Body Snatchers" 1956 (USA), Regie: Don Siegel
    Remake: "Invasion of the Body Snatchers" 1978 (USA), Regie: Philip Kaufman
    "Invasion of the Body Snatchers" 1993 (USA), Regie: Abel Ferrara
    "Invasion of the Body Snatchers" 2007 (The Invasion), Regie: Oliver Hirschbiegel 
  • Original: Psycho (USA, 1960), Regie: Alfred Hitchcock
    Remake: Psycho (USA, 1998), Regie: Gus Van Sant
  • Original: The Thing from Another World (USA, 1951), Regie: Christian Nyby
    Remake: The Thing (USA, 1982), Regie: John Carpenter
  • Original: "The Wicker Man" (UK, 1973), Regie: Robin Hardy
    Remake: "The Wicker Man" (USA, 2006), Regie: Neil LaBute
  • Original: "RoboCop" (USA, 1987), Regie: Paul Verhoeven
    Remake: "RoboCop" (USA, 2014), Regie: José Padilha
  • Original: „Nikita“ (Frankreich/Italien 1990, Regie Luc Besson)
    Remake: "Point of No Return" (Regie: John Badham, USA 1993)
  • Original: "Total Recall" (USA, 1990), Regie: Paul Verhoeven
    Remake: "Total Recall" (USA, 2012), Regie: Len Wiseman
  • Original: La Totale! (Frankreich, 1991), Regie: Claude Zidi
    Remake: True Lies (USA, 1994), Regie: James Cameron
  • Original: The Lion King (USA, 1994), Regie: Roger Allers & Rob Minkoff
    Remake: (USA, 2019), Regie: Jon Favreau
  • Original: Funny Games (Österreich, 1997), Regie: Michael Haneke
    Remake: Funny Games U.S. (USA, 2007), Regie: Michael Haneke
  • Original: Ringu (Japan, 1998), Regie: Hideo Nakata
    Remake: The Ring (USA, 2002), Regie: Gore Verbinski
  • Original: Infernal Affairs (Hongkong, 2002), Regie: Andrew Lau & Alan Mak
    Remake: The Departed (USA, 2006), Regie: Martin Scorsese
  • Original: Låt den rätte komma in (Schweden, 2008), Regie: Tomas Alfredson
    Remake: Let Me In (USA/UK, 2010), Regie: Matt Reeves
  • Original: Intouchables (Frankreich, 2011), Regie: Olivier Nakache & Éric Toledano
    Remake: The Upside (USA, 2017), Regie: Neil Burger
  • Original: "Oldboy" (Südkorea, 2003), Regie: Park Chan-wook
    Remake: "Oldboy" (USA, 2013), Regie: Spike Lee

Häufig drehen aber auch die US-Studios Remakes von US Produktionen. Wenn es sich um Serien handelt, bei denen die Zuschauer jahrelang eine Nähe zu den Figuren aufgebaut haben, ist das gar nicht so einfach. Eine spannende Variante stellt da die Fortsetzung von "Sex and The City" dar, in der die Originalbesetzung des Originals auftritt. Die Figuren sind zusammen mit den Zuschauern von damasl gealtert, die früheren Hauptthemen, Mode und Beziehungen sind geblieben. Es gibt also viele Möglichkeiten, eine Verbindung zu den früheren Vorbildern herzustellen. Oder aber man genriert aus einem erfolgreichen Vorbild ein Spin-Off, ein Prequel oder Sequel, aber das ist noch mal eine ganz andere Geschichte...

Thema: Filmtheorie Dieser Beitrag gehört zum Themenbereich Filmtheorie. Mehr zum Thema
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