Arri 416 1 2000

Arriflex 416, die letzte neuentwickelte professionelle 16 / Super 16 Filmkamera

 

Seit den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts war 16mm (Schmalfilm genannt) mit einer Bildgröße von 10 x 7,5mm das Amateurfilmformat schlechthin, wie kam es, dass daraus ab den 60er Jahren ein Profiformat wurde? Damit dies möglich wurde, mussten sowohl die Aufnahmematerialien verbessert werden, dies war zunächst vor allem die Erföhung der Empfindlichkeit, und die Kameras mussten hochwertiger und leiser werden.

 

Filmmaterialien

Die fühen Filmmaterialien waren nicht sehr Empfindlich. Das bedeutet, man benötigte künstliches Licht und konnte nahezu gar nicht in dunkleren Lichtsituationen mit vorhandenem Licht drehen. Da das 16mm Bild deutlich kleiner als das 35mm Bild war, musste es auch für die Projektion oder auch das Abtasten für das Fernsehen stärker vergrößert werden. Dabei wurde auch das Filmkorn vergrößert. Die Weiterentwicklung der Filmmaterialien konzentrierte sich also einerseits auf die Steigerung Empfindlichkeit der Silberhalogenide in der Emulsion und andererseits auch auf die Verkleinerung des Filmkorns.

1959 stellte Eastman Kodak ein empfindlicheres Schwarzweißmaterial her, das Double-X 5222 mit 200 ISO Empfindlichkeit. Natürlich wurde das Material nicht nur für 16 sondern auch für 35 mm hergestellt. Einige große Kinofilme entstanden auch auf dem Material wie beispielsweise "Raging Bull" (Martin Scorsese, 1980), "Schindler's Liste" (Steven Spielberg, 1993), "Stranger Than Paradise" (Jim Jarmush, 1984), "Kafka" (Steven Soderbergh, 1991), Teile von "I'm Not There" (Todd Haynes, 2007), Manhattan (Woody Allen, 1979) und diverse andere.

Ab den 60er Jahren wurden auch einstreifige Farbfilme in 16 mm angeboten. Die Negativfilme waren in Tungsten, also für Kunstlichtfarbtemperatur sensibilisiert. Ab 1983 stellte Eastman Kodak mit der T-GRAIN Emulsiontechnologie erhöhte Lichtempfindlichkeit höhere Auflösung und feineres Filmkorn zur Verfügung. Dies machte den Weg frei für höhere Bildqualität, für Super 16 und für Blow-Ups auf 35 mm.

 

Kameras

Arri 16ST 1 2000

Arriflex 16 ST mit  Zoomobjektiv 12-120 von Angenieux und aufgesetzter 120 Meter Kassette

 

1951 brachte Arri die 16 ST heraus, eine kompakte und zugleich zuverlässige 16mm Kamera für Profis mit einem Bajonett für drei Objektive. Man konnte sie sowohl sehr kompakt mit 30 Meter Tageslichtspulen als auch mit angesetzter Kassette mit 120 Meter Filmmaterial auf Plastikkernen verwenden. Die 120 Meter Kassetten brauchten einen eigenen Wickelmotor, der seinen Strom von der Kamera bezog. Den Motor konnte man abnehmen, und beim Kassettenwechsel an die mit frischem Material gefüllte Kassette ansetzen. Allerdings war die 16ST nicht gerade leise, für Originaltonaufnahmen war sie weitgehend ungeeignet.

Nachdem bereits in den 50er Jahren mit der Nagra ein kompaktes, mobiles Tonbandgerät für den lippensynchronen Originalton zur Verfügung stand, war es nur konsequent, dass die Kamerahersteller ebenfalls in diese Richtung entwickeln mussten. Die Kameras mussten leiser werden und die Motoren entweder Synchronsignale für die Tonbandgeräte liefern (Pilotton) oder gleich Quarzgenau laufen.

In den 60er Jahren machten dann auch erste kompakte professionelle 16 mm Kameras etwa von Eclair, später auch von Arri, es möglich, zusammen mit mobilen Tonbandgeräten wie der Nagra, Dokumentarfilme mit großer Beweglichkeit zu drehen.

 

BL Mat Spitra 2000

Arriflex 16 BL mit geblimptem Objektiv und aufgesetzter 120 Meter Kassette, hier mit dem Autor dieses Artikels während seines HFF Filmstudiums

 

Arri baute, um Originalton möglich zu machen, nach ein paar Jahren auch eine geblimpte (schallisolierte) Kamera, die 16 BL bei der sogar das Objektiv von einem Schallschutzgehäuse umgeben war. Das heißt nicht, dass die Kameras unhörbar waren, das Laufgeräusch war noch immer deutlich zu hören, aber es war ein Anfang. Direct Cinema und Cinema Verité währen ohne dieses Format und die kompakteren Kameras nie denkbar gewesen.

Mitte der 70er Jahre stellte Arri dann die SR vor, eine deutlich kompaktere und leisere Kamera als die 16 BL, die auch über ein drehbares Okular verfügte, dessen Bild stets aufrecht blieb. Der französische Kamerahersteller Aaton des Ingenieurs Jean-Pierre Beauviala, verkaufte ab Ende der 70er Jahre ebenfalls kompakte Kameras wie die LTR oder die XTR. Im Gegensatz zur Arri SR, die einen geraden Boden hatte, besaß die Aaton eine abgerundete Vertiefung, die sich organisch als Auflage auf die Schulter eignete.

Die vermutlich letzte professionelle Kameraentwicklung war die Arriflex 416. Statt der langjährigen Reihe von Arri SR Kameras noch eine Arri SR IV folgen zu lassen, entschied man sich bei Arri für eine Neuentwicklung. Interessanterweise verließ man damit das Konzept der flachen Bodenplatte der 16 SR Reihe und designte eine Vertiefung für die Schulter, so wie es Aaton bereits jahrzehntelang vorgemacht hatte. Dennoch kam die Arriflex 416 zu spät um einen wirtschaftlichen Erfolg mit analoge Film zu ezielen.

 

Das größere Bild

Aaton XTR 1 2000

Aaton XTR Super 16 mit DOP Jörg Widmer bei den Dreharbeiten zu "Liebe, Leben, Tod" (Regie: Mathias Allary)

 

Ende der 60 er Jahre, genauer im Jahre 1969 schließlich erfuhr der 16mm Film noch mal eine revolutionäre Weiterentwicklung, indem man den Randstreifen ebenfalls für das Bild mit verwendete. Das Format nannte sich Super 16 und ermöglichte 16:9 Bilder. Damit war es ein reines Aufnahme,- aber kein Projektionsformat. Filme, die in Super 16 gedreht wurden und werden, kopierte man entweder auf 35mm Kopien (Blow-Up) oder sie werden in 16:9 abgetastet bzw. gescannt und für ein DCP verwendet. Als Erfinder wird der schwedische Kameramann Rune Eriksson genannt, der unter anderem die Astrid Lindgren Verfilmung "Ronia Räubertochter" in dem Format drehte.

Aaton hat das Potential dieses Formats sehr früh erkannt und stellte rasch Kameravarianten her, bei denen der Anwender selbst auf einfache Weise zwischen 16mm und Super 16mm wechseln konnte. Dafür musste u.a. der Objektivmount leicht verschoben werden. Bei den Arriflex SR Kameras war eine derartige Formatumstellung über Jahrzehnte nur im Service von Arri möglich.

Über die schwenk,- und drehbare Sucherlupe, welche stets ein aufrechtes Bild zeigte, entbrannte 1985 ein Patentstreit zwischen Arri und Aaton, den Arri schließlich gewann. In Folge wurde Aaton insolvent, das Unternehmen wurde aber von einer Auffanggesellschaft gerettet.

 

Sorgfältiges Arbeiten

Gerade im Profibereich mit erhöhten Ansprüchen an die Qualität gab es viele Dinge zu bedenken, um Bildfehler zu vermeiden. Wenn man etwa die Filmschlaufen beim Einlegen zu kurz gemacht hat, zitterte das Bild bei der Projektion. Das konnte auch wegen unsachgemäßer Lagerung des Filmmaterials eintreten, wenn es geschrumpft war und außerhalb der Toleranzen für die Perforationsabstände. Staub, Fusseln, Filmabrieb waren weitere Fehlerquellen, welche im Bild Schaden anrichten konnten. Sogar Lichteinfall gehörte zu den gefürchteten Szenarien, dieser konnte beispielsweise vorkommen, wenn man das Auge vom Okular nahm und Sonnenlicht hinein fiel. Man musste also sorgfältig arbeiten, wenn man für die große Leinwand oder später für HD drehte.

Nachdem Fujifilm (2012) und Agfa (2012) die Produktion von analogem Filmmaterial eingestellt haben, ist Kodak der einzige verbliebende Lieferant dieses für unser Kulturerbe so bedeutenden Mediums. Wenn man Normal 16 mm eindigitalisieren möchte, kann man, je nach Filmmaterial von einer Auflösung von ca. 2 K  ausgehen. Beim Einscannen von Super 16mm können, ja nach Scanner vom Originalnegativ 2-3 K Auflösung erreicht werden. Man kann nur hoffen, dass Kodak durchhält und der analoge Film noch lange eine Option bleiben wird. Wer die Möglichkeit hat, einmal auf Film zu drehen, sollte dies unbedingt tun, es ist eine großartige Erfahrung.

 

Profi-Kameras

Auricon Cine Voice

Éclair NPR 16mm - 1967

Arriflex 16 St, 1957

Arriflex 16 M - 1960

Eclair NPR (Noiseless Portable Reflex)- 1961

Arriflex 16 BL - 1965

Arriflex 16 SR - 1975

Aaton LTR7, 1975, 

Aaton LTR 54, 1978

Arriflex SR II - 1982

Arriflex SR III - 1993

Aaton Minima  2000

Arriflex 416 - 2006

Bolex H16 Professional

Beaulieu News 16mm

Cinema Products CP Baby

Aaaton 16 XTR

Aaton XTRplus, XTRProd

ACL

Mitchell Model R16SS

 

Banner Virtual Reality Buch Schmal 2000