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Frontlinse eines Objektivs an einer EB Kamera

 

Hochauflösendes Video fürs Kino

Die Wahl, ob Sie auf Film oder digital drehen, war lange Zeit eine Entscheidung über Qualität, Aussehen (Look), Produktionskosten und Vertriebsmöglichkeiten. Über Jahrzehnte hinweg hat die Industrie daran gearbeitet, die Qualität im Kino immer weiter zu verbessern. Inzwischen wurde der analoge Film durch digitale Aufnahmen abgelöst, die Filmhersteller haben bis auf Eastman/Kodak aufgegben, die analogen Materialien weiter zu bedienen. Und tatsächlich erreicht und übertrifft im High-End-Bereich die digitale Cinematographie die Qualität des analogen Klassikers. Grund genug, sich die Parameter genauer anzuschauen.

 

Kosten

Beginnen wir mit den Kosten. Lange Zeit galt digitales Drehen als deutlich günstiger als analoger Film. Tatsächlich hängen die Produktionskosten heute jedoch stark vom gewünschten Qualitätsniveau, Workflow und Anspruch der Produktion ab. High-End-Digitalproduktionen können genauso teuer sein wie klassische 35mm-Produktionen – teilweise sogar teurer.

Der wichtigste Unterschied: Beim analogen Film entstanden hohe laufende Materialkosten für Rohfilm, Entwicklung und Kopierung. Digital entfallen diese Kosten weitgehend, dafür entstehen andere Ausgabenbereiche.

  • Hochwertige Cine-Kameras, Objektive, Monitore, Funkstrecken, Speichermedien und Zubehör sind teuer. Moderne High-End-Kamerasysteme wie ARRI Alexa, Sony Venice oder RED bewegen sich preislich auf sehr hohem Niveau.
  • Digitale Produktionen benötigen häufig zusätzliche Spezialisten wie DITs (Digital Imaging Technicians), die Datenmanagement, Backups, Farbkontrolle und technische Überwachung am Set übernehmen.
  • Die enormen Auflösungen und RAW-Formate moderner Kameras erzeugen große Datenmengen. Speicherung, Backup, Archivierung und Postproduktion verursachen deshalb erhebliche Kosten.
  • Digitale Bilder werden heute fast immer intensiv nachbearbeitet. Color Grading, VFX, Rauschreduktion, HDR-Mastering und Look-Entwicklung sind oft fester Bestandteil professioneller Produktionen.
  • Der Lichtaufwand hat sich verändert: Moderne Sensoren benötigen zwar oft weniger Licht als analoger Film, gleichzeitig stellen HDR, hohe Auflösungen und empfindliche Sensoren höhere Anforderungen an präzise Lichtgestaltung und Produktionsdesign.
  • Auch die Kinoauswertung verursacht weiterhin Kosten. Für Kinovorführungen werden meist DCPs (Digital Cinema Packages) benötigt. Erstellung, Qualitätskontrolle und Versand kosten Geld, auch wenn es inzwischen vergleichsweise günstige Softwarelösungen und DIY-Workflows gibt.
  • Streamingplattformen, HDR-Master, verschiedene Seitenverhältnisse, Social-Media-Versionen und internationale Deliverables erhöhen zusätzlich den technischen Aufwand moderner Produktionen.

Gleichzeitig bietet die digitale Produktion auch deutliche Einsparpotenziale: Sofortige Bildkontrolle am Set, praktisch unbegrenzte Aufnahmedauer, geringere Materialkosten und vereinfachte Distribution haben viele Produktionsabläufe beschleunigt und demokratisiert. Besonders kleinere Produktionen profitieren davon erheblich.

Unterm Strich ist Digitaltechnik heute nicht automatisch billiger als analoger Film – sie verschiebt die Kosten lediglich in andere Bereiche der Produktion und Postproduktion. Doch schauen wir etwas genauer auf die Qualitätsfaktoren.

 

Farbraum

Der Film hat (noch) einen minimal größeren Spielraum und einen etwas größeren Farbraum zu bieten, ist einfach flexibler und die Bilder haben mehr Brillanz, was auch bei einer späteren Bearbeitung noch für Reserven sorgt. Je höher die Qualität des Ausgangsprodukts, desto besser die Bearbeitungsvariationen und die Endprodukte. Die meisten von uns haben diese Erfahrung schon einmal gemacht: Will man ein besonders farbintensives Bild malen, so bieten uns die verschiedenen Farben und Verfahren eine ganz unterschiedliche Brillanz. Mit Öl- oder Lackfarben sind einfach andere Farbkontraste und Dichten möglich, wie etwa mit Kreide oder Buntstiften. Ähnlich verhält es sich mit den verschiedenen Farbtiefen der wichtigsten Bildmedien. Da wir Sie unmöglich gleichzeitig in einen dunklen Kinosaal, vor einen TV-Monitor und in eine digitale Projektion mitnehmen können, lassen sich die verschiedenen Farbräume nur simulieren. Schließlich ist es ein Computerbildschirm, auf dem Sie diese Seite betrachten. Und jeder Bildschirm ist ein wenig anders, daher kann dieser Vergleich nur symbolisch sein. Die folgende Grafik zeigt die Grenzen der verschiedenen Medien auf.

 

Farbmodelle CMY(K)/RGB und Beamer-Projektion

 

Auflösung

Die Qualität und Informationsdichte von 35mm-Film ist im Idealfall weitaus höher als bei HD Video. Und das nicht nur in der ersten Generation (Original-Filmnegativ), sondern auch in guten Kinokopien, die davon gezogen werden. Man darf sich da nicht von Begrifflichkeiten wie 4 K oder gar 8 K irritieren lassen, denn auf dem Weg zum Zuschauer geht von der theoretischen Qualität durch diverse Kompressionsalgorythmen sehr viel verloren. Wäre die Entwicklung von Filmemulsionen weiter voran getrieben worden, wären angeblich 8 bis 10 K möglich gewesen.

HDTV mit Full-HD (1920 × 1080 Pixel) war über viele Jahre der Standard im Fernsehen. Inzwischen haben sich jedoch 4K/UHD-Formate (3840 × 2160 Pixel) bei Streamingdiensten, hochwertigen Fernsehern und modernen Produktionen weitgehend etabliert. Klassisches Fernsehen sendet allerdings häufig weiterhin in HD, da 4K höhere Produktions-, Speicher- und Übertragungskosten verursacht. Parallel dazu entstehen bereits erste Produktionen in 8K, vor allem für Spezialanwendungen und Archivierung.

Die Auflösung beschreibt, wie viele Bildpunkte beziehungsweise Linien nebeneinander dargestellt und noch getrennt wahrgenommen werden können. Bei 4K sind dies rund 4000 Pixel beziehungsweise Bildpunkte in der Breite. Je höher die Auflösung, desto detailreicher und schärfer wirkt das Bild – insbesondere auf großen Leinwänden oder modernen Displays.

 

Vereinfachte Darstellung - Vergleich der Auflösung eines analogen 35mm-Films und eines eines HDTV-Bildes in sehr starker Vergrösserung

 

35mm-Film besitzt keine feste Pixelauflösung, da es sich um ein analoges Medium handelt. Je nach Filmmaterial, Objektivqualität, Belichtung und Scanverfahren entspricht seine Detailwiedergabe ungefähr 4K bis 6K, in manchen Fällen sogar darüber. Zudem wurde analoges Filmmaterial bis weit in die 2000er Jahre technisch weiterentwickelt.

Hohe Auflösungen sind nicht nur für die reine Bildqualität wichtig, sondern auch für die Nachbearbeitung. Wer beispielsweise digitale Bildausschnitte vergrößern, Stabilisierung anwenden oder visuelle Effekte integrieren möchte, profitiert von zusätzlicher Auflösungsreserve. Auch bei der Kompression für Streaming, Blu-ray oder andere Formate liefert hochwertiges Ausgangsmaterial meist sichtbar bessere Ergebnisse, da feine Details und Farbverläufe sauberer erhalten bleiben.

 

Kontrastumfang / Dynamikumfang

Der Dynamikumfang moderner Digitalkameras hat sich in den letzten Jahren enorm verbessert. Während frühe Video- und HDTV-Kameras häufig nur acht bis neun Blendenstufen sauber darstellen konnten, erreichen aktuelle Cine-Kameras heute oft 14 bis 17 Blenden Dynamikumfang – zumindest unter optimalen Bedingungen und bei Aufnahme in Log- oder RAW-Formaten.

Trotzdem gilt weiterhin: Szenen mit extremen Helligkeitsunterschieden – etwa Gegenlichtsituationen, helle Fenster oder direkte Sonnenreflexe – verlangen große Sorgfalt bei der Lichtsetzung und Belichtung. Werden Spitzlichter überbelichtet, „clippen“ sie und enthalten keinerlei Bildinformationen mehr. Diese ausgefressenen Bereiche lassen sich auch in der Farbkorrektur meist nicht vollständig retten. Umgekehrt können stark unterbelichtete Schattenpartien verrauschen oder an Detailzeichnung verlieren.

Die Herausforderung besteht deshalb darin, einen sinnvollen Kompromiss zwischen Schattenzeichnung und Highlight-Erhalt zu finden. Moderne Kameras mit HDR-, Log- oder RAW-Aufzeichnung bieten hier deutlich größere Reserven als frühere Videosysteme. Gleichzeitig bleibt eine präzise Lichtgestaltung am Set entscheidend.

Früher wurde häufig behauptet, HDTV-Systeme würden etwa elf Blenden Kontrastumfang erreichen. Solche Angaben waren jedoch oft theoretischer Natur und bezogen sich auf die Signalverarbeitung oder Bit-Tiefe, nicht unbedingt auf die tatsächlich nutzbare Bildinformation des Sensors. Die einfache Faustregel, dass der Dynamikumfang ungefähr einer Blende weniger als der Bit-Tiefe entspricht, greift in der Praxis nur sehr eingeschränkt, da Sensorrauschen, Elektronik, Codec und Signalverarbeitung ebenfalls entscheidend sind.

Heute erreichen hochwertige Kameras wie die ARRI Alexa 35, Sony Venice 2, RED V-Raptor oder Blackmagic URSA Cine unter Praxisbedingungen Werte, die dem analogen Negativfilm sehr nahekommen oder ihn teilweise sogar übertreffen. Dennoch besitzt analoger Film nach wie vor besondere Eigenschaften bei Highlight-Roll-Off, Farbwiedergabe und Überbelichtung, die viele Kameraleute weiterhin schätzen.

Zusätzlich verändert HDR (High Dynamic Range) die Anforderungen an Produktion und Wiedergabe. Moderne HDR-Displays können deutlich größere Helligkeitsunterschiede darstellen als klassische Fernseher oder Kinoprojektoren. Dadurch werden Belichtung, Lichtsetzung und Farbkorrektur noch wichtiger, weil Fehler in Highlights oder Schatten heute viel deutlicher sichtbar werden können.

 

Schärfentiefe Film und Digitale Cinematographie

Die CCD-Chips in den frühen Videokameras waren sehr klein, wodurch eine enorme Schärfentiefe entstand. Wenn man so etwas will ("Citizen Kane") ist es wunderbar, will man es aber nicht, hatte man ein Problem. Inzwischen sind Fullframe Sensoren im Profibereich die Regel, da kann man die Schärfentiefe bestens steuern.

 

Vergleich hohe und geringe Schärfentiefe an einem Standbild aus "Franta" mit Nicole Ansari und Jan Kurbjuweit in den Hauptrollen

 

Konnte man im Schwarzweißfilm die Aufmerksamkeit der Zuschauer neben der Kadrage und der Schärfentiefe auch stark über das Licht steuern, so kommen beim Farbfilm die Farbkontraste als zusätzliche Ablenkungsgefahr hinzu. Sie konkurrieren mit den Helligkeitskontrasten. Einen speziell mit großer Schärfentiefe arbeitenden Film wie "Citizen Kane" heute in Farbe zu drehen wäre mit Sicherheit ungleich schwieriger als in Schwarzweiß. Es sind die speziellen Schärfenverhältnisse bei 35 mm, die zum typischen Kinolook gehören. Um sich diesem Look mit Video zu nähern (wenn man nur wenig Tiefenschärfe will), sind Vollformat-Chips notwendig, die es lange Zeit nur nur in teureren Kameras gab. Wer diese nicht hatte, musste längere Brennweiten verwenden und mit weiter oder gar offener Blende drehen. Doch nach und nach fallen auch hier die Einstiegspreise.

Alternativ wird sie auch durch Bildbearbeitungsprogramme für künstliche Unschärfe (Post Effects Blur Tools) nachträglich optimiert. Doch das Ergebnis ist dennoch ein anderes. Bei szenischen Produktionen mit HDTV wird auch gerne mit Nebelmaschinen oder Imkerpfeifen der Hintergrund mit Dunst versehen, um die übergroße Tiefe zu reduzieren. Also verständlich, weshalb die Meisten mit Vollformat-Kameras drehen wollen, ein Wunsch der von der Industrie zunächst nur sehr langsam bedient wurde.

 

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