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Sat Bavaria 4000

 

Ein vertikales 20-Sekunden-TikTok-Video, ein abendfüllender Spielfilm in IMAX und eine Netflix-Serie können wenn sie die gleiche Geschichte erzählen wollen, dies nicht auf die gleiche Weise tun. Die jeweilige Dauer, Technik, Plattform und User-Situation haben natürlich Einfluss auf Dramaturgie, Bildgestaltung und mehr.

 

Das Medium bestimmt seinen Inhalt

Diese Aussage ist sehr umstritten und doch steckt bei näherem Hinsehen viel Wahrheit darin: Neben sozialen Faktoren hat kaum etwas die Entwicklung des Mediums Film mehr bestimmt als die Technik, welche der Aufnahme, Verarbeitung und vor allem der Wiedergabe der Inhalte zugrunde liegt. Während die erstgenannten Faktoren in anderen Bereichen der Filmschule (Kamera, Licht, Ton, Gestaltung, Postproduktion) behandelt werden, geht es hier um Übertragung und Wiedergabe des wertvollen Materials und die Konvertierung zwischen verschiedenen Medien.

Es sind eben nicht mehr nur das Filmformat, die Fernsehnorm oder das Projektionsverfahren die Form und visuelle Anmutung eines Films bestimmen. Es sind heute auch die verwendeten Flatscreens, Streaminganbieter, Datenformate, Algorithmen und die jeweilige mobile Empfangs,- und Betrachtungssituationen welche mitbestimmen, auf welche Weise audiovisuelle Inhalte produziert, gestaltet und angeschaut werden.

 

Fragen jenseits der Gestaltung

Was sind die Voraussetzungen, damit ein analog auf 35-mm-Film gedrehter Kinofilm gestreamt, oder in ein ein DCP für die Kinoprojektion gewandelt werden kann und wie kann dieser Film als HDR-Version auf Flatscreen, Tablet und Smartphone konsumiert werden?

Wie funktionieren Satellitenübertragungen und wie arbeiten analoge, wie digitale Filmprojektoren? Wie funktionieren 35-mm-/70-mm-Filmprojektoren bei analogem Film, wie digitale Kinoprojektoren mit DLP und wie arbeitet Laserprojektion? Wie arbeiten Blu-Ray, DVD oder Video-CD, wie Ultra HD Blu-ray, Streaming, Video-on-Demand, Mediatheken oder Cloud/CDN? Wie gelangen Filme auf unsere Fernseher, Computerbildschirme, Tablets, Smartphones und vielleicht auf unsere VR-/XR-Headsets?

Bild- und Toninformationen werden auf vielfältigste Weise transportiert, bearbeitet, archiviert und wiedergegeben. Kreative und Programmgestalter können und sollten sich längst nicht mehr nur in einem Wiedergabemedium bewegen. Vielfältige Vertriebswege eröffnen ihren Filmen eine größere Verbreitung und die Begegnung mit einem größeren Publikum. Zugleich berauben aber die immer weiter zunehmenden Vertriebswege die klassischen TV-Anbieter auch ihrer Zuschauer, welche ihre freie Zeit auf immer mehr Informations- und Zerstreuungswege aufteilen.

 

Digitale Formate

24p und 25p galten in der frühen Digitalvideozeit als etwas Besonderes, inzwischen ist die progressive Bildaufzeichnung (Non Interlaced) und sind digitale Kinokameras der normale Produktionsalltag.

Der Umstieg von analogem chemischem Filmmaterial auf digitale Kameras ist weitgehend abgeschlossen. Er hatte durchaus Einfluss auf die visuelle Umsetzung neuer Filme und auch einschneidende Veränderungen beim Vertrieb. Die Herstellung und der Vertrieb von Filmkopien wurden abgelöst. Statt schwerer und teurer 35-mm-Kopien werden Filme überwiegend als DCP Festplatten ausgeliefert oder gleich elektronisch übertragen.

Nicht zuletzt ist auch die Wirkung der Filme auf die Zuschauer abhängig von ihrer Wahrnehmung. Es bleibt eben doch ein gewaltiger Unterschied, ob man ein Filmwerk als hochwertige Filmprojektion in einem dunkeln Kinosaal (vielleicht sogar mit Rundum-Filmton wie z. B. mit Dolby Atmos) gemeinsam mit anderen Zuschauern oder allein als komprimierten Datenstrom am heimischen Flatscreen betrachtet.

 

Mobile Media

Damals: Wenn es einen Bereich gab, von dem sich die Industrie größere Zuwachsraten als sonst erwartete, so war es jener, der versprach, über Smartphones und Tablets, mobile TV- und Videoangebote zu verbreiten. Dabei war damals mehr als ungewiss, ob die Anwender die dafür angedachten hohen Gebühren überhaupt tragen würden, ob die Bandbreiten, welche die Handynetze bereitstellen, überhaupt für eine größere Anzahl mobiler Zuschauer ausreichen würden und ob es dem Zuschauer ausreichen würde, auf kleinen Displays Filme mit Zusatzkosten anzuschauen. In den ersten Jahren des mobilen Fernsehens war nämlich gar nicht sicher, ob Zuschauer längere Videos auf kleinen Handydisplays ansehen würden. Heute stellt das niemand mehr in Frage.

In den ersten Jahren mobiler Videoangebote galten UMTS und HSDPA als Zukunftsformate. Inzwischen ist sind aber die Smartphones dieser Generation längst überholt. Deutsche 3G-Netze wurden 2021 abgeschaltet. Mobile Video funktioniert heute vor allem über LTE und 5G.

 

Streamingtechnik

Inzwischen werden Filme auf unterschiedlichste Weise bei Streaminganbietern bereitgestellt. Diese halten einen Film nicht einfach nur in einer Fassung auf ihren Servern sondern sie erzeugen aus einem Master verschiedenste Varianten. Vom Video-Master werden durch entsprechendes Encoding unterschiedlichste Auflösungen/Datenraten bereitgestellt und je nach Bedarf, ob CDN, Internet/Mobilfunk und abhängig vom Endgerät ausgeliefert.

 

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