Auf’s Wetter lässt sich nicht warten!

Schublade, aus der Zeitungsauschnitte quillen

Die hohe Kunst der Spezialeffekte stellt die Zusammenführung verschiedenster Wetterbedingungen dar. Wind, Regen und besonders effektvoll auch Springflut werden immer wieder gerne als dramatische Momente in Spielfilmen verwendet.

 

Natürlich setzt niemand seine Schauspieler und das Team realen Stürmen aus; es wäre zudem absurd, mit der Crew auf solch ein Wetter zu warten. Vielmehr sind die Trick- und Spezialeffekt-Leute gefragt.

 

Im Wasserbad

Besonders schwierig wird es, wenn das Meer ins Spiel kommt. Früher wurden Schiffe, die in Seenot gerieten, als Modelle nachgebaut und in großen, mit Wasser gefüllten Zinkwannen im Trickstudio den Wellen ausgesetzt. Windmaschinen und dramatische Lichteffekte verhalfen diesen Trickaufnahmen unzählige Male zu akzeptabler, aber nicht perfekter Qualität.

Größte Schwachstelle dieser Lösung war stets die Größe der Wassertropfen. Die lassen sich nun mal nicht beliebig miniaturisieren und fallen einfach auf, wenn sie im Vergleich zum sinkenden Schiff noch beachtliche Größe erreichen. Damit kann man niemanden mehr in die Kinos locken.

 

Im Vordergrund aber ist nach wie vor die klassische „Handarbeit“ gefragt. Sprinklerrohre lassen es von oben auf die Schauspieler regnen, Windmaschinen pusten ihnen den Sturmwind um die Ohren und kleinere Wellen bis etwa ein Meter Höhe durchnässen sie zusätzlich. Für die Schauspieler also durchaus sehr unangenehme Arbeitsbedingungen.

 

In der Trickbearbeitung werden diese Aufnahmen dann mit realen oder künstlich generierten Sturmaufnahmen kombiniert und aufwändig bearbeitet. Dabei werden oft arbeitsteilig mehrere Spezialisten eingesetzt. Während der eine sich um die Wellen kümmert, arbeitet ein Anderer an den Schaumkronen, ein Dritter am Gewitter und ein Vierter vielleicht am Regen im Hintergrund.

 

Instant Regen

Die Sprinklerrohre sind handelsübliche Wasserrohre mit Gewinde (für Schlauchanschluss), die nachträglich an einem Ende zugelötet und mit zahlreichen nebeneinanderliegenden Bohrungen (wie Perlen an einer Kette) versehen sind. Die Größe der Bohrungen entscheidet darüber, ob die Wassertropfen groß genug sind, damit die Kamera sie auch tatsächlich wahrnehmen kann. Das ist nämlich gar nicht so einfach.

 

Natürlich lassen sich mit diesen Sprinklerrohren nur relativ begrenzte Ausschnitte verregnen. Die Rohre werden in ein Gestell eingehängt, welches das Rohr über dem Bildausschnitt und natürlich in sicherer Entfernung zu Kamera und Scheinwerfern platziert. Oft verwendet man für Vordergrund und Hintergrund jeweils ein solches Gestell.

 

Die Bohrungen werden so ausgerichtet, dass sie nach oben zeigen. Damit wird sichergestellt, dass das Wasser erst einen kleinen Bogen durch die Luft macht, dann sehen die Tropfen realistischer aus. Das Wasser kommt im Idealfall aus Hydranten oder Hauswasserleitungen. Es gibt aber auch Situationen, in denen es aus großen Kunststofftanks stammt. In diesem Fall lassen sich sintflutartige Regenfälle oder gar Stürme allerdings kaum simulieren.

Für diese Fälle ist eher die Feuerwehr zuständig. Mit Spezialdüsen kann man auch schon mal eine Totale im künstlichen Regen drehen.