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Fussballfeld 4000

 

Trügerische Hoffnung

Das Gebührenaufkommen von über 8 Milliarden Euro jährlich ist angeblich zu gering, doch die Öffentlich Rechtlichen finden immer wieder Wege, noch mehr Geld auszugeben. Als 2019 beim Wettbieten um die Fußballrechte die Telekom das Rennen machte und ARD und ZDF passen mussten, gab es lobende Kommentare. Endlich mal würden keine Unsummen der Gebührenzahler ungefragt in Fußballrechte gesteckt. Und die Fußballfans würden ihre Spiele ja auf den Privatsendern trotzdem zu sehen bekommen...

Doch die Freude war verfrüht, 2021 haben ARD und ZDF genau diese Free-TV Rechte überraschend zum größten Teil von der Telekom, die ohnehin nur verschlüsselt streamt, gekauft. Welch ein seltsamer Geniestreich...

 

Lizenzen und Sündenfälle

Dabei war der Sport im deutschen Fernsehen in der Anfangszeit eher ein wenig beachtetes Randereignis und die Intendanten der ARD Fernsehanstalten befanden sogar, dass das öffentlich rechtliche Fernsehen ein wichtiges Kultur-Medium sei und Sport doch eher etwas Banales. Die gesendeten Fußballspiele kosteten sowohl im technischen Aufwand als auch von den Rechten her wenig, man zahlte an die jeweiligen Fußballvereine bis zu 2000,- DM pro Spiel. Es war die Fußball WM 1954, welche das Fernsehen in Europa beliebter machte. Die Hersteller von Fernsehgeräten konnten ihre Verkäufe vervielfachen. Ende der 50er Jahre beschwerten sich einige Fußballvereine, dass weniger Zuschauer in die Stadien kämen, weil sie die Spiele am Fernsehen verfolgen würden. Für die Weltmeisterschaft 1958 wurden folglich für zehn Spiele 1,2 Millionen DM von den europäischen Fernsehanstalten und dem holländischen Fernsehgerätehersteller Philips für die Rechte bezahlt. Der Anteil der ARD betrug 160.000 DM.

Lange Jahre lang machten sich ARD und das neu hinzu gekommene ZDF dann Konkurrenz, was die Fußballübertragungen angeht, was manchmal dazu führte, dass auf beiden Systemen das gleiche Spiel parallel übertragen wurde. Die Sender waren unfähig, miteinander Absprachen zu treffen, schlugen Langzeitvereinbarungen mit dem DFB aus und als dann Ende der 80er Jahre private Fernsehsender in Deutschland zugelassen wurden, sollte sich die Situation ziemlich bald ändern. In den ersten Jahren durften die Privatsender lediglich kurze Ausschnitte aus Spielen senden und verfügten schlicht nicht über das Geld, selber Lizenzen zu erwerben. In den 90er Jahren kamen Pay-TV Systeme in Deutschland auf, die es ermöglichten, Fernsehrechte mehrfach zu verkaufen,- einmal für verschlüsseltes Programm und einmal für frei zugängliches Programm. "Premiere", das heutige "Sky" wurde so in Deutschland zu einem entscheidenden Preistreiber.

Der größte Sündenfall begann 1992, als sich ein Tochterunternehmen der Kirch-Gruppe (Gründer von Pro7 Sat1) die Rechte für fünf Spielzeiten für seinerzeit astronomisch anmutende 700 Millionen DM erwarb und damit dem eigenen Sender Sat.1, die Übertragungsmöglichkeiten sicherte. Als nach dem Konkurs der Kirch-Gruppe 2003 ARD und ZDF wieder mitboten, waren die Lizenzpreise, welche für Fußballübertragungen gefordert wurden, weiter angestiegen. Von den 80er Jahren, wo etwa 12 Millionen DM bezahlt wurden, bis heute haben sich die Kosten mehr als versiebzigfacht.

Allein alle Übertragungsrechte für die Bundesliga kosten 2021 bis 2025 pro Jahr 1,1 Milliarden Euro, welche sich voraussichtlich auf Sky, DAZN, Sat1, ARD und ZDF verteilen. ARD und ZDF tragen hierbei einen deutlich kleineren Anteil als Sky. Aber das ist nur eines von vielen Paketen, welche von den Fußballvermarktern angeboten werden, Champions-League, Europameisterschaft, Weltmeisterschaft sind weitere Pakete. Und das Pokern geht munter weiter...

 

Plötzlich durch die Hintertür...

Fussballfeld 2 4000

 

Nun also haben ARD und ZDF die Free-TV Rechte quasi zur Hintertür (zum gößten Teil von der Telekom, die ohnehin nur verschlüsselt streamt), doch gekauft. Bezahlt aus den Rundfunkbeiträgen. Was war eigentlich noch mal der Auftrag der öffentlich rechtlichen Sender? Von Erfolgsquoten unabhängiges Kultur,- Informations und Bildungsprogramm zu machen.

Die Verantwortlichen rechtfertigen die aberwitzigen Lizenzsummen gerne mit den hohen Einschaltquoten von bis zu 70 % bei Entscheidungsspielen unter Beteiligung der Deutschen Nationalmannschaft. Der kleine Haken an dieser Darstellung ist die Vorgehensweise, dass die GFK und andere Erfassungsunternehmen aus ihrer Testgruppe, die aus etwas über 10500 Personen (5000 Haushalte) besteht, auf die Gesamtbevölkerung hochrechnet. Tatsächlich aber wird der Anteil Jener, die gar kein Fernsehen schauen, immer größer. Laut Statista lag der Anteil der Menschen in Deutschland, die gar kein Fernsehen schauen, bei etwa 30 %

Und diese 30 % plus jene 30 %, die beim Endspiel nicht zuschauen, sondern ein anderes Programm wählen, zahlen brav die Riesensummen an die FIFA für Fußballübertragungsrechte mit. Das ist weder Kultur,- noch Bildungsauftrag, liebe ARD und ZDF und auch die Informationsfreiheit muss nicht geschützt werden, denn die Spiele werden in jedem Fall immer irgendwo übertragen. Ob das auf einem Privatsender oder öffentlich rechtlich stattfindet, macht für die Zuschauer nicht wirklich den Unterschied.

Niemand hat etwas dagegen, wenn ARD und ZDF Fussballspiele übertragen, doch nicht um jeden Preis. Dass sie sich hilflos zu (im Vergleich zu den übrigen Filmen und Sendungen) exorbitant hohen Lizenzzahlungen treiben lassen,- darin liegt das eigentliche Problem. Denn das übrige Programm leidet sehr darunter und die angeblichen Einsparungsversuche der Sender ebenfalls.

Vielleicht sollte man sich das Thema etwas genauer anschauen, wenn die Senderverantwortlichen wieder Kürzungen bei Spiel,- und Dokumentarfilmproduktionen vornehmen, weil die Beiträge angeblich zu niedrig seien.

 

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