Bachelorhut 2 4000 

Woran erkennt man eigentlich, wie gut oder schlecht Filmhochschulen sind? Staatliche Filmhochschulen sind nicht automatisch genial und private nicht automatisch schlechter. Es gibt gute aber auch mittelmäßige bis schlechte Anbieter. Welche Kriterien sind wirklich wichtig? Diese Fragen stellt sich jede*r, die / der erwägt, Film,- und Medienstudiengänge zu belegen.

Ein schwieriges Kapitel, denn natürlich wollen alle nach Außen perfekt aussehen. So arbeiten manche private Hochschulen mit den gleichen Methoden, mit denen sich auch Industriesparten wie die Lebensmittelindustrie oder die Automobilbranche aufhübschen. Staatliche Filmhochschulen sind da viel  zurückhaltender, sie haben lediglich Abteilungen für Öffentlichkeitsarbeit, also Public Relation, während private Hochschulen aufwändige Marketingsysteme betreiben, um sich in der Außensicht möglichst positiv darzustellen.

Doch wie kann man sich dann ein objektives Bild machen, von der Qualität einer Hochschule, schließlich kosten manche private Studiengänge durchaus so viel wie ein Mittelklasse-Wagen und nicht wenige Studierende nehmen sogar Kredite auf und jobben parallel zum Studium, um die Beträge überhaupt bezahlen zu können. Es geht also um Einiges. Deshalb hier einige Qualitätskriterien:

 

Anerkannte FH oder zugekaufte Abschlüsse?

Normalerweise benötigt eine Hochschule, ganz gleich ob staatlich oder privat, eine staatliche Anerkennung. Diese garantiert gewisse Standards und Qualitätsanforderungen. Schon hier gibt es beachtliche Unterschiede.

Mit Filmausbildung wird Geld verdient und es gibt allerlei Möglichkeiten, wie sogar Einrichtungen, die extrem weit vom Level einer Hochschule oder Universität entfernt befinden, Bachelor,- oder Masterabschlüsse anbieten können. Für Geld ist vieles möglich, es gibt regelrechte Franchise Modelle, bei denen echte Hochschulen aus der ganzen Welt irgendwelchen Lehrinstituten entweder ECTS Punkte für Lernmodule (gegen Bezahlung) anerkennen oder auch die Durchführung eines ganzen Bachelor,- oder Masterstudiengangs als Kooperation (gegen Bezahlung) ermöglichen. Auf diese Weise können selbst Filmclubs oder Workshopanbieter ohne jede Hochschulerfahrung und Professor*Innen ECTS Punkte vergeben. Einen Bachelor oder Master erhält man jedoch stets nur von der kooperierenden Hochschule, die sich nicht selten im Ausland,- häufig in England befindet.

Die jeweiligen Anbieter zahlen dann stattliche Beträge an die jeweiligen echten Hochschulen für diesen Service und die Papiere. Entsprechend teuer sind dann auch diese Studiengänge. Im Besten Fall kontrollieren die "eigentlichen" Hochschulen ab und an die sogenannten Bildungsträger, manchmal findet auch nicht einmal das statt. Bei manchen müssen die Studierenden dann irgendwann an den Ort der echten Hochschule reisen um die Abschlussprüfungen abzulegen. Seit Corona genügen da häufig auch Zoom-Prüfungen. Aber wir wollen an dieser Stelle eher über echte, staatlich anerkannte Hochschulen mit Filmstudiengängen sprechen.

 

Lehrinhalte und Fachrichtungen

Für private Hochschulen sollten die Lehrinhalte ein wichtiger Bestandteil eines Produkts, welches sie verkaufen wollen, sein. Das lässt sich ablesen an den Lehrplänen, dem so genannten Curriculum. Hier wird festgelegt, wie viel tatsächlichen Unterricht, also Vorlesungen, Seminare und Workshops die Studierenden in welchen Fächern erhalten werden. Die meisten privaten Hochschulen fokussieren sich auf "Return on Investment" und Gewinn. Sie fokussieren sich nicht auf die Verbesserung der Lehre.

Hier ist man kontinuierlich bemüht, die Kosten zu senken. Unterricht, Räume und Verwaltung kosten Geld, insbesondere für "kleine kreative Studiengänge". Gerade Studiengänge mit hohem Aufwand wie Gerätetechnik oder Fernsehstudio sind privat kaum kostendeckend zu finanzieren. Die Gehälter der Professoren und freien Dozenten, die Raumkosten usw. sind lästige Ausgaben. Die Dozentenkosten sind bei kleinen Kursen (<20 Studierende) anteilig pro Studierenden viel höher als bei großen Kursen. Einsparungen im Lehrangebot sind ein beliebtes Mittel, diese Kosten zu drücken.

Da im Management solcher Hochschulen inzwischen genauso Betriebswirtschaftler sitzen und die Kosten optimieren wollen, könnte man den Eindruck gewinnen, dass die gleichen Mechanismen greifen wie in Brot,- und Wurstfabriken. Während am Anfang, wenn ein solcher Studiengang neu akkreditiert, also geprüft und staatlich anerkannt wird, noch gewissenhaft geplant wird, haben manche Hochschulen nur wenige Jahre später wenig Hemmungen, die Qualität mehr und mehr auszuhöhlen. Man kennt das von den Kekstüten und Schokoriegeln, bei denen die Inhalte reduziert werden und die schicke neue Verpackung diese Mogelei verstecken soll. Filmstudiengänge sind, wenn man sie gut aufbaut, teuer,- es kommt also sehr darauf an, was sich hinter den wohlklingenden Versprechen der Anbieter verbirgt.

Wer hat schon die Möglichkeit, Lehrpläne des gleichen Studiengangs über einen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren miteinander zu vergleichen? Niemand außerhalb der Hochschulen. Bei dem Vergleich könnte man feststellen, dass sich das Unterrichtsangebot einiger Hochschulen in mehreren Schritten über die Jahre fast halbiert hat. Dabei sind häufig sogar grundlegende Fächer ersatzlos gestrichen worden. Die Studierenden und ihre Familien müssen dafür aber genau so viel bezahlen, wie für die ursprünglich viele Jahre vorher akkreditierten, besseren Angebote.

Weitere Einsparungen finden über das Wegfallen an Ausdiffernzierungen statt. Filmstudiengänge, bei denen nur noch Regie als Fachrichtung angeboten wird, bilden keine Kamera,- Produktions, Drehbuch, Postproduktions oder Ton- Studierenden aus. Wenn diese Spezialisierungen fehlen, leiden die Qualität der Übungsfilme und die Simulation professioneller Drehbedingungen darunter.

 

Die Prospekte und Webseiten

Hochglanz ist gefragt, aufwändige Webseiten und Werbebroschüren auf denen viele junge Leute scheinbar begeistert beim Lernen zu sehen sind, sind der Stoff aus dem die Träume sind. Tatsächlich sind auf einigen der Bilder auch tatsächliche Studierende der Hochschulen zu sehen, meistens Stipendiaten die sich als Gegenleistung fotografieren lassen. Die allermeisten Bilder dynamischer, lächelnder junger Menschen stammen aber in der Regel von Bildagenturen, die darauf abgebildeten jungen Leute haben die jeweilige Hochschule noch nie gesehen.

Wer nun auf der Suche nach einem geeigneten Film,- und Medienstudiengang im Web auf die Suche geht, wird unter Umständen keine objektiven Informationen bekommen. Schlechte Bewertungen kann man durch Agenturen entweder löschen, oder in den Google Suchergebnissen so weit nach hinten schieben lassen, dass kaum Jemand sie je lesen wird.

Falls es in dezidierten Bewertungsportalen schlechte Bewertungseinträge gibt, schaltet die betreffende Hochschule einfach dort eine kostenpflichtige Anzeige, schon werden die schlechten Bewertungen kaum noch gefunden.

Eigentlich sollte man stets versuchen, mit echten Studierenden der jeweiligen Hochschulen zu sprechen. Dann hat man eine echte Chance, eine glaubwürdige Bewertung der Hochschule zu erhalten.

 

Tipp: Wer bei Übungsfilmen von Studierenden mithilft, wird vielfältige Gelegenheiten finden, mehr über die jeweilige Hochschule zu erfahren.

 

Die Aufnahmeprüfungen

Verknappung schafft Begehrlichkeiten. Wenn Studienbewerber den Eindruck haben, dass sie einen Test bestanden haben und nur deshalb den Studienvertrag unterschreiben dürfen, fühlt sich das Ganze gleich viel attraktiver an. Manche dieser Test sind aber so simpel gestrickt, dass Jeder sie bestehen kann. Muss man für künstlerische Studiengänge Arbeitsproben oder gestellte Aufgaben als Mappe vorlegen, kriegen die zuständigen Professor-inn-en die oft gar nicht zu sehen. Man tut manchmal nur so, als gäbe es einen Aufnahmetaest. Manche Hochschulen verzichten auf diesen Aufwand gänzlich und machen sich gar nicht erst die Mühe ein Aufnahmeverfahren vorzugeben. Mit den Geburtenschwächeren Jahrgängen ringen die privaten Hochschulen inzwischen um jeden zahlenden Studierenden.

 

Qualität, Firmensitz und Niederlassungen

Für die Gestaltung eines Curriculums, die Organisationsstruktur etc. gibt es Vorgaben von den Kultusministerien. Diese stellen gewisse Anforderungen, auch was die Ausstattung der Hochschule mit Professoren angeht. Bereits hier haben die privaten Hochschulen Spielräume. Während die Anforderungen in manchen Bundesländern (z.B. Bayern) recht hoch sind, sind sie in anderen Bundesländern teilweise deutlich niedriger. Das schlägt sich manchmal in der Qualität der Lehre nieder. Ist der Firmensitz (die Hochschulen selbst können trotzdem in jedem anderen Bundesland vertreten sein, nur die Zentrale wird in ein weniger streng kontrollierendes Bundesland gelegt)  in einem etwas weniger strengen Bundesland, braucht man beispielsweise weniger fest angestellte Professoren. Man kann dann die Unterrichte überwiegend von Gastdozenten halten lassen. Das spart eine Menge Geld ein.

Viele private Hochschulen verfügen über Niederlassungen in mehreren Städten. Das hat einerseits den Vorteil, mit der einmal erworbenen Zulassung an verschiedenen Standorten damit Geld verdienen zu können, andererseits sieht die Liste der Dozent-inn-en und Professor-inn-en beindruckend aus. Dass davon nur ein Bruchteil am jeweiligen Standort lehrt, das merkt man erst, wenn  man mit dem Studium begonnen hat. Da die privaten Hochschulen streng wirtschaftlich denken, werden einzelne Standorte, die sich nicht rechnen, durchaus auch wieder geschlossen.

Manchmal erfahren davon die Bewerber, wenn so etwas geplant ist, gar nichts, sie bewerben sich und schließen Verträge für einen Standort ab, von dem die Zentralverwaltung längst weiß, dass dieser bald geschlossen wird. In einem Fall aus dem zweiten Jahrzehnt wurde sogar ein neuer Geschäftsführer für einen Standort eingestellt, der erst von den Studenten erfuhr, dass eben dieser Standort geschlossen werden soll und er praktisch nur für die Abwicklung eingestellt wurde.

 

Verpackungstricks

Zu weiteren Methoden, mit denen man die Kosten deutlich senken kann, gehört die Umwidmung von Studienfächern, um größere Kurse zusammenzustellen. Da tauscht man ursprüngliche originäre Film,- und Medienfächer in denen fachspezifische Unterrichte für teilweise nur fünf bis zehn Studierende gehalten wurden, einfach gegen allgemeine, zum Beispiel wirtschaftliche Fächer aus, in denen man Studierende verschiedenster Fachrichtungen, also auch aus Managementstudiengängen gemeinsam unterrichten kann. Unter dem Motto "ein wenig Grundlagen der  Betriebswirtschaft kann Jeder gebrauchen" finden sich dann 20 bis 50 Studierende verschiedenster Fachrichtungen in diesen Kursen wieder. Dass es aber grundlegende Unterschiede zwischen einer Filmkalkulation und dem Wareneinkauf einer Bäckerei gibt, geht in diesen Veranstaltungen unter. Oder es werden studiengangsübergreifende Fächer für "Social Skills" in das Filmcurriculum eingebaut, beispielsweise Bewerbungstraining. Dass man in Film,- und Medienberufen nicht über Bewerbungsgespräche mit Personalern an seine nächsten Filmprojekte kommt, wird da munter ingnoriert.

 

Tipp: Curriculum ausdrucken und mit farbigem Marker alle Fächer kennzeichnen, die nicht filmspezifisch sind.

 

Da man als Studierender die Abkürzungen und Bedeutungen nicht kennt, kann man auch schlecht einschätzen, was sich dahinter verbirgt. V und S sind gängige Abkürzungen für Vorlesungen und Seminare, W sind Workshops. Hier wird von der Hochschule tatsächlich Unterricht angeboten. Die sich dahinter verbergenden Stunden werden also tatsächlich gehalten. Ganz anders sieht es aber mit der sogenannten SSZ, der Selbststudienzeit aus. Diese Zahlen sind Empfehlungen, wie viel Zeit der Studiernede sich allein Zuhause oder sonstwo mit dem Thema beschäftigen soll, wenn er / sie es möchte. Diese Stunden kosten die Hochschulen also gar nichts.

 

Tipp: Im Curriculum die Zahl der tatsächlichen Unterrichte (Vorlesungen, Workshops und Seminare) kennzeichnen

 

Praxisanteil

Gerade im Film,- und Medienbereich vermittelt sich ein großer Teil der Fähigkeiten über die praktische Anwendung. Und zwar nicht nur einmalig, sondern mehrfach. Ein guter Filmstudiengang ermöglich den Studierenden, in ihrer jeweiligen Fachrichtung mindestens drei bis vier Filme an denen sie in einer kreativen bzw. leitenden Funktion mitgewirkt haben. Darunter sollen mindestens zwei sein, die sie vollständig in dieser Funktion eigenverantwortlich umgesetzt haben. Was das bedeutet?- Nun bei ersten Übungsfilmen kann es völlig okay sein, wenn Regiestudenten sich die Regie, Kamerastudenten die Kamera usw. tageweise abwechselnd teilen. Aber irgendwann müssen sie auch eigenständig in ihrem Fach ganze Kurzfilme gestalten. Sonst haben sie keine Erfahrung und können nach dem Studium keine eigenen Filme vorweisen, um sich für die Medienbranche zu qualifizieren.

 

Honorarprofessor*Innen

Dies ist eine Variante der Professuren, bei der, obwohl es im Namen steht, in der Regel gar kein Honorar fließt. Man holt sich Prominente, die an ganz wenigen Tagen im Jahr mal ein wenig mit den Studierenden Unterricht machen und sich dafür Professor-inn-en nennen dürfen. Auch das bringt den Studierenden eher wenig, außer dass sie sich, bevor sie sich bei der Hochschule einschreiben, vorstellen, sie hätten bei diesen Promis tatsächlich viel Unterricht.

 

Die Raumausstattung und IT

Dies ist ein neuralgischer Punkt, es geht darum, gute Arbeitsbedingungen bereit zu stellen. Die Studierenden sollen ausreichend Platz, vernünftige Stühle und Tische zur Verfügung haben, welche für manche Unterrichte (Schauspielführung, Ausleuchtung etc.) auch leicht weggestapelt werden können. Auch hier sorgen Controller bzw. Planer immer wieder für absurde Situationen. Da werden die Tische sehr schmal ausgelegt, dass gerade ein A4 Blatt in der Höhe darauf passt, um mehr Menschen in immer kleinere Räume unterbringen zu können. Das zieht sich durch bis hin zum Dozenten / Professorentisch. Dass Manuskripte oder gar Bücher irgendwo abgelegt werden müssen, habe die Planer in ihrem Kostenoptimierungswahn dezent übersehen.

Wenn dann auch noch die Computer für die Studierenden oder am Dozententisch so alt sind, dass sie reichlich kostbare Unterrichtszeit kosten, nur um damit arbeiten zu können, stimmt irgendetwas nicht. Kritisch ist auch, wenn die Auslastung von Unterrichtsräumen sehr eng getaktet ist. Gerade bei Kreativstudiengängen sind die Studierenden auch über die reine Vorlesungszeit hinaus in den Räumen um ihre Übungsprojekte vorzubereiten oder nachzubearbeiten etc. Müssen sie dann ihren Kursraum verlassen, weil danach sofort ein anderer Unterricht für andere Studiengänge stattfindet, fehlt ihnen wertvolle Vorbereitung.

Fernuniversitäten können sich Unterrichtsräume und Ausstattung sparen, häufig erhalten die Studierenden dafür Tablets oder Notebooks um Zuhause damit arbeiten zu können.

 

Tipp: Recherchieren, wie es um die räumliche und technische Ausstattung steht. Es sollte ausreichend Platz zur Verfügung stehen und die Technik sollte nicht veraltet sein.

 

Zugegeben, es ist nicht ganz einfach, sich da zurecht zu finden. Die Bandbreite insbesondere bei den privaten Hochschulen ist enorm. Es gibt gute, mittlere und miserable Angebote. Dieser Artikel soll Euch ein paar Kriterien an die Hand geben, mehr über Eure künftige Hochschule zu erfahren und die richtigen Fragen zu stellen.