Collage zu Zeit und Film

Film ist sehr vielschichtig, die Filmanalyse versucht, die verschiedenen Gestaltungsschichten zu erkennen und zu benennen

Wenn wir darüber sprechen, mit welchen gestalterischen Mitteln ein Film arbeitet, so ist es wichtig, die einzelnen Mittel unter verschiedenen Aspekten zu betrachten. Also nicht nur technische, sondern auch visuelle, psychologische, rhythmische u.s.w.

 

Ein Schwenk ist eben nicht nur technisch betrachtet eine beispielsweise horizontale Drehbewegung auf einer feststehenden Achse, sondern zugleich auch ein abgebildeter Zusammenhang zwischen der Anfangsposition über den Weg des Schwenks bis hin zu einer Endposition. Darüber hinaus hat dieser Schwenk auch eine bestimmte Bedeutung, hat also eine Wirkung über die man ebenfalls sprechen muss.

 

Insbesondere die Filmanalyse untersucht die verschiedenen Facetten genauestens. Im Falle des Schwenks geht es natürlich auch um den Kontext, also darum, was sich um die Person oder das Objekt, mit welcher, auf welche oder von welcher man schwenkt. Schwenke ich beispielsweise mit einer Person mit, kann es je nach Situation im Bild passieren, dass meine Person, die zuvor vielleicht eher isoliert war, mit dem Weg hinüber in einen vollen Raum, den wir mitschwenken, sich mitten in einer quirligen Menge wiederfindet.

 

Die Analyse trennt hier zwischen der sachlichen Beschreibung dessen, was geschieht und der Wirkung, die daraus resultiert. Dass das nicht ganz einfach ist, ergibt sich allein schon daraus, dass ja selbst die Gestaltungsmittel meistens nicht allein, sondern gleichzeitig verwendet werden. Oft genug schwenkt die Kamera nicht nur, sondern sie wird gleichzeitig gefahren oder fährt mit dem Kran in die Höhe...

 

Die teilweise hohe Komplexität dieser parallelen Nutzung filmsprachlicher Mittel macht es erforderlich, die betreffenden Stellen mehrfach zu betrachten und unter unterschiedlichen Aspekten zu analysieren. Diese Tätigkeit wird dadurch erschwert, das man ja die verschiedenen Elemente nicht sauber voneinander getrennt, sondern nur in der Vermischung als Endergebnis vorliegen hat. Viele unterschiedliche erzählerische Ebenen überlagern sich zu einer Gesamtwirkung.

 

Damit kommt der Filmanalyse durchaus in die Nähe des detektivischen Arbeitens, oder des Re-Engeneerings, bei dem man versucht, die von den Kreativen gewünschten Verdeckungen und Überlagerungen zumindest in der Theorie rückgängig zu machen. Erst aus der Rekonstruktion der unterschiedlichen Wirkebenen kann man auch auf die Absichten schließen.

 

Unverrückbare Vorgaben

Collagefoto von Filmdrehort

Wir werden stets nur den Ausschnitt zu sehen bekommen, den uns die Kamera vorgibt, nicht die Technik und nicht das Team (Bildmotiv: Laura Cuenca Serrano bei Dreharbeiten)

Der Bildausschnitt, den wir sehen, die Kameraposition, Höhe etc. zeigen nur ein recht eingeschränktes Blickfeld, eben genau das, was der Kameramann, die Kamerafrau uns zeigen wollte. Höchstwahrscheinlich wird durch die Wahl der Brennweite der Blickwinkel sogar noch verengt (Teleobjektiv) oder erweitert (Weitwinkel). Was sich sonst noch außerhalb des Bildes befand, werden wir voraussichtlich nie erfahren, es wird nicht in unsere Analyse einfließen.

 

Vielleicht ist das aber auch gut so, schließlich wird häufig genug lediglich für die jeweilige Aufnahme eine begrenzte Situation geschaffen, die vielleicht an den Wänden der Kulissen schon wieder aufhört.

 

Kombinationen

Einstellungen folgen innerhalb einer Szene, eines Filmes immer wieder aufeinander. Und stets sind es die bereits gesehenen Einstellungen, welche die Bedeutung der jeweils nächsten Einstellung die wir sehen werden, beeinflussen. Alleine diese serielle Aneinanderreihung erzeugt bereits die Behauptung,- diese Einstellungen stehen in einem Zusammenhang, haben etwas miteinander zu tun. Dabei kann dies auch tatsächlich der Fall sein, weil sie Abläufe abbilden, die nacheinander oder gleichzeitig (manchmal auch zeitlich versetzt-bei Rückblicken oder Zukunftsvisionen) stattfinden.

 

Grundsätzlich werden die Einstellungen erst in der Schnittphase zusammengesetzt, gegeneinander vertauscht, zurückgesetzt, Reihenfolgen und Längen werden so lange verändert und optimiert, bis die optimale Form gefunden ist.

 

Verschiebungen der Zeitachse

Grundsätzlich ist Film für sich genommen bereits die größte Manipulation der Zeit. Wenn man mal von wenigen „Echtzeit"-Filmen wie „Victoria" oder „Russian Arc" absieht, behauptet jeder Film Zeitläufe, die vollkommen künstlich konstruiert sind. Filme, die selbst wenn sie manchmal nur einen kurzen Zeitraum erzählen, entstehen natürlich in deutlich längerer Zeit. Da können Dreharbeiten bei Blockbustern mehrere Monate dauern, deren Aufnahmen letztlich in der Montage die Illusion von wenigen Stunden erzeugen.

 

Zudem verfügt der Film auch über sehr spezielle Möglichkeiten der veränderten Zeitwahrnehmung. Zeitlupe (Zeit wird gedehnt, wir beobachten etwa wie ein Glas langsam zerspringt), Zeitraffer (längere Zeiträume werden zusammengefasst, eine Knospe erblüht in wenigen Sekunden) und Bullet-Time (mitten in einer bewegten Einstellung scheint die Zeit einzufrieren und die Kamera fährt beispielsweise um den in der Bewegung scheinbar erstarrten Protagonisten herum) seien hier als die bekanntesten Techniken genannt.