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Aaton XTR 1 2000

Aaton XTR Super 16 Kamera mit DOP Jörg Widmer bei den Dreharbeiten zu "Liebe, Leben, Tod" (Regie: Mathias Allary)

 

Das einstige Amateurformat 16mm erlangte durch die Nutzung des Randbereichs als "Super 16" neuen Glanz bei den Profis. Während das klassische 16mm Format lediglich 4:3 als Bildseitenverhältnis anbot, konnte Super 16 ein 16:9 Bildseitenverhältnis verwirklichen, ein echter Fortschritt. In der heute üblichen digitalen Cinematographie entspricht das MFT Format in etwa dem Super 16 Format. Man kann, entsprechende Adapter vorausgesetzt, mit den Super 16 Objektiven auch in MFT arbeiten und dort durchaus auch in 4 K arbeiten.

 

Ein ganz besonderes Format...

Besonders im Low-Budget-Bereich wurden und werden die Vorteile des Super-16-Aufnahmeformates sehr geschätzt. Im Gegensatz zu klassischem 16mm-Negativ, bei dem die Perforation auf beiden Seiten liegt, nutzt Super 16 den Rand für das Bild mit. Man kann sowohl für das spätere Blow-up auf 35 mm, als auch für die Abtastung auf Video für Fernsehzwecke optimale Ergebnisse erzielen.

Gegenüber dem Normal-16-Format bietet Super 16 mit seinen 12,35 x 7,42 mm etwa 40 % mehr nutzbare Negativfläche und damit eine deutlich bessere Auflösung und kleineres Korn in der Projektion. Außerdem ist 16mm-Filmmaterial bei weitem nicht so teuer wie 35 mm. Beim Rohfilm-Einkauf spart man etwa 60 % gegenüber einer 35mm-Produktion. Während es früher nur wenige umgerüstete Kameras für Super 16 gab und auch die Kopierwerke immer mit Schrammen im Randbereich des Bildes zu kämpfen hatten, wurde Super 16 ab den 80er Jahren ein absolut gängiges Format.

 

Der Nachteil

Ein kleiner Nachteil sei hier nicht unerwähnt: In der Regel ließ sich Super 16 nicht direkt im Kino vorführen (nur über den Weg eines Blow-ups auf 35 mm). Dort, wo bei der 16mm-Filmkopie die Tonspur (Lichtton oder Magnetton) liegt, befindet sich beim Super-16-Format noch ein Teil des Bildes.

Man kann aber mit besonderen, so genannten Perfoläufern verkoppelbaren Projektoren im Zweibandverfahren Super 16 vorführen. Manche Festivals hatten diese Möglichkeit angeboten, um auf diese Weise auch TV-Filme, von denen es keine 35mm-Kopie gibt, im Festival vorführen zu können. Dies sind aber seltene Ausnahmen geblieben. Hier hatte die Industrie die Anwender, obgleich es praktikable Lösungen für eine weite Verbreitung gegeben hätte (Ton auf CD etc.), leider im Stich gelassen. Für Fernsehzwecke, wo der Ton in den analogen Zeiten ohnehin separat angeliefert wurde, spielte das allerdings keine Rolle.

 

Katharina Spiegelkugel 2000

Katharina Thalbach in 'Liebe, Leben, Tod', gedreht auf Super 16 mm mit anschließendem Blow-up auf 35 mm.

 

Erfunden wurde das Super-16-Format von dem schwedischen Kameramann Rune Ericson (Kamera: "Ronja Räubertochter"), der dafür im März 2002 mit dem Technik-Oscar ausgezeichnet wurde. Er setzte das Format erstmals bei dem Film „Lyckliga Skitar“ 1969 ein. Die französische Kameraschmiede AATON stattete bereits Anfang der 70er Jahre seine Kameras mit diesem Feature aus und trug damit sehr zur Verbreitung dieses Formats bei.

 

16mm Super16 2000

 

Erst Jahre später hatte auch Arri seine Kameras für Super 16 ausgestattet, eine technische Verbesserung, welche Arri jahrelang Drittanbietern überließ. Der Kameramount musste dafür versetzt, das Bildfenster ausgewechselt und eine andere Suchermattscheibe eingebaut werden. Dieser Umbau war sehr teuer, mit etwa 5-8000,- € musste man rechnen.

Eine große Zahl an Produktionen für Kino und Fernsehen entstanden, vor allem wegen der großen Kostenersparnis gegenüber 35mm auf Super 16. Hierzulande entstanden auch vereinzelt Folgen von TV Serien wie "Derrick" (in den 90er Jahren) oder "Tatort" in Super 16 (z.B. "Tatort – Frau Bu lacht", Regie: Dominik Graf, BR, 1995, oder auch mehrere Tatorte von Niki Stein in den 90er Jahren). Dies geschah teilweise um die Folgen jeweils auch für künftige 16:9 Formate noch nutzen zu können. Jeder Sender hat das unterschiedlich gehandhabt. Man nannte das auch "Shoot and Protect", die Kameraleute sollten so kadrieren, dass es für 4:3 und 16:9 gleichermaßen passte,- gesendet wurde bei den Erstaustrahlungen trotzdem im 4:3 Bildseitenverhältnis.

Sogar Hollywood-Produktionen wie "Leaving Las Vegas" (Regie: Mike Figgis, USA 1995), "This is Spinal Tap" (Doku-Fake) oder auch die erste Staffel von "Sex and the City" oder "Buffy der Vampyrkiller" wurden auf diesem Format gedreht.

Beim Einscannen von Super 16mm können, ja nach Scanner vom Originalnegativ durchaus 2-3 K Auflösung und eine erstaunlich hohe Dynamik erreicht werden.

 

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