
Umsetzung auf DVD
Seit die Welt im Streaming-Rausch Filme konsumiert, sind DVD und BluRay fast schon Auslaufmodelle. Wer sie dennoch liebt und vielleicht sogar sammelt, kann hier mehr über eines der letzten physischen Filmmedien erfahren. Auch wenn sie zu Beginn vornehmlich als Vertriebsmedium betrachtet wurde, war die DVD (Digital Versatile Disc) trotz der BluRay ein wichtiger und in ihrer Verbreitung enorm gewachsener Baustein in den Medien. Nicht nur als Träger für Spielfilme, auch für Corporate-, Verkaufs-, Schulungs- oder Musikvideos wurde die DVD immer bedeutender.
Heute sind DVD und Blu-ray keine Mainstream-Medien mehr, doch es gibt sie weiterhin. Insbesondere Sammler, Filmarchive, Bibliotheken und andere Zielgruppen, etwa die Generation 60 + nutzen die Silberscheiben weiterhin. Gerade weil viele Filme bei Streamern nicht oder nicht dauerhaft vorhanden sind, kommt den physikalischen Medien eine große Bedeutung zu. Insbesondere als Sammler-, Archiv- und Qualitätsmedium spielen DVD, BluRay und Ultra HD-BluRay eine wichtige Rolle, die von spezialisierten Labels mit restaurierten Titeln und Spezial-Editionen gepflegt werden.
Die DVD war und ist ein reines Standard Definiton Medium, es gibt sie also nicht in High Definition. Welche Arbeitsschritte waren und sind eigentlich erforderlich, wenn eine Film-, oder Videoproduktion auf DVD umgesetzt werden soll? Es ist heute sicherlich nicht mehr sinnvoll, Filme die HD, 4K und höher aufgelöst sind, auf eine DVD in Standard Definition zu mastern, aber für SD Qualität reicht es weiterhin und das Verfahren ist im Prinzip ähnlich, wie bei Blu Ray und Ultra HD BluRay.
Pre-Mastering
Kombination der verschiedenen Bausteine (Assets), aus denen eine DVD besteht. Da werden Menüs, Untertitel, verschiedene Tonfassungen (Fremdsprachen), Video (inkl. Making-of etc.) und ggf. andere multimediale Inhalte aufbereitet.
Video
Trotz der hohen Speicherkapazität können die Daten nicht unkomprimiert auf die DVD aufgezeichnet werden. Das Bildmaterial muss daher im MPEG-2-Format komprimiert werden. Video-Codierung kann softwaremäßig oder auch mit Hardwareunterstützung (Encoder-Karte) geschehen, was den Vorgang bis hin zu Echtzeit beschleunigen kann. Man sollte möglichst hochwertiges Ausgangsmaterial verwenden, z.B. Digi-Beta, aber auch für 24p gibt es inzwischen „Options“. Evtl. kann auch eine Nachbearbeitung (Filterung, Rauschminderung) des Video-Masters erforderlich sein.
Der Video-Datenstrom einer DVD liegt in der Regel bei 3,5 bis 4,7 Mbit in der Sekunde. (Zum Vergleich: Eine Audio-CD liefert in der Sekunde ca. 1,4 Mbit.) Je nach Anforderung des Videomaterials kann die Datenrate aber auch auf bis zu 9,8 MBit/s erhöht werden.
Untertitel
Authoring Programme wie DVD Studio Pro bieten zumeist auch einen Subtitle- Editor in welchem eine Vielzahl von Sprachfassungen erfasst werden können. Sind die Ein- und Ausblendzeiten für eine Version erst mal erfasst, ist der Aufwand weitere Sprachfassungen einzugeben nicht mehr sehr hoch.

Das Audio-Encoding bereitet den Ausgangston, der in möglichst hochwertiger Qualität vorliegen sollte, für die DVD auf. Unterschiedliche Audioformate wie PCM, AC-3 (Dolby Digital 5.1) oder DTS stehen zur Auswahl. Je nach Audio-Decoding-Verfahren beträgt die Sample-Rate 48 oder (bei PCM) wahlweise sogar 96 kHz. Bis zu acht Audio-Streams können zu einem Video-Stream wiedergegeben werden.
Varianten des Tonspuraufbaus
Eine IT-Tonmischung (alle Töne ohne landesspezifische Elemente wie Dialoge) wird vorzugsweise im 5.1 oder 7.1 aufgezeichnet. Dazu wird jeweils eine Mono-Dialogspur, die in mehreren Sprachfassungen auf der DVD vorhanden ist, gemeinsam mit dem Center-Kanal der IT-Tonmischung abgespielt (Datenstrom des Multikanaltons: 384 KBit/s, der des Dialogs: 64 KBit/s).
Eine IT-Tonfassung (5.1 oder 7.1) wird gemeinsam mit jeweils einer Stereo-Dialogspur abgespielt. Die landesspezifische Dialogspur wird dabei mit dem linken und rechten IT-Mixkanal gemeinsam abgespielt. (Im Vergleich zur oberen Mono-Dialogspur hat die Stereo-Dialogspur einen Datenstrom von 128 KBit/s.)
Drei komplette Landes-Fassungen, bei denen Sprache und IT gemeinsam sind, werden auf der DVD als 5.1 oder 7.1 abgelegt und wahlweise abgespielt. (Alle drei Fassungen haben jeweils einen Datenstrom von 384 KBit/s.)
Authoring
Neben recht differenzierten Authoring-Programmen wie DVD-Creator, DVD Studio Pro oder Encore DVD, gibt es auch unkomplizierte Lösungen, bei denen der Funktionsumfang auf die wichtigsten Standards reduziert ist (z. B. Auto DVD und DVD Fusion). Allerdings wurden die professionellen Programme weitgehend eingestellt bzw. nicht mehr weiterentwickelt. Oft sind aber alte Versionen auch auf den neueren Betriebssystem-Versionen noch lauffähig.
Während des Authoring-Vorgangs werden z.B. Menüs und Kapitel gestaltet oder Schleifen programmiert, die einzelne Clips wiederholt abspielen. Kapitelanwahl, Untermenüs, Statistiken, diverse Anzeigen von Spieldauer, Länge, unterschiedliche Versionen (Director‘s Cut/Kindersicherung/verschiedene Kameraperspektiven) können hier programmiert werden. Die ansprechende Oberflächengestaltung und einfache Bedienerführung sind wichtige Qualitätskriterien in diesem Bereich.
Besonders die Einhaltung der Normen entscheidet darüber, ob das Authoring funktioniert oder die User zur Verzweiflung treibt. So müssen selbst erstellte Menüseiten genau das Pixelformat des jeweils sichtbaren TV-Bildes haben und auch die Menübuttons nach bestimmten Regeln und mit definierten Ebenen erstellt sein. Klare Beschriftungen der jeweiligen Grafiken erleichtern die Übersicht im Authoring-Programm.
Authoring-Programme erlauben es, Menüs mit einzelnen Videotracks zu verknüpfen. Dabei können bis zu 100 Parameter eingestellt werden. Wegen der hohen Komplexität werden aber meistens nur 10% der Möglichkeiten, die in einer DVD stecken, tatsächlich genutzt. In diesem Arbeitsgang werden auch die ungeliebten Regionalcodes sowie Kopierschutzverfahren in die DVD integriert.
Vervielfältigung
Zum Prüfen und für Kleinauflagen ist ein DVD-R-Brenner erforderlich, für das endgültige Mastering ein DLT-Laufwerk. Die Serien-DVDs werden dann in einem Presswerk hergestellt.
Haltbarkeit
Auch wenn die Industrie das gar nicht gerne hört- die Haltbarbeit von beschreibbaren DVDs ist extrem schlecht. Unter speziellen Bedingungen, Dunkelheit und konstanter Temperatur, halten sie etwa 5 Jahre! Nach dem aktuellen Stand der Kenntnis sind DVD-RAM deutlich länger haltbar, weil sie auch Fehlertabellen besitzen und ähnlich wie Festplatten funktionieren. Wer also Daten langfristig sichern muss, sollte unbedingt auf die wiederbeschreibbaren DVDs zurückgreifen!
Übersicht Formate
- DVD5: einseitig bespielt, eine Schicht 4,7 GByte
- DVD9: einseitig bespielt, zwei Schichten 8,5 GByte, auch Double-Layer DVD genannt.
- DVD10: zweiseitig bespielt, je eine Schicht 9,4 GByte
- DVD18: zweiseitig bespielt, je zwei Schichten 17 GByte
Technische Normen
- Bildwiederholraten: 29,97 Bilder/s oder 25 Bilder/s
- Fernsehnormen: 525/60, 625/50
- Höhen-/Seitenverhältnis: 4:3 und 16:9
- Bildauflösungen (bei MPEG-2): 525/60: 720 x 480, 704 x 480, 352 x 480, 352 x 240
- 625/50: 720 x 576, 704 x 576, 352 x 576, 352 x 288
Interessanterweise ist 2026 eine Diskussion im benachbarten Game-Bereich aufgeflammt, wo ebenfalls physikalische Datenträger genutzt werden. Sony Interactive Entertainment hat nämlich angekündigt, ab Januar 2028 keine physischen Spiele-Discs mehr zu produzieren. Dies soll vorerst nur für Neuerscheinungen gelten, doch es hat viel Unmut bei den Usern hervorgerufen, weil damit Abhängigkeiten von Streaming verstärkt werden und auch der rechtliche Aspekt, dass man ein gekauftes Spiel auch besitzt, verändert wird. Es ist also bei den Gamern ähnlich wie bei den Cineasten, die an den Silberscheiben festhalten. Es gibt durchaus Gründe, zumindest die guten Filme an denen das Herz hängt, weiter auf DVD (oder BluRay) aufzuheben und sie nicht in den Karton mit der Aufschrift "Zu Verschenken" vor die Haustür zu stellen.
