
Projektionstechniken
Man kennt das aus zahllosen, älteren Spielfilmen: Die Schauspieler fahren im Auto, wackeln ab und an hin und her und durch die Rückscheibe des Autos sieht man die Landschaft oder die Straßen irgendwie dahinsausen. Aber es wird einem schnell klar: Diese Fahrt war keine echte Autofahrt, sondern die fand im Studio statt! Bevor Blue- oder Greenscreen-Verfahren auch den Film eroberten, waren Projektionstechniken für Kombinationen sehr verbreitet.
Rück,- und Aufprojektion waren jahrzehntelang zentrale Verfahren, um Schauspieler mit vorgedrehten bewegten Hintergründen statt gemalten oder fotografierten starren Hintersetzern zu kombinieren — lange bevor digitale Compositings oder Green,- und Bluescreens existierten. Diese Verfahren wurden besonders in den 1950er bis 1970er Jahren intensiv genutzt. Allerdings muss man fairerweise zugeben, dass die Diskrepanz zwischen Studiohintergrund (z.B. Personen die im Auto fahren) und dem Hintergrund (Straße etc.) auf der großen Kinoleinwand viel weniger auffiel als auf kleinen Bildschirmen.
Interessanterweise werden vergleichbare Verfahren, nur ohne Projektion und dafür mit Flatscreens als Hintergrund um Autofahrten zu simulieren, heute bei vielen Produktionen in moderner Variante eingesetzt.
Rückprojektion
Rückprojektion war eine der Tricktechniken, mit denen bewegte Hintergründe mit Kulissen und Darstellern im Studio bei der Aufnahme kombiniert werden konnten. Das Prinzip ist einfach: Hinter den Darstellern befindet sich eine Leinwand, auf deren Rückseite bewegte Hintergründe von einem Projektor projiziert werden. Der Hintergrundfilm wurde von hinten auf eine lichtdurchlässige Leinwand projiziert. Die Schauspieler standen oder saßen davor, die Kamera filmte sie von vorne mit der Projektion als Hintergrund. Lange war es das Mittel der Wahl für maximal kontrollierbare Autofahrten, Flüge in Flugzeugcockpits, Fahrten in Zugabteilen, exotische oder fantastische Landschaften sowie gefährliche Szenen unter kontrollierten Aufnahmebedingungen.
Technische Voraussetzungen
Kamera und Projektor müssen synchron laufen, sonst filmt die Kamera statt einzelner Projektionsbilder teilweise die dunklen Transportphasen des Projektors. Der Projektor muss sehr lichtstark sein, um das Bild hell genug zu machen, dass es gegenüber den durch Scheinwerfer beleuchteten Schauspielern noch ausreichend hell ist. Das Scheinwerferlicht sollte seitlich auf die Schauspieler fallen, damit es nicht auf die Leinwand im Hintergrund fällt. Das Studio muss recht groß sein, da die Entfernungen von Projektor zur Leinwand und von Leinwand zur Kamera wegen der gewünschten Schärfentiefe erheblich sind.
Vor und Nachteile
Das Rückproverfahren war recht einfach im Studio umsetzbar und die Schauspieler konnten den Hintergrund sehen, vor dem sie spielten. Licht und Timing konnten abgestimmt werden und es waren keine weiteren Trickkamerabearbeitungen (Oxberry-Printer) im Kopierwerk notwendig. Regisseur und Kamera konnten das fertige Bild beim Drehen kontrollieren. In Hollywood schätzte man sehr, unabhängig von Wetter, Reisen und Außendrehs arbeiten zu können.
Zu den Schwächen gehörte sicherlich, dass die Hintergründe oft flächig und etwas milchig, flau und leicht unscharf wirkten. Oft hatte die Projektionsfläche n der Mitte einen helleren Bereich, einen hot Spot. Gleichzeitig konnten die Filmprojektoren kein echtes Schwarz erzeugen. Dunkle Bereiche waren grau und die allgemeine Helligkeit der Projektion ließ insbesondere bei Farbfilmen zu wünschen übrig.
Auch die Perspektive war häufig verräterisch, wenn die Kamera oder die Schauspieler sich bewegten, spürte man das Fehlen der entsprechenden Perspektivänderung.
Aufprojektion

Fortschrittlicher war dagegen die Aufprojektion. Hier werden Kamera und Projektor vor der Leinwand im rechten Winkel zueinander installiert. Über einen teildurchlässigen Spiegel am Schnittpunkt der optischen Achsen beider Geräte werden sowohl das Hintergrundbild auf die Leinwand geworfen, als auch die Darsteller mit dem Leinwandhintergrund zusammen von der Kamera aufgenommen. In unserer Abbildung ist dieser Spiegel als gelbes Rechteck zwischen Projektor und Kamera dargestellt.
Die Leinwand muss bei diesem Verfahren aus speziellem hochreflektierendem Material mit sehr engem Abstrahlwinkel sein. Diese (Scotchlite) Leinwand wirft das Hintergrundbild am Stärksten senkrecht zurück, also dorthin, wo der Projektor und die Kamera angebracht sind. Steht man nicht genau in dieser Achse, kann man im Studio das Bild so gut wie gar nicht sehen. Und auch auf den Darstellern, die ja eigentlich von dem Projektionslicht getroffen werden, sieht man das Hintergrundbild nicht. Schließlich bestehen die Schauspieler ja nicht aus hochreflektierender Folie. Die Kamera jedoch bekommt so viel Licht von der Leinwand zurückgeworfen, dass selbst größere Leinwandflächen kein Problem darstellen.
Diese axiale Anordnung hat auch den Effekt, dass man die Schatten der Darsteller (durch das Projektionslicht) auf dem Hintergrundbild (Leinwand) nicht sieht, weil sie diese selbst abdecken. Licht, welches seitlich auftrifft, wird von der Leinwand ignoriert. Dies hat den wichtigen Effekt, dass das Licht mit dem man die Schauspieler von den Seiten her ausleuchtet, das Hintergrundbild praktisch gar nicht stört. Prominente Beispiele für die Verwendung von Aufprojektion waren Filme wie "2001: A Space Odyssey", frühe "Superman"-Filme und zahlreiche Science-Fiction-Produktionen der 60er/70er Jahre.
Vor,- und Nachteile
Durch die reflektierende Leinwand wird das Licht direkt zurück zur Kamera zurückgeworfen, wodurch eine viel höhere Bildbrillanz, bessere Schwarztöne, kräftigere Farben und schärfere Hintergründe erzielt werden. Insbesondere für preiswerte Kombinationstricks ist die Aufprojektion auch heute noch eine echte Alternative zu den aufwändigen und teuren Compositing-Verfahren.

