Bei jeder Art von Abbildung spielt sie eine wichtige Rolle,- einige Basics und Antworten zu Fragen der Perspektive...

 

Das Auge

Wenn wir uns Gedanken machen, über die Perspektive eines Bildes, sollten wir zunächst einmal über unser Auge sprechen.

 

Für die Perspektive sind zwei Bestandteile des Auges besonders wichtig: Die Augenlinse (blau) und die Irisblende (Ovale Öffnung an der rechten Seite der Augenlinse). Alle Strahlen des abgebildeten Lichtes schneiden sich im Mittelpunkt der Irisblende. Dort liegt unser Perspektivzentrum. Unsere daraus resultierende Perspektive hängt ausschließlich davon ab, wo wir uns befinden. Sie ändert sich nicht, wenn wir eine Brille tragen, oder durch ein Fernglas schauen.

 

Ähnlich verhält es sich bei den Objektiven einer Kamera. Sie verändern ebensowenig wie Brillengläser oder Ferngläser die Perspektive.

 

Peking Zentrum

Dieses Foto aus dem Zentrum Beijings hat eine andere Perspektive als das nächste Bild des gleichen Motivs

 

Perspektive im Objektiv

Objektive arbeiten, was die Perspektive angeht, absolut genauso wie unser Auge. Mit einem Unterschied: Die Abbildung setzt einen 3D-Raum in eine 2D-Abbildung um. Ansonsten befindet sich das Perspektivzentrum des Objektivs im Mittelpunkt der Stelle, an der ein Bild von der Irisblende entsteht.

 

Wichtig für den Umgang mit dem Filmmedium ist die Erkenntnis, dass sich das Perspektivzentrum stets genau an der oben benannten Stelle befindet. Das ist wichtig, denn es ist ein weitverbreiteter Irrglaube, die Perspektive ändere sich, wenn man an der Kamera ein anderes Objektiv verwendet. Ganz gleich, ob man einen Weitwinkel, eine Normalbrennweite oder eine Telebrennweite verwendet, wenn die Kamera an der gleichen Stelle bleibt, ändert sich an der Perspektive schlichtweg gar nichts.

 

Peking Zentrum

Dieses Street-Foto aus Beijing zeigt den gleichen Ort wie das vorherige Bild, aber mit verändertem Kamerastandpunkt. So haben die beiden Aufnahmen unterschiedliche Perspektiven

 

Aufnahmestandpunkt

 Ganz gleich, ob Sie ein Weitwinkel- oder Teleobjektiv verwenden, solange sich die Position Ihrer Kamera nicht verändert, bleibt die Perspektive gleich! Auch wenn Sie statt Wechselobjektiven ein Zoomobjektiv benutzen, ändert sich die Perspektive beim Verstellen der Brennweite nicht. Ihr Bildausschnitt, Ihr Bildwinkel verändert sich, nicht aber Ihre Perspektive. Das Verhältnis der Elemente von Vorder- und Hintergrund bleibt jeweils absolut gleich.

 

Entscheidend ist definitiv der Aufnahmestandpunkt. Er bestimmt die perspektivische Darstellung und diese bleibt auch bei den sich durch unterschiedliche Brennweiten (Objektive) verändernden Abbildungsmaßstäben stets gleich. Wenn Sie die Perspektive verändern möchten, müssen Sie den Kamerastandpunkt verändern. Bei einer Kamerafahrt mit dem Dolly oder einer Steadicam etwa, aber natürlich auch bei einer Kranfahrt verändert sich die Perspektive.

 

Echte und falsche Fahrten

Wäre obenstehende Situation als echte Kamerafahrt realisiert, würde dies bewirken, dass sich die Kamera der Person nähert, und damit der Abstand etwa von ihrem Kopf zu den Bäumen im Hintergrund oder ihrer Schulter zur Kamera im Bild verändert wird. Beim Betrachten der drei Bilder werden Sie feststellen, die Abstände der Person im Vordergrund zu Bäumen und Kamera im Bild bleiben stets gleich. Daran erkennen Sie sofort: Der Kamerastandpunkt und damit die Perspektive waren bei allen drei Bildern gleich! Dies ist der wesentlichste Unterschied zwischen einer Zoomfahrt (kontinuierliches Verändern der Brennweite an einem Zoomobjektiv, von älteren Kameraleuten auch „Gummilinse“ genannt) und einer echten Kamerafahrt.

 

Nur die echte Kamerafahrt erlaubt veränderte Perspektiven und kommt damit der natürlichen Bewegung eines Menschen in einen Raum hinein, recht nah. Bezogen auf die Veränderung der Größe eines Objektes oder einer Person kann man eine vergleichbare Wirkung sowohl durch Änderung der Brennweite (bei festem Kamerastandpunkt), als auch durch Veränderung der Kameraposition (also näher an die Person herangehen, bei gleicher Brennweite) erzielen.

 

Kamera-Schienen

Dadurch, dass die Kamera auf einem Dolly über die Schienen fährt, ändert sich auch die Perspektive kontinuierlich während der ganzen Fahrt

 

Wenn übrigens die hier angesprochenen zwei unterschiedlichen Arten von Fahrten (Echte und Zoom) gegenläufig miteinander kombiniert werden, das heißt, man fährt auf Schienen mit der Kamera auf eine Person zu und fährt optisch mit dem Zoomobjektiv in gleichem Maße zurück, so verändert sich die Größe der Person trotz Fahrt nicht. Umso ungewöhnlicher und erschreckender ist für den Zuschauer plötzlich die „unerklärliche“ Veränderung der Perspektive! Kenner denken hier natürlich gleich an Hitchcocks "Vertigo". Der Vertigo-Effekt findet bis in unsere Tage immer wieder seine Anwendung, etwa bei „ Die Maske“ u. v. a.

 

Virtual Reality und Perspektive

Einer der größten Schwachpunkte bei echten VR Aufnahmen liegt darin, dass sich die Perspektive des Betrachters, der mit seiner VR Brille einen VR Film anschaut, auch dann nicht ändert, wenn er/sie sich im Raum bewegt, also einen Schritt nach Vorne oder zurück macht. Dabei bleibt die Perspektive unverändert, weil man ja die Perspektive der Kamera, die den VR Film aufgenommen hat sieht, und diese sich logischerweise nicht mit unseren späteren Vor,- und Rückbewegungen mitbewegt haben kann, als sie die Aufnahme machte.

 

Deshalb ändert sich bei VR nur dort die Perspektive mit den Bewegungen der Betrachter, wo die Bilder künstlich sind und in einem Computer generiert, also berechnet werden. Nur dort können die Bewegungsinformationen von Raumsensoren genutzt werden um die Positionsänderungen der Betrachter auch zu echten Perspektivänderungen in den CGI s (Computer Generated Images) werden zu lassen. Das ist in der Regel bei Computerspielen in VR der Fall.

 

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