Geeignete Firmen finden

Zuerst sollte man sich wirklich darüber klar werden, wohin die Reise gehen soll. „Zum Film“ ist nämlich ein sehr weiter Begriff und trotzdem ist es genau das, was viele wollen. Wir haben versucht, die wichtigsten Berufsbilder kurz zu erläutern, aber was wirklich alles drin steckt, bemerkt man ohnehin erst in der Praxis oder im Gespräch mit den Leuten vom Fach.

 

Ein guter Service zum Aufspüren von Firmen sind die diversen Media-Guides der Bundesländer. In der bayerischen Ausgabe etwa sind Firmen, die Praktika anbieten, sogar besonders gekennzeichnet. Die firmeneigene Homepage (falls vorhanden) oder diverse Datenbanken wie die IMDb erlauben es, vorab nachzuschauen, welche Filme die jeweiligen Produktionsfirmen bereits hergestellt haben. Das erleichtert, sich seine persönlichen Favoriten auszusuchen.

 

Filmproduktionen...

Als zweiten Schritt braucht man natürlich Adressen entsprechender Firmen. Filmproduktionen sind für viele Aufgabenbereiche ein guter Ansprechpartner. Aber nur wenn auch aktuell eine Produktion ansteht und wenn man in dieser Zeit am Set mithelfen kann, denn dort lernt man Leute und ihre Arbeitsbereiche kennen. Dreharbeiten finden, wegen der günstigeren Wetterverhältnisse vermehrt zwischen Mai und September statt. Wer in Richtung Wirtschaft, Finanzierung und Marketing gehen will, kann natürlich auch außerhalb dieser Zeit gut in einer Produktionsfirma aufgehoben sein. Größere Filmproduktionen, Studios oder TV-Sender bergen eher das Risiko in sich, nur mit Kaffeekochen und Getränkeholen beschäftigt zu sein. Es gibt zwar Ausnahmen, aber meistens hat man in kleineren Firmen, vorzugsweise Independent Produktionen, bessere Chancen, in viele unterschiedliche Arbeitsbereiche hineinschnuppern zu können.

 

... oder Fachleute

Alle anderen sollten sich besser direkt bei den entsprechenden Fachleuten oder Firmen umsehen. „Fachleute“ ist übrigens wörtlich zu nehmen: Die meisten Teams am Set bestehen aus unabhängigen Freiberuflern (üblicherweise im steuerlichen Status eines Angestellten), die nur für die Zeit der Produktion für eine Produktionsfirma arbeiten. In der Postproduktion sieht es etwas anders aus, da hier teure Maschinen ausgelastet werden müssen, die sich nur größere Firmen leisten können.

 

Viele Adressen findet man in den Branchen-Verzeichnissen und Telefonbüchern. Quellen sind zum Beispiel:

 

Schlechte Quoten

Hat man sich eine Liste infrage kommender Unternehmen zusammengestellt, geht es als erstes ans Telefon. Dadurch spart man sich Portogebühren in mehrstelliger Höhe, denn ungefähr 20 Prozent der Ansprechpartner vergeben keine Praktika und 65 Prozent sind auf absehbare Zeit voll besetzt oder es ist keine Produktion geplant. Weitere 10 Prozent sind notorisch nicht erreichbar. Die restlichen 5 Prozent bieten an, man solle ihnen Unterlagen zukommen lassen.

 

Obwohl E-Mail inzwischen ein recht verbreitetes Medium ist, wird man um zahlreiche telefonische Anfragen nicht herumkommen. Oft ist das Telefon der E-Mail sogar vorzuziehen, denn Telefonate werden persönlicher, ausführlicher und nicht immer mit einer Standard-Absage beantwortet. Man sollte zwar nachfragen, aber einen Ansprechpartner für Bewerbungsunterlagen bekommt man, wenn man nicht zufällig mit dem Chef selbst spricht, nur in den seltensten Fällen genannt. Viele Firmen sind so klein, dass es keine festen Zuständigkeiten gibt. Um Anrufe und auch die Bewerbungen kümmern sich übrigens ziemlich oft die Praktikanten.

 

Richtig bewerben

Es ist ein Teufelskreis: Jeder fragt nach den Vorkenntnissen, aber gerade diese will man ja sammeln. Wenn man bei seinen Bewerbungsunterlagen ein paar grundlegende Sachen beachtet, kann man trotzdem an eine Praktikantenstelle kommen: Dass die äußere Form stimmen muss, ist wohl klar. Daran sieht man nämlich, ob ein Bewerber ein bisschen Ahnung von Gestaltung hat (schlichter ist im Zweifelsfalle besser) und vor allem, ob er sich mit Textverarbeitungssoftware am PC auskennt. Also sollte man sich tunlichst mal mit Tabulatoren und Formatvorlagen beschäftigen, die interne Hilfe der Textverarbeitung bringt einen dabei schnell ans Ziel. Handgeschriebene Lebensläufe erwartet kaum eine Firma. Wenn doch, dann sagen sie das schon. Aber ein grober Überblick, was man bis dato geleistet hat, ist nicht schlecht. Wenn man irgendetwas zum Thema Film oder Medien vorzuweisen hat (z. B. Praktika :-), Hobbys, Ferienjobs, Wettbewerbe, u.s.w.), dann gehört das in den Lebenslauf. Natürlich kann man die Unterlagen ggf. auch elektronisch per E-Mail- Anhang versenden. Das spart Porto und jede Menge Passfotos, birgt aber die Gefahr in sich, dass die Unterlagen noch weniger Beachtungen finden, als sie ohnehin bekommen.

 

Am allerwichtigsten ist aber, dass die Leser der Bewerbung wissen, wofür man den potenziellen Praktikanten einsetzen kann. Wie sieht es mit Deutsch- und ggf. Englisch-Kenntnissen aus (Telefon), mit Computerkenntnissen (Verwaltung), sprachlicher Qualifikation (Rechtschreibung, Ausdruck), was ist mit dem technischem Vermögen und welche besonderen Fähigkeiten hat man? Vielleicht will die Firma ihre Website gepflegt wissen, das Verwaltungssystem muss auf den neusten Stand gebracht werden oder es gibt viel zu löten... Völlig egal: Hauptsache, man hat etwas, das die anderen nicht haben!

 

Wie? Das sind nicht die Arbeiten, die Sie sich vorgestellt haben? Tja, keiner hat gesagt, dass ein Praktikum nur Vergnügen bedeutet. Aber wenn einem nach dem Vorstellungsgespräch die Arbeitsstelle gar nicht zusagt, dann kann man ja noch immer absagen. Bei einer ordentlichen Praktikantenstelle sollte man wenigstens mit den Geschäftsdaten (Verwaltung) und dem Arbeitszeug (Equipment, Planung, etc.) in Kontakt kommen, sonst lernt man höchstwahrscheinlich nichts. Wenn man Glück hat, dann sieht die angesprochene Firma in dem Bewerber eine billige Arbeitskraft und mit sehr viel Glück kümmert sich auch noch jemand darum, dass man parallel dazu etwas lernt. Ohne persönlichen Einsatz und Interesse nützt aber das beste Praktikum nichts und wer nicht über den Computer hinausschaut, hat am Schluss nicht mehr als eine Praktikumsbescheinigung – alle anderen haben hoffentlich auch etwas gelernt.