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Schauspiel gehört zu den Berufsfeldern, in denen das Altern als unerwünscht gilt und man das Thema möglichst verdrängt oder durch Schönheits-OPs zumindest zu verschieben versucht. Der Umgang der Medien mit dem Älterwerden ist überaus seltsam. Oft genug kommt es zu absurden Behauptungen in Filmen. So lagen beispielsweise das Alter von Tochter Elaine (Katharine Ross) zu ihrer Mutter Mrs. Robinson (Anne Bancroft) in "Reifeprüfung" (Regie: Mike Nichols 1968) nur zehn Jahre auseinander. In einem Deutschen TV Movie "In inniger Feindschaft" (Regie: Claude Faraldo, D 1990) spielten die etwa gleichaltrige Hildgard Knef und Inge Meisel fast gleichaltrige Geschwister, obwohl die Schauspielerinnen 15 Jahre auseinander lagen. Es ist überraschend, wie wenige Schauspieler*Innen zu ihrem Alter stehen, Geraldine Chapline ist eine der wenigen.

Geraldine Leigh Chaplin hat in zahlreichen Klassikern der Filmgeschichte, etwa „Limelight“ (gemeinsam mit ihrem Vater Charles Chaplin), „Doktor Schiwago“ oder „Nashville“ mitgespielt. Ihr Markenzeichen waren stets komplexe, manchmal exzentrische und immer den Zuschauer fordernde Rollen, wofür Sie in der Welt der Kinofans geliebt und geschätzt wird. Sie spricht fließend Englisch, Französisch und Spanisch, was sie in zahlreichen internationalen Filmen unter Beweis gestellt hat.

Als Tochter von Charlie Chaplin und Oona O’Neill wurde sie 1944 als jüngstes von Chaplins acht Kindern, in Santa Monica, Kalifornien geboren. Als junges Mädchen besuchte sie ein Internat in der Schweiz, unweit des Genfersees. Die Rolle der Tonya, der Ehefrau Dr. Schiwagos in David Leans Klassiker, machte sie über Nacht weltberühmt. Sie spielte in mehreren Filmen ihres damaligen Ehemanns, Carlos Saura mit ("Anna und die Wölfe", "Pfefferminz Frappe", "Mama wird 100 Jahre alt", "Züchte Raben"), drehte auch mit Robert Altman, Martin Scorsese, Alain Resnais, Jacques Rivette, Franco Zeffirelli und Pedro Almodóvar. Insgesamt hat Geraldine Chaplin in mehr als 100 Kinofilmen mitgewirkt.

Als Hauptgrund, warum sie immer seltener besetzt wurde, nennt sie die Tatsache, dass sie im Gegensatz zu den meisten ihrer Kolleginnen nicht geliftet sei. So könne sie eigentlich nur eine Oma spielen. Sie hat trotzdem keine Probleme mit Nahaufnahmen. Es gäbe kaum noch Schauspielerinnen, die wie alte Frauen aussehen würden, meint Geraldine Chaplin dazu.

Diese Aussage wirft einerseits ein ehrliches, andererseits aber auch ein beunruhigendes Licht auf die Filmbranche. Tatsächlich gibt es nur wenige Schauspieler*Innen, die den Mut haben, sich so zu zeigen, wie sie sind, auch im Alter. Oft genug liegen das reale Alter und das sogenannte Spielalter insbesondere von Schauspielerinnen, Jahre, wenn nicht Jahrzehnte auseinander. Da fallen einem nur sehr wenige andere, beispielsweise eine Frances McDormand (Fargo, Nomadland, Three Billboards Outside Ebbing, Missouri) ein, die dem Jugendwahn der Branche nicht folgen wollen. Doch gerade diese Authentizität, diese Ehrlichkeit und dieser Realismus werden vom Publikum zunehmend honoriert.

In einer ihrer letzen Kinoarbeiten „Holy Beasts" (Regie: Israel Cárdenas und Laura Amelia Guzmán, 2019) verkörpert Geraldine Chaplin eine ältere Punk-Diva, welche versucht, das letzte Musical eines verstorbenen Freundes fertigzustellen und dabei fast durchdreht.

Für ihre besonderen Verdienste um die Filmkunst erhielt Geraldine Chaplin als herausragende Persönlichkeit des Filmschaffens viele Auszeichnungen, darunter auch den „CineMeritAward“ des Filmfests München. Aktuell lebt Geraldine Chaplin zusammen mit ihrem Ehemann Patricio Castilla, in Corsier, einem kleinen Dorf am Genfersee in der Schweiz, ganze zehn Gehminuten von dem Haus entfernt, in welchem ihr Vater, Charlie zuletzt gelebt hatte.

So wie das Altern zur Realität der Menschen gehört, sollten sich die Medien dringend darauf einlassen, Filmfiguren so zu erzählen und zu zeigen, wie sie sind. Das wird den Filmen gut tun und auch vom Publikum honoriert werden.

 

Auswahl an Filmen

"Limelight" 1952

"Dr. Schiwago" 1965

"Die Gräfin von Hongkong" 1967

"Anna und die Wölfe" 1973

"Nashville" 1975

"Züchte Raben" 1975

"Eine Hochzeit" 1978

"Remember My Name“ 1978

"Mord im Spiegel" 1980

"Das Leben ist ein Roman" 1983

"Theater der Liebe" 1984

"Zeit der Unschuld" 1993

"Jane Eyre" 1996

"Beresina oder Die letzten Tage der Schweiz" 1999

"Sprich mit ihr" 2002

"Melissa P. – Mit geschlossenen Augen" 2005

"Americano" 2011

"The Impossible" 2012

"Another Me – Mein zweites Ich" 2013

"Sieben Minuten nach Mitternacht 2016

"Jurassic World: Das gefallene Königreich" 2018

"Holy Beasts" 2019

 

Darüber hinaus hat Geraldine Chaplin in diversen Serien wie "The Crown", "Hinter den Mauern" oder "The Cop – Crime Scene Paris", mitgespielt.

 

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