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Früchte sind nicht nur ein beliebter Lieferant für Vitamine, sondern auch für Filmtitel. Die jeweiligen Früchte haben dabei meist eine metaphorische Funktion, die in dem Film selbst eine zentrale Rolle einnimmt oder die grundlegende Thematik des Films widerspiegelt. So beschreibt der Titel "Früchte des Zorns" (OT: "The Grapes of Wrath", USA, 1940) von Regielegende John Fords gleichnamiger Literaturverfilmung die heranreifende Wut angesichts der Großen Depression von 1929. In Ingmar Bergmanns "Wilde Erdbeeren" (SWE, 1957) sind die Erdbeeren ein zentrales Handlungselement, an das sich die Hauptfigur, der alternde Professor Isak Borg zurückerinnert. Diese hatte er in seiner Jugendzeit mit seiner großen Liebe Sara gepflückt - die Erdbeeren haben also einen spezifischen sentimentalen Wert und repräsentieren als wilde Erdbeeren die Jugendzeit. 

Zentraler Handlungsgegenstand sind Früchte auch in Franz Antels 1954 erschienener Komödie "Die süßesten Früchte", in der der Titel sowohl für die Bananen, deren Handelsstopp zwischen zwei fiktiven Staaten (Perlonien und der wenig subtilen Bananenrepublik Bananien) zu Konflikt führt, aber auch metaphorisch für die (chaotische) Liebe steht. Der Film behandelt dabei den realen Mangel an Südfrüchten im Nachkriegsdeutschland und verhalf Peter Alexander, der das gleichnamige Titellied sang, zum Durchbruch - der Beginn der deutschen Schlagerkomödie. 

In den 70ern und 80ern mussten Früchte , sowohl durch ihre phallische Symbolik als auch Assoziationen (süß, reif) als Titel zahlreicher Erotikfilme herhalten. Etwa 1981 für die französisch-japanische Koproduktion "Die Früchte der Leidenschaft" von Shuji Terayama. Im Originaltitel "Les Fruites de la Passion" ein Wortspiel mit der Passionsfrucht, die mit Leidenschaft gleichgesetzt wird. Deren Name ist aber eigentlich an die Passion, also das Leid Christi, angelehnt, da ihr dorniges Äußeres die ihre Entdecker, die spanischen Jesuiten, an die Dornenkrone Jesu erinnerte.

Wie auch die Passionsfrucht können bestimmte Früchte mit bestimmten Bedeutungen verbunden sein, die entweder in einem Film selbst gegenständlich oder die Thematik widergeben können. Beispielsweise stehen Kirschen oft für Vergänglichkeit (etwa in dem Titel des 1997 erschienen französischen Suizid-Dramas "Der Geschmack der Kirsche" von Abbas Kiarostami) oder Verlangen (ein Streit um Kirschen als Neiddebatte in Erich Engels' "Kirschen in Nachbars Garten" von 1935), Orangen für Gefahr/Aggressivität (Kubricks "A Clockwork Orange" (GB, 1973)) und Bananen für Chaos, da im Englischen der Begriff "bananas" dafür verwendet wird (zum Beispiel in der australischen Kinderserie "Bananas in Pyjamas" (1992)) . In der Roman-Verfilmung "Der Geschmack von Apfelkernen" (DE, 2013) steht der Titel für den transformativen Prozess von etwwas Süßem (dem Apfel), an dessen Ende nur die bitteren Kerne verbleiben.

Eher ein Übersetzungsfehler liegt bei "Türkische Früchte" vor. Das 1973 erschienene niederländische Drama verhalf sowohl Regisseur Paul Verhoeven als auch Kameramann Jan de Bont und Schauspieler Rutger Hauer zum Durchbruch. Die "Turks fruit" meint nämlich den bei uns die als türkischen Honig bekannte Süßspeise, die die Protagonistin Olga am ende des Films als einzige Nahrung zu sich nehmen kann.  Ebenfalls eine Frucht im Titel, aber dabei um ein bewusstseinsverändertes Kraut drehend: "Ananas Express". In der zotigen US-Komödie von David Gordon Green aus dem Jahr 2008 steht die titelgebende Marihuana-Sorte im Fokus. 

Und dann gibt es da noch eine beliebte Frucht, die Filmemacher in der Regel ungern entgegennehmen: Die goldene Himbeere - der Preis für den schlechtesten Film.

 

Fruchtige Filmtitel:

  • "Kirschen in Nachbars Garten" (Regie: Erich Engels'  D 1935)
  • "Früchte des Zorns" (OT: "The Grapes of Wrath", USA, 1940 von John Ford)
  • "Der Apfel ist ab" (Regie: Helmut Käutner, D 1948)
  • "Die süßesten Früchte" (Regie: Franz Antel D 1954)
  • "Wilde Erdbeeren" (Regie: Ingmar Bergmann, SWE, 1957)
  • "Die Flottenpflaume" (Originaltitel: Flådens friske fyre, Regie: Finn Henriksen Dänemark 1965)
  • "Die Farbe des Granatapfels" (UdSSR (Armenien), 1969 - Regie: Sergei Paradschanow)
  • "Onkel Paul, die große Pflaume" (Originaltitel: Hibernatus, F. It. 1969. Regie von Édouard Molinaro)
  • "Blutige Erdbeeren" (Regie: Stuart Hagmann, USA 1970)
  • "Bananas" (Regie: Woody Allen, USA 1971)
  • "A Clockwork Orange" (Regie: Stanley Kubrick, GB, 1973)
  • "Türkische Früchte" (USA 1973 Regie: Paul Verhoeven)
  • "Bittere Beeren". Kinderfilm (UdSSR 1977 Regie: Kamara Kamalowa)
  • "Die Früchte der Leidenschaft" (Regie: Shuji Terayama, Jap. Fr 1981)
  • "Banana Joe" (ITA, 1982 - Regie: Stefano Vanzina)
  • "Blueberry Hill" (BEL, 1989 - Regie: Robbe de Hert)
  • "Grüne Tomaten" (USA, 1991 - Regie: Jon Avnet)
  • "Aprikosen im Korb" (Regie: Takis Touliatos, Gr. 1992)
  • "Böse Datteln" (Deutschland 1992 Kurzfilm, Regie: Holger Neuhäuser)
  • "Der Duft der grünen Papaya" (VNM, Frankreich 1993 - Regie: Tran Anh Hung)
  • "Erdbeer und Schokolade" (Originaltitel: Fresa y chocolate, Regie: Tomás Gutiérrez Alea 1993)
  • "James und der Riesenpfirsich" ;(Regie. Henry Selick, USA 1996)
  • "Der Geschmack der Kirsche" (F. 1997 Regie: Abbas Kiarostami)
  • "Brombeerzeit" (GB, 1998 - Regie: David Leland)
  • "Der Apfel" (Regie: Samira Makhmalbaf, Iran 1998)
  • "Georgische Trauben" (Erotikfilm, Georgien 2000, Regie: Giorgi Shengelaia)
  • "Adams Äpfel" (DK, 2005 - Regie: Anders Thomas Jensen)
  • "Kirschblüten - Hanami" (DE, 2008 - Regie: Doris Dörrie)
  • "Ananas Express"( Regie: David Gordon Green, USA 2008)
  • "Huhn mit Pflaumen" (Frankreich Deutschland 2010/2011, Regie: Vincent Paronnaud, Marjane Satrapi)
  • "Blaubeerblau" (DE, 2011 - Regie: Rainer Kaufmann)
  • "Der Geschmack von Apfelkernen" (Regie: Vivian Naefe, DE, 2013)
  • "Verflucht saure Trauben, fürwahr" (Deutschland 2014 Kurz-Animationsfilm, Regie: Deveroe Aurel Langston)
  • "Birnenkuchen mit Lavendel" (Originaltitel: Le goût des merveilles) (Regie: Éric Besnard F. 2015)
  • "Von Trauben und Menschen" (Doku, Regie: Regie: Paul Lacoste, F 2016)
  • "Obst & Gemüse" (DE, 2017 - Regie: Duc Ngo Ngoc)
  • "Under the Apple Tree" (N, 2018 - Regie: Erik van Schaaik)
  • "Banana Split" (USA, 2018 - Regie: Benjamin Kasulke)
  • "Zeit der Brombeeren" (TUR, 2021 - Regie: Hasim Özdemir)
  • "Die Insel der Zitronenblüten" (Regie: Benito Zambrano, D 2021)
  • "Passionsfrucht" (Regie: Melina Namdar, 2022)
  • "Himbeeren mit Senf" (DE, LUX, N, CH - 2023, Regie: Ruth Olshan)
  • "Die Saat des heiligen Feigenbaums" (Regie: Mohammad Rasulof, Iran 2024)
  • "Mango" (DK, 2025 - Regie: Mehdi Avaz)

 

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