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Ein langlebiges Genre

Ob Schauergeschichten am Lagerfeuer, Mythen wie „Dracula“, Feste wie Halloween oder Literaturklassiker wie „Frankenstein“ – der Horror gehörte schon immer in irgendeiner Form zur Populärkultur. Die Möglichkeit, bedrohliches zu erleben ohne in echter Gefahr zu sein, hat ja auch seinen gewissen Reiz und fasste natürlich auch schnell im Filmbereich Fuß. Bedeutende Anfänge machte das Genre dabei im deutschen expressionistischen Stummfilm. Am bekanntesten dürften dabei „Das Kabinett des Dr. Caligari“ und „Nosferatu“ sein – deren Einfluss in der Filmgeschichte bis heute nachhallt und die Grundlage dessen schuf, was schließlich 1931 mit Bela Lugosi als „Dracula“ offiziell zum Horror wurde. Universal ließ daraufhin ein ikonisches Gruselkabinett um den „Wolf Man“ und Co. von der Leine – welches der Konzern in den 2010er Jahren in frankensteinscher Manier erfolglos wiederbeleben zu versuchte. Das Genre war aber allgemeinhin noch recht breit definiert – auch Mystery- und Thrillerfilme wurden als Horror oder auch Terror-Filme deklariert. Bis heute ist keine wirkliche, ganzeinheitliche Definition des Genres festgelegt.

 

Der Film im Gleichschritt mit der Geschichte

Die Geschichte des Films bewegt sich immer im Gleichschritt mit den gesamt-historischen Entwicklungen. Filme wie „Das Kabinett des Dr. Caligari“ reflektierten etwa die Krisen und Erlebnisse seit dem 1. Weltkrieg. Die Horrorfilme der 1950er-Jahre gingen wiederum mit dem technischen Fortschritt des 2. Weltkrieges und der Angst vor einem Atomschlag einher. Daraus gewann das Science-Fiction-Genre massiv an Popularität – der Fortschrittsgeist – das zugleich mit der Angst vor dem Fortschritt in Form des Horrors kombiniert wurde. Untertassen pulverisierten ganze Städte, Insekten und Spinnen wurden plötzlich haushohe Ungetüme.

Auch die grassierende Angst vor dem Kommunismus spielte eine wichtige Rolle in dieser Zeit. Der bekannteste filmische Vertreter dieser Angst dürfte wohl Don Siegels 1956 erschienener Klassiker „Invasion of the Bodysnatchers“ sein, in dem die Bewohner einer Kleinstadt nach und nach durch seelenlose Alien-Replika ausgetauscht werden. Viele Zuschauer interpretierten den Film als anti-kommunistisch oder wiederum als Antwort auf die Paranoia der McCarthy-Zeit. Der Produzent des Films, Walter Mirisch, kommentierte später in seiner Autobiografie, dass die politische Lesart des Films nie intendiert war. In den 60ern schuf Altmeister Alfred Hitchcock mit „Psycho“ einen Meilenstein des Horror-Genres.

Der Film basierte dabei nicht auf Literatur, bediente sich bei zeitgenössischen Geschehnissen, etwa dem Fall um Serienmörder Ed Gein. „Psycho“ markierte einen klaren Verstoß gegen den veralteten Hayes-Code. Dieser war seit den 1930ern aktiv und beschränkte Filmemacher darin, was sie auf der Leinwand an gewalttätigen oder sexuellen Inhalten zeigen konnten. Der Hayes-Code war damit auch verantwortlich für eine weitere wichtige Entwicklung im Filmgenre: Die des Subtextes – der verbotene Themen subtil in Filme einbrachte. Hitchcocks Klassiker war zugleich aber auch Urvater eines der wichtigsten Horror-Kategorien: Dem Slasher – der insbesondere durch Tobe Hoopers „Texas Chainsaw Massacre“ (1974) und John Carpenters „Halloween“ (1978) eine neue Ära in den 80ern einleitete, die deutlich brutalere Filme als zuvor hervorbrachte – und zugleich die wahrscheinlich kontrovers diskutierteste Zeit des Horror-Films in Form der „Video-Nasties“.

Weitere Meilensteine finden sich in dieser Zeit in Stanley Kubricks Stephen-King-Verfilmung „The Shining“ (1980), Body-Horror wie David Cronenbergs „The Fly“ (1986) oder John Carpenters „The Thing“ (1982) – der gewissermaßen die Selbstoptimierung, aber auch Krankheitsängste (insbesondere hinsichtlich AIDS) der 80er behandelte. Das Genre des Zombiefilms, welches mit George Romeros „Night of the Living Dead“ (1969) aufkam, feierte in den 80ern seine Blütezeit. Auch in Italien. Dort hatte der Horror durch Giallo, eine eigene Genrerichtung, die verschiedene Horror-Genre-Elemente beinhaltet, Hochkonjunktur. Auch italienische Zombiefilme entstanden in dieser Zeit, die oft für den amerikanischen Heimvideo-Markt produziert wurden. Zudem ging aus Italien einer der ersten Found-Footage-Horrorfilme hervor – der zugleich einen Skandal auslöste: „Cannibal Holocaust“ (1980). Da der Film echte Gewalt gegen Tiere zeigt und die Echtheit einiger Gewaltdarstellungen hitzig diskutiert und juristisch verhandelt wurden, ist der Film bis heute in vielen Ländern auf dem Index.

 

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Ein Klischee jagt das nächste

In den 90ern wurde Wes Cravens „Scream“ (1996) zu einem Hit – gewissermaßen eine Parodie auf den Slasher-Film, die genüsslich die typischen Klischees des Slasher-Films zelebrierte und auf die Schippe nahm – um dann schließlich durch „Scary Movie“ (2000) selbst parodiert zu werden. Denn auch die zahlreichen Klischees, die mit den verschiedenen Kategorien und Perioden einhergehen, sind ein fester Bestandteil der Horrorfilm-DANN und beliebter Gegenstand von Subversionen und Parodien. Diese reichen schon bis in die Frühzeit des Horrorkinos zurück – als etwa Abbot und Costello 1948 auf Frankenstein trafen. Daraus entstand ebenfalls wieder ein eigenes Genre: Die Horror-Komödie. Was auf den ersten Blick gegensetzlich wirkt, kann im Zusammenspiel erstaunlich gut funktionieren – der Horror arbeitet auf den Schockmoment, die Komödie auf die Punchline hin – in beiden Fällen zählen dabei Aufbau, Timing und Ausführung. Den besten Vertretern gelingt es dabei, gleichermaßen zum Lachen und Schaudern zu bringen, indem beispielsweise eine Punchline auf einen nervenzerrenden Spannungsbogen folgt. Einer dieser Vertreter ist zweifelsohne Sam Raimi’s „The Evil Dead 2“ (1987), dessen Umsetzung am besten mit einem Szenenbeispiel visualisiert wird.

 

Ein Spiegel der Moderne

Mit dem Aufkommen günstigerer und besserer Handkameras machte der Horror Ende der 1990er einen weiteren Sprung in Gestalt des Sensations-Erfolges von Eduardo Sánchez‘ und Daniel Myricks „The Blair Witch Project“ (1999). Der Begründer der Found-Footage-Horror-Welle, in dem ein fiktives Dokumentarfilmteam im Wald verloren geht, nahm bei einem Budget zwischen 200 000 – 750 000 Dollar über 280 Millionen Dollar weltweit ein. Der Erfolg war dabei auch dem cleveren Marketing des Films geschuldet, der als einer der ersten das Internet für Promo-Zwecke zu nutzen wusste. Dabei ist das Genre – insbesondere „Blair Witch“ – insofern interessant, dass es authentisch den technologischen Fortschritt und die Demokratisierung des Filmemachens dokumentiert und zugleich mit dessen (sinkenden) Limitationen arbeitet.  Aus dem Mega-Erfolg gingen weitere Franchise wie etwa die „Paranormal Activity“-Reihe hervor.

Ebenfalls ab den 2000ern wurden durch Filme wie James Wans „Saw“ (2004), der wiederum von „The Blair Witch Project“ beeinflusst wurde, Rob Zombies „The Devil’s Rejects“ (2005) und Eli Roths „Hostel“ (2005), seinerseits von „Cannibal Holocaust“ inspiriert, die Grenzen des Gore-Horrors ausgelotet. Auch asiatischer Horror fand verstärkt ein westliches Mainstream-Publikum, vor allen Dingen durch „Ringu“ (1998) und „The Grudge“ (2002) sowie deren US-Remakes. Ab den 2010ern lässt sich ein stärkerer Trend zu Remakes bekannter Horror-IPs, beispielsweise „A Nightmare on Elm Street“ (2010), wie auch eine Welle des übernatürlichen (zumeist auch sehr formelhaften) Jumpscare-Horror – der eigene Franchise, etwa James Wans „Conjuring“-Reihe, aus der wiederum eigene Subfranchise wie „Annabelle“ und „The Nun“ hervorgingen, mit sich brachte. Auch die „Insidious“-Filme – ebenfalls von Wan produziert, seien an dieser Stelle genannt. Weitere namhafte Einträge finden sich durch Jordan Peeles Filme wie „Get Out“ (2017) oder erfolgreiche Indie-Produktionen wie Ari Asters „Hereditary“ (2018), der wiederum als Beispiel für narrativen Horror genannt werden kann, bei dem die Erzählung im Vordergrund steht. Durch den überraschen Erfolg von Damian Leones Low-Budget „Terrifier“-Filmen wurde das Slasher-Genre wieder populär, das nun einerseits auf dem modernen, bierernsten Gore eines Eli Roth und gleichzeitig dem klassischen Slasher – durch eine einprägsame, zentrale Figur als Killer – fußte.

 

Die Zukunft (im Verzug)

Im Zuge dieser neuen Popularität zogen in den letzten Jahren viele Low-Budget-Produktionen nach, die sich, um ebenfalls marketing-strategischen Erfolg zu erzielen, bei bekannten Figuren bedienten, die durch abgelaufene Copyrights ohne Lizenzen verfügbar wurden. Disney hätte nie und nimmer Konzern-Maskottchen Mickey Maus für einen blutigen Slasher hergegeben, aber das gesetzliche Ende des Copyrights für den frühen Animationsfilm „Steamboat Willie“ (1928) ermöglichte die 2025 erschienene Horror-Version „Screamboat“. Das zuvor angesprochene Internet, zur Zeit von „The Blair Witch Project“ noch in den Kinderschuhen, wurde ebenfalls immer bedeutsamer für das Horror-Genre – nicht nur zu Marketing-Zwecken.

Der Horrorfilm „Unfriended“ von 2014 ist der erste (Mainstream-) Desktop-Horror, der sich nur auf einem PC-Bildschirm abspielt. Der Erfolg des Films, der bei Kosten von einer Millionen Dollar über 62 Millionen Dollar einspielte, ermöglichte wiederum weitere filmische Experimente wie den Thriller „Searching“ (2018). Das Internet wurde aber nicht nur zu einem filmischen Gimmick, sondern auch zum Motor der Populärkultur – den Hollywood (wie so viele Trends) mit starker Verspätung und einem oft einhergehenden Unverständnis gegenüber der Materie für sich entdeckte. Das Internet selbst hat dabei längst eigene Horror-Ikonen und Genres hervorgebracht, etwa den Analogen Horror. Ein Genre, das sich stilistisch an alten Werbe-, Informations- und Nachrichtenformaten bedient und auf eine analoge Ästhetik, etwa den VHS-Look, setzt und wiederum stark von filmischen Werken, aber auch zeitgenössischen Internetphänomenen geprägt ist.

Eines dieser Phänomene (welches eigentlich längst wieder out ist) ist das der sogenannten „Backrooms“ – ein Internet-Meme in der eine parallele Welt durch „No-Clipping“, also wie in einem Computerspiel, in dem man durch einen Fehler aus der Welt fliegt, betretbar wird. Das Meme beeinflusste Serien wie Dan Ericksons „Severance“ und wurde von Kane Parsons aufgegriffen, der eine Web-Serie zu den Backrooms drehte. Deren Erfolg rief Hollywood auf den Plan. Ein gleichnamiger Film unter der Regie von Parsons, produziert von – wem auch sonst – James Wan, erscheint 2026. Auch Horror-Spiele wie die extrem populäre „Five Nights at Freddy’s“-Reihe fanden bereits ihren Weg auf die Leinwand. Hollywood dürfte der Stoff für neuen Horror also nicht ausgehen und falls doch, kann man ja jederzeit wieder eine alte IP aus dem Grab heben.

 

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