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Die unterschiedlichen Variationen, auf welche Weise Sonnenlicht die Welt beleuchten kann, haben nicht nur die Fotografen, Kameraleute und Maler fasziniert

Es hat sich herumgesprochen, dass man beim Film möglichst viel Licht zur Verfügung haben möchte. Doch geht es wirklich nur um die Lichtmenge? Dann könnte man Filme doch am besten im Sommer mitten unter praller Sonne drehen. Doch nur Amateure tun dies freiwillig, arbeiten mitten in der prallen, grellen Sonne und wundern sich über die ausgebrannten Aufnahmen und harten Kontraste.

 

Tatsächlich aber haben selbst die Filmnationen, die geografisch mit besonders viel Sonne ausgestattet sind, so ihre Probleme mit der Lichtfülle. Mit Reflektoren und Butterflys versucht man, dem starken Sonnenlicht seine Härte zu nehmen und Schattenbereiche aufzuhellen. In den USA werden sogar riesige Scheinwerfer eingesetzt, um die harten Kontraste, welche direktes Sonnenlicht produziert, abzumildern.

 

Es kommt eben auf etwas mehr an als nur die Helligkeit. Faktoren wie die Richtung, die Weichheit oder Härte des Lichtes und die Länge der Schatten spielen eine sehr wichtige Rolle.

 

Sonnenreflex

Mit dem Sonnenstand ändert sich auch ständig die Position von Lichtreflexen

Erfahrene Kameraleute wissen bei Außenaufnahmen das weiche Licht der Morgen- und Abenddämmerung zu schätzen. Da erhalten sie ein besonders plastisches Streiflicht. Wenn der Charakter und die Dauer der Arbeit an einer Einstellung oder kurzen Szene es erlauben, sollte man stets versuchen, das zauberhafte Licht des Morgens zu nutzen. Ist man statt dessen eher an hoher Farbsättigung und stärkeren Kontrasten interessiert, ist Auflicht angesagt, anzutreffen vor und nach der Mittagszeit.

 

Wo ging noch mal die Sonne auf?

Eigentlich sollte man es noch aus der Schule wissen, doch am Set spätestens entstehen immer wieder Fehler, weil genau diese Basics in Vergessenheit geraten sind. Oft werden Motive besichtigt und abgenommen, bei denen ein schönes natürliches Licht, Regie und Ausstattung gefällt. Die Besichtigung war nachmittags. Der Drehtag kommt, die Szene soll an dem betreffenden Motiv morgens gedreht werden und zur allgemeinen Überraschung liegt das Motiv gänzlich im Schatten. Schade eigentlich.

 

Nur noch mal zur Erinnerung: Die Sonne geht in unseren Breiten im Osten auf, erlebt ihren Höchststand um die Mittagszeit im Süden (auf der Südhalbkugel der Erde im Norden!) und geht im Westen unter. Drehpläne werden immer wieder umgestellt, man kann nicht jedes Mal ans Motiv fahren und nachschauen, wie das Licht zu einer bestimmten Uhrzeit einfallen wird. Dafür ist eine kleine Skizze, auf der man die Richtungen (Kompass) einzeichnet, sehr hilfreich. Dass die Erde im Verlauf eines Jahres die Sonne auf einer eliptischen Bahn umrundet, ist gemeinhin noch bekannt. Den sich ändernden Einstrahlungswinkeln der Sonne verdanken wir die Jahreszeiten.

 

Drehplan und Sonnenstand

Dass die Erde sich alle 24 Stunden einmal um die eigene Achse dreht, und auf diese Weise während ihrer Jahresbahn um die Sonne Tag und Nacht erzeugt, können wir auch noch getrost zum Allgemeinwissen zählen.

 

Etwas spezieller ist aber der Umstand, dass die Erde dies nicht einfach so auf einer senkrechten Achse tut, sondern mit einer kräftigen Schräglage von 23,5 Grad. Diese ist dafür verantwortlich, dass die Sonne nur innerhalb des Südlichen und nördlichen Wendekreises (jeweils 23,5 Grad nördlich oder südlich) mittags senkrecht im „Zenit“ steht. Außerhalb dieser Wendekreise steht die Sonne nie senkrecht im Zenit. Logisch, dass es innerhalb dieser Wendekreise ganzjährig sehr warm und hell ist.

 

Für die Dreharbeiten wichtig sind Informationen über Sonnenaufgang, Höchststand (Zenit) und Untergang. Diese sind abhängig vom Breiten- und Längengrad sowie dem Datum. Für München Mitte August etwa gilt ein Sonnenaufgang 5:09 morgens, Sonnenhöchststand ist um 12:18 und der Sonnenuntergang um 19:28. Wer den Sonnenstand für seinen Drehort individuell abfragen möchte, kann dies im Internet recht komfortabel tun. Am besten mit SunCalc. Aber auch Cactus2000 und Erde und Sonne liefern gute Ergebnisse.

 

Und natürlich gibt es sowohl für i-phone als auch für Android Handys passende Apps, die Ihnen die ganze Denkarbeit abnehmen und den Sonnenverlauf an jedem Drehort direkt berechnen können. Wenn Sie Ihren Drehtag für ausgewählte Außenshots nach der Sonne richten, kann es sein, dass Sie mit dem frühen Aufstehen Ihr Team nicht gerade besonders erfreuen. Doch vielleicht gelingt es Ihnen ja dafür, mit dem Resultat Ihre Zuschauer um so mehr in Begeisterung zu versetzen?