Cloud Sitting

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Einleitung

Spricht man vom „3D-Film", muss klar unterschieden werden, ob ein animierter Film mit dreidimensional erstellten, digitalen Modellen gemeint ist („Toy Story", 1995; „Rise of the Guardians", 2012), oder ein beliebiger Film, der durch stereoskopische Verfahren beim Zuschauer eine räumliche Tiefenwirkung erzeugen soll, beispielsweise durch eine 3D-Brille. Natürlich kann ein Animationsfilm auch stereoskopisch im Kino ausgestrahlt werden, und ein Realfilm sehr viele animierte Elemente enthalten, ohne als Animationsfilm zu gelten. Durch die verschiedenen Mischformen gehen die Definitionen leicht ineinander über und es ist wichtig, sich mit den genauen Begriffen vertraut zu machen.

 

Diese Artikel behandeln animierte 3D-Filme, welche durch Modellierung und Animation mit einem Programm wie Autodesk Maya oder Blender entstehen. CGI (Computer Generated Imagery) ist der Überbegriff für dieses Verfahren, aus dem sowohl ein kompletter CGI-Film entstehen kann, als auch Simulationen und visuelle Effekte, die bei allen Filmen zum Einsatz kommen können.

 

In diesem Bereich soll beschrieben werden, wie ein animierter 3D-Film entsteht und dessen Produktion näher betrachtet werden.

 

Preproduktion


Wie bei jedem anderen Film beginnt der 3D-Animationsfilm mit einer sorgfältigen Vorbereitung, um das Aussehen des Endprodukts zu bestimmen. In dieser Phase wird geforscht, welche ähnlichen Ideen und Umsetzungen schon existieren, es werden Moodboards und Referenzen zusammengestellt und Ideen festgehalten oder skizziert. Für jeden Charakter wird ein sogenanntes Character Sheet erstellt, in dem Ganzkörperansichten enthalten sind, verschiedene Posen, Kleidung, Details, etc., um die Persönlichkeit der Figur so genau wie möglich zu bestimmen.

 

Für jede noch so kurze Story ist es sinnvoll, ein Storyboard anzulegen, auch wenn dieses aus wenigen einfachen Skizzen besteht. Ob es ein Werbespot von 30 Sekunden ist oder ein Featurefilm - ein Storyboard spart Zeit und sorgt für konzentriertes Arbeiten. Dabei werden die Schlüsselszenen des Films oder des Spots entweder digital oder traditionell auf Karten skizziert. Die Einzelbilder werden dabei Frames genannt und durchnummeriert. Sie können neben der Skizze noch zusätzliche Beschreibungen darüber beinhalten, was in dieser Einstellung noch geschieht, oder Dialoge der Figuren auflisten. Kamerabewegungen werden mit Pfeilen angedeutet, ebenso eigene Bewegungen der Charaktere und der Gegenstände.

Wie bei Realfilmen werden die Frameinhalte und Ereignisse auf die Frage überprüft, wie die Figuren am besten in Szene gesetzt werden könnten. Ähnlich wie bei einzelnen Bildern und Illustrationen geht es bei Storyboard-Frames darum, eine Aussage verständlich zu machen, mit Hilfe der Regeln der Perspektive, der verschiedenen Bildebenen und der Farbgebung. Je besser dies im Zusammenspiel gelingt, desto leichter ist es, die Geschichte nachzuvollziehen. Die Frames müssen nicht detailliert sein, aber sie müssen das Wesentliche klar kommunizieren können.

 

Ein Storyboard kann schnell erstellt sein, oder aber mehrere Versionen erfordern und immer wieder neu gezeichnet werden. Genauso sollte bei den Charakteren kritisch überprüft werden ob eine Figur tatsächlich genug Anziehungskraft besitzt, um die Hauptrolle im Film zu spielen. Eventuell ist eine Änderung am Design oder an der Persönlichkeit notwendig, oder eine andere Figur stellt sich als wichtiger heraus. Diese Unvorhersehbarkeit ist normal und es kann sehr bereichernd sein, sich darauf einzulassen. Wichtig ist, dass der kreative Prozess eben in dieser Phase stattfindet. Wenn Monate damit verbracht werden, ein aufwendiges Modell in 3D herzustellen und es zu texturieren, aber dann festgestellt wird, dass die Figur überhaupt nicht in den Film hineinpasst oder der Plot nicht wirklich funktioniert, dann wurde viel Zeit verschwendet, welche besser in eine längere Preproduktion investiert gewesen wäre.

 

Inhalte nicht vernachlässigen

Die zahlreichen Möglichkeiten, die offen stehen, wenn ein Animationsfilm erstellt werden soll, verleiten leicht dazu, ein lediglich optisch beeindruckendes Werk zu erstellen, bei der man mit neuen technischen Errungenschaften punkten kann und Glanzvolles präsentieren kann, das inhaltlich wenig Geschichte bietet. Dies ist auch bei Hollywoodfilmen der Fall. Auch die besten visuellen Effekte, egal wieviel Innovation sie beinhalten, müssen relevant in eine Geschichte eingebunden werden, um eine optimale Wirkung zu erzielen.

 

Mit einem Storyboard und einer starken Geschichte kann diesem unerwünschten Effekt entgegengewirkt werden. Besonders im Gespräch innerhalb des Filmteams kann schon geprüft werden, wie der Storyflow ist, ob die Geschichte verständlich ist und wirklich funktioniert. Sofern man alleine an dem Film arbeitet, sollte man immer wieder nach Möglichkeit mit anderen die Ideen und Ergebnisse besprechen, um zu erkennen, ob man auf dem richtigen Weg ist.

 

 

(Die Autorin des Artikels, Nika Robin, ist Studentin in der Fachrichtung Animation an der Macromedia University München.)

 

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