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Historisches Material restaurieren 5000

Die Künstliche Intelligenz ermöglicht es, durch teilautomatisiserte, sonst enorm aufwändige Prozesse, alte dokumentarische Filmaufnahmen näher an unsere heutigen Rezeptionsgewohnheiten heran zu holen

 

Archiv-Aspekte

Wer historische Stoffe verfilmt oder den Zuschauern vergangene Zeiten möglichst nah bringen möchte, sollte versuchen, so tief wie möglich in die jeweilige Zeit einzutauchen. Oftmals hat man das Gefühl, dass bereits 100 Jahre in der Vergangenheit, unendlich weit entfernt zu sein scheinen. Das liegt auch daran, dass es bei der Restaurierung historischer analoger Schwarzweiß-Filmaufnahmen gar nicht um eine Verschönerung oder Modernisierung, sondern vor allem um den Erhalt, die Authentizität und eine gewisse historisch-technische Verantwortung geht. Dabei achtet man akribisch darauf, dass keine automatische Kontrast- oder Schärfeveränderung stattfindet, dass das Filmkorn zwingend erhalten und nicht nicht geglättet wird und dass so etwas wie Staub,- oder Kratzerkorrektur nur äußerst moderat zur Anwendung kommt.

Etwas anders sieht es aus mit gezielten Reparaturen des durch Alterung beeinträchtigten 35mm oder 16mm Materials, wie der Stabilisierung von Bildzittern (Bildstand), der sensiblen Entfernung von Staub, Kratzern, Flickern, unter Umständen auch dem Ausgleich ungleichmäßiger Belichtung und natürlich der Rekonstruktion einzelner beschädigter Einzelbilder (Frames). Grundprinzip hinter all dem ist es, ein für die Zeit der Herstellung typisches Erscheinungsbild (= analoge Schwarzweiß Filmkopie) zu erhalten. Das ist aus Sicht der Filmarchive und Filmmuseen auch absolut richtig.

Was für das Bild gilt, hat auch für die Tonebene (zumeist Lichtton) Gültigkeit. Man ist bestrebt, den Originalton, selbst wenn dieser verrauscht ist, zu erhalten und seltzt nur sehr vorsichtig Rauschreduktion ein. Auch am räumlichen Eindruck wird nichts verändert, aus Monoaufnahmen wird keine künstliche Stereo-Verbreiterung gemacht. Wichtig ist auch hier der historische Eindruck und die synchrone Wiedergabe.

 

Dogmen vs. Emotionen

Wenn man allerdings eher aus einem gestalterischen, kreativen Aspekt heraus mit derartigen Materialien arbeit, fühlen diese sich extrem weit entfernt an. Das liegt vor allem daran, dass man oft nur stilisierte, iszenierte gar nicht selten der Propaganda dienende Aufnahmen kennt, dabei wäre der Alltag der Menschen, das einfache Leben viel aufschlussreicher. Es hat aber auch mit etwas zu tun, was Filmwissenschaftler kaum nachvollziehen können. Junge Menschen schauen sich kaum bis gar nicht mehr Schwarzweißaufnahmen an. Das ist natürlich höchst bedauerlich, weil der größte Teil der Filmgeschichte und auch dokumentarischer Aufnahmen in Schwarzweiß gedreht wurden.

Um genau diese Generationenkluft oder auch emotionale Distanz zu überwinden, wird auch dank KI immer öfter historisches Material anders aufbereitet, als es filmhistorische Aspekte verlangen. So werden aktuelle Farblooks auf das Schwarzweiß-Material gerechnet, wird der Kontrast erhöht, werden Aufnahmen nachträglich geschärft und sogar die alten 4:3 Formate an 16:9 oder andere Bild-Seitenverhältnisse angepasst. Wenn das gut gemacht wird, können derartige Aufnahmen überraschende Resultate hervorbringen.

Denn es gibt überraschende Quellen, professionelle, wie auch Amateuraufnahmen, die einem näher bringen, dass die Menschen damals eigentlich ähnliche Interessen nachgingen, wie wir Menschen heute auch.

Mit Mittel der Bildrestaurierung sowie der KI können seltene historische Alltagsaufnahmen durch Colorierung und saubere Tonatmos aus dem Staub des Alten befreit und den heutigen Zuschauern zugänglicher gemacht werden. Leider schwankt die Qualität dieser Videos stark, nicht immer wurde das beste Ausgangsmaterial verwendet.

Grundsätzlich eröffnet die Künstliche Intelligenz in diesem Bereich deutlich bessere und kostensparende Möglichkeiten, historisches Material einem Filmpublikum näher zu bringen. Das bezieht sich ausdrücklich auf dokumentarisches Material, gestaltete Filmwerke sollten selbstverständlich nicht verändert werden. Die Videobeispiele weiter unten, sind nicht "State of the Art" Bearbeitungen, insbesondere die Schärfe und Auflösung lassen zu wünschen übrig, doch sie lassen erahnen, wohin die Reise gehen kann.

 

 30 er Jahre Berlin

 

20 er Jahre Berlin

 

 

Berlin 1900

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