Vorsicht, Schnäppchen!

Blackmagic Pocket

Blackmagic Pocket,- wenn man sie gebraucht erwirbt, können, wie bei allen gebrauchten Geräten, Fallstricke lauern. Tote Pixel auf dem Display und Ähnliches, da ist viel Vertrauen gefragt.

Manches, was einem in den einschlägigen Online-Bietportalen angeboten wird, klingt sehr verlockend, weil die Preise versprechen, viel Geld bei der Beschaffung zu sparen.

Doch es gibt auf dem Weg zum preiswerten Equipment auch so manche Fallstricke, einige davon möchten wir hier erwähnen.

 

HDMI-Kabel

Zu den Bereichen, wo man vorzüglich völlig unnötiges Geld versenken kann, gehören ohne Zweifel die HDMi Kabel. Manche kosten weit über 100 Euro. Die Anbieter profitieren von dem alten Wissen aus analogen Zeiten, dass die Kabelqualität und die Güte der Kontakte über die Bild,- und Tonqualität mitentscheiden. Doch das waren damals analoge Signale.

 

HDMI transportiert digitale Signale. Und wenn die am anderen Gerät ankommen, kommen sie an. Sie werden nicht besser durch Goldkontakte oder besonders dicke Leitungsadern. Für 5-8 Euro kann man bereits einwandfreie Kabel für HD erwerben.

 

HDMI Kabel

Nein,- bei normal kurzen Distanzen bringt ein teureres HDMI Kabel keinerlei Verbesserung der Bild,- oder Tonqualität

Unterschiede gibt es lediglich bei den Spezifikationen. Manche HDMI Kabel sind vielleicht nicht für ganz hohe Auflösungen geeignet, aber wirklich mehr Geld ausgeben muss man bei HDMI nur, wenn man lange Distanzen überbrücken muss. Dann helfen aktive HDMI Kabel weiter, doch auch die gibt es ab 10 Euro. Wenn es nur um ein paar Meter geht, genügen preiswerte Kabel.

 

 

Objektive

Es hat sich herumgesprochen, dass man viele Optiken an die gängigen Objektiv-Mounts hochwertiger Digitalkameras adaptieren kann. Und Adapter klingt letztlich immer nach Zubehör für kleines Geld. Doch das muss nicht immer so sein.

 

Beispielsweise werden ab und an sehr hochwertige Objektive wie Zeiss Digi Primes, also hervorragend gerechnete und mit bestem Material gefertigte Festoptiken, für verhältnismäßig wenig Geld angeboten. Da kann man mit Glück eine Festoptik, die sonst um die 4-5000 Euro gekostet hat, für 900 Euro ersteigern. Ein Schnäppchen? Nur, wenn der Mount und die Bauart passt. Ganz schwierig wird es nämlich, wenn die Traumoptik mit einem B4 Mount daher kommt.

 

Das bedeutet nämlich, dass sie für 3-Chip-Videokameras mit 2/3-Zoll-Sensor gerechnet und optimiert wurden. Das heißt, sie haben einen Bildkreis von 11,4 mm. Die hochwertigen aktuellen HD- oder 4K-Kameras benötigen aber eher einen Bildkreis von 27,8 mm bzw. 32 mm. Außerdem sind sie nicht auf die Lichtbrechung für einen Sensor (statt ursprünglich drei Sensoren) optimiert.

Diese beiden Probleme lassen sich tatsächlich mit Adaptern beheben, allerdings kosten diese gerne zwischen 2000 und 5000 Euro. Außerdem verliert man durch das optische System im Adapter auch noch deutlich an Lichtstärke. Und weil der Abstand bei den 3-Chip-Kameras wegen des notwendigen Prismas oder Strahlenteilers viel größer war als bei 1-Chip-Kameras, muss der Adapter diesen größeren Abstand künstlich herstellen. Was bedeutet, das Objektiv wird mitsamt Adapter auch noch ziemlich lang.

 

Man sollte sich also gut überlegen, ob man ca. 900 Euro in eine Optik investiert, die man nur gegen einen geringfügigen Aufpreis von mehreren tausend Euro überhaupt erst benutzen kann.

Übrigens stellen sich bei Kameras mit kleinerem Sensor wie die Blackmagic Pocket mit S16 Sensor ähnliche Probleme. Also bitte nicht auf die preiswerteren, rein mechanischen Adapter setzen. Wenn das Objektiv keinen integrierten Extender besitzt, wird das Bild vignettieren.

 

DSLR

Immer wieder werden Flaggschiffe der digitalen Spiegelreflex-Hersteller gebraucht günstig angeboten. Das kann durchaus gut gehen, allerdings gibt es auch Fälle, wo man eine Kamera erwirbt, bei der der Verschluss schon reichlich abgenutzt ist und bald seinen Dienst einstellen wird. Zumeist haben diese Fotoapparate dann vorher einem speziellen Zweck gedient. Entweder waren sie für ausgiebige Time-Lapse-Aufnahmen (etwa Aufnahmen von Baufortschritten an einer Baustelle) oder auch für die bildweise Abtastung von Super-8-Material im Einsatz.

 

So eine Kamera sollte man also nie kaufen ohne die Zahl der Auslösungen zu kennen, die mit ihr gemacht wurden. Sonst wird das vermeintliche Schnäppchen zu einem bitteren Fehlkauf.

 

Funkstrecken

Es klingt höchst attraktiv: Funkstrecken, die in der Anschaffung mehrere tausend Euro gekostet haben, für wenige hundert Euro gebraucht erwerben. Doch Vorsicht! Durch eine für die Medienbranche höchst ignorante Politik wurden Frequenzen, die jahrzehntelang für Fernsehanstalten und Produktionsfirmen reserviert waren, um hochwertigen Ton per Funk zu übertragen, an Telefongesellschaften verkauft. Damit wurde der größte Teil dieser Funkstrecken mit dem 31. Dezember 2015 schrottreif. Man kann einige wenige Geräte umrüsten lassen, allerdings ist die Umrüstung auf die verbleibenen kleinen Funkfenster, in denen Produktionen künftig noch senden dürfen, recht teuer, fast so teuer wie Neuanschaffung.

Siehe dazu auch: Funkstrecken-Dämmerung

 

Und wie heißt es in den Auktions-Portalen so schön: Privatverkauf, keine Garantie, keine Rücknahme...