Remote-Head an der Akropolis

Remote-Head bei Dreharbeiten mit Teleskopkran an der Akropolis (Foto: Dominik Leiner)

Statt riesiger Kräne für Operator und Kamera erledigen heute ferngesteuerte Schwenkköpfe den Job der Kamerabewegung in schwindelnder Höhe. Die Plattformkräne werden immer seltener, immer öfter bedienen nicht mehr Kameraleute oder Schwenker die Kamera von der Plattform eines Krans aus, sondern per Joystick mit Hilfe der Fernbedienung und fer ngesteuerter Schwenkköpfe. Das reduziert einerseits die Produktionskosten (geringere Gerätemiete, weniger Transportaufwand, geringere Auf,- und Abbauzeiten), andererseits geht aber auch ein wenig der "menschliche Faktor" beim Mitschwenken und Auskorrigieren bei Kranfahrten verloren.

 

Fortschritte dank verbesserter Technik

Möglich werden diese Steuerungen durch motorisch betriebene Schwenkköpfe und Steuerungen per Mikrocontroller. Im Prinzip genügen hierfür bereits Minicomputer wie der Raspberry Pi. Hier werden entweder Gleichstromgetriebemotoren oder Servomotoren eingesetzt. Die Pan-Motoren können sich zumeist um 360° drehen, der Tilt-Motor kann sich oft auch nur um 180° bewegen. Meist werden sie via DMX angesteuert. Findige Bastler haben auch Eigenbaulösungen entwickelt, schließlich gibt es im Handel fertige DMX Interfaces für Servomotoren. Die Grundidee dazu kennt man aus der Showtechnik, wo sogenannte Moving Heads Scheinwerfer bzw. Spiegel präzise bewegen.

 

Steuerungen

 

Bei der Fernbedienung sind unterschiedlich aufwändige Panels verbreitet, auch "Remote Camera Control Panel" genannt. Manche besitzen vor allem Joystick und Stellelemente, andere besitzen

zusätzlich einen kleinen Kontrollmonitor zur Bildkontrolle. Häufig erlauben die Joysticks gleichzeitige Bedienung per proportionaler 3-Achsen Pan/Tilt/Zoom und separater Schärfe-Steuerung. Auch die Fernbedienung von Blende und anderen Kamerafunktionen ist möglich. Neuere Systeme sind auch vom Handy aus mit entsprechenden Apps per Blutooth ansteuerbar.

 

 

Profisysteme

Remote-Head auf Fachmesse

Remote-Head

Im eher hochpreisigen professionellen Segment finden sich Remote-Heads wie "Mega Mount III 3 Axis", "Scorpio II 3 Axis", C PEE-POD 500 HD Slider", MAT Micro Plus", "Mo-Sys L40" oder der "Panther Trixy Remote Head". Diese können auch schwere Kamerasysteme (bis zu 30 Kg) zuverlässig und weich mit Hilfe von Servomotoren steuern. Die Preise für solche Profilösungen können 20.000 € und mehr betragen, wobei die Konkurrenz aus Fernost hier bereits für einige Preisanpassungen gesorgt hat.

 

Alternativen

Dank leichterer Kameras, insbesondere auch Spiegelreflex und Mirrorless-Systemen und preiswerter erreichbarer Technik gibt es Lösungen von Remote-Heads bereits ab 2500,- €. Beispiele hierfür sind etwa der "ABC Remote Head V5", "Bradley Z-Head","CinemaPro Jr. K5", "Kessler elektraDRIVE Rev2" u.v.a.

 

Werden Remoteheads etwa an Drohnen oder Seilsystemen eingesetzt, sind sie zusätzlich zur Kompensation von Erschütterungen, mit 3-5 Achsen Stabilisierungssystemen ausgerüstet. Wie so oft bei Bildstabilisierungen liegt die Kunst in der Feinabstimmung, um zu verhindern, dass das Stabilisationssystem gewollte Kamerabewegungen als Erschütterungen interpretiert und gegensteuert.

 

Safety First

Wie bei allen Arten von motorisch betriebenen Geräten müssen besondere Sicherheitsrichtlinien bedacht werden. Hängen der Remotehead und die Kamera über den Schauspielern oder Personen, muss man die Einheit bzw. den Kran zusätzlich sichern um ein Herabfallen zu vermeiden. Selbstverständlich muss der Hebe,- und Schwenkradius des Krans zu allen Seiten hin frei sein und die Bewegungsabläufe sollten, insbesondere auch in Hinblick auf die Raumhöhe getestet werden. Außerdem soll der Remotehead im Betrieb nicht den Boden berühren, wenn die Stellmotoren gegen einen unüberwindlichen Widerstand arbeiten müssen, kann das Gerät Schaden nehmen.

 

Remote-Head mit analoger Filmkamera

Remote-Head mit analoger Filmkamera

Wegen der Software-Ansteuerung der Remote-Heads liegt es nahe, auch über Automatisierung bzw. Abspeicherung von Bewegungsabläufen nachzudenken. Damit lassen sich allerlei Rampen und ungewöhnliche Bewegungsabläufe realisieren und präzise wiederholen. Schließlich sind Remote-Heads auch Bestandteil von allen gängigen Motion-Control Systemen. Zur Steuerung und Programmierung dienen teilweise auch Apps oder der gute alte Palm.