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Junge Frau ausgeleuchtet

Je breiter das Farbspektrum der verwendeten Scheinwerfer, desto leichter lassen sich in der Farbkorrektur natürliche Hauttöne einstellen. Bild aus dem Movie-College Lichtworkshop.

 

Früher war alles einfacher, denkt man. Oder aber im wahrsten Sinne des Wortes auch schwerer. Die Scheinwerfer, die Frostrahmen, die Reflektoren, alles war größer, massiver und damit schwerer zu tragen, aber es war oft leichter, mit ihnen Haut und vor allem Gesichter auszuleuchten. Die riesigen alten Kohlebogen-Scheinwerfer, oft nur zu zweit bewegbar, wie sie zum Teil heute noch in manchen Filmstudios im Osten anzutreffen sind, erzeugten über Jahrzehnte ein verzauberndes Studiolicht. Insbesondere beim Schwarzweißfilm spielte die exakte Farbtemperatur eine geringere Rolle als heute.

Unsere heutigen Scheinwerfer, ganz gleich ob HMI, Halogen, LED oder Fluoreszenzlicht, sind meist leichter, stromsparender und weniger heiß. Gleichzeitig machen manche Lichttechnologien es schwieriger, Gesichter wirklich natürlich auszuleuchten. Das hängt mit der Art der Lichterzeugung und mit der Zusammensetzung der Farbanteile zusammen, die unserem Auge oder der Kamera als Weiß erscheinen. Grund genug, genauer hinzuschauen.

 

Junge Frau ausgeleuchtet

Ausleuchtungsübung im Movie-College Lichtworkshop.

 

LED-Licht

Allen voran sind da die LED-Leuchten. Wie an anderer Stelle im Movie-College erläutert, müssen die einzelnen LEDs genau selektiert sein. Außerdem sollte beim Ausleuchten durch Diffusion, Softboxen oder größere Leuchtflächen aus vielen kleinen Lichtpunkten eine weichere Lichtquelle gemacht werden.

Viele kompakte LED-Leuchten erzeugen aufgrund ihrer kleinen Lichtquelle zunächst ein eher hartes Licht. Durch große Diffusionsflächen, Softboxen oder moderne LED-Panels lässt sich jedoch auch mit LEDs sehr weiches Licht erzeugen. Hohe digitale Auflösungen, moderne Sensoren, HDR und kontrastreiche Lichtsetzungen können Hautstrukturen und Hautunreinheiten stärker sichtbar machen, wenn das Licht zu hart oder spektral unausgewogen ist.

Frühere LED-Generationen besaßen oft deutliche Schwächen im Rotbereich des Spektrums. Viele einfache weiße LEDs erzeugten ihr Licht aus einem blauen LED-Chip und einer gelblichen Phosphorschicht. Für das menschliche Auge konnte dieses Licht weiß wirken, für Kameras und Hauttöne fehlten jedoch häufig wichtige Spektralanteile. Besonders Rot- und Zwischentöne konnten dadurch unnatürlich, blass oder leicht verschoben erscheinen.

Moderne hochwertige Film-LEDs arbeiten heute deutlich differenzierter. Neben Bi-Color-LEDs gibt es RGBWW-Systeme, also Leuchten mit roten, grünen, blauen sowie warmweißen und kaltweißen LED-Anteilen. Dadurch lassen sich Farbtemperatur, Farbstichkorrekturen und kreative Farbmischungen wesentlich präziser steuern. Gute RGBWW-Leuchten können Hauttöne natürlicher wiedergeben als ältere LED-Systeme, vorausgesetzt die spektrale Mischung ist hochwertig umgesetzt.

Zusätzlich gibt es sogenannte Vollspektrum-LEDs (Full-Spectrum-LED-Systeme). Diese versuchen, ein möglichst gleichmäßiges und kamerataugliches Spektrum über viele Farbbereiche hinweg zu erzeugen. Ziel ist nicht nur ein hoher CRI-Wert, sondern eine möglichst natürliche Wiedergabe von Haut, Stoffen, Oberflächen und Mischfarben. In der professionellen Filmtechnik werden deshalb neben CRI heute häufig auch TLCI, SSI oder TM-30 zur Beurteilung der Lichtqualität herangezogen.

Wenn LED-Licht zur Anpassung der Farbtemperatur zusätzlich mit Korrekturfiltern gefiltert wird, können vorhandene Spektralanteile weiter beschnitten werden. Bei modernen Film-LEDs ist es deshalb oft besser, Farbtemperatur und Grün-Magenta-Korrektur direkt an der Leuchte einzustellen, sofern das Gerät dafür ausgelegt ist. Die LED-Technologie hat sich stark verbessert; viele aktuelle Film-LEDs haben die früheren Probleme mit Hauttönen deutlich besser im Griff.

 

Haende Daylight 4000

Je nach Lichtart, Spektrum und Farbtemperatur wirken Hauttöne völlig unterschiedlich. Hier mit LEDs und Daylight-Farbtemperatur.

 

Da die Leuchtdichte bei flächigen LEDs schnell abfällt, muss man manche LED-Panels relativ nahe bei den Schauspielern oder Personen platzieren. Das kann den Bewegungsspielraum einschränken. Sehr helle LEDs mit hohem Blauanteil sollten außerdem, wie viele starke Lichtquellen, nicht über längere Zeit aus geringer Distanz direkt betrachtet werden.

 

Haende Tungsten 4000

Hände mit Halogenlicht beleuchtet: Tungsten beziehungsweise Kunstlicht-Farbtemperatur.

 

Gesundheitliche Aspekte

Viele LEDs erzeugen blaues oder kaltweißes Licht mit einem erhöhten Blauanteil. Bei sehr hoher Leuchtdichte und geringem Abstand kann direktes Hineinschauen problematisch sein. Hochwertige LED-Scheinwerfer berücksichtigen entsprechende Sicherheitsnormen und optische Schutzmaßnahmen. Ob jedes sehr günstige Produkt auf solche Sicherheitsaspekte achtet, sollte man im Zweifel prüfen.

 

HMI / Ceramic Licht

Ähnliche Vorsicht kennt man übrigens auch von HMI- beziehungsweise Quecksilberdampflampen, deren hoher UV-Anteil bei Verwendung ohne geeignete UV-Filterglasscheiben zu Haut- und Augenschäden führen kann.Die meisten HMI Scheinwerfer besitzen deshalb Schutzschalter, die verhindern, dass sie ohne Schutzglas überhaupt betrieben werden könnten.

Das klassische HMI-Licht besitzt ein deutlich breiteres Spektrum als viele ältere oder billige LED-Systeme. Das führt dazu, dass Hautfarben, Rotanteile und feine Zwischentöne besser wiedergegeben werden. Außerdem entspricht die Farbtemperatur von HMI Licht ziemlich genau der von Tageslicht was bei Außenszenen oder simuliertem Sonnenlicht eine hohe Glaubwürdigkeit erzeugt.

Auch bei HMI wird kein echtes kontinuierliches Spektrum wie bei Sonnenlicht oder Halogenlicht erzeugt. Die Gasentladungslampen haben bestimmte Spektralzusammensetzungen, die hochwertigen HMIs verbergen das aber sehr gut. Wenn die Brenner allerdings gealtert sind oder gedimmt werden, kann es zu Farbverschiebungen in Richtung Grün oder Magenta kommen, was eine natürliche Wiedergabe voin Hauttönen negativ beeinflusst. Das kann man dann aber durch Filterfolien wie die Minus Green entsprechend herausfiltern. Im professionellen Einsatz werden die HMI Brenner nach einer gewissen Zahl an Brennerstunden (viele Scheinwerfer haben dafür einen Betriebsstundenzähler) ausgewechselt. Wenn man das berücksichtigt, liefert HMI hervorragende Hauttöne. Ceramic-Licht ist im Prinzip HMI Licht, nur mit Tungsten / Kunstlicht Farbtemperatur.

 

Menschen auf Sonnenstühlen

Einen hohen UV-Anteil können auch Sonnenlicht oder HMI-Scheinwerfer ohne Schutzfilter haben.

 

Fluoreszenzleuchten

Fluoreszenzleuchten wurden lange Zeit besonders wegen ihres weichen Lichts und ihrer angenehmen Hautwiedergabe geschätzt. Professionelle Systeme, etwa für Film- und Studiobetrieb, boten häufig eine natürlichere Farbwiedergabe als viele frühe LED-Leuchten. Nein, auch Fluoreszenzlicht besitzt kein völlig kontinuierliches Farbspektrum wie Tageslicht oder Glühlicht. Die Farbbereiche, aus denen weißes Licht erzeugt wird, sind jedoch je nach Röhre breiter und können teilweise überlappen.

Ihr weiches Licht wirkt auf Gesichter oft schmeichelnd, fast wie eine kosmetische Behandlung. Deshalb eignen sie sich auch sehr gut für Beauty Shots. Gleichzeitig fällt auch ihre Leuchtdichte schnell ab, weshalb sie keine großen Entfernungen überbrücken können. Moderne hochwertige LED-Systeme haben in vielen Bereichen inzwischen vergleichbare oder bessere Ergebnisse erreicht, insbesondere wenn sie als große Flächenleuchten, RGBWW-Leuchten oder Vollspektrum-LEDs ausgeführt sind.

 

Weitere Faktoren

Die unterschiedlichen Bauweisen digitaler Kameras tragen zu den Problemen mit Hauttönen durchaus bei. Eingebaute IR- und UV-Sperren, interne Farbverarbeitung, Kompression, Log-Profile, RAW-Workflows oder begrenzte Farbtiefen können die Wiedergabe von Hauttönen beeinflussen. Während ältere Kameras und 8-Bit-Aufzeichnungen schneller an Grenzen stießen, bieten moderne Kameras mit 10 Bit, 12 Bit, RAW oder Log-Profilen deutlich mehr Spielraum in der Farbkorrektur. Dennoch kann auch das beste Kamerasystem fehlende Spektralanteile einer Lichtquelle nicht vollständig wiederherstellen.

LED-Lichtquellen, die unser Auge als weiß identifiziert, können von Kameras je nach Sensor, Weißabgleich und Farbwissenschaft anders interpretiert werden, etwa leicht grünlich oder magentafarben. Nicht filmtaugliche Leuchtstoffröhren können ebenfalls einen deutlichen Farbstich erzeugen. So seltsam es klingt: Lichtquellen können auch mit unterschiedlichem Make-up zu unterschiedlichen Farbwiedergaben der Gesichter führen. Tests vor dem Dreh sind deshalb nicht abwegig, sondern professionell.

Probleme machen LEDs gelegentlich auch bei der Lichtmessung. Manche Belichtungsmesser oder ältere Farbmessgeräte interpretieren schmalbandige Spektralanteile nicht immer zuverlässig. Moderne Spektrometer und hochwertige Farbmessgeräte liefern hier genauere Informationen. Coloristen, die in Gradingsuiten täglich unterschiedlichstes Material korrigieren müssen, können viele Geschichten über Licht und seine Auswirkungen auf Hauttöne erzählen.

 

Thema: Licht Dieser Beitrag gehört zum Themenbereich Licht. Mehr zu Filmlicht
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