
Es gab eine Zeit, da gab es für die halbe Welt eigentlich nur noch ein Sehnsuchtsland,- Italien. In den 50er und 60er Jahren stürzte sich das Kino geradezu auf dieses Land, seine Menschen, die Städte, die Landschaften, die Geschichten. Daran hatte der Neorealismus, eine der intensivsten und spannendsten Stilrichtungen des internationalen Kinos ab 1940 bis hinein in die 60er Jahre einen großen Anteil. Denn die Qualität dieser Filme, ihrer Geschichten, der Schauspieler*Innen und Regisseure war unübersehbar.
Allerdings gab es auch knallharte wirtschaftliche Gründe, so waren die Löhne für die Filmcrew, die Komparsen und Baubühnenleute viel niedriger als in den USA. Auch die Materialkosten und die Studiomieten waren entscheidend günstiger, zudem war die italienische Lira gegenüber dem Dollar sehr schwach. Die amerikanischen Studios fanden in den Cinecitta Studios in Rom hervorragende Bedingungen vor. Diese hatten riesige Backlots, erfahrene Bühnenbauer, Kostüm- und Maskenabteilungen und Crews, die bestens aufeinander eingespielt waren. Deshalb wurde Cinecittà auch gerne „Hollywood am Tiber“ genannt. Nicht ganz unwichtig war auch die Tatsache, dass nach dem Zweiten Weltkrieg größere Geldsummen der US-Studios als "eingefrorene Gewinne" in Europa geblockt waren und nicht in die USA zurück überwiesen werden konnten. Möglich war es jedoch, diese in Europa zu investieren. Da kamen neue Produktionen wie gerufen. Und visuell bot Italien ganz neue, andere Motive, welche die Filmemacher inspirierten.
Kein Wunder also, dass sich das Kino für Jahrzehnte auf dieses Filmland stürzte, ohne allerdings je an die realistische, authentische Qualität der ganz großen Filme des Neorealismus anknüpfen zu können. Aber das wollten sie auch nicht, die Hollywood Studios, sie wollten unterhaltende Filme für ein internationales Massenpublikum produzieren und das gelang ihnen in vielen Fällen außerordentlich gut. So karrte man Besetzung, Team und oft genug sogar Equipment nach Italien und produzierte italienische Versionen der Traumfabrik. Der Cast bestand häufig aus einem Mix aus amerikanischen Kassenstars und italienischen Stars, Schauspieler wie Gegory Peck, Cary Grant etc. spielten dann mit italienischen Schauspieler*Innen wie Sophia Loren, Gina Lolobrigida, Marcello Mastroiani etc.
Doch wenn es um historische Stoffe ging, also sogenannte Sandalenfilme, die im alten Rom angesiedelt waren, also wenn ohnehin alles vom Szenenbild nachgebaut werden musste, dann wurde Italien auch gerne nur behauptet und in den USA oder Spanien gedreht.
Filmliste
Liebesfilme
- "Roman Holiday" (Regie: William Wyler, USA 1953) Mit Audrey Hepburn und Gregory Peck, Rom
- "Three Coins in the Fountain" (Regie: Jean Negulesco, USA 1954) Rom
- "The Barefoot Contessa" (Regie: Joseph L. Mankiewicz, USA 1954) Ave Gardner und Humphrey Bogart
- "Summertime" (Regie: David Lean, USA 1955) Katharine Hepburn und Rossano Brazzi, Venedig
- "Hausboot" (Regie:Melville Shavelson, USA 1958) Sophia Loren und Cary Grant
- "It Started in Naples" (Regie: Melville Shavelson, USA 1960) Sophia Loren, Clark Gable, Neapel
- "Come September" (Regie: Robert Mulligan, USA 1961) Gina Lollobrigida, Rock Hudson, Italienische Riviera
- "Rome Adventure" (Regie: Delmer Daves, USA 1962) Troy Donahue, Angie Dickinson, Rom
- "Light in the Piazza" (Regie: Guy Green, USA 1962) Olivia de Halilland, Yvette Mimieux, Rossano Brazzi, Rom, Florenz & MGM Studios London
- "Marriage Italian Style" (Regie: Vittorio De Sica, IT. US-Co-Produktion 1964) Sophia Loren, Marcello Mastroiani
Historienfilme
- "Quo Vadis" (Regie: Mervyn LeRoy USA 1951) Deborah Kerr, Robert Taylor, Peter Ustinov, Rom
- "Ben-Hur" (Regie William Wyler, USA 1959), Haya Harareet, Charlton Heston, Stephen Boyd, Cinecittà Studios in Rom
- "Spartacus" (Regie: Stanley Kubrick, USA 1960) Jean Simmons, Kirk Douglas, Laurence Olivier, entstand in den USA und in Spanien
- "Cleopatra" (Regie: Joseph L. Mankiewicz, USA 1963) Elisabeth Taylor, Richard Burton, Drehorte: Cinecitta Rom, Ischia,
- "The Fall of the Roman Empire" (Regie: Anthony Mann, USA 1964) Sophia Loren, Alec Guinnes, Stephen Boyd, Gedreht wurde in Spanien
Fantasy
- "Hercules" (Regie: Pietro Francisci, IT/USA 1958) Sylivia Koscina, Steve Reeves, Titanus Studios in Rom (Latium) sowie an verschiedene Außenschauplätze in Italien
- "Hercules Unchained" (Regie: Pietro Francisci, IT/USA 1959) Titanus Studios in Rom (Latium) sowie an verschiedene Außenschauplätze in Italien
- "Jason and the Argonauts" ( Regie: Don Chaffey, 1963) Hauptdrehorte waren die Küste um Palinuro (Talos-Szene) sowie die antiken Tempel von Paestum. Außerdem: Shepperton Studios in England.
Neuere Produktionen
- "The Italian Job" (Regie: Peter Collinson, GB 1969) Venedig
- "Only You" (Regie: Norman Jewison, USA 1994) Marisa Tomei und Robert Downey Jr., Rom, Positano
- "Under the Tuscan Sun" (Regie: Audrey Wells, USA 2003) Diane Lane, Sandra Oh, Toskana
- "Ocean’s Twelve" (Regie: Steven Soderbergh, USA 2004) Julia Roberts, George Clooney, Comer see
- "The Passion of the Christ" (Regie: Mel Gibson, USA 2004) Monica Belucci, Matera, Cinecittà
- "Angels & Demons" (Regie: Ron Howard, USA 2009) Tom Hanks, Rom, Vatikan-Umfeld (teils Cinecittà)
- "The American" (Regie: Anton Corbijn, USA 2009) George Clooney, Sulmona, Rom und im Dorf Castel del Monte
- "Eat Pray Love" (Regie: Ryan Murphy, USA 2010) Julia Roberts, Javier Bardem - Rom, Neapel
- "The Talented Mr. Ripley" (Regie: Steven Zaillian, USA 2024) Rom, Venedig, Ischia, Procida

