Im Land vo Chäs u Brot u Anke... werden auch Filme gedreht

Landschaft

Die Schweiz als Filmland

Die Schweiz produziert nicht nur Käse, Schokolade und Pharmazie, sondern auch Filme. Davon wissen im Ausland leider nur wenige, da es Schweizer Filme - besonders die Dialekt Filme - nur selten ins Ausland schaffen.

 

Der Schweizer Dialekt ist nicht wie viele Deutsche annehmen, ein Hochdeutsch mit seltsamem Akzent, sondern eine ganz eigene Sprache, mit eigenen Regeln. Dreht man also einen Film in dieser Sprache, können ihn theoretisch nur 4 Millionen Menschen verstehen. Eine geringe Zahl, verglichen mit den knapp 90 Millionen Menschen, die Hochdeutsch sprechen.

 

Die Mehrsprachigkeit der Schweiz (Schweizerdeutsch, Italienisch, Französisch und Rätoromanisch) macht es der Schweiz nicht leicht, eine funktionierende Filmindustrie zu entwickeln. Die staatliche Filmförderung reicht nicht aus, Filme in allen vier Sprachen zu produzieren. Das Schweizer Fernsehen, ist das einzige Öffentlich Rechtliche, das Filme mitfinanziert. Zurzeit ganze 12 im Jahr.

 

Neben all den Nachteilen, die die Vielsprachigkeit eines kleines Landes in Bezug auf Film aufweist, gibt es aber einen großen Vorteil: Der Schweizer Kinobesucher sieht die ausländischen Produktionen immer in der Original Version, mit Deutschen, Französischen und Italienischen Untertiteln.

 

Der Schweizer lacht gerne über sich selbst

Wenige Zuschauer für Mundartfilme

Wo es weniger Zuschauer für Mundartfilme gibt, lassen sich auch keine großen Gewinne mit Eintrittskarten realisieren

Die Schweiz ist ein Land, das gerne über sich selbst lacht. Das merkt man, an den Inhalten der erfolgreichen Schweizer Filme. So war z.B. Rolf Lissys " Die Schweizermacher " 1978 ein Riesenerfolg. Der Film verzeichnete knapp eine Million Kinobesucher, eine Zahl, die auch heute noch von keinem andern Schweizer Film getoppt wurde. Der Film thematisiert auf humorvolle Art und Weise, was man tun muss um das Schweizer Bürgerrecht zu erhalten. Die Hauptrolle spielte Emil Steinberger. Emil, ein Komödiant, der mit seinen Sketchen auch das Ausland über die Schweizer Langsamkeit und andere Charaktermerkmale aufklärt. Vorurteile, die bis heute in vielen Deutschen Köpfen verankert sind...

 

Eine weitere, sehr selbstironische, schwarze Komödie ist Daniel Schmids " Beresina " oder " die letzten Tage der Schweiz " 1999. Eine Geschichte über ein russisches Call Girl, das im märchenhaften Alpenland einflussreiche Kunden aus Politik, Militär, Wirtschaft und Medien beglückt und somit fast die Regierung über die Schweiz übernimmt.

 

Der im Jahre 2002 von Sabine Boss inszenierte Film " Ernstfall in Havanna ", wurde zwar - wie der Titel schon andeutet - nicht nur in der Schweiz gedreht, aber hat diese zum Hauptthema. Botschaftssekretär Stefan Balsiger (Viktor Giaccabbo) vertritt seinen Chef im Exil. Weil sich dieser aber weniger um die Auslandspolitik als um die kubanischen Schönheiten kümmert, geht einiges Schief. Es gibt allerhand Missverständnisse und es kommt soweit, dass fast ein dritter Weltkrieg ausgelöst wird. Ein Film, der durch Selbstironie glänzt. Ein Film, der leider nur in Schweizerdeutsch funktioniert und dessen Witze auch nur Schweizer verstehen. Der Film lief kurze Zeit in Deutschland floppte jedoch.

 

Im Gegensatz dazu ist das Werk " Höhenfeuer ", 1985 von Fredy Murer sehr viel ernster. Es handelt um Inzest in abgelegenen Bergregionen. Ebenfalls in ländlicher Umgebung spielt " Les petites fugues " 1979 von Yves Yersin. Die Geschichte spielt auf einem Bauernhof mit traditionellen Hierarchien, in dem die Zeit stillgestanden zu sein scheint. Ein erst stiller, dann aber umso heftigerer Umbruch geschieht als sich Knecht Pipe mit seiner Alterrente ein Mofa kauft. Diese für die Bauernfamilie völlig unverständliche Anschaffung verändert schlagartig sein Leben. Die Geschichte des fliegenden Pipe wurde Weltweit bekannt.

 

Trotz aller "Klüngelei", der eben in der Schweizer Filmwirtschaft statt findet, hat es ein Film ganz weit über die Landesgrenzen geschafft. Xavier Kollers gewann 1991 mit " Reise der Hoffnung " den Oskar für den besten ausländischen Film. Der Film handelt von einer kurdischen Familie, die auf der Suche nach einem besseren Leben in die Schweiz flieht.

 

Einer der wohl bekanntesten Schweizer Regisseure von gestern ist Jean-Luc Godard. Heute sorgt der schweizer Regisseur Marc Forster in Hollywood für aufsehen. Mit seinem Film " Monster`s Ball " erhielt Hauptdarstellerin Halle Berry für ihre Rolle einen Oskar. Ein Film, der leider nur durch die Wurzeln des Regisseurs mit der Schweiz verbunden ist.

 

Ein weiterer sehr erfolgreicher schweizer Regisseur im Ausland ist Dani Levy. Der seit 1980 in Berlin lebende Filmemacher hat mit " Meschugge " 1997, im Jahre 1999 den Bayrischen Filmpreis erhalten. Mit seiner Komödie " Alles auf Zucker ! " 2004, wurde Dani Levy mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Darunter mit dem Deutschen Filmpreis 2005 in den Kategorien " Bestes Drehbuch ", " Beste Regie " und " Bester Film ".

 

Doch der erfolgreichste Schweizer im internationalen Filmgeschäft ist zweifellos der Basler Produzent Arthur Cohn. Er produzierte Filme wie " Die Kinder des Monsieur Mathieu " 2004, " ein Tag im September " 1999, " White Lies " 1996, " American Dream " 1991 und viele mehr. Er gewann bereits sechs Oskars.

 

Geschichte des Schweizer Films

Dreh in Zürich

Dreharbeiten im Herzen von Zürich

In der Schweiz werden seit anfangs des 20. Jahrhunderts Filme gedreht. Die goldene Zeit des Schweizer Films begann im Jahre 1938 und dauerte bis zum Ende des zweiten Weltkrieges. Während in Deutschland der Nationalsozialismus bedrohliche Formen annahm, führte die Schweiz eine Importrestriktion für ausländische Filme ein, um Propagandafilme der Nachbarländer zu unterbinden.

 

Das Bedürfnis, sich von Deutschland zu distanzieren, förderte den Dialektfilm. Leopold Lindtberg war einer der wichtigsten Regisseure dieser Zeit. Er realisierte zwischen 1935 und 1953 zwölf Spielfilme. " Wachtmeister Studer " 1939 und " Matto regiert " 1947 sind wohl die bekanntesten.

 

Mit Ende des zweiten Weltkrieges war das kurze, goldene Zeitalter des Schweizer Films auch schon wieder vorbei. Bekannte Schweizer Schauspieler wie Maximilian Schell oder Liselotte Pulver fanden anspruchsvollere Rollen im Ausland. Der Schweizer Filmmarkt öffnete sich auch wieder dem Ausland. Die grosse Konkurrenz stoppte den Höhenflug und auch das Bedürfnis an einheimischen Produktionen.

In den 50er und 60er Jahre drehten Regisseure wie Kurt Früh und Franz Schnyder vor allem Dialekt Komödien, die durch Gotthelf Adaptionen geprägt waren. Bäuerlich - historische Geschichten von Schnyders spielt das Schweizer Fernsehen SF auch noch heute rauf und runter. " Uli, der Knecht " 1954, " Die Käserei in der Vehfreude " 1958, " Anne Bäbi Jowäger " 1960.

 

In Mitte der 60er Jahre brachte die französische Schweiz wichtige Spielfilme hervor. Die Regisseure Jean-Louis Roy, Claude Champion, Francis Reusser, Jaques Sanoz und Yves Yersin zählten zu den Mitbegründer des neuen Schweizer Films. Ihnen folgte bald Alain Tanner, Claude Goretta und Michael Soutter, deren Arbeiten auch internationale Erfolge feiern konnte.

 

In den 70er Jahren setzte Jean-Luc Godard einen ganz wichtigen Akzent. Der Erfinder des Jump Cuts bannte eine ganz eigenständige Filmwelt auf die Leinwand.

Erst ab 1975 entstand eine neue Ära des Dialektfilms. Regisseure Kurt Gloor, Daniel Schmid, Rolf Lissy, Markus Imhoof, Fredi M. Murer und Xavier Koller waren die Prägendsten.

 

Der heutige Schweizerfilm

"Der Schweizer Film ist in Bewegung." Oder "Der Schweizer Film boomt" kann man in zahlreichen Tageszeitungen lesen, wenn wieder mal ein Schweizer Film einen Preis gewonnnen hat, wie z.B. Andrea Stakas "Das Fräulein", das in Locarno den goldenen Leoparden geholt hat. Doch boomt der Schweizer Film wirklich? Obwohl es in der Schweiz mittlerweile vier gute Filmhochschulen gibt, in denen Filmemacher von morgen ausgebildet werden, fürchtet die Filmpolitik ein wenig den guten und künstlerisch wertvollen Schweizer Film.

 

So fördert man seit Jahren nach dem Modell "Succes Cinema", in Deutsch erfolgsabhängige Förderung. Ist der Film an der Kinokasse erfolgreich, werden die Filmschaffenden belohnt. Somit entscheidet das Publikum, was gefördert wird und was nicht. Dass dem Publikum nicht immer die intelligentesten und künstlerisch anspruchsvollen Filme gefallen, liegt auf der Hand. Welches ist noch mal die meistgekaufte und gelesene Zeitung?

 

Doch nichts desto trotz gibt es sie. Die "kleinen großen" Schweizer Filme, die mit ihren Geschichten berühren und eine kleine Besucherzahl in den Kinosaal locken. So produziert z.B. Samirs Produktionsfirma "Dschoint Ventschr" Filme, die durch ihre Authentizität beeindrucken, die keine Themen für die breite Masse abfertigen, sondern, bei denen der künstlerische Anspruch an oberster Stelle steht.