Knetgummi-Katze

Waren früher aufwändige Trickkameras mit Schrittschalt-Transport erforderlich, kann man heutzutage mit einfachen Mitteln Stop-Motion-Filme realisieren.

Die Netze sind voll von Videos in denen so ziemlich alles, was irgendwie beweglich ist, in animierter Form über die Bildschirme tanzen. Stop Motion nennt sich die Technik, die bereits vor 100 Jahren die Filmpioniere George Meliès und Willis O’Brien verwendeten.

 

Einer der ganz frühen und zugleich bekanntesten Filme mit Stop-Motion Teilen ist "King Kong" von Willis O´Brien (1932). Vor 60 Jahren optimierte Ray Harryhausen dieses Verfahren in seinen Phantasiewerken zu unglaublicher Perfektion. Dabei entstanden Fantasy-Filme wie "Sindbads siebente Reise", "Jason und die Argonauten" oder "Kampf der Titanen".

 

Auch wenn viele es glauben: Im Gegensatz zu Harryhausen wurden die Fabelwesen in den japanischen Grusel-Trash-Streifen wie "Godzilla" nicht mit dieser Technik hergestellt. Für die Darstellung der mutierten Saurier wurden Schauspieler in schwere Gummikostüme gesteckt.

Stop-Motion war die meiste Zeit über an den analogen (chemischen) Film gebunden, an Filmkameras die sogenannte Schrittschaltwerke besaßen, mit denen man den Film statt kontinuierlich (24 B/sec) in Einzelbildern transportieren konnte.

 

Heute ist derlei Spezialgerät gar nicht erforderlich, man kann mit Videokameras, ja sogar mit digitalen Fotoapparaten, veritable hochwertige Stop-Motion-Filme herstellen.

Nun einen Nachteil hat Stop-Motion schon von Anfang an: Es dauert verdammt lang und ist für Ungeduldige schlichtweg die Hölle. Vor allem ist es hart, wenn man nach langwierigen, tagelangen Aufnahmen feststellen muss, dass die Animation nicht gut aussieht, braucht es eine Menge Kraft, wieder von Anfang zu beginnen.

Hier helfen inzwischen spezielle Animationsprogramme, welche durch Übertragung des Videobildes auf den Computer die Kontrolle über die richtigen Animationsschritte schon bei der Aufnahme erlauben.

1994 war Tim Burtons "Nightmare Before Christmas" einer der ersten Stop-Motion-Langfilme unserer Tage.

 

Stilfragen und Perfektionismus

Fabelwesen

Fabelwesen aller Art lassen sich mit Stop Motion zum Leben erwecken und wenn man sie vor Green oder Blue-Screen animiert, kann man nachträglich perfekte Hintergründe einstanzen.

Ähnlich wie beim Zeichentrickfilm, wo die Stilisierung der Figuren zu grafischen Gesamtkunstwerken und nicht die möglichst naturgetreue Nachbildung der Wirklichkeit, besonders gefragt ist, darf man auch bei Stop Motion durchaus sehen, dass hier etwas animiert wurde. Es kommt nicht auf die präzisest mögliche Imitation natürlicher Abläufe an. Das wird bei 3D-Animationen verstärkt versucht, bei Stop-Motion darf es ruhig etwas gebastelter aussehen.

Es ist ja gerade das Raue, Spontane und nicht Hochglanzpolierte, was der Zuschauer an den Stop-Motion-Filmen liebt. Das leicht Unperfekte, irgendwie gebastelte Image der Stop-Motion Filme macht sie so liebenswert, so menschlich und eben nicht glatt und leblos aus dem Computer gerechnet.

 

Auch in modernen Kinofilmen wird durch Stop Motion ein wenig Nostalgie und eine menschliche Note verbreitet, zum Beispiel in "The Science of Sleep" aus dem Jahre 2006.

Animiert werden kann praktisch Alles: Alltagsgegenstände, Puppen, Knetfiguren, Legos, Playmobil etc. Und natürlich kann man eigentlich leblose Objekte mit allen Eigenschaften lebender Wesen ausstatten, bis hin zu allzu menschlichen Körperkontakten, wie etwa im Fall zweier Sessel, die sich in dem Film "Roof Sex" näher kommen.

 

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Längst haben große Konzerne wie Sony, Nike, Diesel etc. den Wert von Stop Motion für sich erkannt und verbinden den unnachahmlichen Stil der Animationen mit ihrem Firmenimage. Wenn die Idee und Umsetzung zu dem Produkt, was beworben wird, passt, ist Stop Motion ein absolut begeisternder Klassiker.

 

Arbeitserleichterungen

Knetfigur Kind

Zur Wirkung jeder Art von Stop Motion trägt auch die Ausleuchtung bei - wenn sie professionell gesetzt ist, wirkt der Film gleich viel stärker

Wenn man Animationen mit zwei Kameras gleichzeitig aufnimmt, kann man Perspektivwechsel ohne zusätzliche Arbeit realisieren. Software erleichtert die Kontrolle von Bewegung.

Selbstverständlich kann man Stop Motion auch mit Greenscreen oder mit Realfilm kombinieren.

 

Lege-Trickfilme

Nicht nur räumliche Objekte, auch flache Grafiken lassen sich animieren. Von Zeitungsausschnitten über Buchstaben und Fotos lässt sich so manches Flächige perfekt animieren. Sogar ausgedruckte Film-/Videobilder kriegen, wenn sie stilisiert (fotokopiert) und wieder in Stop Motion aufgenommen werden, einen spektakulären Reiz.

 

Kameras

Während bis vor wenigen Jahren die meisten hochwertigen Stop-Motion-Filme mit hochwertigen Spezialkameras, wie 35 mm Mitchell mit einem präzisen Bildstand, der durch spezielle Sperrgreifer sichergestellt wird, aufgenommen wurden, stehen heute neue Technologien zur Verfügung. Selbst bei Aardman Animations, jener Firma, die mit "Chicken Run" oder "Wallace & Gromit" Knetanimationen kinofähig gemacht hat, wird inzwischen mit digitalen Fotoapparaten in HD-Auflösung (Live-View-Modus) gearbeitet.

 

Natürlich kann man auch mit Videokameras arbeiten, abhängig ist die Auswahl des Gerätes natürlich von der Auflösung, aber auch von Features wie Wechseloptiken oder eingebautem Zoom. Diese müssen dann über eine geeignete Video-Capture-Karte (z.B. Deck-Link etc.), die im Computer eingebaut ist, eingelesen werden.

Die digitale Produktionsweise ermöglicht erst die oben erwähnten Arbeitserleichterungen. Die Möglichkeit, jede Animationsphase sofort auf dem Computerbildschirm überprüfen zu können, ist nur auf diese Weise zu realisieren. Das erleichtert das handwerkliche Arbeiten und gestalterische Entscheidungen enorm.

 

Ganz gleich, wofür man sich entscheidet: Das, was sich bewegen soll, sind die Objekte, die Figuren, nicht aber die Kamera, es sei denn, man plant eine Fahrt. Ein fester Stand ist also absolute Grundvoraussetzung, ein stabiles Stativ mit gutem, sicherem Kopf gehört zum Standardwerkzeug.

In der späteren Postproduktionsphase kann es erforderlich werden, den Look durch minimale Schärfenreduzierung etwas smoother zu machen. Das ist aber letztlich Geschmackssache und auch abhängig davon, auf welches Master man dann ausspielt oder ausbelichtet.

 

Pixilation

Das sind Stop-Motion-Filme mit Menschen. Wichtigste Voraussetzung, wie bei den meisten Animationsarten: Die Kamera sollte sich nicht bewegen, also: Stativ benutzen!

Wird jedes Mal, wenn ein Mensch in die Luft hüpft, ein Einzelbild aufgenommen, scheint die Person im fertigen Film durch die Luft zu schweben. Auf ähnliche Weise kann etwa jemand auf dem Hosenboden durch die Straßen "fahren", kann auf einem Bein ohne Schlittschuhe auf Steinboden Eislaufen etc.

Die frühen Filme mit den Beatles (R.Lester) oder auch diverse Folgen der Monty Pythons nutzen ausgiebig diese Stop-Motion-Variante.

 

Software

Bei der Auswahl der Software muss man auf viele Features achten. Stichwörter wie Auflösung (SD/HD), Stapelverarbeitung, Bedienerfreundlichkeit, Exportformate sowie Ein- und Ausgänge spielen hier eine große Rolle.