Klein, aber effektiv

Eine leise Revolution in der Lichttechnik eröffnet den Filmleuten neue Möglichkeiten.

Eigentlich ist es unvorstellbar, welche Entwicklung diese winzigen Leuchtdioden, mit deren roten, gelben oder grünen Licht man vor allem Kontrollanzeigen an diversen Geräten realisiert hat, durchgemacht haben. Sie zeigten, wann ein Gerät eingeschaltet war, signalisierten die ausgewählten Funktionen. Die LED, die Light-Emitting-Diode, war bisher in Rot, Gelb oder Grün bestenfalls in Geräteanzeigen zu finden. Irgendwann in den 90er Jahren war es dann plötzlich möglich, auch die Farbe Blau zu verwirklichen. Seit dem Jahr 2000 ist selbst weißes Licht kein Problem mehr. Dank unermüdlicher Forschungsarbeit sogar mit einer Leuchtkraft, dass sie inzwischen auch als Film- und Showleuchten zum Einsatz kommen, als ultrahelle weiße LEDs.

 

Neue Möglichkeiten

Grund genug, einmal über diese neue Technologie zu sprechen und die wichtigsten Konzepte vorzustellen. Im Gegensatz zu manch anderen Leuchten, zeichnen sich LED-Scheinwerfer durch eine geringe Stromaufnahme und geringe Wärmeentwicklung aus. Sie sind von ihrer Bauform so anpassungsfähig, dass völlig neue Leuchtentypen realisiert werden können. Theoretisch könnte man LEDs so anordnen, dass man sie hinter Requisiten verstecken oder an der Frontseite einer Kamera integrieren kann.

 

Vorteile

Sie haben eine Leuchtkraft von bis über 20.000 mcd und einen Abstrahlwinkel von 40 Grad. Im Gegensatz zu normalen, kleinen LEDs, die mit etwa 1,5 Volt arbeiten, benötigen die ultrahellen LEDs eine Brennspannung von rund 3,6 V bei einem Strom von 20 mA. Der geringe Strombedarf erlaubt auch den Akkubetrieb dieser Filmscheinwerfer, das geringe Gewicht prädestiniert sie für den Einsatz mit leichten Mini-DV-Camkordern. Besonders beeindruckend ist ihre unglaubliche Lebensdauer. Sie können leicht 100.000 Betriebsstunden durchhalten - Traumwerte verglichen mit Halogen- oder HMI-Brennern. Sehr attraktiv ist auch die Möglichkeit der geräuschlosen Dimmung und die traumhafte Erschütterungsfestigkeit. Die Schauspieler sind dankbar wegen der geringen Wärmeentwicklung, verglichen mit der von Halogen- oder HMI-Scheinwerfern. Solch niedrige Wärmeentwicklung bieten sonst nur Fluoreszenzleuchten.

 

Gemeinsam stark

Ringlichter in allen Größen und mit hoher Leistung, hier an einer Arri 16 SR II

Da eine einzelne LED zu wenig Lichtleistung bringt, werden sie in Kombination mit anderen eingesetzt, in so genannten Arrays, auch Cluster-Lamps genannt. Es gibt auch Typen, die im Array relativ hohe Ströme benötigen, etwa 3-400 mA sind nicht unüblich. Die Kosten für eine einzelne LED sind nicht unerheblich, mehrere Euro pro Stück sind anzusetzen. Auf diese Weise liegen die Kosten weit über denen eines einfachen vergleichbaren Halogen-Brenners. Die Streuungseigenschaften der LEDs können durch unterschiedliche Gehäuse mit individueller Linse oder auch gebündelt durch eine größere Linse beeinflusst werden.

 

Selektion erforderlich

Wer nun gleich zum Lötkolben greifen, sich eine vorgebohrte Platine besorgen und sich so ein cooles Lämpchen selbst zusammenbauen möchte, sei gewarnt: Die Toleranzen, was die Farbtemperatur angeht sind erheblich. Man muss also die einzelnen LEDs messen (Farbtemperaturmesser) und selektieren, schließlich muss der Filmscheinwerfer eine möglichst saubere Charakteristik haben, vorzugsweise Tageslichtfarbtemperatur.

 

Beliebige Farbgestaltung

Ringlicht mit hoher Leistung an 35mm-Kamera

Arbeitet man statt mit weißen LEDs mit ultrahellen farbigen LEDs in den Grundfarben, kann man mit einem Steuerteil sogar stufenlos jede Farbe im RGB-Farbraum erzeugen- der Traum jedes Beleuchters. Auf diese Weise kann man auch ohne jede Filterfolien oder Wechseln von Leuchtstoffröhren per Regler die Farbtemperatur optimal einstellen. Bereits seit einigen Jahren kommen für Spezialaufgaben (Sicherheit/Überwachung) LED-Scheinwerfer im Infrarotbereich zum Einsatz. Diese arbeiten in einem sehr engen Spektrum bei etwa 860 bis 950 nm Wellenlänge. Mit entsprechenden Kameras, die in diesem Bereich empfindlich sind, lassen sich auf diese Weise unbemerkt Nachtaufnahmen realisieren.

 

Bauformen

Für Anwendungen als Unterwasser-Scheinwerfer erlauben sie äußerst kompakte Bauformen und leistungsstarke, effiziente Geräte.

Man kann mit LED-Leuchten nicht nur sehr leichte und kompakte Geräte realisieren (Headlight, Augenlicht), sondern auch Bauformen, die bisher so nicht denkbar waren. So kann man etwa für sehr weiches Licht direkt aus der Kamerarichtung ein so genanntes Ringlicht direkt um das Objektiv herum anbringen - ein Verfahren, was man davor nur bei Blitzlichtern für die Macrofotografie kannte.

 

Man kann nur hoffen, dass die Fertigungstoleranzen hinsichtlich der Farbtemperatur enger und die Preise für die einzelnen LEDs kräftig fallen werden. Dann steht dem breiten Einsatz dieser neuer Filmscheinwerfer nichts mehr im Wege.