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Nur ein seltenes Nischenthema, oder haben Kufen auf spiegelnden Eisflächen häufiger die Zuschauer verzaubert? Tatsächlich kommen Schlittschuh- und Eislaufszenen im Kino überraschend häufig vor. Sei es als dramatischer Höhepunkt, als romantischer Moment, vielleicht auch als Metapher für Gleichgewicht, Risiko oder Kontrollverlust. Auch visuell bieten hell reflektierende Eisflächen so einiges, können sie doch beispielsweise poetisch, verzaubernd oder auch gefährlich wirken.

Dass Schlittschuhläufer auf Eisflächen sich ihren Weg auf die Kinoleinwand eroberten, begann bereits ganz zu Beginn der Filmgeschichte. Bereits der frühe Film "Patinage artistique" der Gebrüder Lumiere, (F 1896) war einer der allerersten Filme, die Menschen beim Eislaufen, teilweise kunstläuferisch zeigten. Nur ein Jahr später wurde in England "Ice Skating at the Crystal Palace" produziert und aufgeführt. Und auch Edison hatte für seine Guckkästen (Kinetoskop) einen Schlittschuh-Film produziert, "Ice Skating Scene" wurde vermutlich 1896/97 produziert. Man kann also sagen, dass das Schlittschuhlaufen zu den frühesten gefilmten Freizeitaktivitäten überhaupt gehörte.

Doch während es sich bei diesen frühen Beispielen, die allesamt dokumentarischer Natur waren, um kurze, beobachtende Streifen handelte, kamen ab 1900–1910 Szenen mit Schlittschuhlaufen verstärkt in Slapstick-Komödien vor, wo sie durch Stürze, Chaosmomente und auch Verfolgungen die Zuschauer zum Lachen brachten. Eigentlich war das Schlittschuhlaufen sogar besonder gut für den frühen Film geeignet, weil man automatisch viel Bewegung im Bild hatte und weil sich die Personen im Bild sehr gut kontrastierend von der hellen Eisfläche abhoben. Außerdem kam Schlittschuhlaufen dem Wesen des Stummfilms sehr entgegen, die Zuschauer konnten sofort erkennen, um welche Handlung es sich im Bild handelt, und der Humor, der von Stürzen etc. ausging, funktionierte auch gänzlich ohne Ton.

Eis bedeutet für Manche auch größte Unsicherheit,  Kontrollverlust oder schiere Anarchie. Unvergessen etwa die Schlittschuhszene in dem neorealistischen Film "Das Wunder von Mailand" (Vittorio de Sica) in welcher durch Magie Soldaten, welche die Stadt der Obdachlosen räumen wollen, hilflos auf einer plötzlich auftauchenden Eisfläche schlittern und ihren unheilvollen Auftrag nicht ausführen können.

 

Traumwelten um jeden Preis

Eisflaeche Kirchsee 2 4000

 

Zumeist sind dabei Filme entstanden, welche die Faszination für alle Arten von Eissport befeuern. Eislauf,- und Showveranstaltungen auf dem Eis (.z.B. "Holiday on Ice") waren im 20ten Jahrhundert hoch im Kurs beim Publikum. So verwundert es wenig, dass zahlreiche Filme entstanden, die rund um Eislauf angelegt waren. Die Zauberwirkung der Eisflächen nutzte nicht nur Walt Disney, der Rehe, Elefanten und mehr auf die Eisfläche zeichnen ließ, sondern auch Durchhaltefilme des Dritten Reichs, die ein deprimiertes, niedergeschlagenes, ja traumatisiertes Publikum für 90 Minuten in Illusionswelten entführen wollten. Bekanntestes Beispiel dafür ist die österreichische Produktion "Der weiße Traum", die 1943 zu einem Zeitpunkt herauskam, zu dem die Schrecken des menschenverachtenden Weltkrieges und der Naziherrschaft omnipräsent waren.

Die Textzeile des musikalischen Haupttitels "Drum kauf dir einen bunten Luftballon, nimm ihn fest in deine Hand,- stell dir vor, er fliegt mir dir davon in ein fernes Märchenland" lässt erahnen, wie die Zuschauer hier eingelullt werden sollten um der düsteren Wirklichkeit zu entfliehen.

 

Prinzessinnen und Prinzen

Nicht wenige Filme, die in den folgenden Jahrzehnten entstanden, widmeten sich mehr oder weniger direkt den Irrungen und Wirrungen attraktiver Eisprinzessinnen und Prinzen. Kinofilme, real und animiert eroberten die Leinwände weltweit und wurden vorzugsweise jeweils in der Weihnachtszeit gestartet bzw. im Fernsehen ausgestrahlt. Teenager, aber auch ein erwachsenes Publikum fieberten jeweils mit, wer welchen Contest gewinnt, wer welches eislaufende Herz erobert.

Einige der Filme, wie etwa "Iceland" von 1942 schrammten allzu dicht an Geschlechterklischees entlang. Doch es waren hier und da auch Filme darunter, welche zeigen, wie hart, wie gnadenlos manche Sportler mit sich selbst und anderen umgehen, um an die Spitze zu kommen.

 

Sportarten im Zentrum des Films

Ob Eiskunstlauf, Eisschnellauf oder auch Eishockey, die vielfältigen Eissportarten waren natürlich immer wieder Quelle auch kritischer Auseinandersetzungen auch mit den Herausforderungen, den großen Anstrengungen aber auch den dunklen Seiten von Wettbewewerbssport. I, Tonya (2017) etwa entlarvt auf eindrückliche Weise die Mythen rund um den Wettkampfsport und zeigt die brutale Realität und den Psychischen Druck bei den Wettkämpfen.

Darunter ist auch der Film "I, Tonya", der eine wahre Begebendheit nacherzählt, die in die Geschichte des Eiskunstlaufs eingegangen ist. In Detroit, Michigan, wurde am 6. Januar 1994 ein Anschlag auf Nancy Kerrigan verübt, eine damalige Favoritin im Eiskunstlauf für die Olympischen Spiele. Auf dem Weg von der Eisfläche in die Umkleide wird sie von zwei Männern mit Schlagstock überfallen, die auf ihre Knie eingeschlagen.

Der Auftrag war es, die junge Frau so zu verletzen, dass sie nicht mehr weiter trainieren kann, Der perfide Plan stammte von drei Männern, darunter der Ehemann von Tonya Harding, Kerrigans Rivalin auf dem Eis seinerzeit. Doch zum Glück sind die Knieverletzungen nicht so stark, dass Kerrigan doch bei den Olympischen Spielen in Lillehammer 1994 laufen und einen sensationellen nur um einen Zehntelpunkt von der Goldmedallie (Ukraine, Oksana Bajul) entfernten zweiten Platz erringen kann. Ihre Konkurrentin, deren Mann den Anschlag mit in Auftrag gegeben hatte, lief ebenfalls, landete aber weit abgeschlagen auf einem der hinteren Plätze. Nach der Olympiade beendeten beide Frauen ihre Eislaufkarrieren.

 

Winter Eislauf 2 2000

 

Ein (unvollständiger) Überblick

  • "Patinage artistique" (Regie: Gebrüder Lumiere, F 1896)
  • "Ice Skating Scene" (Produzent: Edison,  USA 1896/97)
  • "Ice Skating at the Crystal Palace" (Produzent: Birt Acres 1897)
  • "The Gold Rush" (R. Charly Chaplin, USA 1925) mit Chaplins genialen Eisszenen
  • "Iceland"  1942  Dauer: 79 Minuten  Regie: H. Bruce Humberstone
  • "Der weiße Traum", 1943, Regie: Géza von Cziffra   Eisrevuefilm
  • "Die große Kür"  1964  Dauer: 99 Minuten  FSK 6  Regie: Franz Antel
  • "Doktor Schiwago" (Regie: David Lean, USA 1965)
  • "Eisfieber"  1978  Dauer: 109 Minuten  Regie: Donald Wrye  FSK 6   Drama
  • "Liebe und Eis"  1992  Dauer: 83 Minuten  FSK: 6  Regie: Paul Michael Glaser   Sportfilm
  • "The Edge" (1997)
  • "A Simple Plan" (1998)
  • "Ein Leben auf Glatteis"  2000  Dauer: 99 Minuten  Regie: George Erschbamer   Fantasy, Drama
  • "Serendipity" (2001)
  • "Die Eishockey- Prinzessin"  2005  Dauer: 92 Minuten  Regie: Francine McDougall   Drama, Komödie
  • "Die Eisprinzessin"  2005  Dauer: 94 Minuten  Regie: Tim Fywell   Drama, Sport
  • "Die Eisprinzen"  2007  Dauer: 93 Minuten  FSK 6  Regie: Josh Gordon, Will Speck   Komödie
  • "Let the Right One In" (2008)
  • "Eisfieber 2"  2010  Dauer: Regie: Donald Wrye   Drama
  • "Anna Karenina" (2012)
  • "Der Feind in meinem Leben"  2013  Dauer: 90 Minuten  Regie: Bernd Böhlich
  • "Die Anfängerin"  2017  Dauer: 98 Minuten  Regie: Alexandra Sell   Komödie
  • "Kiss and Cry"  2017  Dauer: 78 Minuten  Regie: Chloé Mahieu, Lila Pinell   Coming-of-age, Drama
  • "I, Tonya"  2017  Dauer: 120Minuten   FSK 12   Regie: Craig Gillespie   Filmbiografie
  • "Immer, wenn du bei mir bist"  2018  Dauer: 108 Minuten  FSK 6   Regie: Oleg Trofim   Drama, Sport

 

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