
Wie erschuf man vor CGI und Computeranimationen mit Modelltricks und Einzelbildern Fantasiewelten? Bereits zu Beginn der Filmgeschichte haben die Filmpioniere wie George Meliès und Willis O’Brien leblose Objekte und Figuren im Film zum Leben erweckt, haben ihnen wortwörtlich Leben eingehaucht. Der Trick bestand darin, in der Filmkamera immer nur jeweils ein Bild zu belichten (statt 24 pro Sekunde), dann an den im Bildausschnitt erfassten Figuren oder Objekten minimale Veränderungen vorzunehmen und dann das nächste Bild zu belichten. Und so weiter, immer eine Bewegungsphase mehr. Man nennt das Stoptrick oder auch Stop Motion.
Ganz zu Beginn des damals noch jungen Filmmediums, entstand "The Humpty Dumpty Circus (1898, J. Stuart Blackton & Albert E. Smith). Dabei wurden Spielzeugfiguren bewegt, wobei die Animation noch recht grob, aber dennoch revolutionär war. Nur zwei Jahre später kam mit "The Enchanted Drawing" (J. Stuart Blackton, 1900) ein weiteres Stop Motion Werk heraus. Dabei handelte es sich jeweils um kurze Streifen, die Tricktechnik genügte, um die Zuschauer zu begeistern.
Das änderte sich erst mit "The Cameraman’s Revenge" (Władysław Starewicz, 1912) wo erstmal eine richtige Geschichte, mit Insekten-Puppen animiert erzählt wurde. Mit "The Beautiful Lukanida" (Władysław Starewicz, 1912) folgte ein früher Fantasy-Stop-Motion-Film. Mit "The Mascot" (Władysław Starewicz, 1933) folgte eine Surrealer Puppentrickfilm mit Albtraum Ästhetik, der stark vom Expressionismus geprägt war.
Frühe Trickfilmklassiker

Langsam begann man aber auch damit, für fantastische Geschichten Teile in Stop Motion Technik herzustellen. Für "The Lost World" (1925) animierte Willis O’Brien Dinosaurier Figuren. Von Willis O´Brien stammten dann auch die Stop-Motion Teile aus "King Kong" von (1932).
Scherenschnittfilme in Stop Motion
Die legendären Scherenschnitt-Filme von Lotte Reiniger, wie beispielsweise "Die Abenteuer des Prinzen Achmed" (D 1926) entstanden ebenfalls durch Einzelbildaufnahmen. Es waren Silhuettenanimationen, man könnte auch von Legetrickfilmen sprechen, die als Stop Motion aufgenommen wurden. Dafür hatte sie einen von unten beleuchteten Glastisch verwendet auf dem ihre Scherenschnittfiguren lagen und von oben mit einer Kamera Einzelbildaufnahmen gemacht. Reinigers Film "Die Abenteuer des Prinzen Achmed" wurde zugleich ihr bekanntester und gilt als ältester noch erhaltener Animations Langfilm.
Modernisierung
In den 40 Jahren belebte Ray Harryhausen das Genre neu und modernisierte es. In Filmen wie "Mad Monster Party" optimierte Ray Harryhausen dieses Verfahren in seinen Phantasiewerken zu unglaublicher Perfektion. Dabei entstanden Fantasy-Filme wie "Sindbads siebente Reise", "Jason und die Argonauten" oder "Kampf der Titanen".
Weihnachtsfilme
Unvergesslich auch die Animationsfilme von Arthur Rankin Jr. und Jules Bass, wie etwa "Rudolph the Red-Nose Reindeer" (1964) und "Jack Frost". Das Unternehmen hat 17 Jahre lang jeweils ein Weihnachts-Special produziert. Die letzte Produktion war 1985 „The Life and Adventures of Santa Claus“. Während diese die ersten Jahre liebevoll in den eigenen Studios hergestellt wurden, hat man sie später an Japanische Studios ausgelagert, darunter auch Toei, die dann später Anime-Legenden wie "Dragon Ball Z", "Sailor Moon" und "One Piece" herstellen sollten.
Filmliste
- "The Humpty Dumpty Circus (1898, J. Stuart Blackton & Albert E. Smith)
- "The Enchanted Drawing" (J. Stuart Blackton, 1900)
- "The Cameraman’s Revenge" (Władysław Starewicz, 1912)
- "The Beautiful Lukanida" (Władysław Starewicz, 1912)
- "Aschenputtel" (Lotte Reiniger, 1922)
- "The Lost World" (1925, Animationen von Willis O’Brien)
- "King Kong" von (1932, Animationen von Willis O’Brien)
- "The Mascot" (Władysław Starewicz, 1933)
- "Panik um King Kong" (Ray Harryhausen 1949)
- "The Story of King Midas" (Ray Harryhausen, USA 1951)
- "Das tapfere Schneiderlein" (1953, Lotte Reiniger)
- „Sindbads 7. Reise“ (Regie: Nathan Juran, 1958, USA) - Special-Effects von Ray Harryhausen
- "Jason und die Argonauten" (Regie: Don Chaffey, USA 1963) - Special-Effects von Ray Harryhausen
- "Rudolph the Red-Nose Reindeer" (1964, Arthur Rankin Jr. und Jules Bass)
- "Sindbads gefährliche Abenteuer" (1973, Animationen: Ray Harryhausen)
- „The Life and Adventures of Santa Claus“. (Arthur Rankin Jr. und Jules Bass, USA 1985)
Wie lebendig Stop Motion auch heute noch ist, beweisen neuere Produktionen wie "Chicken Run", „Coraline“, „The Shadow King“ oder „Wendell & Wild“ von Henry Selick, “Crossing Swords” von John Harvatine IV und Tom Root oder auch "Isle of Dogs" von Wes Anderson. Ganz zu schweigen von den unzähligen Lego-Animationsfilmen zahlreicher Fans.

