Stummfilm

  • Filmprojektor 5 500Das älteste Kino Europas, das "Gabriel" in München soll in diesem Jahr für immer die Türen schließen.

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    Alter Filmprojektor

    Alter Ernemann Tonfilmprojektor für 35 mm Film

     

    Das Wiedererstarken des deutschen Films nach den Schrecken des Ersten Weltkrieges dauerte nur bis zur Einführung des Tonfilms - übrigens eine deutschen Erfindung, die bereits 1921 von Hans Vogt, Joseph Masolle und Dr. Engl gemacht und dann lange Jahre von der Industrie verhindert wurde. Wichtige Gründe für den Widerstand waren: Stummfilme waren international erfolgreich (man musste lediglich die Zwischentitel für andere Sprachräume austauschen), Tonfilme hätten den Siegeszug etwa des deutschen, französischen oder sowjetischen Films jäh abgebrochen.

     

    Zudem weigerten sich die Kinobesitzer und die Filmstudios, in die notwendige Technik zu investieren. Nicht zuletzt hatten auch diverse Stummfilmstars ungeeignete Stimmen und wären damit nicht mehr einsetzbar gewesen. Einige Stars konnten auch in anderen Sprachen nicht arbeiten - Emil Jannnings und Pola Negri etwa hatten in den USA keine Chance. Als der Tonfilm 1929 dann mit dem „Jazz Singer“ endlich auf dem Markt etabliert wurde, zerbrach die europäische Filmindustrie in lauter kleine Industrien, die jede für sich in der eigenen Landessprache drehen mussten. Im gleichen Jahre wurde erstmals in den USA von der "Academy of Motion Picture Arts and Sciences" der Oscar verliehen.

     

    Letzte Stummfilme

    Obwohl die neue Technik schon im Einsatz war, kamen noch eine ganze Reihe von Stummfilmen heraus. So drehte etwa Alfred Hitchcock seinen letzten Stummfilm "The Manxman" 1929 oder Leo Mittler brachte seinen Film "Jenseits der Straße" 1929 heraus. Der russische Regisseur Michail Romm brachte seinen Stummfilm "Pyschka" sogar erst 1934 in die Kinos. Und der größte Nachzügler war Charlie Chaplin, der noch 1936 mit "Modern Times" einen Stummfilm herausbrachte.

     

    Low-Tech

    Die technischen Möglichkeiten waren äußerst begrenzt. Die Mikrofone hatten keine starke Richtwirkung. So wurden die Schauspieler gezwungen, stets in Richtung des Mikrofons zu spielen, welches oft im Motiv versteckt wurde, etwa hinter einem Blumenstrauß. Aufnahmen „on location“ waren so gut wie unmöglich, weil die Außengeräusche zu laut waren. Man behalf sich mit gemalten Hintersetzern oder Rückprojektion.

     

    Tonfilmoperetten

    Wie beim "Jazz Singer", einem teilweise vertonten, teilweise noch stummen Filmwerk, stand in einigen der frühen deutschen Filme die Musik im Vordergrund. Musikalische Komödien, von Kritikern wie dem Filmtheoretiker Siegfried Krakauer als Tonfilmoperetten beschimpfte Unterhaltungsstreifen kamen in Mode. Beispiele hierfür waren: "Der Kongress tanzt" (Regie: Erik Charell), "Ein blonder Traum" (Regie: Paul Martin, Drehbuch: Billy Wilder & Walter Reisch). Ansätze, das Sprachproblem zu lösen, waren bereits bei der Einführung des Tonfilms Untertitel, Mehrsprachversionen oder auch eingesprochene Übersetzungen.

     

    Sprachfassungen/Versionenfilme

    Die damalige Technik machte es erforderlich, dass beim Einsprechen von Übersetzungen, diese vor Ort bei den Dreharbeiten direkt eingesprochen wurden. Beliebter waren dagegen Mehrsprachversionen, bei denen während der Dreharbeiten verschiedene Fassungen entstanden. Vor allem zu Beginn der Tonfilmära waren die überwältigende Mehrheit der Produktionen mehrsprachig gedreht. Dazu drehte man mit besonders sprachbegabten Schauspielern, die beispielsweise deutsch, englisch und französisch sprachen und drehte jede Einstellung mehrmals in den jeweiligen Sprachen. So existieren etwa Stan-Laurel-und-Oliver-Hardy-Filme, in denen die Komödianten deutsch sprachen. Alternativ drehte man mit verschiedenen Schauspielern gleichzeitig, so genannte Versionenfilme. Der Film „Die Drei von der Tankstelle“ (Wilhelm Thiele, 1930) wurde in der deutschen Fassung von Willy Fritsch, Heinz Rühmann, Oskar Karlweis und Lilian Harvey gespielt. Für die französische Fassung spielten Henri Garat, René Lefèvre und George Peclet. Die weibliche Rolle spielte auch hier Lilian Harvey, die gutes Französisch sprach.

     

    Viele europäische Länder, wie etwa Frankreich, litten unter den hohen Lizenzzahlungen für das favorisierte amerikanische Tonsystem. Wirtschaftliche Probleme ließen in Frankreich einige Großproduktionen kollabieren - ein Umstand, den sich viele kleine Produktionen zunutze machten. Es entstehen realistischere, in den 30er Jahren auch pessimistische, sentimentale Filme (Beispiele: "L´atalante" (Regie: Jean Vigo, 1935), „Hafen im Nebel“, (Regie: Marcel Carné, 1938). Ab Mitte der 30er Jahre setzt sich die Sprachsynchronisation für die Herstellung von Fremdsprachenversionen durch.

     

    England in den 30ern

    Bereits mit "Nanuk, der Eskimo" hatte Flaherty im dokumentarischen Genre Zeichen gesetzt. Mitte der 30er Jahre präsentierte er „Die Männer von Aran“, den er zusammen mit Frances Flaherty realisierte. In England entstanden in den 30er Jahren eine Reihe von herausragenden Dokumentarfilmen, die, finanziert von der Regierung, zumeist den Arbeitsalltag von Menschen darstellten. Der Produzent und Filmemacher John Grierson produzierte mehr als 100 Filme, darunter auch den poetischen Klassiker „Nightmail“ (Basil Wright, 1936). Im Spielfilmbereich etablierte sich Alfred Hitchcock 1935 mit dem Film „Die 39 Stufen“ als Könner des Thrillers.

     

    USA 30er Jahre

    Mit der Machtergreifung Hitlers 1933 wanderten zahlreiche deutschsprachige Regisseure nach Amerika aus, darunter William Dieterle, Edgar Ulmer, Ernst Lubitsch oder Fritz Lang. In den USA fand eine ungeheure Kommerzialisierung und Standardisierung statt. Filme wurden nach immergleichem Muster und ähnlichsten Drehbuchstrukturen verfilmt. Gefragte Regisseure drehten bis zu fünf Filme im Jahr, die Studiobosse schrieben die Rezeptur vor, Genres wurden gefestigt, wenn nicht gemauert.

     

    1935 wird auch der erste Farbfilm im Technicolor-Verfahren gedreht, einer Technik, die gleichzeitig auf drei Schwarzweißfilme aufnahm, die jeweils einen der drei Farbauszüge aufnahmen. Davon wurden im Kopierwerk Matritzen erstellt, die auf die Kopien die jeweiligen Farben im Druckverfahren aufdruckten. Noch heute nennt man deshalb Filmkopien im englischsprachigen Raum „print“.

     

    1937 kommt Chaplins „Moderne Zeiten“ heraus, sein letzter Film, bei dem er sich dem Tonfilm verweigert.  Besonders beliebt waren zu diesem Zeitpunkt die so genannten Screwball-Comedys - erwähnt sei stellvertretend „Leoparden küsst man nicht“ (Regie: Howard Hawks, 1938). Eine der wichtigsten Großproduktionen des Hollywoodkinos dieser Jahre: "Gone with the Wind" (Regie: Victor Fleming, 1939).

     

    Deutschland in der Zeit des Nationalsozialismus

    In Deutschland war die gesamte Filmproduktion den Begehrlichkeiten der Nationalsozialisten unterworfen. Filme wurden grundsätzlich gemeinsam mit dem Propagandaministerium abgestimmt. Das kreative Filmschaffen kam weitgehend zum Erliegen, viele Filmschaffende und Autoren wurden mit Berufsverbot belegt. So schrieb etwa Erich Kästner unter dem Pseudonym Berthold Bürger später das Drehbuch zu "Münchhausen". Die verschiedenen existierenden Wochenschauen wurden alle zu einer einzigen, vom Propagandaministerium zentral gesteuerten deutschen Wochenschau zusammengefasst.

     

    Eine bedeutende Rolle im Dokumentarfilm spielte etwa Leni Riefenstahl, die durch filmische Überhöhung und kunstvolle Kamera- und Schnitttechnik den Nationalsozialismus besonders effektvoll in Szene setzte. Nach dem Krieg behauptete sie stets, unpolitische Filme gemacht zu haben, auch wenn ihre Filmästhetik der nationalsozialistischen Diktatur mehr als nützte.

     

  • Kleine Filmmusik-Geschichte

    Geschichte der Filmmusik

    Geschichte der Filmmusik

    32 Jahre lang war der Film stumm, bevor er sich Tonfilm nennen durfte, Musik jedoch war immer zu hören. Hier ein kurzer historischer Abriss von den Anfängen:

    Bereits die erste Vorstellung der Gebrüder Lumiére im Grand Café am 28.12.1895 mit kurzen dokumentarischen Filmenreview. Ankunft eines Zuges, Babys Frühstück u. a. wurde von einem Pianisten musikalisch begleitet.

     

    Auch Kinoorgeln, Stehgeiger und andere Solomusiker sorgten früh dafür, dass die Emotionen stimmten und auch die Kurbelgeräusche des Projektors übertönt wurden. Edison experimentierte auch mit Musikaufnahmen auf der von ihm erfundenen Tonwalze, später versuchte man sich mit der Schallplatte. Das größte Problem aber war, dass man weder mit Tonwalze noch mit Schallplatte den Ton synchron zum Film abspielen konnte.

     

    Historischer Zusammenhang zwischen Technik und Nutzung von Filmmusik

    Cue Sheets

    Cue Sheets

    Ohne Ton wirkten die schwarzweißen Filme leer, fast ein wenig gespenstisch, daher war es üblich, dem Stummfilm Ton (Musik) hinzuzufügen. Klavier, Kinoorgel, ja oft sogar riesige Orchester lieferten die Hintergrundmusik und passten sich dabei geschickt an die unterschiedlichen Aufführungsorte an.

    Bei einer Kinematographen-Vorstellung am 23.11.1897 im Schloss Windsor vor Königin Victoria spielte das Empire Orchestra. Dies nahm eine Entwicklung voraus, die in den 20er Jahren, vor allem in Amerika, ihren Höhepunkt hatte.

     

    Während der Film auf Jahrmärkten, in Penny Arcades und Nickelodeons zu einem Massenvergnügen, vor allem für die Armen, wurde, gab es unter der Paramount-Devise „Erlesene Filme für ein erlesenes Publikum“ eine konträre Entwicklung. – Filmpaläste entstehen, in denen Orchester mit sechzig Musikern zum üblichen Komfort gehören.

    Zu den Filmen lieferten die Produktionsgesellschaften so genannte „Cue Sheets“ (Stichwortlisten), an denen sich die Pianisten bzw. Dirigenten orientieren sollten.

    Sie enthielten ein Sortiment musikalischer „Grundstimmungen“ wie Freude, Heiterkeit, Angst, Trauer, Spannung und wurden zu den entsprechenden affektiven Situationen der Filme gespielt.

     

    Mit der rasch expandierenden Filmindustrie wuchs das Angebot an differenzierteren, aber immer noch stark typisierenden „Cue Sheets“. Diese bedienten sich auch bei der sinfonischen Musik und bei der Opernmusik.

    Man kompilierte Beethoven, Grieg, Liszt, Rossini, Verdi und Wagner, aber auch Dixie, Ragtime, Märsche und Hymnen.

     

    Aber auch unbekannte Komponisten lieferten musikalische Versatzstücke für die Begleitung von Stummfilmen. Parallel dazu begannen Anfang der 20er Jahre renommierte Komponisten damit, Stummfilmmusik sorgfältig auszukomponieren.

     

    1921 Paul Hindemith schrieb die Partitur zu Arnold Fancks: Im Kampf mit dem Berg

    1924 Erik Satie komponierte die Nusik zu René Clairs Entr'acte

    1925 Darìus Milhaud schrieb die Musik zu L'Inhumaine

    1926 Edmund Meisel die Partitur vom Panzerkreuzer Potemkin

    1927 Arthur Honegger – Napoleon, Gottfried Huppertz – Metropolis

     

    Solche Stummfilmpartituren steigerten das Ansehen der Stummfilmmusik, waren aber aus technischen Gründen nicht beliebig reproduzierbar. Besondere Probleme bereitete der notwendige Gleichlauf von Bild und Musik – die Lösungsversuche (z. B. ein unter das Filmbild einkopiertes Notenband) waren unvollkommen und beeinträchtigten die Bildwirkung.

     

    Der Tonfilm erst schuf die technischen Voraussetzungen für den freien, kreativen und vor allem reproduzierbaren Musikeinsatz zum Film. Obwohl der Lichtton bereits 1921 von Hans Vogt, Joseph Masolle und Dr. Engl erfunden wurde, gelang ihm der Durchbruch erst 1927 mit dem Film Jazz Singer von Alan Crosland.

     

    Von Filmmusik jedoch konnte in den ersten Jahren des Tonfilms kaum die Rede sein. Man setzte vielmehr auf Gesangsnummern und beliebte Stars, welche beim Publikum gut ankamen.

    Beispiele: Der Jazz-Sänger, Lichter von New York, der singende Narr, Broadway-Melodie, der Straßensänger, Ich küsse ihre Hand, Madame, Die drei von der Tankstelle, Der blaue Engel u. a.

     

    Ansteigende Arbeitslosigkeit, Positionskämpfe zwischen den Parteien und die zur Macht drängende NSDAP waren Entwicklungen, die in Deutschland Filme und Filmmusik entstehen ließen, die in krassem Gegensatz zu den üppig ausgestatteten Revuefilmen standen.

    Beispiele: Niemandsland (Victor Trivas), Westfront 1918 (Georg Wilhelm Pabst), Dreigroschen-Oper Dreyfus (Richard Oswald) M (Fritz Lang) Kuhle Wampe (Slatan Dudow) u. a.

     

    Die Weltwirtschaftskriese bedingte ähnliche Entwicklungen in den übrigen Filmnationen. Die Tendenz, nicht mehr musikalische Versatzstücke zu kompilieren, sondern jeden Film mit einer neuen Musik auszustatten, hatte sich recht schnell durchgesetzt, und die neue Technik des Lichttons ermöglichte absolut synchrone Entsprechungen der Affekte von Handlung und Bild in der Musik.

     

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    Wenn wir ins Kino gehen, möchten wir vor allem eines: bewegt werden. Wir wollen mit dem Protagonisten erfahren, wie es ist, von seiner ewigen Liebe verlassen zu werden, wir wollen die Freude fühlen, wenn sie wieder zu ihm zurückkommt. Wir wollen uns aber mit wahrscheinlich ähnlicher Intensität vor dem bleichgesichtigen, kahlköpfigen Frauenmörder fürchten und mit der obligatorischen Gruppe Opfer, mit denen wir uns identifizieren können, um deren Leben rennen. Angst ist, wie Hass oder Liebe, eine gewichtige Emotion, die das menschliche Bewusstsein entscheidend prägt. Und weil Angst eine Emotion ist, die in der realen Welt einen durchaus berechtigten, in der Regel unangenehmen Grund haben kann, genießen wir es, im Kino zu sitzen, um dort in einer anderen Welt gemütlich und folgenfrei Angst haben zu dürfen.

     

    Stumme Monster

     

     

    Über die Lust am Angsthaben wurde man sich schon in der Pionierzeit des Mediums Film bewusst. Und zwar in Deutschland. 1920 kam Robert Wienes Stummfilm „Das Kabinett des Dr. Caligari“ in die Kinos und konfrontierte sein Publikum mit Visionen des Verlusts der Kontrolle und des Wahnsinns. Thematik wie Machart des Films stehen ganz im Sinne des Expressionismus, der nun sein künstlerisches Wirkungsfeld auch auf die Kinoleinwand projizierte. Besonders erwähnenswert sind die Bauten Hermann Warms, die perspektivisch verzerrt wesentlich zu der surrealen Stimmung des Films beitragen.

     

    Das Genre des Vampirfilms etablierte sich nur zwei Jahre später ebenfalls in Deutschland mit dem Film „Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens“ (1922) von F. W. Murnau. Dieser Stummfilm ist eine nicht autorisierte Adaption des Romans "Dracula" von Bram Stoker. Die schauspielerische Präsenz des Hauptdarstellers Max Schreck verstörte das Publikum der Zwanziger Jahre derart, dass es annahm, der Schauspieler sei tatsächlich ein Vampir. Mit diesem Gedanken spielt im Übrigen die gelungene Horrorkomödie „Shadow of the Vampire“ (2000), in der John Malkovich Murnau und Willam Dafoe Max Schreck darstellt.

     

    Monster en masse

    Weitere Meilensteine des Horrorfilms wurden dann jenseits des großen Teichs in der Goldenen Ära Hollywoods, den Dreißiger Jahren, gesetzt. Den Start machte 1931 Tod Brownings Tonfilm "Dracula" mit Bela Lugosi in der Titelrolle. Allein dessen extrem starker ungarischer Akzent verbreitete Angst und Schrecken in den Kinosälen seiner Zeit. Nach diesem kommerziell sehr erfolgreichen Gruselschocker leckte Universal Pictures Blut und startete eine Serie von Monsterfilmen, wie zum Beispiel „Frankenstein“ (1931) mit Boris Karloff in der Rolle des erweckten Monsters, „The Mummy“, ebenfalls mit Boris Karloff in der Rolle eines weiteren erweckten Monsters, und etwas später „The Wolf Man“ (1941) mit Lon Chaney, Jr. Die Kinoleinwand war bis zum Rand gefüllt mit unsichtbaren Männern, ungelenken Riesenaffen, durchgeknallten Wissenschaftlern und untoten Aristokraten. In den Vierziger Jahren schreckten die Studios nicht einmal davor zurück, Monsterkombinationsfilme wie „Frankenstein Meets The Wolf Man“ (1943) zu produzieren. In „The House of Frankenstein“(1944) und „The House of Dracula“(1945) gesellte sich gar zusätzlich Graf Dracula zu dem konkurrierenden Zweiergespann.

     

    Diese klassisch gestrickten Horrorthemen fanden in den späten fünfziger und den sechziger Jahren ihre Fortsetzung in einer aufgepeppten Fassung: Die britische Filmproduktionsfirma HAMMER FILMS landete 1957 mit „The Curse of Frankenstein“ einen Welthit und machte die Schauspieler Peter Cushing (Frankenstein) und Christopher Lee (Die Kreatur) über Nacht zu Stars. In den Folgejahren lief die Produktion von B-Horror-Filmen in den Hammer-Studios auf Hochtouren. Von den Kritikern verachtet und von Publikum geliebt etablierten sich die Hammer Filme als Garant für Schock und Schauer.

     

    Was die Hammer-Studios in England waren, repräsentierte Roger Corman zu dieser Zeit in den USA. Auch er produzierte kostengünstig Gruselfilme am laufenden Band, weshalb er verdientermaßen als „King of the Bs“ (König der B-Filme) in die Filmgeschichte eingegangen ist. Nach dem kommerziellen Erfolg von „House of Usher“ (1960) produzierte Corman eine Reihe weiterer Edgar-Allen-Poe-Verfilmungen, durch die z. B. Vincent Price und Jack Nicholson zu Stars wurden.

     

    Monster im Kopf

    1960 ist für die Geschichte des Horrorfilms ein äußerst wichtiges Datum: Alfred Hitchcocks „Psycho“ erblickte das Licht der Kinoleinwand und alles veränderte sich. War man es davor gewohnt, sich vor klassisch-fantastischen Gestalten wie Vampiren, Werwölfen und Konsorten zu gruseln, wurde auf einmal die menschliche Psyche die Quelle der Angst. Nach und nach verschwanden also die tapsigen Monster und machten Platz für messerschwingende Ideal-Schwiegersöhne. Im gleichen Jahr lief auch Michael Powells „Peeping Tom“ an, in dem die subjektive Kamera dafür sorgt, dass der Zuschauer aus der Sicht eines jungen Serienkillers zum Voyeur wird. Neben Hitchcock verstand es besonders der polnische Regisseur Roman Polanski, sein Publikum mit Filmen wie „Repulsion“ (1965) und „Rosemary's Baby“ (1968) mit dem zu schockieren, was es nicht sieht, sondern sich vorstellen muss.

     

    Schlitzende Monster

    In den Siebziger Jahren wurde diese filmideologische Formel einfach herumgedreht: Schocken durch möglichst detaillierte Darstellung von Gewalt. Der diesem Credo folgende Film „The Texas Chainsaw Massacre“ schuf 1974 das Genre des Splatterfilms, welches dann 1978 mit John Carpenters „Halloween“ um das Sub-Genre „Teenie-Splatterfilm“ (oder auch „Teenie-Schlitzer“) erweitert wurde. Im Grunde besann man sich hier zurück auf die einfache Formel der frühen Monsterfilme; lediglich die im Nachtwind wehenden Röcke der Opfer wurden kürzer, die Opfer an sich jünger und die Monster Psychopathen. Dieses Gerüst erwies sich als derart ertragreich, dass man in den Achziger Jahren dem Fortsetzungskult bewehrter Konzepte bis ins Unendliche frönte: Neben Fortsetzungsreihen wie „Friday the 13th“ und „Nightmare on Elm Street“ von Wes Craven existieren allein acht Halloween-Filme. Mitte der Neunziger Jahre erlebte der Teenie-Schlitzer mit dem Film „Scream“ (1996) eine Renaissance, indem er seine einfache Struktur entlarvte und somit die ohnehin von vorn herein gegebene unfreiwillige Komik bewusst einsetzte.

     

    Ein weiteres wichtiges Element im Horrorfilm ist der Glaube. William Friedkins „The Exorcist“ (1973) lies z. B. den Teufel höchstpersönlich in den Körper eines unschuldigen Mädchens schlüpfen und „The Omen“ (1976) spielte mit dem Gedanken, Luzifer den apokalyptischen Weltuntergang auf wirtschaftlichem Wege erreichen zu lassen. Besonders diese beiden Filme zeigen, dass es in der Welt der Horrorfilme eben doch nichts Böseres gibt, als das Böse an sich.

     

    Man sieht also, dass der Horrorfilm eine Geschichte hat, die bis an den Ursprung des Filmemachens zurückreicht. Schon lange ist der Horrorfilm nicht mehr aus den Kinos wegzudenken. Erfolge wie „The Sixth Sense“ (1999) und „The Others“ (2001) oder auch die Persiflagen in der "Scary Movie"-Reihe zeigen, dass das Geschäft mit dem Gruseln nach wie vor bestand hat. Denn im Kino Angst haben macht einfach Spaß.

    Daniel Vogelmann

     

  • Seit Murnau mit seinem "Nosferatu" das Kinopublikum in Angst und Schrecken versetzte, folgten unzählige Vampirfilme...

  • Der Weg von einfachen Holzkameras zu Spiegelreflexsystemen wurde vor allem durch eine Firma geprägt: Arri. Sie wird im September 100 Jahre alt.

  • Was wäre das Kino ohne Romanvorlagen? Besser,- Schlechter, Innovativer? Einblicke in ein Genre

  • Stummfilmzeit (Teil 1 - bis 1919)

     

    Gerade ohne Ton müssen die Bilder Bände sprechen

    Gerade ohne Ton müssen die Bilder Bände sprechen.

     

    Der Film war ohne Original- oder Synchronton, deshalb sprechen wir von der Stummfilmzeit. Sie dauerte von 1895 bis 1927. Die Filme liefen allerdings nicht wirklich stumm, insbesondere um die Dunkelheit und das Ungewohnte in den Vorführräumen erträglich zu machen, wurden Musikuntermalungen eingesetzt. Klavier, Kinoorgel, Musiker aller Art gaben den Filmen emotionale Unterstützung. Teilweise gab es auch Erzähler, die das Gesehene kommentierten. Insbesondere in Japan entwickelte sich die Kultur der "Benshi", welche zu zweit die Handlung erklärten und sogar Dialoge nachsprachen. Der Bruder von Akira Kurosawa etwa war ein solcher Kinoerzähler. Nach dem Wegfall seiner Arbeitsmöglichkeiten verfiel er in Depression und nahm sich später das Leben.

     

    Anfänge und Filmsprache

    Bis zum Ende des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts war die Filmsprache noch spürbar vom großen Vorbild der Bühne geprägt. Die Handlung spielte sich mehrheitlich vor der Kamera ab, es gab auch keine reduzierte Realzeit und Schnitte waren ebenfalls nicht gestalterisch gesetzt. Die Einstellungsgrößen waren distanziert, die Darsteller waren so gut wie immer von Kopf bis Fuß zu sehen, also in Halbtotalen oder Totalen. Auch Kamerabewegungen sind in Ermangelung von Schwenkköpfe, Schienen, Kränen etc. kaum auszumachen. Erste Filme bestehen folgerichtig aus einer kompletten Einstellung. Ab 1903 entstanden mehr und mehr Filme, die aus mehreren Einstellungen entsprachen und die inszenierte Inhalte hatten.

     

    Frühe Genres

    Der Film zeigte neben dokumentarischen Inhalten wie Krönungen, Miltärparaden oder Weltausstellungen auch Attraktionen von Varietés und Jahrmärkten. Schlangenmenschen, Tänzer, Akrobaten aber auch sportliche Wettkämpfe standen auf dem Programm. Technische Innovationen wie die Eisenbahn oder Automobile wurden ebenfalls zu elementaren Genres.  "The Great Train Robbery", der angeblich erste Western und zugleich Eisenbahnfilm (1903 von Edison produziert) arbeitete bereits mit mehreren Einstellungen, bestand aus 14 Szenen und enthält als Sensation eine Einstellung, in welcher der Gangsterboss in einer Nahaufnahme auf den Zuschauer zielt und schießt. Kennzeichnend für den Film sind lange, feste Einstellungen und wie zu dieser Zeit üblich, eher Halbtotalen. Eine Besonderheit des Films ist auch die Parallelmontage, man sieht sowohl den Bahnbeamten in seinem Büro, als auch parallel die Zugräuber auf ihrer Flucht. Der Film wurde für Edison, den Produzenten des Filmes, sowie seinen Regisseur, Edwin S. Porter, ein großer kommerzieller Erfolg.

     

    Georges Méliès gilt als Pionier des Science-Fiction- und Trick-Films. In seinen Filmen, die zumeist in seinem Studio, welches wie eine Bühne aufgebaut war, entstanden, arbeitete er bereits mit Stop-Trick und Mehrfachbelichtungen. Seine 16minütige "Reise zum Mond" (1902) war sehr bühnenhaft, gilt aber als Meilenstein des Trickfilms. Auffällig, dass in diesem Film besonders wichtige Handlungsdetails zweimal gezeigt wurden, wohl um deren Bedeutung zu unterstreichen. Die Möglichkeit, unterschiedliche Geschwindigkeiten zu drehen, das Filmmaterial rückwärts laufen zu lassen, oder der Stopptrick wurden in zahllosen kleinen humoristischen Streifen genutzt.

     

    Filmnationen

    Was die technische Entwicklung der neuen Technik angeht, waren Amerika, Frankreich, England, Italien, Russland und Deutschland weltweit führend. Sie exportierten ihre Filme in alle Welt. In Italien entstanden gigantische Filme wie "Quo Vadis" oder "Cabiria".

     

    Weltweiter Erfolg

    Von den Vorführungen in den Metropolen Paris, New York, Wien, London und Berlin verbreitete sich der Film rund um den Erdball. Der Film wurde die wichtigste Unterhaltungsform des angehenden 20. Jahrhunderts. Die Kinosäle wurden immer größer, komfortabler und entwickelten sich zu regelrechten Filmpalästen. Bereits sehr früh kristallisierten sich neue Erzählformen wie das Drama, die Komödie, Serien, aber auch schon Trick- und Animationsfilme heraus.

     

    Streit ums Geld

     

    Stummfilm Szene

     

    Bereits in der Anfangszeit des Films versuchte man, die Erfindung des Films, die nachweislich einer Vielzahl von Menschen zugeschrieben werden muss, zu patentieren. So strengte Edison ab 1897 in vielen Gerichtsverfahren eine Entscheidung zu seinen Gunsten an. Als diese nicht in seinem Sinne ausfiel, gründeten die großen Anbieter (Edison, Biograph, Vitagraph, Essany, Selig, Kalem, Méliès und Pathé) eine Art Kartel, die MPPC (Motion Picture Patents Company). Filmhersteller George Eastman (Gründer von Kodak) lieferte sein Material nur noch an Mitglieder dieses Kartells. Natürlich wehrten sich Produzenten, die nicht zu diesem Kartell gehörten, gegen diese Einschränkungen und gründeten eigene Produktionsfirmen. Allen voran die Firma von Carl Laemmle, "Universal Pictures". Nach etwa 10 Jahren juristischer Auseinandersetzungen wurde die MPPC letztendlich für rechtswidrig erklärt.

     

    Langfilme

    Während die frühen Filme jeweils recht kurz waren, in der Regel zwischen einer und 10 Minuten, drehte D. W. Griffith mit "The Birth of a Nation" (1915) einen Langfilm. Zugleich gilt er als erster Blockbuster. Mit Produktionskosten von etwas über 100.000 Dollar spielte er über 60 Millionen Dollar ein. Griffith führte, inspiriert durch das Opernglas im Theater, nähere Einstellungen als Bildsprache ein. Die Halbnahe und Nahe wurden als Einstellungsgrößen plötzlich gesellschaftsfähig. Bereits ein Jahr später brachte Griffith den Monumentalfilm "Intolerance" heraus, in einigen Massenszenen waren 16.000 Komparsen im Einsatz, die Griffith von einem Fesselballon aus dirigierte. Die Kulissen, etwa der babylonische Turm, waren 70 Meter hoch. Der Film wurde dennoch ein Flop.

     

    Deutschland

    Bereits zu Beginn des zweiten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts entstanden Filme, die internationale Beachtung fanden und weite Verbreitung im Ausland. "Der Andere" (1913) von Theaterregisseur Max Mack, "Der Student von Prag" (1913) von Stellan Rye und Paul Wegener (gilt vielen als erster Horrorfilm der Welt), "Der Golem" (1915) von Henrik Galeen, "Die Augen der Mumie" (1918) von Ernst Lubitsch.

     

    Während des Ersten Weltkriegs wurde der Film in Deutschland eher zu Propagandazwecken genutzt. Die immer beliebter werdenden Wochenschauen sollten die Meinung der eigenen Bevölkerung beeinflussen. Damit und durch die Konzentration aller Kräfte auf die Kriegsindustrie wurde der deutsche Film erst einmal bedeutungslos. Mit zunehmender Ausweitung des Krieges, dem Einsatz von Giftgas an der Front, machte sich insbesondere in Deutschland eine zunehmend depressive Stimmung breit. Die Menschen fühlten sich von der Politik zu einem menschenverachtenden Krieg verleitet.

     

    Frankreich

    Nach einigen sehr erfolgreichen Jahren mit Großproduktionen wie "Fantomas" oder "Les Miserables" verliert der französische Film an Bedeutung. Dort wie eigentlich in allen am Ersten Weltkrieg beteiligten Nationen außer den USA führte der Krieg zu einem Beinahe-Stillstand der Filmkultur.

     

    Amerika

    Stummfilm Schauspieler

     

    Gleichzeitig hatten die Amerikaner während des Ersten Weltkrieges Ruhe und Zeit, ohne lästige Konkurrenz aus Europa eine Vormachtstellung im Kino aufzubauen. Während in Europa unzählige Menschen auf den Schlachtfeldern ihr Leben verloren, entstanden in Amerika Produktions- und Verleihkonzerne wie "Paramount", "Metro Goldwyn Mayer", "Twentieth Century Fox" und die von Charles Chaplin, Mary Pickford, Douglas Fairbanks und David W. Griffith gegründete "United Artists". Zu den frühen Stars des amerikanischen Kinos gehörte Charles Chaplin, seine traurig-heiteren Komödien "Der Vagabund" (1916), "Gewehr über" (1918) katapultierten ihn schnell in die Riege der bestverdienenden Filmdarsteller seiner Zeit.

     

    Edwin S. Porter

     

    Zu Teil 2 der Geschichte des Stummfilms

  • Ab den Zwanziger Jahren änderte sich der Stummfilm dramatisch. Die traumatischen Folgen des ersten Weltkriegs hinterließen kreative Spuren...

  • Auch vor der Erfindung des Tonfilms wurden Filme eigentlich nie wirklich stumm gezeigt. Eine kleine Geschichte der Stummfilmmusik...

  • Damals dienten Zwischentitel dazu, dass Stummfilme so auf kostengünstige Weise internationalisiert werden konnten. Mit dem Tonfilm entstand dann die Synchronisation und die Notwendigkeit, untertitelt zu werden.

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