Bildseitenverhältnis

  • HDV

    Der kompakte digitale Magnetband-Standard

    HDV

    HDV sollte nur noch im 16:9-Format angeboten werden.

    Die Industrie war lange Zeit vorsichtig ernüchtert, wie zufrieden die Fernsehzuschauer mit ihren 4:3-Geräten waren, die zu allem Überfluss auch noch erstaunlich lange hielten. Auch genügte den meisten Zuschauern mit Breitbild-Wünschen das analoge 16:9-PAL-Plus-Format. Der Plan, möglichst rasch neue Gerätegenerationen der digitalen Art mit anderem Bildseitenverhältnis (16:9) und höherer Auflösung (HDTV) unter die Leute zu bringen, setzte sich langsamer durch, als erhofft. Daran änderten selbst gesetzliche Vorschriften (USA: landesweites digitales Fernsehen ab 2006) nichts. 2012 schaute die Mehrheit der Zuschauer in Europa SD (Standard Definition).

     

    Für alle aber, die sich kreativ und gestaltend mit Video auseinandersetzen und vielleicht sogar darüber nachdenken, ihre Werke auf Film aus zu belichten, waren die Entwicklungen im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends absolut spannend. Da wurden semiprofessionelle Camcorder zu günstigen Preisen auf den Markt gebracht, die sich den sündhaft teuren Cine-Alta (24p)-Systemen zumindest in manchen Parametern spürbar annäherten. Wer hochwertige Videofilme mit überschaubaren Kosten herstellen will, der kann das seit dem Erscheinen der HDV-Geräte auch tun. Eine kleine Revolution stellte die Trennung zwischen Profi- und Amateur-Equipment in Frage. Besonders interessant: jene Geräte im DVCPRO-HD-Standard, die eine Farbtiefe von 4:2:2 in bis zu 10 Bit bieten können.

    Sonys HVR-FX1, hier im Bild mit mit Chrosziel Mattebox 4X4

    Sonys HVR-FX1, hier im Bild mit mit Chrosziel Mattebox 4x4

     

    HDV hieß der erste semiprofessionelle High-Definition-Video-Standard, auf den sich die Big-Player im DV-Markt wie Canon, Sony, Sharp und JVC geeinigt hatten. Vorreiter dieser Entwicklung war die JVC, die mit ihrem JY-HD10 (bisher nur NTSC) den ersten HDTV-Camcorder auf DV-Basis herausgebracht hatten. Er bot Vollbildaufzeichnung (non interlaced) in 720p (das sind 1280 X 720 Bildpunkte). Die Industrieunternehmen erlaubten bei den Vorgaben zu ihrem Consumer HDTV Standard sogar höhere Zeilenzahlen, das Maximum sollte bei 1440 X 1080 Pixeln liegen, dann aber nicht als Vollbild, sondern im Halbbild-Modus (interlaced).

     

    Als Aufzeichnungsformat dienen die DV- und Mini-DV-Kassetten, die Farbauflösung beträgt 4:2:0. Damit liegt das Format unterhalb des höchsten HDTV-Fernsehstandards (1920 X 1080 Pixel), doch die Bildqualität ist beachtlich. Das Format wird ausschließlich für 16:9 ausgelegt sein, 4:3 wird nicht angeboten, die verschiedenen Standards 30 Bilder/60Hz (NTSC) und 25 Bilder/50Hz (PAL/SECAM) sind wählbar. Komprimiert werden die Bildinformationen mit MPEG-2, der Ton mit MPEG-1-Layer II.

     

    Peripherie

    Maßstab Auflösung

    Maßstab Auflösung

    Dieses Format zog natürlich eine Reihe weiterer Konsequenzen mit sich, denn für die Bearbeitung und Speicherung der HDV-Filme waren weitere Geräte erforderlich, die es so bisher nur im astronomisch teuren Profi-Bereich gab. Doch auch hier tat sich Einiges. So kam von „Blackmagic Design“ eine Schnittkarte für den Mac (Final Cut Pro 4, After Effects etc.) heraus, die für kleines Geld HDTV in 10Bit unkomprimiert verarbeiten konnte.

     

    Will man das Ergebnis, den geschnittenen Film, nicht auf HDV rausspielen (zum Beispiel, weil die Spieldauer der Mini-DV-Kassetten zu kurz ist), so bieten sich etwa HDTV-Videorekorder auf BluRay Basis an, die mit blauem Laserlicht auf die passenden Rohlinge (BD) über 23 Gbyte Fernsehsignal in HDTV (1920 X 1080 Bildpunkte) aufzeichnen können.

     

    Zur Orientierung

    Unser noch aktuelles Fernsehsystem PAL bildet 576 sichtbare (das Signal hat insgesamt 625) horizontale Zeilen ab. Die Breite des Fernsehbildes beträgt entsprechend 768 Pixel. Das VHS-Video-System zeichnet von diesen 576 Zeilen lediglich 240 auf, die Bildbreite entspricht 320 Pixel.

     

    HDTV-Festlegungen:

    720p entspricht 1280x720 Pixeln (Bildpunkten) im Vollbildmodus (p= progressiv= non-interlaced).

     

    1080i entspricht 1920x1080 (HDTV) oder 1440x1080 (HDV) Pixeln (Bildpunkten) im Halbbildmodus (i=interlaced).

     

    Diese Auflösungen werden für 25 und 30 Bilder/Sekunde, je nach Fernsehnorm, angeboten.

     

    Formatfrage

    Noch weniger als das professionelle Pendant, 24P/25P AVC Intra oder HD-Cam etc., kann HDV dem Film an Kontrastumfang und Farbwiedergabe das Wasser reichen. Es wird den Film nicht ersetzen können, aber es ist ein hochauslösendes Videoformat und bietet damit andere, ureigene Möglichkeiten, die hauptsächlich im Fernsehen und in begründeten Ausnahmefällen aber auch auf der Kinoleinwand für höhere Qualität sorgen können. Letztlich werden es die Inhalte sein, die wahrhaft überzeugen müssen. Starke Geschichten und überzeugende Filmfiguren lassen sich im 16:9-Bildformat jedenfalls deutlich besser kadrieren und entsprechen viel mehr dem natürlichen Gesichtsfeld des Menschen.

     

  • Seitenverhältnis

    Bildseitenverhältnis

    Das Bildseitenverhältnis (Aspect Ratio) beschreibt jenes Rechteck, welches in der Aufnahme- und der Projektion oder Wiedergabe am Fernsehschirm die Bildinformation begrenzt. Die Form unseres Bildausschnitts (Frame) wird wie in der Geometrie beschrieben durch die Proportionen eines Rechtecks. Die Breite geteilt durch die Höhe dieses Rechtecks ist das Seitenverhältnis. Doch es ist viel mehr als nur eine mathematische Formel, im Film hat es mit Philosophie, mit Kosten, mit Enge und Weite, manchmal auch mit Magie zu tun.

     

    Das Seitenverhältnis von Super 8 und Normal 16ist 4 zu 3 oder auch 1.33:1 Bei diesen beiden Formaten kann man das so einfach definieren, denn niemand würde freiwillig von dem ohnehin nicht riesigen Filmbild unnötig etwas verschenken. Manchmal, ganz selten, drehen auch heute noch Filmemacher in 4:3, wie etwa Andrea Arnold. In einem sogar quadratischen Seitenverhältnis wurde über weite Strecken "Mommy" (Regie Xavier Dolan) gedreht.

     

    Academy-Standard

    Bei 35 mm sieht die Sache schon ganz anders aus. Nutzt man auch hier, wie oben erwähnt, die volle Bildfläche aus, so hat man es auch hier mit 1.33:1 zu tun. Dieses Seitenverhältnis wird auch Academy-Standard (1.375:1) genannt. Für reine Fernsehzwecke war dies lange der Standard. Das hat natürlich damit zu tun, dass sich die frühen Fernsehgeräte am Kinostandard damals orientierten und der war in den 40er und 50er Jahren des letzten Jahrhunderts eben 1.375:1.

    Doch seit High-Definition oder 16:9-Fernsehern (PAL Plus etc.) sind andere Seitenverhältnisse gefragt. Diese liegen mit 1.77:1 recht nahe am Kinostandard.

     

     

     

    Kino

    Im Kino sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Hier gibt es hin und wieder das Breitbildformat 1.66:1. Die Situation eines Kinosaales und der Wunsch reiche, weite Bilder zu erzeugen, haben das Seitenverhältnis 1.85:1 aber zum Standard werden lassen. Die meisten Kinofilme kommen in 1.85:1. Dieses weicht eindeutig von der Bildfläche, die ein 35mm-Filmbild hat, ab. Es nutzt weniger von der Höhe. Um also in 1.85:1 zu drehen, wird in der Kamera (ist nicht zwingend, kann auch im Kopierwerk geschehen) ein entsprechendes Bildfenster eingesetzt, bei dem etwas vom oberen und unteren Teil des Filmbildes abgeschnitten wird. Entsprechend wird auch eine Mattscheibe im Sucher verwendet, bei dem der Bildausschnitt in 1.85:1 eingezeichnet ist.

     

    Schade dabei ist, wie viel Filmmaterial auf diese Weise ungenutzt verschwendet wird. Deshalb gab es schon früher Bemühungen, mit einem „Techniscope“ genannten Verfahren, die 35mm-Norm dahingehend zu verändern, das nicht vier, sondern nur drei Perforationslöcher Filmmaterial bei jedem Bild weiterbewegt werden. Auf diese Weise spart man jede Menge Rohfilm. Der letzte Anlauf in dieser Richtung nannte sich 3Perf. Später im Kino wird dann ebenfalls ein 1.85:1-Bildfenster verwendet.

     

    Breitwand

    Breitwandverfahren wie Cinemascope verbreitern das Bild nochmals und erreichen so 2.35:1. Jedes, von der Fernsehgröße (4:3) abweichende Format erzeugt auf dem Bildschirm die berühmten schwarzen Balken (Letterbox). Breitbildfernseher umgehen dies durch ein entsprechend verbreitertes Format (siehe HDTV). Dort erzeugen dann nur noch Cinemascope-Filme schwarze Balken auf dem Bildschirm.

    Erdacht wurde das Format in den 50er Jahren des letzten Jahrhundert, um gegen die Konkurrenz des Fernsehens neue visuelle Attraktionen bieten zu können.

     

     

     

    Mattscheibe der Kamera

    Bei Filmkameras, oder Videokameras, die einen Spiegelreflexsucher besitzen und mit denen man verschiedene Bildformate verwirklichen kann, lassen sich, wie oben erwähnt, neben den Bildfenstern auch die Mattscheiben auswechseln. Es gibt jedoch auch Mattscheiben, in denen fast alle wichtigen Bildseitenverhältnisse zugleich eingezeichnet sind. Die Mattscheibe sieht dann etwa so aus wie im Bild rechts. Die Arbeit damit ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, man muss sich etwas mehr auf den Bildausschnitt konzentrieren. Deshalb bevorzugen es viele Kameraleute, für das jeweils verwendete Bildseitenverhältnis auch eine eigene Mattscheibe in den Sucher einzusetzen.

     

    Die kombinierten Mattscheiben fanden vor allem Verwendung, wenn in den 90er Jahren ein von den TV-Sendern propagiertes, von den Kameraleuten aber oft als Zumutung empfundenes Denken mit dem fortschrittlichen Namen „Shoot and Protect“ zur Anwendung kam. Dies bedeutete nichts anderes, als dass man die Bildgestaltung für zwei Bildformate gleichzeitig vornehmen sollte. Einerseits für die damals überall gängigen TV-Geräte in 4:3 und andererseits auch für künftige Wiederholungen des gleichen Filmes auf 16:9 (HDTV). Wie das wirklich gehen sollte, für beide Bildformate gleichzeitig eine optimale Gestaltung des Bildausschnitts zu erzielen, hat damals allerdings niemand überzeugend beantworten können.

     

Banner Virtual Reality Buch Schmal 2000

Workshops 2020

Viel Kreatives vor? Mit Movie-College Hands-On Workshops Filmlicht, Filmton/Location Sound, Kamera, Drehbuch u.v.a, kann man sein Knowhow spürbar verbessern und stärkere Filme machen.

Liebe InteressentInnnen,

angesichts der aktuellen Situation lassen wir die Hands-On Workshops vorübergehend pausieren, bis sich die Situation wieder normalisiert hat.

Da wir Sie und Ihr berechtigtes Interesse, Filmknowhow, Workflow, Tipps und Tricks zu erwerben, weiterhin unterstützen wollen, werden wir Ihnen in den nächsten Wochen Alternative Lehrmaterialien in Form von Video-Seminaren und Vorlesungen bereitstellen. Verschiedene Vorlesungen finden Sie unter "Film Lernen Jetzt"