Analoger Film

  • Wechselspiele

    Es war eine Frage der Qualität, zugleich aber auch ein Kostenfaktor: Wenn ein analog gedrehter Film ins Kino soll und das Bildformat voll genutzt wurde, sollte das Negativ im A/B-Verfahren geschnitten und im Kopierwerk entsprechend A/B kopiert werden. Was verstehen wir unter A/B-Verfahren, auch „zweistreifig“ genannt?

     

    Wenn ein Film fertig geschnitten ist, ganz gleich, ob als Arbeitskopie am Schneidetisch oder an einem Offline-Schnittplatz, muss das Negativ entsprechend dieses Feinschnitts nachgeschnitten werden. Man hat an den Schneidetischen (außer bei Umkehrfilm) nicht das Original sondern eine Kopie geschnitten, während das Originalnegativ im Kopierwerk sicher aufbewahrt wurde. Wenn die sogenannte Arbeitskopie des Films (AK) fertig geschnitten war, begannen Negativcutter-innen damit, das Originalnegativ exakt bildgenau danach zu schneiden.

     

    Das Prinzip

    Filmstreifen

    Das A/B-Verfahren verteilt die Einstellungen des Filmnegativs abwechselnd auf zwei Bänder. Die erste Einstellung des Films befindet sich zum Beispiel auf dem A-Band. Ist sie zu Ende, hängt Schwarzfilm im A-Band und im B-Band beginnt genau dort die zweite Einstellung. Ist sie zu Ende, folgt Schwarzfilm und die dritte Einstellung beginnt wieder auf dem A-Band. Diese Vorgehensweise verhindert, dass man in der Kinoprojektion die Klebestellen sieht.

     

    Dies passiert, wenn man das volle Bildformat des Negativs nutzt. Bei 35 mm und Aspect-Ratio 1:1,85 gibt es genügend unsichtbare Fläche vor und hinter den Schnittstellen. Hier könnte man den Negativschnitt auch einstreifig vornehmen, vorausgesetzt, die Klebestellen sind der einzige Grund für A/B.

    Kopierter Film

     

    Wird von dem A/B geschnittenen Negativ eine Kopie gezogen, muss erst das A-Band in die Kopiermaschine eingelegt und auf den Kopierfilm (Print) kopiert werden. Dort, wo Einstellungen eingeschnitten sind, werden diese auf das Kopiermaterial belichtet, wo Schwarzfilm hängt, bleibt die Kopie unbelichtet. Danach wird das B-Band auf dieselbe Kopie belichtet. Am Ende befinden sich alle Einstellungen von A- und B-Band auf der Kopie.

     

    Höhere Kosten

    Der Vorzug des A/B-Verfahrens ist gleichzeitig in finanzieller Hinsicht ein Nachteil. Der doppelte Kopiervorgang verursacht Mehrkosten: Erstens verteuert sich der Negativschnitt, zweitens verursacht es den so genannten A/B-Zuschlag. Dieser fällt bei jeder Kopie, die gezogen wird, erneut an. Wenn von einem Film viele Kopien benötigt werden, wäre das Risiko für all diese Kopien das Original-Negativ zu verwenden, extrem hoch. Deshalb erstellt man Internegative. Wird von einem A/B geschnittenen Negativ ein Intermed. Positiv und davon ein Internegativ erstellt, so entsteht bei diesem Vorgang ein einstreifiges Internegativ. Und von diesem können dann Kopien in einem Durchgang gezogen werden, der A/B-Zuschlag entfällt.

     

    Überblendungen

    Überblendung

    Doch nicht nur das Problem der Klebestellen macht A/B-Verfahren notwendig. Auch Überblendungen (Dissolves) im Kopierwerk (ohne Umweg über Optische Bank oder Compositing-Rechner) sind nur auf diese Weise möglich. Zu diesem Zweck müssen die beiden Einstellungen, die überblendet werden sollen, sich überlappen. Die Einstellung, an deren Ende die Überblendung liegen soll (A), muss nach hinten überlappen, jene, in die die Überblendung hineinführen soll (B), nach vorn. Die Kopiermaschinen werden so programmiert, dass das Kopierlicht bei Einstellung A innerhalb einer bestimmten Anzahl von Bildern Schritt für Schritt immer dunkler wird. Umgekehrt wird beim Kopieren des B-Bandes an der gleichen Stelle das Kopierlicht über die gleiche Anzahl von Bildern von Dunkel bis zu normaler Belichtung immer heller.

     

    Je nach Kopiermaschine sind bestimmte Längen möglich. Zum Beispiel 16, 24, 32 oder 48 Bilder. Eine Überblendung von 48 Bildern bedeutet: Auf dem A-Band wird 24 Bilder lang das Licht immer dunkler (Abblende) und zugleich auf dem B-Band 24 Bilder lang immer heller (Aufblende). Das Verfahren wird heute auch bei der Bearbeitung eines digitalen Intermediates DI digital gerechnet, was viel mehr Möglichkeiten und Zwischenstufen bietet. Es vermeidet auch Probleme oder Schwächen, welche die reine Überblendung in der Kopiermaschine mit sich brachte:

     

    Überlendung fertig

    Der Grad der beiden übereinanderkopierten Auf- und Abblenden verläuft nicht immer in gleicher Abstufung. Er ist abhängig vom Ausgangsmaterial. Sind die Einstellungen von ihrer Dichte her sehr unterschiedlich, müssen auch die Werte für die Blenden (in der Lichtbestimmung) unterschiedlich programmiert werden.

     

  • Christopher Nolan tut es, Quentin Tarantino tut es. Sie drehen trotz digitaler Übermacht analog und bringen Filme als 70mm Kopien in die Kinos

  • Im Rahmen der "Tage der Regie" diskutierten Kameraleute, Regisseure/innen und Produzenten über die Magie von analogem Film und heutige Möglichkeiten, damit zu produzieren

  • Nein, keine Sorge, die Welt wird nicht wieder auf analoge Technologien umgestellt, doch nicht nur die gute alte Schallplatte erfreut sich wachsender Beliebtheit

  • Arri AlexaArri München bietet generalüberholte, gebrauchte Alexas zu günstigen Preisen an. Lohnt sich das, und was erwartet einen?

  • Man glaubt es kaum, aber Canon hat bis jetzt noch einen analogen Fotoapparat gebaut, die EOS 1v. Nun endet der Verkauf.

  • Längst ist der digitale Kinodreh Alltag und der anaolge Film ein Relikt aus analogen Zeiten. Wo liegen die Unterschiede?

  • Noch kann man auf analogem Film drehen. Wie genau kommt nun der Film überhaupt in die Kamera?

  • Was ist eigentlich der Job von sogenannten Abtastern? Ohne sie könnten wir abgedrehtes Filmmaterial nicht digitalisieren und es nicht auf Fernsehen, Video, DVD oder BluRay schauen. Der Abtaster ist verwandt mit dem Filmscanner.

  • 16 mm-Film mit Normal- und Super16- Bildfenster Perforationslöcher einseitig,  je eines pro Bild

     

    35 mm-Film Normalbild. Perforation doppelseitig, je vier pro Bild, bei Sonderformaten auch 3 (Three Perf) bzw. 8 (Quer) pro Bild.

     

    70 mm-FilmPerforation hat die gleiche Größe wie bei 35 mm, auch hier doppelseitig.

     

    Literaturverfilmung “Franta“, gedreht in Normal 16 mm

     

    Spielfilm “LIEBE, LEBEN, TOD“, gedreht in Super 16 mm

    Unterschiedliche Filmformate

    35mm

    Ausgehend vom 35 mm-Film wurden im Laufe der Filmgeschichte die verschiedensten Normen und Bildformate entwickelt. Die Format-Bezeichnungen lassen sich ganz praktisch mit dem Zollstock nachmessen. Ursprünglich waren es Edison und Eastman, welche die Breite des Uhrformats 35mm festlegten.

    In der digitalen Welt entspricht APS C weitgehend dem früheren Film-Frame.

     

    Es gab neben den professionellen Formaten im Amateurbereich Normal 8 mm, Super 8 mm, es gab 9,5 (sehr exotisch, mit Perforation in der Mitte) und auch 16 mm im Amateurbereich.

     

    16 mm

    Mit der fragwürdigen Kriegsberichterstattung im 2.Weltkrieg und der Notwendigkeit, mit kleinem Gerät unterwegs zu sein, wurde der 16 mm-Film auch im Profibereich etabliert.

    Am nächsten kommt in der digitalen Cinematografie MFT diesem Format, genauer gesagt dem Super-16 Format.

     

    70 mm

    Über ein Jahrhundert lang war, genau so wie in der Anfangszeit des Films, 35 mm der Standard für professionelles Kino.

    Es gab allerdings auch das hochwertigere 70 mm-Format, was bei besonders großer Projektionsfläche (Breitwand) und Show-Projektionen (IMAX etc.) Verwendung fand. Manchmal, wenn man Glück hat, kann man noch hier und da Filmvorführungen in 35mm und sogar 70mm sehen, oft auch im Rahmen von Filmfestivals.

    Je nach System werden pro Bild 5, 8, 10 oder bei Horizontalem Transport sogar 15 Perforationslöcher transportiert.

    Auch hier gibt es eine Entsprechung bei digitaler Filmaufnahme, die Arri Alexa 65 entspricht diesem alten Großformat.

     

    Blow-up

    Nur weil im Kino meist 35 mm Kopien liefen, war das noch kein Grund, auch auf 35 mm-Systemen zu drehen.

    Durch permanente Weiterentwicklung waren die Filmmaterialien so gut geworden, dass man problemlos auf 16 mm-Rohfilm drehen konnte, vorzugsweise im Super 16-Format, wo durch ein größeres Bildfenster in der Kamera mehr Aufnahmefläche für das Bild zur Verfügung steht.

    Das Negativ konnte später auf 35 mm aufgeblasen (umkopieren/Blow-up) werden.

     

    Faz

    Wir bewegen uns hier im Bereich ästhetischer Bewertungen, aber es bestehen technisch alternativ auch zufriedenstellende Möglichkeiten von Video auf 35 mm zu gehen. Dieses Verfahren nennt man Faz. Es gibt diverse Kinofilme, die mit einer Videokamera aufgenommen und auf diese Weise auf analogen Film übertragen wurden.

     

    Auf diese Weise konnte man aber nur bei reduzierter Bildqualität wirklich Geld sparen. Auflösungen, die näher an 35 mm kommen (4K) schlugen dann doch mit hohen Kosten zu Buche. Es sollte aber an dieser Stelle trotz anders lautender Behauptungen nicht verschwiegen werden, dass die Ergebnisse ästhetisch noch lange nicht mit echtem Film mithalten konnten.

    Mit dem Wechsel von analogen Filmkopien hin zu DCPs wurden diese Verfahren obsolet.

     

    24p

    24p hieß ein ursprünglich auf Basis von DIGI-BETA entwickeltes Format, welches näher an die Qualität des Film-Aufnahmeverfahrens heran reichte und mit Vollbildern arbeitete. Angesichts der vielen Bildinformationen, die in einem einzigen 35 mm-Filmbild stecken ein ehrgeiziges Unterfangen. Seit es HD, Ultra HD sowie 4K Formate auf Band und Filebasiert gibt, ist 24p sowie teilweise auch 48p und 60p digitaler Alltag.

     

    Mehr zum Digitalen Filmdreh

     

  • Wenn man heute von "Filmlook" spricht, dann meint man immer auch das Filmkorn, etwas was die Hersteller mehr und mehr zu verbergen versuchten...

  • Seit George Eastman auf die Idee kam, in Gelatine gelöste Silberbromide auf durchsichtige Folien zu gießen, sprechen wir bei bewegten Bildern von Filmen...

  • Vom klassischen analogen Film bis zu modernsten digitalen Videoakameras reciht die Bandbreite an Kameras, mit denen Filme aller Art gedreht werden können...

  • Kinos sind Sehnsuchtsorte, Zerstreuungsmöglichkeit, Kontaktbörse und mehr. Aber wie kommen die Filmbilder eigentlich auf die Leinwand?

  • Zur 2016 angekündigten Neuauflage von Super 8 gibt es neue Details und sogar technische Veränderungen des analogen Formates

  • Wer weiß schon, welches Tonaufnahmegerät vor mehr als 50 Jahren das Konzept heutiger Location-Rekorder vorweggenommen hat?

  • Negativrollen 500Drehte man auf Film, so schnitt man mit einer Arbeitskopie anlaog oder digital. Nach dem Schnitt wurde das Originalnegativ genau so nachgeschnitten

  • Remote Head 5 500Statt riesiger Kräne für die Schwenker-innen erledigen heute ferngesteuerte Schwenkköpfe den Job in schwindelnder Höhe...

  • Steenbeck Grundplatte 500Über viele Jahrzehnte kamen die besten Filmschneidetische der Welt für analogen Film aus Hamburg. Sie hießen Steenbeck und waren legendär

  • In der Anfangszeit der Fotografie und des Films ein Mangel, später eine Kunstform. Schwarzweiß ist etwas Besonderes...

  • 35mm FilmDer analoge Film ist die Wiege des Bewegtbildes und wird 120 Jahre nach seiner Erfindung noch immer verwendet

    Filmmaterial   Filmkorn   Film Trägermaterial   Schwarzweiss  Film einlegen   Filmlagerung   Filmlängen     Filmformate

  • Analoge Bildübertragung

    Graubalken

    Testbild Graubalken

    Das Video- oder Fernsehsignal transportiert die Informationen der Helligkeits- und Farbimpulse in elektronischer Form. Bei vielen Fernsehgeräten, Monitoren und den meisten Videogeräten geschieht dies in analoger Form. Dabei werden bei der analogen Bildübertragung die hellsten Bildpunkte mit der höchsten elektrischen Spannung (ca. 0,7 Volt) und die dunkelsten entsprechend mit der niedrigsten, also 0 Volt, codiert. Das bedeutet konkret, dass für die Darstellung von Schwarz über diverse Graustufen bis hin zu Weiß genau 700 mV zur Verfügung stehen.

     

    Die Definition über Spannungswerte stammt noch aus den Zeiten der analogen Videosignale und Röhrenfernseher, grundsätzlich sind aber die Prinzipien dahinter auch heute noch gültig. Auch in der digitalen Welt sind Grau- und Farbbalken verbreitet, um Geräte einzumessen, den richtigen Gamma und Kontrastwert einzustellen etc.

     

    Graubalken

    Spannungskurve

    Spannungskurve des Graubalken

    Der für Messzwecke sehr hilfreiche Graubalken, der in verschiedenen Varianten Verwendung findet, hilft uns, dieses Prinzip zu erläutern. Eine einzelne Zeile unseres Fernsehbildes sieht auf einem Oszillograf (Messgerät für schnell variierende Spannungen) dargestellt wie eine Treppe aus. Allerdings gibt es außer den reinen Bildinformationen auch noch Signale, die der Synchronisation des Bildes dienen. So ist der unterste Impuls, der auf dem Oszillograf zweimal knapp unterhalb der mittleren 0-Volt-Linie auftaucht, der so genannte Austastimpuls (H). Danach folgt ein so genannter Burst, das Farbreferenzsignal.

     

    Diese Austast- und Synchronimpulse haben einen negativen Spannungswert, der liegt also unterhalb der 0 Volt bei -300 mV im sogenannten Superschwarz. Dann saust der Elektronenstrahl nach oben (oberste orange Linie) und beginnt, unsere Treppe darzustellen: Die Breite der Stufen repräsentiert die Breite des jeweiligen Balkens, die Höhe, auf der sich die Stufe befindet, repräsentiert ihre Helligkeit. Die oberste Stufe steht für das Weiß des linken Balkens unseres Fernsehbildes, die unterste Stufe für das Schwarz. Ja, und dann ist schon eine Zeile vorüber. Es folgt wieder der Austastimpuls, dann der Burst, und die nächste Zeile wird geschrieben. Und wie wir wissen, besitzt unser PAL- Fernsehbild 625 Zeilen. So viele Zeilen müssen geschrieben werden, um ein Bild darzustellen. Und da wir pro Sekunde 25 Bilder (bzw. 50 Halbbilder) zu sehen bekommen, ist eine ganze Menge los in so einem Videosignal.

     

    Farbbalken

    Farbbalken
    Farbbalken

    Auf unserem Fernsehschirm bilden wir jetzt einen Farbbalken ab. Dieser sollte übrigens auf keinem Masterband (Video) fehlen.

     

    Wie sind nun die Farbinformationen codiert? Da zuerst das Schwarzweiß-Fernsehen entwickelt und eingeführt war, musste man, als Jahrzehnte später die Entwicklung des Farbfernsehens anstand, auf die vielen Besitzer von S/W-Geräten Rücksicht nehmen. Man musste ein Verfahren finden, welches sowohl den Besitzern von S/W-Geräten als auch den Besitzern neuer Farbgeräte gleichzeitig das Fernsehen ermöglichen sollte. Deshalb überlagerte man das bestehende schwarzweiße Fernsehsignal mit einem Farbsignal (4,43 MHz). Es wird quasi auf das Schwarzweißsignal, welches aus unterschiedlichen Spannungswerten besteht, aufaddiert. Die Farbinformation wird in Form von Schwingungen hinzugefügt, über die Treppenstufen des Schwarzweißsignals lagert man also Schwingungen, welche mit ihrer Frequenz den Farbton definieren und mit ihrer Amplitude (also dem Pegelwert in mV) die Sättigung der Farbe festlegen.

     

    In unserem PAL-Fernsehsystem darf das Farbsignal nicht höher als 133 % des Videosignals betragen, also nicht höher als 931 mV liegen (wir erinnern uns: Das Weiß hat 700 mV). Im Negativ-Bereich darf das Farbsignal maximal bei -231 mV liegen.

     

    Spannungskurve des Farbbalken

    Spannungskurve des Farbbalken

    Auf unserem Oszillograf sind die Farben als schmale Balken erkennbar. Weiß und Schwarz sind genauso codiert, wie im Schwarzbild oben abgebildet. Die Länge der Balken gibt die Sättigung der jeweiligen Farbe wieder. Das bedeutet: Wären die Farben unseres Farbbalkens auf dem Fernsehschirm weniger intensiv, weniger gesättigt, so wären die entsprechenden Balken auf dem Oszillograf kürzer. Die angegebenen Werte markieren den erlaubten Rahmen innerhalb des PAL-FBAS-Signals, auch Composite genannt, weil hier die Farb- und Helligkeitsinformationen nicht getrennt, sondern zusammen aufgezeichnet oder übertragen werden. Man sollte also bei seinem Messgerät den höchsten Ausschlag bei 931 mV und den niedrigsten bei -231 mV festlegen.

     

    PAL

    Da die Farbsignale mit hoher Frequenz transportiert werden, sind sie sehr anfällig gegen Störungen. Damit eine sichere Farbwiedergabe möglich ist, wird jede zweite Zeile phasenverkehrt übertragen. Daher rührt auch der Name PAL (Phase-Alternate-Line). Dieses System verhindert, dass Farbstiche durch Phasenfehler entstehen können. Bei Empfang über Fernsehantenne kann so etwas schon durch die nächste Hausmauer, die Antenne des Nachbarn oder einen anderen TV-Sender verursacht werden. Hätte eine Zeile einen Farbstich (z. B. Rotstich) in Folge eines Phasenfehlers, so hätte die nächste Zeile den entgegengesetzten Farbstich (Grünstich). Gemeinsam betrachtet, neutralisieren sich dann die Farbstiche.

     

    Das amerikanische Fernsehsystem NTSC verfügt übrigens nicht über ein derartiges Korrekturverfahren. Daher können die Farben dort ganz schön schwanken. Diese Eigenheit hat dem System auch die eigenwillige Übersetzung zu „Never The Same Color“ eingebracht.

     

    Digitale Werte

    Bei der Digitalisierung wird übrigens der Spannungsbereich bis 700 mV durch digitale Werte zwischen 16 und 235 repräsentiert. Die digitalen Werte von 0 bis 15 entsprechen den Negativwerten in der analogen Welt unterhalb der 0 Volt, dem Superschwarz-Bereich, auch Footroom genannt. Werte, die über der 235 liegen, sind Weißwerte, die außerhalb des Normpegels liegen, vielleicht noch nicht klippen, aber bereits keine Differenzierung mehr zulassen. Camcorder, aber auch Codecs kennen zur Vermeidung des digitalen Klippens eine sogenannte Knee-Funktion, eine Art sanften Begrenzer bei zu hellen Bildanteilen.

     

  • Gradationssteuerung in der Kamera

    Aufhellung der Schatten

    Kameraleute versuchen stets Wege zu finden, den Stil und Look ihres Filmes möglichst optimal an die Story anzugleichen. Manchmal stoßen sie  dabei an technische Grenzen des Filmmaterials, dann beginnen sie, selbst zu experimentieren.

     

    Im Gegensatz zu professionellen Videokameras kann man nämlich beim Film die Gradation (Gamma) nicht an der Kamera einstellen. Die Gradation bestimmt hier weitgehend der Filmhersteller.

     

    Bei der Gestaltung von Filmen ist aber die Einflussnahme auf die Gradation von wesentlicher Bedeutung. So haben Kameraleute die Vorbelichtung des Filmmaterials als einen Weg herausgefunden, die Gradation des Materials weicher zu machen.

     

    Prinzip

    Wenn man Filmmaterial vorbelichtet, wird der Abstand zwischen den dunkelsten und den hellsten Stellen in der Aufnahme verringert, die Kameraleute sprechen auch von einer Verflachung der Gradation.

     

    Jedes Filmmaterial benötigt ein gewisses Minimum an Licht, um überhaupt im Negativ eine Schwärzung hervorzurufen. Wenn nun in dem Motiv, welches man aufnimmt, stellenweise oder auch im Ganzen so wenig Licht vorhanden ist, dass keine Schwärzung eintreten würde, kann man durch Vorbelichtung, also vor der eigentlichen Aufnahme soviel Licht gleichmäßig aufbelichten, dass es gerade noch keine Schwärzung erzeugt.

     

    Bei der eigentlichen Aufnahme dann benötigt der Film nur noch wenig zusätzliches Licht, um eine Schwärzung zu erzeugen. Auf diese Weise werden dunkle Bereiche, etwa die Schatten heller und differenzierter. In den hellen Bereichen hat das praktisch keine Auswirkung, weil hier das auftreffende Licht viel stärker ist, als das schwache Licht bei der Vorbelichtung. Grundsätzlich hat die Vorbelichtung deshalb hauptsächlich Einfluss auf die Schattenbereiche.

     

    Wirkungsweisen

    • Man kann durch Vorbelichtung (engl.: Flashing) etwa dunkle Schatten aufhellen oder Nachtaufnahmen etwas besser aussehen lassen, ohne alles ausleuchten zu müssen. Auch kann man die Buntheit eines Materials reduzieren oder sogar bewusst einen Schleier über das Bild legen.
    • Wenn Filmmaterial forciert wird, also belichtet wird, als hätte es eine höhere Empfindlichkeit und dann entsprechend länger oder wärmer entwickelt wird, so wird die Gradation dadurch steiler. Durch Vorbelichtung kann man diese härtere Abbildung wieder etwas weicher machen.
    • Besonders knallige, kräftige Farben können durch die Vorbelichtung etwas zurückgenommen werden. Das kann besonders bei historischen Themen realistischer wirken.
    • Je nach Intensität der Vorbelichtung kann es auch zu Schleier/Nebel auf dem Bild kommen.

    Kopierwerk oder Kamera

    Harter Kontrast links, Vorbelichten im rechten Teil

    Früher wurde dieses Verfahren fast ausschließlich im Kopierwerk angewendet. In der Kamera geht es auch, ist aber riskanter: Wenn man den Film einmal zum Vorbelichten durch die Kamera laufen lässt, ist nicht sicher, ob die Stege zwischen den Bildern beim Belichten der eigentlichen Aufnahmen dann an der gleichen Stelle sind.

     

    Dennoch kam es vor, dass Kameraleute sich mit einem Stift die Position des Bildfensters markierten und dann eine Graukarte mit definierter Helligkeit oder auch eine gleichmäßige milchige Plexiglasscheibe, ja sogar einen Frostrahmen mit Diffusorfolie bespannt möglichst unscharf abfilmten.

     

    Doch wehe, das Bild war nur ein Perforationsloch versetzt beim eigentlichen Belichten. Deshalb sollte man am Besten vor Ort, dort wo man dreht, seine Filmrolle in der Kamera vorbelichten, darauf achten, dass das Material nicht ganz durch die Kamera läuft, sondern kurz vor Ende der Rolle stoppen und die Kamera (mit Deckel vor dem Objektiv, geschlossenem Okular, so heißt der Sucher, und geschlossener Blende) rückwärts laufen lassen.

     

    Dabei ebenfalls darauf achten, das man nur so weit rückwärts laufen lässt, dass das Material am Filmanfang nicht rausläuft. Digitale Zählwerke sind da eine wichtige Hilfe. Dann wird beim eigentlichen Dreh jedes Bild an der richtigen Stelle der Vorbelichteten Bildfelder aufbelichtet.

     

    Kopierwerke belichten deshalb außerhalb einer Kamera, also ohne Bildfenster gleichmäßig vor. Oder aber auch erst nach dem Dreh, auch hier gibt es unterschiedliche Philosophien. Auch kann man das Material, da ist der Name etwas irreführend, auch nach der eigentlichen Aufnahme "flashen".

     

    Wegen der mechanischen Belastung des Materials wird dieser Prozess aber nur sehr ungern von den Kopierwerken gemacht. Niemand will für Kratzer, Schrammen etc. haften, die dabei entstehen könnten. Alternative Verfahren etwa um die Farbigkeit zu reduzieren, wie die Bleichbadüberbrückung haben den Nachteil, dass die Schattenbereiche darunter leiden.

     

    Moderne Varianten

    Neben der Vorbelichtung im Kopierwerk gibt es auch Verfahren, bei der Aufnahme gleichzeitig eine Vorbelichtung vorzunehmen, die Systeme nennen sich Panaflasher, Varicon oder Lightflex. Hier wird ein Filtervor- oder Einsatz in das Kompendium, also vor das Objektiv gebaut, der dort wo der Glasfilter eingesetzt wird, beleuchtbar ist. Also das, was man sonst versucht, von der Optik fern zu halten, nämlich Streulicht, wird etwa beim Varicon gezielt erzeugt.

     

    Kommt es zum Einsatz, leuchtet der jeweils eingesetzte Filter. Werte von 5, 10 oder 15 % Flashing sind durchaus üblich und können sogar helfen, Licht zu sparen. Es erhöht die Empfindlichkeit um etwa eine Blende, ohne dass sich am Filmkorn irgend etwas ändert. Es kann aber sein, dass die Schattenpartien etwas wärmer wirken, wenn man diesen Effekt nicht wünscht, muss man mit dem verwendeten Glasfilter entgegenwirken.

    • Wenn Sie mit dem Mauszeiger auf das rechte Bild gehen, sehen Sie die Funktion.

    Generell kann man sagen, dass es etwa wie eine Aufhellung wirkt, also wie zusätzliche Scheinwerfer oder Reflektoren in den Schattenbereichen.

    In jedem Fall sind Tests notwendig, um dieses ungewöhnliche Verfahren auch sinnvoll nutzen zu können. Etwas hilfreich ist es auch, wenn man die Kamera auf dunkle Bereiche des Bildes richtet und dort die Wirkung und die Einstellungen ausprobiert. Dann kann ein erfahrener Kameramann die Wirkung auch durch den Sucher einschätzen.

     

    Wenn man sie lange eingeschaltet lässt, erhitzen sie sich unter Umständen sehr. Man muss sich also daran gewöhnen, es immer nur dann einzuschalten, wenn die Kamera auch tatsächlich läuft. Der Sinn, dass das Bild dadurch weicher wird, sollte nur in Kontrastreichen Situationen angewendet werden. In diffusen, kontrastarmen Situationen sollte man es nicht verwenden.

     

    Verwendet wurde das Verfahren etwa bei "The Long Goodbye", (Kamera: Vilmos Zsigmond) "Nickel Ride", (Kamera: Jordon Cronenweth) oder "Dune" (Kamera: Freddie Francis)

     

    Sie ahnen schon,- das waren spannende Arbeitsweisen. Heute rechnet man die entsprechenden Wirkungen einfach per PlugIn beim Grading über das Videobild und kann viel präziser die gewünschte Wirkung erzielen.

     

Banner Virtual Reality Buch Schmal 2000

Workshops 2019

Viel Kreatives vor? Mit Movie-College Hands-On Workshops Filmlicht, Filmton/Location Sound, Kamera, Drehbuch u.v.a, kann man sein Knowhow spürbar verbessern und stärkere Filme machen.

 

18-01--2020 12:00 pm - 19-01--2020 16:00 pm

01-02--2020 12:00 pm - 02-02--2020 16:00 pm

15-02--2020 12:00 pm - 16-02--2020 16:00 pm