
Das ging aber schnell, dass das Publikum mit KI generierte oder von der Ki handelnde Filme nicht mehr so interessant findet. Auf einschlägigen Kongressen postulieren Medienpolitiker und Funktionäre munter die Zukunft der Bewegtmedien werde maßgeblich von Künstlicher Intelligenz geprägt. Doch neuere Studien aus den USA kommen zumindest zu recht durchwachsenen Ergebnissen.
Offenbar hat sich das Publikum nicht nur an inhaltlich Geschichten über Künstliche Intelligenz (KI) sondern auch visuell an mit KI generierten Szenen in der Produktion sattgesehen. Die Stories und auch die visuelle Anmutung haben heute keine besondere Wirkung mehr auf die Zuschauer, sie wirken vordergründig, oberflächlich, ähneln sich und sind inhaltlich zumeist vorhersehbar.
Intrinsische Neugier
Das war nicht immer so. Was waren das einst für bahnbrechende Filmgeschichten, etwa 1968 in Stanley Kubricks "2001 A Space Odyssey" mit dem intelligenten Raumschiff-Bordcomputer HAL der dem Menschen zum Verhängnis wird oder 1965 in "Alphavile" (Jean-Luc Godard) wo eine Stadt von einem Computer regiert wird. Oder auch "Artificial Intelligence" (Steven Spielberg 2001) Und natürlich tauchte sie damals schon auf, die naheliegende Frage, ob die künstliche Intelligenz Freund oder Feind des Menschen ist oder wird. Und auch der Einsatz von KI in Dokumentarfilmen wird zunehmend nicht nur positiv gesehen.
Es gab eine Zeit, da war unsere Neugier, KI generierte Szenen und Filme zu sehen, nicht zuletzt auch weil es sich um solch eine neue, bahnbrechende Technologie handelt, riesig. Das galt auch für Filme, von denen wir uns erhofften, dass sie einige der gesellschaftlichen und ethischen Fragen rund um die KI sinnstiftend behandeln würden. Diese erste Phase unserer Begegnung mit Künstlicher Intelligenz scheint bereits vorüber, sie ist in unserem Alltag angekommen und glänzt nicht mehr automatisch, weil ein KI-Label draufgestempelt ist.
KI Stories
Es lässt sich bei diversen Produktionen bereits ablesen, dass die ersten, neuen Filme, in denen Künstliche Intelligenz wichtiger Bestandteil der Filmhandlung war, durchaus auf großes Interesse stießen: "M3GAN" (Regie: Gerard Johnstone, USA 2023), "Afraid" (2024), "Subservience" (2024), "Atlas" (2024), "Wonderland" (2024), "Companion" (2025) etc.
Bereits die zweite Welle solcher Filme oder auch deren Fortsetzungen bleiben deutlich hinter den Erwartungen zurück. Dazu gehören beispielsweise ""Mission: Impossible – The Final Reckoning" (2025) oder auch "Mercy " (2025). Während frühere Filme wie "The Matrix", "Her" oder "Ex Machina" etc. Science Fiction waren und den Zuschauern eine mögliche Zukunft präsentierten, ihnen also die Frage nach dem "Was wäre wenn..." beantworteten, ist die Künstliche Intelligenz inzwischen Alltag geworden. Sowohl die Begeisterung, als auch die Angst vor ihr sind Bestandteil unseres alltäglichen Erlebens. Die Zuschauer empfinden KI Themen in Kinofilmen und Serien eher als gewöhnlich, alltäglich und können daraus nur wenig Spannungsmomente generieren. Bei zahlreichen Zuschauern macht sich ein gewisser Informationsüberdruss gemischt mit einer diffusen Zukunftsangst breit. Man will nicht auch noch im Kino von KI bespaßt werden.
Das liegt sicherlich auch an einer gewissen Monotonie in den Handlungsabläufen, die wiederholt darauf setzen, dass die Künstliche Intelligenz zunächst für die Protagonisten als bedrohlich, im Verlauf der Handlung dann aber irgendwie doch „gut“ oder an menschliche Grundsätze angepasste Instanz erzählt wird. Grob lassen sich folgende Muster benennen: Künstliche Intelligenz entwickelt Bewusstsein, dann wird sie plötzlich bedrohlich, dann verlieren die Menschen die Kontrolle über die KI und am Ende siegt oder verliert die Menschlichkeit gegenüber dem Computer. Dieses Prinzip zieht sich durch, ist vorhersehbar, vermeidet wirklich kritische ethische Fragestellungen und bleibt damit eher oberflächlich. Nicht zuletzt ist es auch schwierig, Künstliche Intelligenz zu personifizieren. Sie ist physisch kaum darstellbar, ist also visuell nicht konkret, ist emotional nicht begreifbar, ein Algorithmus lässt sich nur schwierig zum Protagonisten oder Gegenspieler machen. Viele der realen Konflikte und Ängste in Zusammenhang mit der Künstlichen Intelligenz, wie Arbeitsplatzverlust, Kreativitätsverlust, Manipulation oder Kontrollverlust technischer Einrichtungen sind nicht dramatisch wirksam spontan und eruptiv, sondern schleichend und eher langsame Vorgänge.

KI Generierungen
An Filmen, bei denen ein hoher Anteil an KI-generierten Einstellungen und Szenen zum Einsatz kommen, beispielsweise Sora, oder andere DeepMind-Modelle wird viel kritisiert. Dabei werden altbekannte Probleme des CGI, wie der Uncanny Valley-Effekt, aber auch schlechte AI-Renderings sowie mangelnde künstlerische Qualität als Hauptkritikpunkte genannt. Deepfakes haben sich inzwischen abgenutzt und viele Zuschauer sehnen sich nach echten Kinoerlebnissen zurück. KI generierte Aufnahmen werden in einschlägigen Foren bereits gar nicht rücksichtsvoll mit Spott überschüttet.
Es gibt offenbar eine gewisse visuelle Anmutung der künstlich generierten Einstellungen, welche bei den Zuschauern Ablehnungsreflexe erzeugt. Vieles sieht einfach allzu glatt, sauber, klinisch schön aus, das fällt einfach ins Auge. Menschen sind aus der Realität auch den Zufall, das Ungenaue, das Unperfekte gewöhnt. Man darf gespannt sein, ob es den Anbietern von KI-Bildgeneratoren gelingen wird, diese visuelle Gleichförmigkeit zu überwinden. Bei künstlich generierten Stimmen baut sich gerade ein ähnlicher Abwehrmechanismus auf. Was man bei Informationsvermittlung in Telefonschleifen noch gerne akzeptiert, wird bei emotionalen Filmszenen vermutlich ebenfalls langfristig Probleme machen.
The real thing
Was man aus diesen Zuschauerreaktionen ablesen kann ist ein gewisser Paradigmenwechsel. Künstliche Intelligenz ist als Thema und auch als Werkzeug der Bildgenerierung nicht mehr automatisch spannend. Das Symptom einer gewissen „AI fatigue“ – eine Ermüdung gegenüber Inhalten und Visualisierungen mit Künstlicher Intelligenz macht die Runde. Vielleicht haben es sich die Drehbuchautor*Innen und Filmemacher auch etwas zu leicht gemacht und angenommen, die alleinige Beschäftigung mit KI sei bereits attraktiv genug. Vielleicht haben die Studios KI-Plots und KI-Produktion auch viel zu stark ausgereizt.
Das Publikum setzt stattdessen scheinbar vermehrt wieder auf filmische Erzählungen, die auf Distanz zu unserer alltäglichen KI-Rezeption gehen und die ihnen wieder echte cinestische Erlebnisse bieten. Also aktuell lautet die Devise: Alles auf Anfang,- Filme müssen wieder authentischere, wahrhaftigere, menschlichere und originellere Erzählformen anpacken statt massenhaft das KI-Narrativ zu replizieren. Und wenn es denn doch mal um Künstliche Intelligenz gehen soll, müssen sich die Drehbuchautor*Innen etwas einfallen lassen, wie das KI-Motiv dramaturgisch auf neue, überraschende Weise genutzt werden kann. Vielleicht sollten sie dann beispielsweise der Frage nachgehen, was die Künstliche Intelligenz mit Beziehungen, mit Machtstrukturen, oder auch unserer Identität im täglichen Leben anstellt. Damit wären sie zumindest wieder etwas näher an den Menschen und ihren realen Ängsten und Hoffnungen dran.

