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Szenenfoto aus "In die Sonne schauen" (Foto: © FILMFEST MÜNCHEN)

 

"In die Sonne schauen" (Regie: Mascha Schilinski)

 

Regie: Mascha Schilinski

Kamera: Fabian Gamper

Produktion: Lucas Schmidt, Lasse Scharpen, Maren Schmitt

Produktionsfirma: Studio Zentral, ZDF

Deutsche Premiere, Filmfest München 2025 - Gewinner des Preises der Jury auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2025

Der deutsche Spielfilm „In die Sonne schauen“ von Regisseurin Mascha Schilinski erzählt die Geschichte vierer Frauen, die über eine Zeitspanne von 100 Jahren auf demselben Bauernhofgelände in der Altmark gelebt haben. Im Rahmen eines assoziativen Stroms aus Erinnerungen, die prägende Ereignisse und Wahrnehmungen der Mädchen und Frauen aufgreifen, fügen sich scheinbar lose Fragmente zu einem Großen und Ganzen zusammen. Das Drama folgt seiner eigenen inneren Logik, spielt mit Erwartungen und Ängsten des Publikums und bedient sich einer filmischen Sprache, die bis zum Abspann in Atem hält.

Die Leben der vier Protagonistinnen sind intrinsisch miteinander verbunden. Die siebenjährige Alma wächst zur Vorkriegszeit im Deutschen Kaiserreich auf, in einer streng religiösen Familie, die in ihr schon früh morbide Vorstellungen über das Sterben hervorruft. Als sie eines Tages eine erstaunliche Ähnlichkeit zu ihrer verstorbenen Schwester auf einer Fotografie erkennt, wächst in ihr die Überzeugung, für das gleiche Schicksal bestimmt zu sein. Erika wohnt zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs auf dem Gutshof und entwickelt eine ungesunde Obsession zu ihrem kriegsversehrten, bettlägerigen Onkel, die sie nicht nur dazu treibt, ihre Arbeit auf dem Hof zu vernachlässigen, sondern auch selbst eine Amputation zu simulieren. Angelika lebt zu Zeiten der DDR auf dem Bauernhof und befindet sich in einer ständigen Spirale aus Lebenslust und Todeswunsch, ausgelöst durch den Missbrauch ihres Onkels und das wachsende Interesse ihres Cousins. In der Gegenwart wird der Hof von der Berlinerin Nelly und ihrer Familie bewohnt, die das Grundstück trotz seiner Altlasten wieder renovieren möchte. Im Laufe dieses Unterfangens wird sie allerdings selbst von belastenden Träumen aus der Vergangenheit heimgesucht. Der Kreis schließt sich, als sich ein tragisches Ereignis aus der Geschichte des Hofs wiederholt.

„In die Sonne schauen“ hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Das Zusammenspiel der melancholischen, bisweilen düster-eindringlichen Filmmusik, der bildgewaltigen Erzählweise und der komplexen, teils belastenden Kernmaterie der Geschichte – die konstante Auseinandersetzung mit Leben, Tod und Sterben – sorgt auch nach dem Verlassen des Kinosaals für eine nachhaltige Auseinandersetzung mit den Emotionen, die der Spielfilm seinem Publikum entlockt.

Während deutsche Kandidaten auf dem Wettbewerb der Filmfestspiele in Cannes ein äußerst seltener Anblick sind, ist es unserer Einschätzung nach keine Überraschung, dass sich Mascha Schilinskis metaphorischer Liebesbrief an das experimentelle Filmemachen, an das Martyrium des Frauseins in einem historischen wie auch gegenwärtigen Kontext – Ja, sogar an das Leben selbst – als eines dieser wertvollen Unikate entpuppt hat.

Filmkritik von Sophia Schönberger

 

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