Movie-College Logo

 

Das perfekte Drehbuch

Rezepte für das Drehbuchschreiben gibt es wie Sand am Meer. Und wie in der Medizin sind die Rezepturen höchst unterschiedlich. Das ist auch ganz verständlich. So unterschiedlich die Menschen sind, so unterschiedlich sind auch ihre Geschichten und ihre Sichtweisen. Doch einige Dinge gibt es dann doch, die man sich beim Schreiben zu Herzen nehmen sollte und die im Movie-College nicht unerwähnt bleiben sollen. Und es gibt vorbereitende und begleitende Arbeiten während des Schreibens, die wir nach und nach an dieser Stelle vorstellen werden.

      •  
      • Wenn Sie noch nicht genug Lebenserfahrung haben, „aus dem Bauch heraus“ Geschichten zu erzählen, dann nutzen Sie die Werkzeuge des Journalismus. Recherchieren Sie am realen Leben, was sie in Ihrer Fiktion beschreiben möchten.

 

      • Schaffen Sie Hauptfiguren, die interessant sind. Besonders wichtig ist, ihnen etwas Eindeutiges, Individuelles zu geben. Was macht die Hauptfigur besonders gern? Wofür lieben ihre Freunde die Hauptfigur? Was kann sie besonders gut, was überhaupt nicht? Wovor hat sie Angst? So wie Sie über verschiedene Menschen in ihrem Umfeld (Freunde, Nachbarn, etc.) Antworten auf diese Fragen haben, müssen Sie auch Antworten für Ihre Drehbuchfigur finden.

 

      • Auch wenn die Versuchung noch so groß ist, versuchen Sie nicht alle guten Ideen in ein einziges Buch hineinzupacken. Wählen Sie nur die geeigneten und schreiben Sie die übrigen auf in Ihr Archiv. Sie haben keines? Dann ist es Zeit, eines einzurichten. Das kann eine normale Textdatei oder aber eine Datenbank sein. Dort können Sie unter verschiedensten (möglichst eindeutigen) Überschriften Ihre Ideen festhalten. Bei Ihren nächsten Büchern können Sie dann darauf zurückgreifen.

 

      • Überarbeiten Sie bereits fertige Szenen immer wieder, bis sie optimal sind. Im Prozess des Schreibens verändert sich die Perspektive auf alle Szenen, auch jene, die in Ihren Augen bereits schon optimal aussahen. Allerdings braucht man dafür ein wenig (zeitlichen) Abstand. Optimal ist es, wenn man sich erlauben kann, das Drehbuch für einige Wochen zur Seite zu legen, es zu vergessen und dann wieder daran zu arbeiten.

 

      • Um den Leser bzw. Zuschauer zum Verbündeten zu machen, sollte dieser möglichst rasch die Hauptfiguren kennen lernen und begreifen, worin deren Hauptkonflikte und Absichten liegen.

 

      • Wichtig: Möglichst wenig sollte vorhersehbar sein. Überraschungen, Unvorhersehbares halten den Zuschauer in einem wachen, interessierten Zustand, was wohl als Nächstes geschehen könnte.

 

Drehbücher werden nicht von „normalen“ Literaturfreunden gelesen, die sich ein Buch kaufen, und dann in ihrer Freizeit oder abends darin lesen. Sie werden von Menschen gelesen, die recht viele davon gestapelt auf ihrem Schreibtisch liegen und so gut wie keine überschüssige Zeit haben. Wenn Sie möchten, dass diese Ihr Buch auch wirklich lesen, müssen Sie dafür sorgen, dass bereits die ersten 5-10 Seiten den Leser fesseln. Dafür ist wichtig, dass Ihr Drehbuch aufrichtig geschrieben ist und möglichst frei ist von Unnötigem. Jede Szene soll, genau wie der spätere Film, den Zuschauer mehr in die Geschichte hineinziehen und ihn neugierig machen, wie es denn weitergeht.

 

 

Weitere neue Artikel

Warum ARRIs Apollo HMIs die erfolgreichsten Scheinwerfer des Unternehmens waren und an Filmsets selbst heute noch manchmal begeistern

Virtual Reality lebt, aber die seltsame Vision, alle Menschen würden als Avatare in VR kommunizieren, hat sich vorerst erledigt

Warum wegen Netflix Streit zwischen den Verbänden der Synchronsprecher Deutschlands herrscht...

Warum und auf welche Weise spielen Shots von Überwachungskameras in Krimis und Kinofilmen so eine wichtige Rolle?

Der als "Monsieur Hulot" bekanntgewordene Regisseur schuf 1967 mit "Playtime" den bis dato teuersten Film Frankreichs.

Mees Peijnenburg hat mit seinem Film "A Family" ein Trennungsdrama aus zwei höchst unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Ein Interview.

Die Produktion von Filmen mit all ihren Höhen und Tiefen bietet oft selbst genug Stoff für die Leinwand.

Carice van Houten und Pieter Embrechts spielten die Eltern der beiden Kinder in "A Family". Im Interview spricht Pieter Embrechts über seine Arbeit in dem Film

Im Interview spricht die Regisseurin, Autorin und Produzentin über "Ghost School", der auf der Berlinale in der Sektion Generation Kplus gezeigt wurde.

Viele Dokumentationen erzählen von Filmen, die nie oder in anderer Form als gedacht, das Licht der Leinwand erblickten.

Hollywood sieht sich derzeit mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert - und steckt in einer seiner größten Krisen.

Das ging schnell, wie kam es dazu, dass das Publikum KI generierte Filme nicht mehr so interessant findet?