Prinzessinnenbad
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Prinzessinenbad D 2004 REGIE: Bettina Blümner
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Internationales Programm
Regie: Bettina Blümner
Porträtiert werden drei pubertierende Mädchen aus Kreuzberg. Mina, Klara, Tanutscha sind Freundinnen und erleben zusammen das Erwachsenwerden. Sie alle sind vaterlos in den letzten Jahren aufgewachsen und leben mit ihren zusammen mit ihren Müttern zusammen. Das zwingt sie schon früh aus ihrer Kindheit heraus.
Sie finden zu hause nicht den richtigen Halt und erkunden die Welt somit zusammen auf eigene Faust. Sie machen Pläne, rätseln über ihre Berufung, verlieben sich und erobern das Berliner Nachtleben.
Die Regisseurin Bettina Blümner inszeniert diesen Dokumentarfilm im Kinoformat, so dass manchmal der Eindruck entsteht, man sähe einen Spielfilm. Die Protagonisten agieren sehr frei vor der Kamera, nur selten entsteht der Eindruck eine Frage sei die Ursache ihrer Aussagen. Gespräche werden im Schuss-Gegenschussverfahren dargestellt und das Geschehen scheint einer Dramaturgie zu folgen. Es scheint alles genau so geschehen zu sein, tatsächlich aber wurden hundert Stunden Filmmaterial geschickt zusammen geschnitten.
Aber der Anteil der Regie ist als umso höher einzuschätzen, je weniger er wahrgenommen wird. Bettina Blümner hatte genaue Vorstellungen, welche Themen sie ansprechen wollte und wie sie die Protagonisten zu Aussagen bewegen konnte. Die Leichtigkeit, die dieser Film vermittelt und die Kontinuität, mit der die Spannung aufrechterhalten wird, ist beeindruckend.
Dieser Film erklärt nicht die ganze Komplexität des Erwachsenwerdens, sondern bietet einen Ausschnitt einer emotionalen und überschwänglichen Phase des Lebens.
Gesehen von Johannes von Alten
2.Rezension:
„Prinzessinnenbad" erzählt die bewegende Geschichte über das Erwachsenwerden von drei fünfzehnjährigen Mädchen aus Berlin Kreuzberg und dokumentiert eindringlich ihre Probleme während der Pubertät.
Die drei Protagonistinnen des Films, Klara, Mina und Tanutscha, werden über mehrere Monate von der Regisseurin Bettina Blümner auf ihrem Weg begleitet. Dieser ist, wie zu erwarten, von glücklichen und zugleich traurigen Momenten gekennzeichnet. In dieser entscheidenden Phase der Selbstfindung sucht jedes Mädchen ihren Platz in der Welt und versucht Antworten zu finden auf offene Fragen im Leben. Freundschaft, Liebe, Geschlechterverschiedenheit und Elternrolle sind Themen, mit denen sich die Mädchen neugierig auseinandersetzen und die sie tief bewegen. Auf der Schwelle zur Erwachsenen zeigt der Film exemplarisch, wie jedes Mädchen auf unterschiedliche Weise mit den Anforderungen, die dieses Alter an sie stellt, konfrontiert und fertig wird.
Da ist die blonde Klara, deren Vater die Familie früh verlassen hat und jetzt in Panama lebt. Sie ist diejenige, die von früh an die Schule vernachlässigt und nun auf eine sogenannte „Schwänzerschule" geht. Den ausländischen Jungens ist sie zugeneigt. Ihr Wunsch, der sich im Laufe des Films entwickelt, ist ein eigenes Cafe zu führen.
Klaras engere Freundin, Tanutscha, will ihren Realabschluss machen und Krankenpflegerin werden. Mit den Jungen auf Kriegsfuss, macht sie diese im Chatroom verbal mit großem Redetalent nieder. Und die verantwortungsbewusste Mina, die im Gegensatz zu ihren Freundinnen schon eine fester geformte Vorstellung vom Leben hat. Sie hat eine Beziehung zu einem älteren Jungen und wird von Liebeschmerz geplagt, als dieser ein Jahr nach Südamerika geht.
Die drei Mädchen haben eine eigene, kraftvolle Sprache gefunden, mit der sie sich ausdrücken und in der neuen Welt behaupten wollen. So drücken Sprüche wie „Ich komm' aus Kreuzberg, du Muschi" ihr „streetwises" und rebellisches Verhalten aus. Hinter der scheinbar abgeklärten Fassade verbirgt sich jedoch nur eine natürliche Verletzlichkeit und kindliche Unwissenheit, die der Film sehr schön zu Tage fördert. Besonders, wenn Themen wie Liebe und Partnerschaft angesprochen werden, die über den jungen Erfahrungshorizont der Mädchen hinausgehen. Hinter der Maske der harten Frau offenbart sich aber auch dieses Gefühl des Missverstandenseins von Freunden und Eltern, deren Liebe und Zuneigung sie doch nur suchen und wünschen.
Durch das Eintauchen in die Familienverhältnisse der Mädchen ermöglicht der Film dem Zuschauer auch einen Eindruck über die Eltern selbst und liefert eine Erklärung für das früh angeeignete Erwachsenenverhalten der Mädchen. Die Eltern scheinen mit ihren eigenen Problemen so sehr überfordert, dass sie nicht versuchen, auf die Probleme der Mädchen einzugehen. So scheinen die Mädchen in ihrer eigenen Welt sich selbst überlassen und haben zum Teil die Rolle der Erwachsenen für die Eltern zu spielen.
Aus einem nahezu hundertstündigen Filmmaterial entstand ein liebevolles Portrait über das Erwachsenwerden dreier Mädchen mit großer Persönlichkeit. So verwundert es nicht, dass der Film auch in die Kinoauswertung kommt. Blümner versteht es, die Geschichte der Mädchen atmosphärisch und in lebhaften Bildern zu erzählen. Der dramaturgisch und visuell sehr fiktional angelehnte Dokumentarfilm hat sehr schöne Erzählbogen, die die unterschiedlichen Handlungsstränge der ausdrucksstarken Protagonistinnen immer wieder gekonnt verknüpft und miteinander verwebt bis zur Auflösung am Ende.
Gesehen von Roderik Helms
Private
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Private I 2004 REGIE: Saverio Costanzo
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Regie: Saverio Costanzo
Filmstart: 18. Mai 2006
Nicht schlecht. Ein palästinensischer Film, der sich international sehen lassen kann. Einer, der ein ernstes Thema behandelt, ohne in Betroffenheitsästhetik abzugleiten.
Eine sechsköpfige palästinensische Familie lebt im Niemandsland zwischen den Fronten. Eines Nachts besetzen israelische Soldaten das Haus und machen es zu ihrem Militärlager. Da sich Vater Mohammed, Englischlehrer und in Bezug auf seine moralisch-ethischen Prinzipien sehr sattelfest, weigert, mit seiner Familie das Haus zu verlassen, kommt es zu einer Übereinkunft. Die Familie darf tagsüber das Erdgeschoß nutzen und wird nachts in das Wohnzimmer eingesperrt. Der 1.Stock, Sitz der Soldaten, ist jederzeit tabu. Was anfangs dominiert, ist Angst. Angst der Familie vor den Soldaten, die eine fremde Sprache sprechen, aber auch die Angst des Militärs - vor allem Kommandant Ofer befürchtet ständig Terroranschläge auf seine Gruppe. Um vom Haus aus freie Sicht zu haben, wird deshalb das Gewächshaus, das Mohammeds Sohn gebaut hat, zerstört. Dieses Gewächshaus wird zum Symbol der verschiedenen Ansichten: während Mohammed es immer wieder aufbauen will, bis es den Soldaten lästig wird, dieses immer wieder zerstören zu müssen, sagt sein Sohn klipp und klar: "Wenn sie es noch einmal kaputt machen, bringe ich sie um". Deshalb vermint er den Zugang mit einer geklauten Handgranate. Doch langsam gewöhnt man sich aneinander. Mohammeds Tochter schleicht immer wieder in den 1.Stock und versteckt sich im Schrank. Dort lernt sie eine wichtige Lektion: auch diese Soldaten, der Feind, sie sind Menschen. Sie lachen, sie streiten, sie sehen sich Fußballspiele im Fernsehen an. Obwohl der Waffenstillstand in diesem Haus jederzeit wieder vorbei sein könnte, kommt es zu einer Art gegenseitigen Verständnis und Achtung. Doch eines Tages wird die Einheit durch eine neue abgelöst. Der ganze Prozess des gegenseitigen Beschnupperns steht wieder bevor. Und deshalb zurück zum Symbol des Films, dem Gewächshaus: auch der Zuschauer wird jetzt mit der Frage kontrolliert, ob man sich zur Position Mohammeds oder dessen Sohn bekennt. Denn als erste Handlung machen sich die neuen Soldaten auf, das Gewächshaus wieder zu zerstören...
Erstaunlich frisch und keine Minute langweilig geht "Private" den Konflikt zwischen Israel und Palästina sehr vorurteilsfrei an. Keine Seite ist gut, keine schlecht - was vielleicht daran liegt, dass der Regisseur Italiener ist. Gerade der Schluss, der fast schon reißerisch genannt werden kann, sorgt stark dafür, dass man noch länger über die Handlung und den Konflikt nachdenkt.
Gesehen von Johannes Prokop
Der "Desktop-Film" zeigt eine Journalistin, die online Kontakt zu einem IS-Kämpfer aufnimmt.



