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Regie: Andreas Veiel

 

"Je größer die Angst, desto größer auch der Mut"


Das Zeitalter der Superstars hält für junge Talente so ziemlich alle Illusionen bereit. Berühmt werden über Nacht, das ist inzwischen durch die Macht der medialen Gewalt kein Problem mehr. Deutschland sucht den Superstar und Co. haben dies eindrucksvoll demonstriert. Die Kehrseite der Medaille, namentlich die Kurzlebigkeit des Erfolgs, wird allerdings im Blitzlichtgewitter der geballten Aufmerksamkeit schnell verdrängt. Es sind künstliche Karrieren, die weder durch Eigeninitiative, noch durch jahreslanges Durchsetzungsvermögen gewachsen sind. Es gibt sie allerdings noch die leidenschaftlichen Kämpfer, die Obsession und Leidenschaft Ihres Berufes spürbar machen. Andreas Veiel hat bei seiner Langzeitstudie "Die Spielwütigen" vier Beispiele hierfür entdeckt. Entstanden ist ein Dokumentarfilm über die Ernst-Busch Schauspielschule und den Weg von vier Persönlichkeiten ins Schauspielfach. Andreas Veiel nimmt sich vor allem zu Beginn viel Zeit für die Motive seiner Protagonisten. "Es gibt keine Grenzen der Schauspielerei. Warum soll es für das Schauspiel eine tiefere Grenze geben, als für das Leben ... Für mich ist Leben Kunst, ich wollte schon immer Schauspielerin werden." Im Kontrapunkt dazu die Realität und die Grausamkeit des Vorsprechens für die öffentlichen Schauspielschulen. Es ist eine Auslese, die nicht selten durch eine Kombination aus intuitiven Handeln, der Tagesform und viel Glück geprägt ist. Doch auch wer das Privileg hat, aufgenommen zu werden, bekommt schnell die Schattenseiten der Bühnenkunst im Lehrbetrieb zu spüren. Vor allem der sympathische Grieche Prodromos Antoniadis hat große Probleme, sich den Regeln der Schauspielschule anzupassen. "Es ist ein Existenzkampf auf der Schule zu sein, ein Stück Stolz und Würde, werden abgekratzt. Die Professoren haben es geschafft, mich zu verunsichern."

Veiel gelingt es auf eine besondere Art und Weise, den Zuschauer emotional an die Protagonisten zu binden. Es mag wohl daran liegen, dass er nie den Blick für das Persönliche und Emotionale bei den Studenten verliert. Zugleich vermischt sich mit der angestrengten Anspannung stets auch eine unglaubliche Komik. Auch hierfür ist der Schauspielstudent Prodromos Antoniadis beispielhaft. Er beschließt nach Abschluss seines Studiums nach Amerika zu gehen, um dort als Darsteller zu arbeiten. Völlig unvorbereitet, in einem billigen Büro sitzend, wird er allerdings nur ausgelacht. "Glauben Sie, New York braucht Schauspieler. Wenn überhaupt, dann sollten Sie einen Russen spielen", so die einhellige Meinung beim Casting. Doch vor allem diese Unbedarftheit, die Fehler und Leiden der Schauspieler machen den Dokumentarfilm zu einem emotionalen Highlight, bei dem man sich wünschte, die Vorführung würde immer weiter gehen. Die Stärke des Filmes ist das tiefgründige Interesse, was hinter den Menschen steht. Nicht die Karriere, sondern die emotionale Entwicklung steht im Mittelpunkt der Langzeitstudie.

Veiel zeigt mit "Die Spielwütigen" was der Begriff Elite in der Realität bedeutet. Jeder Student hat es sich zur Pflicht zu machen, den Namen der Schule würdig zu vertreten. Dies impliziert jedoch auch eine schonungslose Darstellung, was fernab des Glamours von Morgen geleistet werden muss. Constanze, Stephanie, Karina und Prodromos haben einen steinigen Weg in eine ungewisse Zukunft gewählt. Es sind Menschen mit Entschlusskraft, die eine kompromisslose Unbedingtheit an den Tag legen. Dies allein sind die Voraussetzung für Erfolg und Anerkennung, unabhängig von dem Studium an einer renommierten Schauspielschule.

 

Gesehen von Bogdan Büchner

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