Medienpädagogik

  • Die Oscar-Akademie vergibt erstmals einen Sonderpreis für einen VR Film, Carne y Arena von Alejandro G. Iñárritu

  • Regelmäßig vermelden die Nachrichten weitere Erfolge in Sachen künstlicher Intelligenz, doch wo steht die Forschung wirklich?

  • Die jüngsten Verschärfungen bei Youtube sind Antworten auf Probleme, die auch von Blogger-Stars wie Logan Paul verursacht wurden

  • Nicht wenige Kinder und Jugendliche träumen von Schauspielkarrieren. Wie ticken Castingagenturen, worauf muss man achten?

  • Frau mit VR BrilleVR und Mixed Reality sind neue Medien, für es offensichtlich kaum Regelwerke gibt. Wo liegen die Risiken, worauf muss man achten?

  • Deepfake VideoDie Deepfake Videos nehmen immer mehr zu- doch die Programmierer haben etwas Wichtiges übersehen...

  • 35 Filme die jeder kennen sollte

    Alter Filmprojektor der Marke ICA

    Alter Filmprojektor der Marke ICA

     

    Natürlich ist so eine Aufzählung immer relativ, beruht in Teilen auch auf dem Geschmack einzelner Filmkenner und hat keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Dennoch kommt immer wieder die Frage auf, welche Filme der Filmgeschichte man denn unbedingt gesehen haben sollte.

     

    Unter Federführung der Bundeszentrale für politische Bildung haben Regisseure, Drehbuchautoren, Medienpädagogen und Filmkritiker sich auf 35 Filmtitel geeinigt, welche in deutschen Schulen im Unterricht gezeigt und besprochen werden sollen. Sie ist keineswegs vollständig und müsste eigentlich laufend aktualisiert werden, doch es ist ein Anfang.

     

     

     

     

     

     

    Nosferatu Deutschland 1922 Friedrich Wilhelm Murnau
    Goldrausch USA 1925 Charles Chaplin
    Panzerkreuzer Potemkin UdSSR 1925 Sergej M. Eisenstein
    Emil und die Detektive Deutschland 1930 Gerhard Lamprecht
    M - Eine Stadt sucht einen Mörder Deutschland 1931 Fritz Lang
    Der Zauberer von Oz USA 1939 Victor Fleming
    Stagecoach USA 1939 John Ford
    Citizen Kane USA 1941 Orson Welles
    Sein oder Nichtsein USA 1942 Ernst Lubitsch
    Deutschland im Jahre Null Italien, D 1948 R. Rossellini
    Rashomon - Das Lustwäldchen Japan 1950 Akira Kurosawa
    La Strada Italien 1954 Federico Fellini
    Nacht und Nebel Frankreich 1955 Alain Resnais
    Vertigo USA 1958 Alfred Hitchcock
    Die Brücke Deutschland 1959 Bernhard Wicki
    Außer Atem Frankreich 1960 Jean-Luc Godard
    Das Apartment USA 1960 Billy Wilder
    Dr. Seltsam oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben USA 1964 Stanley Kubrick
    Blow up Großbritannien 1966 Michelangelo Antonioni
    Das Dschungelbuch USA 1967 Wolfgang Reitherman
    Ich war neunzehn DDR 1969 Konrad Wolf
    Der Wolfsjunge Frankreich 1969 Francois Truffaut
    Alice in den Städten Deutschland 1973 Wim Wenders
    Taxi Driver USA 1975 Martin Scorcese
    Die Ehe der Maria Braun Deutschland 1978 R.W. Fassbinder
    Stalker UdSSR 1979 Andrej Tarkowski
    Blade Runner USA 1981 Ridley Scott
    Sans Soleil Frankreich 1982 Chris Marker
    Shoah Frankreich 1985 Claude Lanzman
    Ein kurzer Film über das Töten Polen 1987 K. Kieslowsk
    Wo ist das Haus meines Freundes Iran 1988 A. Kiarostami
    Eissturm USA 1997 Ang Lee
    Süßes Jenseits Kanada 1997 Atom Egoyan
    Alles über meine Mutter Spanien 1999 Pedro Almodovar
    Laurel & Hardy    

    Das Movie-College hat unter dem Stichwort „sehenswert" eine eigene, erweiterte Titelliste mit Empfehlungen erstellt.

     

  • Der "Desktop-Film" zeigt eine Journalistin, die online Kontakt zu einem IS-Kämpfer aufnimmt.

  • Geraubte Filme ?

    Piraten von heute brauchen keine Schiffe mehr...

    Piraten von heute brauchen keine Schiffe mehr...

    Eine FFA-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass etwa fünf Millionen "Schwarzbrenner" in Deutschland pro Jahr mindestens einen Film illegal kopieren. Es ist noch nicht lange her, da lud uns die Industrie ausdrücklich dazu ein, Kopien herzustellen. Wer dieser einstmaligen Einladung heutzutage folgt, ist vor allem eines: ein Pirat.

     

     

    Historisches

    Spätestens seit Phillips in den 60er Jahren den Kassettenrekorder auf den Markt brachte und die HiFi- Branche jahrzehntelang Werbung damit machte, auf welch wunderbare Weise man sich Musik von Schallplatte für die Musikkassette selbst zusammenstellen könnte, wuchs eine Generation von Anwendern heran, die von diesen Möglichkeiten Gebrauch machte und viel Geld in eben diese Technik investierte. Je weniger "Qualitätsverlust" man bei diesem Vorgang in Kauf nehmen wollte, desto teurer war die entsprechende Hardware, waren die passenden High-Grade Leerkassetten. Die Branche verdiente prächtig daran; selbst die Musikkonzerne und die Musiker erhielten durch die Leerkassetten- und Geräteabgabe an die Gema beachtliche Summen. Die Hardwarehersteller verdingten sich häufig zugleich als Plattenkonzerne, wie etwa Sony oder Phillips und schöpften so auf allen Seiten die Gewinne ab.

     

    Tapfer machten die Konsumenten auch den Wechsel von der analogen zur digitalen Welt mit, warfen die alten Plattenspieler raus, kauften CD-Player, DAT, Minidisk oder CD-Rekorder um wie gewohnt, ihre Zusammenstellungen selbst vorzunehmen und wurden, ohne es so richtig zu bemerken, über Nacht zu Kleinkriminellen. Sie hatten nämlich übersehen, dass Kopien, die ohne Qualitätsverlust entstehen, also 1:1 und digital, Teufelszeug sein sollen. Beinahe auf gleiche Weise wurde das Kopieren von Filmen über Nacht kriminalisiert. Die gleiche Branche, die sogar Doppel-Videorekorder auf den Markt brachte, die keinem anderen Zweck als der Kopie dienen, kriminalisierte ihre Kunden mit der Einführung der (digitalen) DVD.

     

    Widersprüchliches

    An dieser Doppelstrategie hat sich mit der Digitalisierung nichts geändert. Der Unterhaltungsgigant Sony liefert sowohl Programminhalte, die unter gar keinen Umständen kopiert werden sollen, als auch Geräte, die genau dies bewerkstelligen können. AOL-Time-Warner liefert einerseits jede Menge Filme und Musik-CDs, verdient aber zugleich massiv an den Online-Kunden, die diese möglicherweise über die firmeneigenen Internet-Leitungen illegal downloaden. Besonders pikant ist der permanente Widerspruch, dass die Verwertungsgesellschaften einerseits von den CD- und DVD-Brennerherstellern Abgaben für Privatkopien kassieren wollen, diese aber andererseits ja illegal sind und durch entsprechende Schutzmaßnahmen verhindert werden. Einerseits soll der Kunde das Recht haben, sich von seiner gekauften CD eine Kopie etwa für sein Autoradio zu machen, andererseits wird dieses Recht durch den Kopierschutz verhindert.

     

    Künstler erhalten von den Verwertungsgesellschaften Geld als Ausgleich dafür, dass ihre Werke nicht nur gesehen, gehört oder gelesen, sondern auch vervielfältigt werden. Die Kunden zahlen deshalb pauschale Abgaben. Auf Brenner, auf Rohlinge und nach dem Willen der Verwertungsgesellschaften bald auch auf Computer. Doch was taugt das damit angeblich erworbene Recht zur Kopie, wenn man durch Kopierschutzmaßnahmen daran gehindert wird, Kopien anzufertigen? Ein Ausweg aus dieser unlogischen Situation wären Digital Rights-Management-Systeme, bei denen man individuell für die jeweilige Kopie bezahlt.

     

    Beschleunigung

    Wer der Werbung glaubt, kommt darin um...

    Wer der Werbung glaubt, kommt darin um...

     

    Die Verwertungswege für Kinofilme werden vielfältiger und vor allem kurzfristiger. Während man früher Filme über einen Zeitraum von mehreren Jahren in den verschiedenen Vertriebswegen (Kino, Video, Pay-TV, TV) auswerten konnte, haben sich die Zeiträume drastisch verkürzt. Neben verschiedenen anderen Faktoren spielt auch der Wettlauf mit den Filmpiraten bei der Verkürzung der Auswertungsfenster eine wichtige Rolle. Die Haupteinnahmen müssen daher bereits innerhalb der ersten zwei Monate der Verwertung gemacht werden.

     

    Verlangsamung

    Die technische Entwicklung speziell der Aufzeichnungsmedien und Geräte ist in den letzten zehn Jahren stärker als je zuvor in der Geschichte der Technik gebremst worden, durch wirtschaftliche Interessen der Content-Inhaber. Das ist bestenfalls vergleichbar mit dem Blockieren des Tonfilms durch die Filmindustrie in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Fast ein Jahrzehnt lang wurde der Tonfilm verhindert, um die erfolgreiche internationale Vermarktung der Stummfilme nicht durch unterschiedliche lokale Sprache einschränken zu müssen.

     

    Inzwischen ist es üblich, das jede neue digitale Technik, die dem Anwender höhere Qualitätsstufen eröffnen könnte, vorbeugend mit Kopierschutz-Schikanen unhandlich und kompliziert gemacht wird. Im Audio-Bereich etwa haben die Musikverlage erfolgreich die Verbreitung von R-DAT verhindert, der digitalen Audiokassette, die ohne Komprimierung in professioneller Qualität aufzeichnet. Blue-Ray-Disk und HD-DVD hingen aus ähnlichen Gründen lange in der Warteschleife. Digitale Geräte werden mit so vielen Nachteilen und Hindernissen versehen, dass von Seh- und Hörvergnügen nur begrenzt gesprochen werden kann. So werden selbst digitale TV-Empfänger mit analogen Scart-Buchsen (wer hat diesen Scart-Quatsch nur erfunden?) ausgestattet, damit man ja kein hochwertiges digitales Signal auf den Bildschirm bekommt. Selbst HDTV-Fernseher leiden unter dem Kopierschutzdiktat. Entweder sie haben gar keine digitale Schnittstelle, oder aber eine vorläufige in HDMI. Über diese Schnittstelle wurde unter Federführung der Mediengiganten jahrelang herumgestritten.

     

    Organisierte und ahnungslose Piraten

    Der Ort, wo die Vorwürfe der Filmbranche sachlich eher zutreffen, sind die gewerblichen Kopierpiraten. Jene, die Filmtechnikern oder etwa Mitgliedern der Motion Picture Association of America viel Geld zahlen, wenn diese von Vorabversionen, Oscar-Screenern etc. illegale Kopien fertigen, von denen dann in hohen Stückzahlen DVDs gepresst und verkauft werden. Die sogenannten Oscar-Screener, also DVDs für die Sichtung zur Oscar-Entscheidung, welche mit dem Hinweis "For Your Consideration" versehen sind, sind alljährlich bei etwa 40 raubkopierten Hollywood-Produktionen die Basis der illegalen Vervielfältigung. Diese werden nicht nur an die Jurymitglieder verschickt, sondern auch an Multiplikatoren, an Meinungsmacher, die den Oscar-Ausgang positiv beeinflussen sollen.

     

    Auch die weltweit an der kommerziellen legalen Verbreitung beteiligten Kopierwerke und Marketingunternehmen gehören vermutlich zu den undichten Stellen im System. Überall dort, wo Kopien der Filme legal bearbeitet und vervielfältigt werden besteht das Risiko der illegalen Kopierung. Speziell dort, wo auch die DVDs für die spätere gewerbliche Verwertung gefertigt werden, also im Presswerk, entstehen zu Beginn eine gewisse Anzahl von nicht optimalen Pressungen. Erst nach etwa 20 Pressungen beginnt die Serie. Oftmals gelangen von diesen Fehlpressungen einzelne kurzzeitig in die Hände von Filmpiraten. Es sind die 1:1 verlustfrei gefertigten, mit professionellem Aufdruck und hochwertigem Booklet kopierten DVDs, die in großem Stil kopiert und vertrieben werden, welche den Majors Einnahmeverluste zufügen. Oft genug geschieht dies, ohne dass der Kunde es überhaupt weiß. Wer seine DVD irgendwo auf asiatischen oder osteuropäischen Flohmärkten billig ersteht, der hat sicher eine gewisse Ahnung, wie es um die Legalität seines erworbenen Produktes steht.

     

    Dass heimlich im Kino von der Leinwand abgefilmte Streifen mit schlechter Bild- und Tonqualität als Kauf-DVD verbreitet und den Majors gigantische Einnahmen abschöpfen würden, gehört wohl eher ins Reich der Legenden. Es geschieht natürlich und es bewegt die Gemüter der Fangemeinde, wieder einmal irgendein Werk noch vor dem Kinostart gesehen zu haben. Es kommt auch immer wieder vor, dass Abenteurer mit ihren Videokameras im Kinosaal erwischt werden. Doch die Fans lassen sich in der Regel den späteren Besuch der hochwertigen Kinovorstellung nicht entgehen. Ob man allerdings Schüler bereits kriminalisieren sollte, die sich eine illegale Kopie von einem Film herstellen, ist fraglich. Jugendliche glauben uneingeschränkter den Verheißungen der Hard- und Software-Werbung, die gerne alle Kopiermöglichkeiten verspricht und mit Rücksicht auf die Rechtslage die Links zu den Hacks gleich mitliefert. Vielleicht würde hier schlicht mehr Information in den Schulen und die Sensibilisierung für die rechtliche Situation weiterhelfen.

     

    Kopierschutz oder Schikanen?

    Film- und Musikindustrie haben diverse Schutzmechanismen entwickelt, die das direkte Kopieren verhindern sollen. Im Normenwirrwarr der diversen CD- und DVD-Player sorgen diese Schutzmechanismen immer öfter dafür, dass die ehrlichen Käufer die erworbenen Produkte gar nicht anschauen oder -hören können. Auch Maßnahmen wie der Ländercode auf DVDs sorgen regelmäßig für Verärgerung und lassen illegale, vom Ländercode befreite DVDs als deutlich benutzerfreundlicher erscheinen. Wer mit seiner legal erworbenen DVD zum wiederholten Mal an einer Ländercode-Fehlermeldung gescheitert ist, kommt nicht umhin, diese seltsame Einrichtung in Frage zu stellen. Manch einer kauft sich erst gar keine DVD, weil es zu viele Probleme beim Abspielen gibt.

     

    HDTV-Systeme verhindern teilweise durch verschiedene Mechanismen, dass man ausgerechnet den hochwertigen Surround-Ton dann auch über die bisherige Anlage abhören kann, optische Digitalausgänge werden stumm geschaltet, Bildschirme schwarz, wenn HDTV gesendet wird, oder HDTV-Geräte, die das Bild auf PAL-Auflösung runterrechnen müssen, um es darstellen zu dürfen - die Bandbreite der Verhinderungen durch die Content-Anbieter ist geeignet, den Erfolg von HDTV ähnlich zu ersticken wie den vom digitalen Rundfunk. Eltern, die miterleben müssen, wie ihre Kinder die gekauften CDs oder Computerspiele nachlässig im Kinderzimmer herumschrammen, können zudem nicht verstehen, weshalb sie keine Sicherheitskopie anfertigen dürfen um die teure Investition vor frühzeitiger Zerstörung zu bewahren.

     

    Gegenmittel

    Piraterie oder Privatkopie?

    Piraterie oder Privatkopie?

    Im Internet finden sich diverse Anbieter von Kopiersoftware, welche den Kopierschutz überwinden können. Die meisten stammen aus Europa oder Asien, nicht aber aus den USA, wo mit dem Digital Millennium Copyright Act zu drakonische Strafen für die Programmierer drohen. "DVD Movie Jack" oder "Clone DVD" (Deutschland), "DVD Mate" (Taiwan), "Blindwrite" (Frankreich) oder der "DVD Decrypter" sind übliche Programme, deren Verkauf und Verwendung seit 2004 in Deutschland verboten ist. Gegen die Ländercode-Problematik gibt es im Internet diverse Codefree-Modifikationen, manchmal sind dies simple Tastenkombinationen auf der Player-Fernbedienung, bei Computer-Playern wird die Player-Software modifiziert.

     

    In dubio pro Kundenfreundlichkeit

    Dass die Tauschbörsen tatsächlich gigantische Mengen an Musik- und Videodaten durch die Welt verschieben, ist unbestritten, dass es sich um illegale Kopien handelt, auch, doch über die Konsequenzen für die Film- und Musikindustrie kann man geteilter Meinung sein. Was, wenn die unerlaubten Kopien die Popularität der legalen Produkte sogar befördern? Wenn in den größten Teil der Downloads hineingeschaut und -gehört wird, und diese anschließend wegen Nichtgefallens wieder gelöscht würden? Wenn Downloader die begehrten Titel eben doch in hoher Qualität besitzen oder verschenken möchten und das Produkt im Laden kaufen oder im Kino gemeinsam mit Freunden anschauen? Was, wenn wieder andere Downloader nie CDs oder DVDs kaufen, nie ins Kino gehen würden? Wenn die simple Rechnung der Medienindustrie, ein Großteil der Downloads könnten verkaufte CDs, DVDs oder Kinokarten sein, allzu blauäugig wäre? Eine Studie von Professoren der Harvard Business School der University of North Carolina aus dem Jahre 2004 behauptet, dass etwa die CD-Verkäufe und der Austausch derselben Titel im Internet praktisch ohne messbaren Zusammenhang stünden. Vielleicht sollte die Medienbranche ähnlich anderer Industriezweige statt mit immer höheren Budgets einmal mit kleineren Etats und dafür fantasievolleren Inhalten und mutigeren Kreativen operieren, statt Anwälte mit Schriftsätzen gegen Downloader zu bemühen. Lebensmittelhersteller fallen schließlich auch nicht mit Klagewellen über Supermärkte her, in denen an Probierständen kostenlos Käsehäppchen verköstigt werden, im Gegenteil, sie finanzieren sogar derartige Aktionen. Vielleicht stellt die Diskussion und die Bewegung rund um aktuelle Filmtitel im Internet ja auch eine andere Form der Public Relation dar.

     

    Der Aufwand, Kopien speziell auf die kleineren DVD- Formate zu kodieren ist relativ hoch und zeitintensiv. Sinnvollere Preisgestaltung der Kauf-DVDs und CDs könnte diesen illegalen Weg erfolgreich verhindern. Unklar bleibt, ob der angebliche Schaden, der durch den Nichtkauf der "Raubkopierer" entsteht, nicht längst durch die erweiterten Verwertungsketten durch Online-Verläufe und DVD-Vertrieb kompensiert wird. Schon heute verdienen die amerikanischen Majors mehr Geld durch die DVD-Verkäufe als an der Kinokasse. Ja, und vielleicht würde die Veröffentlichung der realen Zahlen, welch winziger Anteil von diesen Erlösen tatsächlich bei den von der Industrie immer in den Vordergrund geschobenen Urhebern ankommt, am Ende gar eine ganz neue Spezies von Piraten ins Rampenlicht rücken.

     

  • Gefesselter MannDie Darstellung von Gewalt ist nahezu Alltag in unseren Medien,- was macht das eigentlich mit den Menschen?

  • Immer öfter stammen aktuelle Videos von Gewalttaten nicht mehr von Reportern sondern von Handybesitzern

  • Propaganda oder neusprachlich "Fake News" ist keine Erfindung des 21. Jahrhunderts, sie hat eine lange Geschichte...

  • Medien und Wahrheit

    In Kriegszeiten war es noch nie gut bestellt um die Wahrheit. Das ist durch die vielfältigen modernen Medien, die dem Zuschauer vorgaukeln, live als Augen- und Ohrenzeuge direkt vom Wohnzimmer aus dabei zu sein, nicht anders geworden. Kein Wunder, gilt doch die Steuerung von Öffentlichkeitsmeinung mit den Mitteln der Desinformation als eine der wichtigsten Waffen moderner Kriege. Können wir den Nachrichten noch trauen, dürfen wir es überhaupt?

     

    Ab 3:30 Uhr wird zurückgelogen!

    Dass die Medien eine entscheidende Rolle bei der Beeinflussung der Bevölkerung spielen, zeigte sich bereits in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bei den Hörfunkübertragungen (Volksempfänger) und bei der Wochenschau. Diese auf Film gedrehten Nachrichten, die in den Kinos vor den Hauptfilmen gezeigt wurden, waren ab 1933 wichtiger Teil der nationalsozialistischen Propaganda. Während der Kriegsvorbereitung und des zweiten Weltkrieges wurde die Bevölkerung auf die angebliche Richtigkeit und den Verteidigungscharakter des Krieges eingestimmt. Interessanterweise gab es eine eigene Behörde für diese Aufgaben, das Reichspropagandaministerium.

     

    Propagandaminister Goebbels nahm jede „Wochenschau" persönlich ab und bestimmte auch gestalterische Elemente wie Sprecherauswahl, Schnitt und Musik. Selbst die Kameraführung folgte festgelegten Mustern. Die Angriffe der deutschen Soldaten fanden stets von links nach rechts (bezogen auf das Filmbild) statt. Gegnerische Soldaten auf der Flucht gingen konsequenterweise immer von rechts nach links. Krieg

    Kriegsbilder

    Panzer und Kriegsschiffe wurden aus leichter Untersicht gefilmt, um diese noch größer und mächtiger aussehen zu lassen.

    Feindliche Waffen und Flugzeuge durften nur in brennendem, zerstörten Zustand gezeigt werden. Teilweise wurden sogar kleinere Panzerschlachten für die Kamera nachgestellt um eindrucksvollere Bilder zu erzielen.

    Kriegskameraleute reisten mit den Soldaten mit um den Zuschauern eine möglichst unmittelbare Teilnahme am Geschehen zu ermöglichen.

    An Maschinengewehre montierte Kameras , lieferten Aufnahmen aus der Waffenperspektive.

    • Gerüchte von angeblichen Wunderwaffen wurden gestreut um die Gegner einzuschüchtern und gleichzeitig dem verzweifelten eigenen Volk Hoffnung zu geben.

     

    Getötete deutsche Soldaten durften nicht gezeigt werden. Und auch Aufnahmen von Opfern unter den so genannten „Feinden" wurden vermieden. Goebbels fürchtete, dass der Mitleidsfaktor die Stimmung im Volk umschlagen lassen könnte.

    Besonders wichtiger Bestandteil der Wochenschau waren Aufnahmen von der Freizeit der Soldaten. Fußballspielende, lesende, sich waschende, schwimmende und lachende Soldaten sollten belegen, dass der Krieg nur halb so schlimm sei.

     

    Selbstverständlich arbeiteten auch die Alliierten, allen voran die Briten und Amerikaner auf dem Klavier der gefälschten Berichterstattung. Aber auch zahlreiche Spielfilme entstanden mit dem Zweck, das Gesicht des Gegners möglichst hässlich aussehen zu lassen. Zahlreiche dieser Streifen laufen selbst heute noch ab und an im britischen Fernsehen mit dem Ergebnis, dass sich die Deutschkenntnisse vieler Engländer auf Ausdrücke wie „Autobahn, Hitler, Herr Feldmarschall etc." beschränken.

    Obgleich die tatsächlich verübten Verbrechen im Nazideutschland unvorstellbar waren, bedienten sich die Engländer bei ihrer Weltkrieg II-Propaganda eines Gerüchts, welches beim ersten Golf-Krieg eine Neuauflage erfuhr: Man behauptete, deutsche Soldaten würden Babys ermorden.

     

    Vietnam-Krieg

    Auch wenn die technischen Möglichkeiten der Berichterstattung über den Vietnam-Krieg recht eingeschränkt waren, so sind es dennoch Reportagen und Fotos von Journalisten gewesen, die den Druck der Öffentlichkeit auf die US-Regierung so groß werden ließen, dass diese sich schließlich entschloss, den Krieg zu beenden. Zu schmerzhaft waren die Bilder vom Schicksal der zivilen Opfer und die Berichte traumatisierter Kriegsheimkehrer, als dass eine Fortsetzung der ungleichen Auseinandersetzung politisch durchsetzbar gewesen wäre.

    Für die künftige Informationspolitik der Militärs bestand die wichtigste Lehre aus Vietnam darin, dass sie nie wieder zulassen würde, die Veröffentlichung von Aufnahmen der Opfer auch unter eigenen Soldaten zu ermöglichen.

     

    Erster Golf-Krieg

    Bereits während des ersten Kuwait-Krieges (Gulf-War) spielte Manipulation zur Einstimmung der Weltbevölkerung auf einen Krieg eine entscheidende Rolle. Wer kann die Wahrnehmung von Menschen besser beeinflussen als Werbe- und PR-Agenturen? Folgerichtig wurde die weltgrößte PR-Agentur Hill & Knowlton mit einem Budget von fast 11 Millionen USD beauftragt, die amerikanische Bevölkerung für einen Irak-Krieg zu motivieren. Das Geld stammte von der kuwaitischen Regierung sowie diversen Industrieunternehmen und wurde durch eine Organisation namens „Citizens for free Kuwait" vergeben. Dass hier kein Drittland an der amerikanischen Regierung vorbei Meinungsbildung betrieb, ergibt sich bereits aus der Tatsache, dass der Chef von Hill & Knowlton, Freund und Berater vom damaligen Präsidenten Bush Senior war.

    Schlachtfeld

    Schlachtfelder dieser Welt

    Neben der inzwischen legendären Brutkasten-Lüge im Oktober 1990, produzierte die Agentur zahlreiche Nachrichten-Videos, die von Fernsehstationen rund um den Globus als journalistische Berichterstattung gesendet wurden. Der Augenzeugenbericht eines 15 jährigen Mädchens namens Nayirah von angeblich durch irakische Soldaten getöteten Säuglingen in einer Kuwaitischen Klinik war ein PR-Geniestreich um den UN-Sicherheitsrat auf Kriegskurs zu bringen. Dass die PR-Agentur bei dieser Lüge die Tochter des Kuwaitischen Botschafters zur „Hilfskrankenschwester" und Augenzeugin umfunktioniert hatte, kam erst Jahre später ans Tageslicht. Der stellvertretende Agenturchef, Lauri Fitz-Pegado persönlich hatte Nayirah für ihre "Zeugenaussage" trainiert.

    Die Kriegsberichterstattung bestand vornehmlich aus SNG-Aufnahmen von Reportern, die von Hoteldächern in Bagdad, Kuweit oder Tel Aviv berichteten, als auch aus offiziellen Cruise-Missile-Videos, welche die amerikanischen Militärs freigegeben hatten, die weltweite Fernsehgemeinde von absoluten Präzisionstreffern zu überzeugen. Darüber hinaus gab es das bereits erwähnte Material der PR-Agentur Hill & Knowlton zu sehen.

    Heute sind sich die meisten Journalisten darüber einig, dass sie zu unkritisch die faszinierenden Aufnahmen, die ihnen die Amerikaner zur Verfügung gestellt hatten, übernommen haben.

     

    Jugoslawien- Krieg

    Eine der wichtigsten Aufgaben der Informationsbüros aller beteiligten Nationen war es, das Stichwort "Krieg" gar nicht erst aufkommen zu lassen. Ersatzformen wie „Militäraktion" oder „humanitäre Intervention" sollten den Eindruck zerstreuen, dass das Eingreifen der Nato-Truppen trotz des humanitären Hintergrunds, eine kriegerische Aktion darstellte.

    Die Bilder, die auf den Fernsehschirmen aller Programme und Länder identisch waren, wurden von den Militärs freigegeben und dienten der permanenten Rechtfertigung scheinbar sauberer, nur Häuser und Waffen vernichtender Angriffe. Bis auf einen kleinen Schnitzer, das Bekanntwerden eines irrtümlichen Angriffs auf einen Flüchtlingstreck, gelang die Vermittlung des guten, sauberen Eingreifens perfekt.

    Auf Pressekonferenzen durften die anwesenden Journalisten keine Rückfragen stellen, angeblich strategische Gesichtspunkte verbaten es, etwaige Zweifel an den offiziellen Darstellungen zu formulieren. Viele der in den Medien verbreiteten Massaker haben nach dem heutigen Stand der Erkenntnisse gar nicht stattgefunden.

    Auch im Jugoslawien-Krieg spielte eine PR-Agentur gezielt mit falschen Informationen. Laut Squat.Net arbeitete Ruder Finn Global Public Affairs daran, die Bewertung von Kroatien, Bosnien-Herzegowina und der kosovarischen Opposition positiv zu gestalten und die Serben möglichst negativ darzustellen.

    Ihre Aufgabe bestand unter anderem darin, vorgefertigte, werbewirksame und stimmig erscheinende Formulierungen zu erschaffen, die für die Berichterstattung besonders geeignet waren, und diese unter Journalisten, Meinungsträgern, Universitäten und Organisationen zu verbreiten.

    Besonders intensiv arbeitete die Agentur mit Hinweisen auf serbische Vernichtungslager, und brachte vorbelastete Begriffe wie „ethnische Säuberung", „Konzentrationslager" usw. ins Spiel. Unter anderem arbeitete die Agentur Leitartikel für renommierte Zeitungen wie die „New York Times", „Washington Post", und das „Wall Street Journal" aus.

     

    Irak-Krieg 2003

    Bereits im Vorfeld des von Präsident Bush und seiner Regierung gewollten Krieges gegen den Irak mussten starke Metaphern herhalten, um einen Krieg als gerecht erscheinen zu lassen. Von einer Achse des Bösen war die Rede, welche die Staaten Irak, Iran und Nord-Korea mit den Urhebern der Anschläge vom 11. September verbinde. Hinterfragt man das starke Bild, wird augenfällig, dass Irak und Iran miteinander verfeindet, und höchstwahrscheinlich keinerlei Verbindung zu Nord-Korea haben. Einen Beleg für irgendeine Verbindung der drei Staaten mit Al Qaeda blieb die US-Regierung bis heute schuldig. Dennoch wurde das starke Bild der bösen Achse durch beständige Wiederholung im Bewusstsein vieler US-Amerikaner zu einer realen Bedrohung.

    Für die Verbreitung der „richtigen" PR- Informationen wurde in den USA eigens ein Ministerium gegründet, das „Office of Global Communications". Hierfür wurde bereits 2001 die Werbespezialistin Charlotte Beers gewonnen, ihr Auftrag ist die „strategische Kommunikation". Zeitgleich mit dem Beginn des Irak-Krieges ist Beers aus "Gesundheitlichen Gründen" von ihrem Job zurückgetreten. Neben der üblichen Nachrichtensperre werden hier gezielt Nachrichten geschmiedet, die dem Kriegsziel hilfreich sein könnten. Selbstverständlich werden die diversen Präsidenten-Ansprachen auch in irakischer Sprache im irakischen Rundfunk übertragen.

    Zusätzlich wurde einmal mehr eine freie PR-Agentur, die Werbeagentur Rendon Group engagiert, das Image des Pentagons auf Hochglanz zu polieren.

    Kriegführung wie im Computerspiel

    Kriegführung wie im Computerspiel

    Gezielte Gerüchte der unterschiedlichen Kriegsparteien jagen einander. Tarik Asis, der Vize von Sadam Hussein soll geflüchtet sein. Hussein soll zahlreiche Doppelgänger haben und dank eines gigantischen Bunker- und Tunnelsystems praktisch unauffindbar sein. Die Amerikaner haben zahlreiche Wunderwaffen, die den Krieg innerhalb weniger Tage entscheiden werden usw.

    Amerika wäre nicht Amerika, wenn es nicht für die Pressestatements ihres Oberkommandierenden Generals eigens einen Media-Center eingerichtet hätte. Ausgestattet hat die dazu in die Wüste nahe Katar gebaute Halle für 200.000 Dollar der Filmausstatter George Allison, der auch schon für Disney und Metro-Goldwyn-Meyer gearbeitet hat. Ein wenig erinnert das Set an die Schaltzentralen der James-Bond Filme: Kinofiktion und Kriegswirklichkeit wachsen noch enger zusammen.

    Doch auch der Irak arbeitet gezielt mit Desinformation. Die PR-Behörde des Landes ist das Informationsministerium, welches dafür sorgt, dass ausschließlich kampfeswillige, dem Staatschef ergebene Gefolgsleute in der ausländischen Berichterstattung auftauchen dürfen.

    Zwischen all diesen Desinformationspolen befinden sich zahlreiche Korrespondenten, die meisten von ihnen in Kuwait, Amman, Jordanien, und im Iran, Orte von denen aus bestenfalls die von den US-PR-Soldaten organisierten Pressetermine in den Militärlagern gedreht werden können. Denn durch die offizielle Drohung des Pentagons an alle Korrespondenten, Hotels wie das „Raschid" und Satellitenanlagen zu bombardieren, soll die unabhängige Berichterstattung aus Bagdad unmöglich gemacht werden.

     

    Um zudem Journalisten mental mit ihrer Truppe zu verbinden, haben die USA sogenannte „embedded correspondents" zugelassen, die („Erbsensuppe verbindet") in militärischen Einrichtungen wie auf den Flugzeugträgern mit den Mannschaften zusammen leben. Journalisten werden von den Militärs durch die Wüste zu interessanten „Locations" gefahren, einige fahren sogar in den angreifenden Panzerkolonnen mit, es soll ihnen an Bildern nicht mangeln.

    So werden sich wieder Kamerabilder aus Raketenperspektive abwechseln mit Freizeitbildern von Soldaten im Fitnessraum, beim Lesen oder am Laptop. Es wird keine Bilder von toten US-Soldaten geben, keine Zivilopfer und gegnerische Waffen dürfen nur zerstört gezeigt werden, die „Wochenschau" lässt grüßen. Auffällig ist, wie oft die Korrespondenten 2003 im Konjunktiv sprechen. „Es könnte sein, möglicherweise, es sieht so aus als ob...“ Es scheint, als wären viele Journalisten dieses Mal nicht mehr bereit, sich zu Sprachrohren der Kriegspropaganda machen zu lassen.

    Merkwürdigerweise wurde in all diesen Kriegen so oft von Wahrheit, Gerechtigkeit, vom Guten gegen das Böse, ja von Gott gesprochen, dass man sich wirklich fragt, warum immer wieder vor allem die Menschlichkeit auf der Strecke geblieben ist. Im Bürgerkrieg in Syrien (2013) findet man neue Spielarten der Propaganda für die auch Laien mit Videokameras Aufnahmen herstellen, die von den großen Nachrichtenagenturen gekauft werden.

  • MärchenfilmKlingt irgendwie gestrig und ist dennoch hochaktuell,- Märchenfilme schaffen es auch heutzutage immer wieder, zu begeistern

  • Wieviel Bildschirmzeit ist kindgerecht und wann können Medien wirklich Schaden anrichten?

  • Vater der Medienkritik

    Fernbedienung

    Fernbedientes Leben

    Wer immer sich heute kritisch mit den Medien beschäftigt, kommt an den Thesen des amerikanischen Medienkritikers Neil Postman nicht vorbei. Bekannt wurde der ehemalige Volksschullehrer durch Bücher wie "Das Verschwinden der Kindheit" oder "Wir amüsieren uns zu Tode". Er war nicht der Erste, der sich mit dem Einfluss der Massenmedien auf die Gesellschaft beschäftigt hat, seine kritische Brille durch die er Medien und Menschen beobachtete war jedoch besonders Düster. Und doch ist das, was heute technisch möglich ist, um so viel perfider und gefährlicher, dass seine Kritik eigentlich nur ein vorsichtiger Anfang gewesen sein kann. Die Möglichkeiten der Manipulation sind durch die Rückkanäle internetfähiger Flatscreens so mächtig und undurchsichtig zugleich geworden, dass wir in dieser Hinsicht vermutlich noch viele Enthüllungen zu erwarten haben.

     

    Blinde Technik-Gläubigkeit

    Eine seiner zentralen Ideen, die der amerikanischen Technik-Gläubigkeit diametral entgegenstand, war, dass jede technische Erfindung stets sowohl Vorteile als auch Nachteile mit sich bringe. Auch, wenn seine Thesen durchaus die Realität schon mal etwas in seinem Sinne optimierten und wichtige Aspekte etwa zur Definition der Kindheit ausblendeten, so haben Sie in jedem Fall wichtige Diskussionen entfacht. Seine messerscharfe Kritik an den westlichen Gesellschaften stellte etwa in "Amousing Ourselves to Death" die These auf, dass die staatliche Zensur früherer Jahre, also das Vorenthalten von Informationen durch das Ertränken der Menschen in belanglosen Informationen, ersetzt wurde. Die permanente Fütterung mit neuen Bildern würde zudem in den Menschen das Geschichtsbewusstsein aufheben. "Die Amerikaner wüssten alles über die letzten 24 Stunden, aber so gut wie nichts über die vergangenen Jahrhunderte" folgerte Postman.

     

    Reizüberflutung

    Als Kulturpessimist wetterte er gegen die Allmacht der Medien, die Reizüberflutung durch die Fernsehwelt, gegen Manipulation, gegen falsche verlogene Scheinwelten, welche die Menschen kritiklos und verblendet werden lassen. Den positiven Eigenschaften des Fernsehens, etwa eine Demokratisierung des Zugangs zu Informationen, der stärkere kulturelle Austausch der Nationen untereinander oder die Meinungsvielfalt, standen für ihn viel schwerwiegendere Nachteile entgegen. Während die frühere, eher von Printmedien bestimmte Gesellschaft (textbestimmte Kulturen) sich mit Inhalten in Form von Kritik, Überlegung und Diskussion auseinandersetzte, seien die visuellen Inhalte unserer bildbestimmten Kultur erst gar nicht mehr geeignet, in Frage gestellt oder diskutiert zu werden. Dies aber sei Voraussetzung für eine eigene Urteilsbildung und damit für eine funktionierende Demokratie. Schauspielernde Politiker und zu Politikern mutierende Schauspieler á la Schwarzenegger belegen eindrucksvoll, dass Techniken, die bei der erfolgreichen Vermarktung von Waschlotion greifen, inzwischen auch Wahlentscheidungen beeinflussen. Es sind eben nicht mehr Ideen, die entscheidend sind, sondern nur noch Gesichter und deren Präsentation.

     

    Frühwarnungen

    Fernsehfenster

    Sendewelten

     

    Wer mit halbwegs klarem Verstand den Sturzflug an Qualität in den Medien der letzten Jahre verfolgt, begreift, wie berechtigt viele von Postmans Warnungen gewesen sind. Gameshows, Casting-Shows, Voyerismus-Container oder Lifestyle-Geschwafel gehen tagtäglich als unangefochtene Sieger im Kampf um die Aufmerksamkeit der Zuschauer gegenüber den eigentlich wichtigen Themen des Lebens hervor.

     

    Bereits in den achtziger Jahren warnte Postman vor einer "Infantilisierung" und Trivialisierung der Gesellschaft durch die kommerziellen Fernsehsender, deren einzige Prämisse die uneingeschränkte Unterhaltung der Zuschauer sei. Die Vermittlung von Informationen oder gar Wissen würden von diesen Sendern weitgehend zurückgedrängt zu Gunsten quotenorientierter Zerstreuung. Damit einher gehe der Verlust unserer Fähigkeit, uns auf längere sprachliche Argumentationen zu konzentrieren.

     

    "Denken kommt auf dem Bildschirm nicht gut an" war eine der provokanten Theorien des Neil Postman. Auch den hochfinanzierten neuen Techniken, etwa dem interaktiven Fernsehen, stand er äußerst kritisch gegenüber. Eine Illusion des Bedeutenden werde in Zusammenhang mit diesen Technologien geschaffen, die nicht gerechtfertigt ist. Was das Problem sei, das durch die neue Technologie gelöst werde, und wessen Problem es sei, waren seine Kernfragen in diesem Zusammenhang. Er zweifelte an, dass Menschen tatsächlich 500 bis 1000 Programme sehen wollten und sollten.

     

    Wir leben durch die Medien

    Die Medien und nicht mehr die Menschen selbst, so Postman, seien es, die durch lückenloses Werbefeuer und Entertainment das bestimmen, was wir erleben, welche Erfahrungen wir machen, was wir wissen, denken, empfinden und wie wir über unsere Nachbarn denken. Unsere alltägliche Sorge, ob wir mit unserer Kleidung, Frisur und den Turnschuhen den aktuell angesagten Klassenzimmer-, Arbeitsplatz-, oder Gesellschafts-Zwängen genügen, belegt auf recht eindrucksvolle Weise, wie richtig diese These war. Neil Postman war ein leidenschaftlicher Kämpfer für die menschliche Vernunft und gegen die Bevormundung durch die Medien. Seine Warnungen wurden und werden kontrovers diskutiert. Doch wie es scheint, ist der Wunsch der Menschen nach Zerstreuung und Ablenkung stärker als die Sorge um den Verlust der Kritikfähigkeit und der geistigen Freiheit.

     

  • Warum Fernsehen so ist, wie es ist

     

    Erklärungsversuche

    Privatfernsehen

    Nachmittags-Highlights des Privatfernsehens

     

    Jahrelang haben sie tatenlos zugeschaut, wie die Qualität eines der einstmals besten Fernsehprogramme der Welt immer mehr abstürzte, man konnte es förmlich spüren, weil man immer öfter wegsehen, abschalten musste, um nicht daran zu verzweifeln. Immer weniger Menschen wollen den "Mist", "Schrott", "Trash" oder wie sonst das so genannte Programm betitelt wird, noch gerne sehen, viele schauen nur noch aus Gewohnheit Fernsehen an.

     

    Vielfach läuft der Apparat auch nur zur akustischen Untermalung, als Placebo gegen die Einsamkeit der vielen Singles oder jener, die sich nichts mehr zu sagen haben. Längst hat zudem eine Bewegung das Land erfasst, derer, die selbst bestimmen, wann und was sie anschauen. Eine Generation, die sich weder von der so genannten Grundversorgung, noch den angeblich so jungen, frischen Privatsendern berücksichtigt fühlt.

     

    Free TV als Verkaufsargument

    Das Schwächeln der TV-Sender macht den Siegeszug von DVD, Internet und von Pay-TV-Angeboten überhaupt erst möglich. Lange Jahre wurde dem Pay-TV in einem Land mit so vielen frei zugänglichen, qualitativ hochwertigen Sendern keine profitable Zukunft vorausgesagt. Doch die Zeiten haben sich geändert. Längst sind auch die Öffentlich-Rechtlichen im Strudel belangloser Formate angekommen und machen damit Pay-TV attraktiv. Zudem wechseln die Privatsender ihre Programmverantwortlichen beinahe genau so oft wie ihre missglückten Programmformate. Eine Linie oder gar ein Konzept jenseits dem der Gewinnmaximierung kann so gar nicht erst entstehen.

     

    Information, Emotion, Sensation

    Statt erzählter, durchdachter und dramaturgisch optimierter Geschichten werden uns Programme in Gestalt von "Reality"-Formaten vorgesetzt, deren einzige Dramaturgie aus Wettkampfvariationen, Ekelfaktor oder Denunziation besteht. Ganz gleich ob "Hire or Fire", "Kämpf um Deine Frau" oder "Juda's Game", das Kindergeburtstags-Topfschlagen ist längst in der Primetime angekommen. Ewig jung gebliebene, permanent gebräunte TV-Manager durchwandern einen Schleudersitz-Posten nach dem anderen, wechseln beliebig die Produzenten- oder Programmeinkäufer Seite und produzieren an all ihren Wirkungsstätten ein inhaltliches Vakuum. Ab und an lächeln sie einem aus Fachzeitschriften entgegen, wenn wieder ein angeblich völlig neues innovatives Format aus den Bereichen "Doku-Soap", "Reality Magazine" oder "People Watching" gelauncht wird, und erklären wenig später nach dem grandiosen Scheitern, dass der enorme Kostendruck zu mangelnder Qualität geführt habe.

     

    Gleichzeitig findet ein völlige Vermischung von Authentischem und Fiktivem statt, werden Nachrichten und Magazine gefällig aufgepeppt, und inszenierte Inhalte pseudodokumentarisch präsentiert. Die Glaubwürdigkeit wird dem kurzzeitigen Aufmerksamkeitskitzel geopfert.

     

    Inszenierte Banalität zur Prime Time

    Nein, es gibt keine höhere Gerechtigkeit, keinen Oberaufseher der Fernsehkultur, der sagt, diese oder jene Produktion war von hoher Qualität. Es gibt nur die hilflos Balken und Diagramme produzierenden Auswertungen von Vergleichsgruppen, sowie die faktisch ungehörte Film- und Fernsehkritik. Doch es gibt handfeste Gründe für den Niedergang der heimischen Fernsehkultur, bekannte, aber auch überraschende. Eine Trendwende kann von passiven, alles ertragenden Zuschauern jedenfalls nicht eingeleitet werden. Anders als bei Kino, Konzert oder Theater, gibt es beim Fernsehen keinen direkten Zusammenhang zwischen der Bezahlung der Programminhalte und der Zufriedenheit der Zuschauer. Die Fernsehgebühren werden immer eingezogen, ganz gleich, ob Zuschauer fernsieht oder nicht, und die Werbeindustrie investiert für den gesehenen Spot, nicht dafür, dass die Qualität des Rahmenprogramms gut war oder nicht. Entscheidend ist lediglich, wie viele Zuschauer den Kanal eingeschaltet haben, ganz gleich, ob sie die Qualität oder nacktes Entsetzen, was alles über den Sender geht, dazu bewegen.

     

    Mechanismen

    Viele Fernseher

    Programmvielfalt?

    Bei den Privatsendern, die Fernsehen nicht etwa zur Erbauung der Zuschauer ausstrahlen, sondern einzig und allein zur Generierung von Werbeeinnahmen, ist der Zusammenhang zwischen Ursache und der bekannten dramatisch reduzierten Programmgüte am einfachsten zu erklären. Aufsichtsräte geben den Druck, dass der Sender die geplante Rendite abwirft, an ihre Abteilungsleiter und diese an ihre Redakteure weiter. Gesunkene Werbebudgets ziehen sinkende Werbepreise nach sich, wodurch letztlich die nach Tausender-Kontakt berechneten Werbepreise die Aufmerksamkeit der Zuseher generieren, ist von absolut untergeordneter Bedeutung. Hauptsache, die Quote stimmt und die Herstellungskosten des Programms sind niedrig.

     

    Niedrige Herstellungskosten sind heutzutage nur ein anderes Wort für Reality-TV, für Sendungen, die im Zweifelsfall mit Mini-DV gedreht und auf einem Heimcomputer geschnitten werden können. Verkürzte Optimierung und Preproduktion sind weitere elementare Sparmaßnahmen am falschen Punkt. Ein zweifelhafter Weg für Produzenten, auf den Kostendruck zu reagieren. Wo keine Zeit und keine Schonfrist für neue Sendungen existiert, wird gerne auf Sicheres zurückgegriffen. Was liegt da näher, als erfolgreiche Produkte der Konkurrenz zu kopieren? Dass damit aber zugleich eine Übersättigung der Zuschauer an immergleichen Sujets einher geht, will keiner der Plagiateure wahrhaben. Da gibt es dann eben viele Superstar-Sucher, außerhalb der Zivilisation-Überleber oder Rollentauscher.

     

    Quotensklaverei

    Auch die öffentlich-rechtlichen Sender fügen sich ohne Not (schließlich werden sie weitgehend durch Fernsehgebühren finanziert) dem Diktat der Einschaltquoten. Selbst Redakteure relativ anspruchsvoller Programminhalte, wie etwa des Kleinen Fernsehspiels im ZDF, werfen selbstverständlich morgens, wenn sie ihren Bürocomputer einschalten, erst einmal einen Blick auf die Einschaltquoten. Die Erkenntnis, dass man Zuschauer auch an schlechte Programmqualität gewöhnen könnte, oder dass Film- und TV-Kultur genau wie eine Lesekultur entwickelt und vermittelt werden muss, wird beinahe gänzlich den Balkendiagrammen der einschlägigen Monitoring-Verfahren geopfert. Ob es Anpassung, Feigheit, Beziehungsgeflechte mit Produktionsfirmen, mangelndes Qualitätsbewusstsein oder simpler Druck der Vorgesetzten sind, die viele Redakteure allzu anspruchslos haben werden lassen, kann dem Zuschauer einerlei sein.

     

    Einzig Arte oder 3Sat erlauben sich und vor allem den Zuschauern noch ab und an den Luxus, die angebliche Unabhängigkeit und den Kulturauftrag eines öffentlich-rechtlichen Programms auch in Form von qualitativ hochwertiger Programmgestaltung erleben zu können. Bei ARD und ZDF nimmt die Zahl hochwertiger Eigen- und Koproduktionen stetig ab, Lichtblicke sind bestenfalls einige starke Kinofilme, von denen die Besten vorzugsweise nach Mitternacht gesendet werden.

     

    Senderfamilien, Produzentenfamilien

    Die Familie ist ein dehnbarer Begriff, wie einem aus den Filmen über das organisierte Verbrechen bekannt ist. Nun als Familie verstehen sich auch die vielen Tochter-, Schwester- und Enkelfirmen der Fernsehsender, die welch zufälliges Zusammentreffen, mit höchster Kontinuität Produktionsaufträge von ihren Mutter-Fernsehsendern erhalten. Diese freundliche Auftragssicherheit, die in anderen Branchen längst das Kartellamt auf den Plan gerufen hätte, führt dazu, dass die Produktionsfirmen in einem konkurrenzfreien Raum ihre TV-Movies abspulen können. Sie müssen keine hohe Qualität oder Kreativität beweisen - der nächste Auftrag kommt, selbst wenn man Mittelmaß oder Schlimmeres abliefert, mit Sicherheit. Wem fällt noch auf, wenn manche Redakteure aus Produktionsfirmen kommen und nach ihrer oft kurzen Umlaufbahn in den Sendern wieder in die Produktionsfirmen zurückwechseln? Nicht die besten Filme, sondern die besten Beziehungen bestimmen einen großen Teil der vergebenen Aufträge. Die neuen Technologien, die DVD und das Internet, werden den Zuschauern Instrumente an die Hand geben, zumindest, wenn sie es wollen, der Programmeinfalt zu entfliehen und sich selbst zum Programmveranstalter zu machen.

     

  • Verschlafen unsere Schulen noch immer die Medien oder welchen Stellenwert hat das Kino in unseren Klassenzimmern?

  • Kinderfilm Paradies

    Kind mit Eltern

    Die Haltung Kindern gegenüber ist Teil der Kultur in der sie aufwachsen

    Sicherlich spielen gesellschaftliche Faktoren hier eine Rolle, der Umgang der Erwachsenen mit den Kindern, auch die große Kinderbuchautorin Astrid Lindgren wird ihren Anteil dazu beigetragen haben, dass schwedische Kinderfilme so ganz anders sind.

     

    Wer kennt sie nicht, die Geschichten rund um Lisa und ihre Brüdern Lasse und Bosse und die Nachbarskinder Ole, Britta und Inga in Bullerbü? Dörfer mit nur wenigen Einwohnern, dafür aber jede Menge Lebenskenntnis, Rätsel, tolle Versteckplätze, jede Menge Tiere und Natur. Ja, vielleicht sind die Geschichten auch nostalgisch, sie kennen keine Aufmerksamkeitsablenkgeräte, auf Saltkrokan gibt es keine Tablets und Handys, wenn da ein paar Kinder beisammen sind, dann sind sie nicht jeder für sich mit ihren Mobile-Phones beschäftigt, sondern sie reden und spielen zusammen.

     

    Und wenn Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf mit dreisten Erwachsenen abrechnet und den Armen hilft, dann hüpfen unserer aller Kinderherzen gleich mit vor Freude.

    Diese Filme begegnen ihren Filmhelden mit großer Ernsthaftigkeit, sie lassen sich auf die seelischen Grundbefindlichkeiten, auf Hoffnungen und Ängste der Kinder ein und machen sie nicht bloß zu niedlichen Jungdarstellern.

     

    Landschaft

    Landschaften in denen die Kinder von Bullerbü lebendig werden

     

    Sie gehen klar und direkt mit Konflikten und Problemen der Kinder um und vermeiden jede Verniedlichung. Damit belegen sie ganz besonders auch für die jungen Zuschauer, dass sie Verständnis aufbringen für deren Belange. Dass sie sich einlassen auf das Innenleben ihrer Filmfiguren und nicht den äußeren Reiz brauchen, um zu faszinieren.

    Kinder werden in schwedischen Schulen sehr ernst genommen, das merkt man auch den Filmen an, in denen Kinder zu Helden mit Mut und Gerechtigkeitssinn, ja vielleicht auch Philosophen werden dürfen. Und mit Pipi Langstrumpf wurde zugleich so etwas wie ein Recht auf Anderssein in den Kinderherzen verankert.

     

    So gesehen sind die schwedischen Kinderfilme,- und im übrigen auch Kinderbücher, oft ein Zufluchtsort für Kinder, die wie überall sonst auf der Welt mit so vielen Gefühlen, Veränderungen, Ängsten und diffusen Hoffnungen zu tun haben.

     

    Damit dieser Zufluchtsort auch in der heutigen Zeit moralisch unanfechtbar bleibt, hat das schwedische Fernsehen 2014 diverse Stellen in den Lindgren-Verfilmungen abgeändert. So wurde aus dem Wort "Negerkönig" als Bezeichnung von Pippi Langstrumpf für ihren Vater ein "König" und eine andere Szene, in der Pippi ihre Augen zu chlitzen formt und eine Chinesin sein will, wurde herausgeschnitten. Die Firma Saltkrokan, welche die Rechte an den Buchvorlagen hat, war damit einverstanden, schließlich habe Astrid Lindgren niemals mit ihren Geschichten Jemanden diskriminieren wollen.

     

    Während sich hierzulande Regisseure eher weniger mit Kinderfilm beschäftigen, weil sie denken, sie gelten dann nicht als vollwertige Kinofilmregisseure, wird das Genre in Schweden sehr geschätzt. So hat kein geringerer als der seit vielen Jahren in Hollywood tätige Lasse Hallström im Jahre 1986 bei den Bullerbü-Filmen die Regie geführt. Oder der Regisseur der Brüder Löwenherz, Olle Helbom ist ein international bekannter Regisseur geworden.

     

    Beispiele: "Flickan" von Fredrik Edfeldt, (S 2008)

    Geschichte eines fast zehnjährigen Mädchens, was allein Zuhause bleibt, während die Eltern eine Afrikareise antreten. Sie ist zu jung um mitzureisen und bleibt allein im großen Haus zurück. Die junge Tante, die auf sie aufpassen soll, vergnügt sich mit Männern, so flüchtet sich das Mädchen, dessen Namen wir gar nicht im Film erfahren, in die Fantasie und ein Versteck im Stall. Der Film erzählt auf eine respektvolle, eindrucksvolle Weise von der Einsamkeit eines Kindes.

     

    Weitere Filmtitel:

    Misa Mi – Freundin der Wölfe (Schweden 2003)

    Die Rote Zora (Deutschland, Schweden 2008)

    Hoppet – Der große Sprung ins Glück (Schweden 2007)

    Ronja Räubertochter (Schweden 1984)

    Die Brüder Löwenherz (Schweden 1977)

     

  • Wir benutzen immer mehr Bildschirme gleichzeitig und die Angst geht um, unsere Aufmerksamkeit könnte zu sehr verteilt werden. Der Kampf um die Aufmerksamkeit ist voll im Gange...

  • Siegeszug der inhaltlichen Seifenblasen

    Siegeszug der inhaltlichen Seifenblasen

    Fließbandgefühle

    Ein Begriff, mit dem zumindest hierzulande bis vor einigen Jahren noch niemand etwas anfangen konnte, erobert unsere Bildschirme. Dabei ist die Telenovela gar kein neues, junges, sondern ein ziemlich altes Fernsehformat.

    Eigentlich bedeutet "Telenovela" (Spanisch) "Fernsehromane" und bezieht sich direkt auf die "Seifenopern", die amerikanischen Serien-Vorbilder. Vorläufer der Telenovelas waren  im Hörfunk vorgelesene Romane, sogenannte Radionovelas im Kuba der 30er Jahre.

    Hauptgrund für diese Eroberungswelle sind einmal mehr die Produktionskosten, die bei Telenovelas sehr niedrig sind im Vergleich zu regulären Serien oder gar Fernsehspielen.

     

     

    Basics

    Lange haben wir sie belächelt, haben den Versuch der ARD mit der "Sklavin Isaura" oder "Sinha Mossa" aus Brasilien zu punkten verächtlich kommentiert. Telenovela war das Synonym für schnell runtergedrehte, die Welt vereinfachende Primitivgeschichten. 
    Die Prinzipien "Arme unschuldige Schönheit trifft auf reichen Märchen-Industriellen-Chef verliebt sich und muss viele Widrigkeiten überwinden bis es zur Hochzeit kommt" oder "Auch gescheiterte, unehrenhaft verstoßene Kinder von Reichen sind liebenswerte Menschen" zogen sich durch praktisch alle Telenovelas. Wichtigste dramaturgische Regel war der kompromisslose Sieg der Guten am Ende jeder Staffel.

    Paten für die Inhalte stehen Märchen und Melodramen. Dramaturgisch gesehen haben Telenovelas Ähnlichkeiten mit Serien, allerdings werden sie stets aus der Perspektive der weiblichen Hauptfigur erzählt und es steht schon zu Beginn das gute Ende fest. Damit wird auch deutlich, welche Zuschauerkreise durch Telenovelas vornehmlich angesprochen werden sollen.

    Am Ende jeder Folge steht meist ein kurzes pseudodramatisches Ereignis, der berühmte "Cliffhanger", wodurch in den Zuschauern das Interesse geschürt wird, die nächste Folge einzuschalten, um zu erfahren, wie es weitergeht.

     

    Spielregeln in den Ursprungsländern

    Die Akteure der bis zu 300 Folgen währenden Novelas sind häufig Laien, fast gehört es zum Stil, dass die Darstellung dilettantisch rüberkommt. Texte werden auch nicht zwingend gelernt, in einigen Studios mit besonders hohem Output werden die Texte den Darstellern per Ohrhörer vorgesagt, inklusive Handlungsanweisungen. Kein Problem bei durchgehend einfältigen Handlungssträngen. Gerade die begrüßen auch weniger gebildete Zuschauer, aufwändige dramaturgische Strukturen würden hier nur verwirren.

    Für Jahrzehnte war klar, dass Derartiges nur in den Armenvierteln Lateinamerikas erfolgreich vermarktbar sei, dort wo die meisten Menschen kein Geld, aber eine Fernsehantenne besitzen. Je mehr Arme es in einem Land gibt, die man von ihrer traurigen Wirklichkeit ablenken muss, desto erfolgreicher das Format. Je mehr von Unterdrückung, Opposition, Ungerechtigkeit und Demonstrationen abzulenken war, desto wichtiger die sedative Wirkung dieser Formate. Führende Telenovela-Nationen sind Brasilien und Mexiko mit täglich bis zu sieben Stunden verfilmter Groschenromane.

     

    Importierte Seifenblasen

    Doch die Zeiten ändern sich. Ob es inzwischen hierzulande mehr Armenviertel gibt oder die Sparzwänge der Sender Billigformate plötzlich unausweichlich scheinen lassen, sei dahingestellt. Tatsache ist, dass auch über die heimischen Fernseher eine Telenovela-Welle ungeahnten Ausmaßes hereinbricht. Dabei werden nicht nur eingekaufte und synchronisierte lateinamerikanische Novelas wie etwa "Salome" (Story um eine Waisenkind-Tänzerin, die sich in einen Milliardärssohn verliebt) gesendet, sondern auch massenhaft Eigenproduktionen, die von heimischen Produktionsfirmen wie der Bavaria oder Grundy-UFA im Eiltempo runtergekurbelt werden.

    Titel wie "Sophie-Braut wider Willen", "Bianca", "Verliebt in Berlin", "Sturm der Liebe", Rote Rosen oder "Tessa -Leben für die Liebe" entstehen in rasantem Eiltempo. 43 bis 50 Minuten pro Tag abzudrehen ist Standard, ein Produktionsausstoß, die für szenische Serienproduktionen bisher als völlig absurd galt. Selbst der Klassiker "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" schafft es am Tag nur auf 25 Sendeminuten. Eine Arbeitswoche Drehzeit galt bisher als Minimum für Serien.

     

    Fließband-Produktion

    Hinter den Produktionen der deutschen Telenovelas stehen die üblichen Großproduktionen: Grundy UFA TV oder auch die Bavaria. Die Innenmotive werden weitgehend in Studiokulissen gedreht, wahlweise in den Bavaria Studios oder in Potsdam-Babelsberg, das spart jede Menge Zeit. Die Kosten für etwa 50 Minuten Programm liegen bei ca. 75.000 Euro, ein vergleichsweise kleiner Betrag.

    Die industrielle Massenware fordert auch andere Produktionsmethoden. So werden die Drehbücher etwa von ganzen Teams oder vielen einzelnen Autoren geschrieben.  Meistens gibt ein Autor eine Handlungslinie vor, die dann von den anderen in die jeweiligen Folgen eingearbeitet wird. Für "Julia -Wege zum Glück" etwa schreiben Petra Bodenbach und ein nicht näher benanntes Autorenteam, für "Sophie -Braut wider Willen" Cornelia Deil-Sanoh und ihr Autorenteam.

    Einige der Novelas werden bereits bandlos auf Wechselfestplatten gedreht, um die hohen Produktionsgeschwindigkeiten zu unterstützen. Dadurch entfallen sonst übliche Wartezeiten wie Eindigitalisieren oder Einspielen in der Postproduktion. Auch der hier und da favorisierte etwas süßliche Märchenlook wird per Avid-Plug-In gleich in einem Arbeitsgang über das Material gelegt.

     

    Was bleibt...

    Was das unterirdische Niveau angeht, brauchen sich die aktuellen deutschsprachigen Telenovelas, die teilweise in Koproduktion deutscher, österreichischer und schweizer Fernsehanstalten entstehen, nicht vor ihren südamerikanischen Vorbildern zu verstecken. Fürchten muss man sich allerdings vor einer neuen Generation von Fernsehzuschauern, die aus den zweifelhaften Erzählphilosophien Maßstäbe für ihr reales Leben gewinnen werden.

    Ihre holzschnittartigen Figuren erinnern in ihrer Differenziertheit eher an Comics, das Gute, das Böse, Reich und Arm. Romantik und Schicksal als Konzentrat medialer Glanzbilder. Noch geben die Einschaltquoten der deutschsprachigen Zuschauer auf ihren Sofas in den Slums, den Faveilas, den Fernsehmachern Recht. Vielleicht hält der Trend ja an, bis auch der letzte Zuschauer vergessen hat, wie gut gemachte Serien aussehen.

  • Versuchsreihe

    Filmvorführung

    Testvorführung

    Ist Ihnen das auch schon passiert? Vor einem der großen Kinos der Stadt werden Sie angesprochen und bekommen einen Zettel in die Hand gedrückt: "Freikarte zur Kino-Preview eines neuen Kinofilms vor dem offiziellen Kinostart. Bitte nennen Sie bei der Anmeldung Alter und Geschlecht der Personen, die Sie anmelden." Nach dem Titel des Filmes, den Sie da zu sehen bekommen, fragen Sie vergeblich, denn möglicherweise steht dieser noch gar nicht fest…

    Früher kannte man das Verfahren nur in den USA (Recruited Audience Screenings), dort ist es für beinahe jeden Film Standard, doch seit einigen Jahren hat es sich auch in Europa etabliert, die Vorführung von Schnittfassungen oder fertigen Filmen vor einem Testpublikum.

    So werden immer häufiger vor Kinos Einladungen verteilt zu irgendwelchen Nachmittags- oder Abendvorstellungen von denen man den Titel nicht kennt und lediglich weiß, dass es sich um irgendeinen neuen, häufig sogar deutschen Film handelt. Die Einladungszettel informieren darüber, wann der Film aufgeführt wird, unter welcher Rufnummer man sich dafür voranmelden kann und dass man sich mit dem kostenlosen Kinobesuch auch zum Ausfüllen eines Fragebogens verpflichtet.

     

    Wann und Warum?

    Die Gründe solche Testscreenings durchzuführen sind vielfältig. Manchmal wollen sich die Macher über Stärken und Schwächen eines Filmes im Klaren sein und ggf. im Schnitt noch auf die Publikumswünsche reagieren können. Wenn ein solches Testscreening gut organisiert und ausgewertet wird, kann damit die Postproduktion eines Filmes qualitativ enorm verbessert werden. Allerdings sind die Kosten und der Zeitaufwand solcher Tests nicht unerheblich, deshalb werden sie fast ausschließlich für Filme durchgeführt, die ein Massenpublikum erreichen sollen.

    Je nach Zweck der Befragung ist auch der richtige Zeitpunkt wichtig. Wenn man noch Veränderungen vornehmen möchte, ist ein Rohschnitt optimal. Allzu roh sollte der Schnitt allerdings nicht sein, Titel müssen nicht zwingend vorhanden sein aber Tricksequenzen oder etwa die Musik sollten mindestens als Layout in geringerer Auflösung bzw. nicht in der Endfassung eingeschnitten sein.

    Auf diese Weise wurde etwa der Streifen "7 Zwerge- Männer allein im Wald" (Start:28.10.2004) getestet, ein Versuch, das derzeitige dünne Fernsehunterhaltungsniveau auch auf die Kinoleinwand zu portieren. Es geht das Gerücht, dass bei den Befragungen ausgerechnet der Produzent und gleichzeitig einer der Hauptdarsteller des Filmes, Otto Waalkes nicht wirklich gut abschnitt. Testscreenings können auch schmerzhaft sein.

    Oder aber ein Verleiher versucht das Potential des Filmes und das genaue Zielpublikum (Alter, Geschlecht etc.) herausfinden um zu wissen, wie man den Film am Besten herausbringt. Schließlich gibt es nur einen Kinostart, wenn der daneben geht bekommt in der Regel kein Film eine zweite Chance.

     

    Dafür kann durchaus ein bereits komplett fertiger Film getestet werden. Wer einschätzen kann, was für ein Potential ein Film beim Publikum hat, kann ziemlich präzise einschätzen, wie viele Kopien des Films bestellt, wie breit die Werbekampagnen gestreut werden müssen. Wer weiß, bei welcher Altersgruppe und welchem Geschlecht der Film am Besten ankommt, kann diese Gruppe bei der Werbung gezielter ansprechen. Dabei hilft es natürlich auch, wenn man erfährt, welche Elemente im Film am Besten angekommen sind, auch darauf kann man dann bei der Werbung abzielen.

     

    Testpublikum

    Bereits die Auswahl der Zuschauer gehört zu den aufwändigsten Arbeiten bei der Durchführung von Probevorführungen. Diese Aufgabe bindet, um einen repräsentativen Querschnitt im Publikum herbeizuführen, bereits ein kleines Team von mehreren Mitarbeitern für einige Tage. Es geht eben nicht, dass man mal eben all seine Freunde und Bekannten einlädt und nach dem Film in gemütlicher Atmosphäre ein paar Statements einholt. Entscheidend ist ja gerade die Objektivität und die gewünschte Zusammensetzung des Testpublikums. Abgesehen davon verfügt kaum ein Verleih oder Produzent über genügend persönliche Kontakte um mal eben 3-400 Jugendliche im Alter zwischen 12 und 16 Jahren oder exakt je 200 weibliche und männliche Studenten im Alter zwischen 19 und 25 einzuladen.

     

    Auswahl

    Dabei achten die Tester (diese Screenings werden oft von PR-Agenturen durchgeführt) sehr genau darauf, wen sie zu den Probevorführungen einladen. So wird bei der Kartenbestellung am Telfon sehr genau nachgefragt, wie alt man ist, welches Geschlecht man hat, ob man Student ist oder berufstätig etc. Es kann auch berücksichtigt werden, ob die Testseher mit dem Genre Erfahrung haben, also ob sie bereits vorher vergleichbare Grusel,- Abenteuer,- Familien,- oder Zeichentrickfilme angeschaut haben.

    Nur wenn die Angaben ins gewünschte Bild passen, wird die Karte auch reserviert. Je nachdem, welche Altersstruktur gesucht wird, kann es auch schon mal vorkommen, dass man bei der telefonischen Reservierung keine Karte mehr bekommt, weil bereits zu viele junge (oder ältere) Leute zugesagt haben.

    Mitarbeiter aus der Film- und Fernsehbranche sind übrigens zu solchen Screenings nicht zugelassen.

     

    Fragebögen

    Wer den Testfilm gesehen hat, füllt anschließend den Fragebogen aus. Diese arbeiten mit einer Notenskala von 1 bis 6 sowie freien Feldern für eigene Anmerkungen. Dabei werden üblicherweise Fragen wie folgende gestellt:

     

    Wie gut gefällt Ihnen der Titel des Filmes?

    Welchen Titel würden Sie dem Film geben?

    Wie gefiel Ihnen das Ende des Filmes?

    Wie gefielen Ihnen die Hauptfiguren?

    Wie sympathisch (wie glaubhaft) fanden Sie die Hauptdarstellerin?

    Welche Szenen gefielen Ihnen sehr und welche weniger gut?

    Wodurch wurden Sie auf diese Testvorführung aufmerksam?

    Was beeinflusst Sie bei der Entscheidung für einen bestimmten Film? Zeitungsberichte, Trailer, Kritiken, Plakatierung oder Freunde?

     

    Auswertung

    Nur wenn die Fragebögen von erfahrenen Statistikern und Marketingleuten erstellt werden, kann die Auftraggebende Firma auch einen Nutzen aus den gewonnenen Daten ziehen. Selbstverständlich werden all die Erkenntnisse geheim gehalten, schließlich müssen einmal produzierte Filme gestartet werden, selbst wenn die Fragebögen verheerend ausgefallen sind.

    Für die Positionierung des Filmes am Markt ist das Genre von Bedeutung. Viele Filme bedienen gleichzeitig unterschiedliche Publikumsinteressen. Ist es eine klassische oder eher eine romantische Komödie, ein Film für alle oder eher ein Frauenfilm. Wenn man die Ankündigungen des Filmes so ausrichten kann, dass die Erwartungen des Publikums optimal bedient werden, ist der Zuschauer auch zufrieden. Nichts ist schlimmer, als ein falsches Versprechen an den Zuschauer.

    Zu den gewonnenen Erkenntnissen gehört nicht nur die Bewertung, wie der Film aufgenommen wurde, (Sehr gut, Gut, Mittel oder Schlecht) sondern auch, ob die Testseher den Film ihren Freunden empfehlen würden. Dies gibt Aufschlüsse darüber, wie lange man den Film in den Sälen halten kann. Auch die Information über besonders beliebte Szenen aus dem Film ist hilfreich für die Gestaltung von Kinotrailern oder TV-Spots.

    Hinsichtlich der Veränderungsmöglichkeiten in der Postproduktion können Fragen nach der Beliebtheit einzelner Figuren, der Musik oder des Filmendes Informationen zur Optimierung vermitteln.

    Wenn Sie also das nächste Mal eine Einladung zu einem Testscreening bekommen, können Sie mit dem guten Gefühl hingehen, die Produzenten oder Verleiher eines neuen Filmes einem bedeutenden, unvorhersehbaren und risikobehafteten Forschungsobjekt näher zu bringen: Ihrem Geschmack.

  • Immer besser ?

    Thomas Stein, Jurymitglied von Deutschland sucht den Superstar

    Thomas Stein war jahrelang Jurymitglied von Deutschland sucht den Superstar

    Nein, an dieser Stelle soll es nicht darum gehen, welcher Flachbildschirm die bessere Qualität bietet, es soll um die Inhalte gehen und um die Innensicht der TV-Verantwortlichen auf das, was sie so über die Bildschirme schicken.

    Zugegeben, das Fernsehen der Frühzeit war aus technischen und finanziellen Gründen recht einfach gestrickt und es wäre absurd, zu behaupten, das Medium hätte sich bis heute nicht weiterentwickelt.

    Es gibt heute mehr Programme denn je, mehr Programmstunden, mehr Formate und doch scheint es so, als hätten all die Erweiterungen, die neuen Programmstunden, die neuen Kanäle mehr und mehr die Qualität und den Kulturanspruch aus den Augen verloren.

    Wer das schlechte Abschneiden der Schüler im internationalen Vergleich, die zunehmende Schreibschwäche, die Unkonzentriertheit der jungen Menschen beklagt, findet rasch im Fernsehen eine der möglichen Erklärungen wieder.

     

    Gleiches mit Gleichem

    Gab es in der Anfangszeit des Privatfernsehens noch deutliche qualitative Unterschiede bei den öffentlich-rechtlichen Sendern zu erkennen, so verschwinden diese zunehmend. Sicher, es gibt nach wie vor einige Programmplätze, die Qualität zu bieten haben, doch sie werden weniger und die Zahl der oberflächlichen Filme und Magazine, die nichts zu sagen haben, außer dass es sie gibt, nimmt zu.

    ARD und ZDF verspielen, ohne Not (schließlich werden sie durch Gebühren und nicht durch Werbeaufträge mit Quotendruck finanziert) das, womit sie eigentlich ihre Sonderstellung rechtfertigen: Die Qualität, die Themen,- und Meinungsvielfalt, den kulturellen Auftrag. Eine Ahnung dessen, was öffentlich rechtliches Fernsehen leisten könnten und müssten, vermitteln lediglich arte und 3Sat.

    Nur damit wir uns richtig verstehen, - die Privatsender haben in dieser Hinsicht gar nichts zu verspielen, ihre Programme sind weitestgehend Intelligenzfrei. Die Inhalte der Privatsender stehen praktisch ohne nennenswerte Ausnahme unter dem Postulat für möglichst geringe Produktionskosten möglichst viele Zuschauer und damit Werbeeinnahmen zu generieren.

     

    Deutscher Fernsehpreis

    Früherer ZDF-Intendant Markus Schächter, sein Sender übertrug die Preisverleihung 2008

    Früherer ZDF-Intendant Markus Schächter, sein Sender übertrug die Preisverleihung 2008

    Hervorragende Leistungen des jeweils abgelaufenen Jahres sollen in der von ARD, ZDF, RTL und Sat.1 finanzierten Veranstaltung ausgezeichnet werden, so die Theorie. Aus ca. 1200 eingereichten Vorschlägen muss die Jury die Nominierungen und schließlich die Preisträger für 22 Kategorien herausfiltern.

    Die Jury 2008 waren: Dieter Anschlag (Chefredakteur Funkkorrespondenz), Christian Becker (Produzent Rat Pack Film), Heike Richter-Karst (Produzentin AllMedia Pictures), Lutz Carstens (Chefredakteur TV Spielfilm), Barbara Schöneberger (Moderatorin und Schauspielerin) und Klaudia Wick (freie Journalistin und Autorin), Bettina Böttinger (Moderatorin), Prof. Dr. Miriam Meckel (Professorin für Kommunikationsmanagement) und Sophie von Kessel (Schauspielerin).

    Tatsächlich aber zeigte sich, dass es zwar viele Preisträger, aber nur extrem wenig "Herausragendes" bei dieser Veranstaltung zu sehen gab. Im Gegenteil, viel Peinliches, viel Mittelmaß und Belanglosigkeit, die auch durch das Etikett "Event" nicht besser  wurden.

     

    Unerträgliche Seichtigkeit des Scheins

    Ähnlich wie die Auswahl der Jury gestaltete sich auch die glamouröse Preisverleihung: Da waren sie mal wieder zusammengekommen, die Grinsegesichter, die hinter dem kontinuierlichen Qualitätsverfall des deutschen Fernsehens stecken und haben sich für zumeist seichte, alberne bis belanglose Programme selbst gefeiert.

    Haben Formate wie "Deutschland sucht den Superstar" oder "Switch Reloaded" ausgezeichnet, haben mittelmäßige Darsteller gefeiert, haben sich brav bei ihren Brötchengebern bedankt und Appelle an die Zukunft gerichtet, ihre "grandiosen" weichgespülten Mittelmaßformate auch weiterhin zu unterstützen.

    Am liebsten hätte man noch mehr Geschichtsbewältigung für Bildleser mit Frau Ferres in der Hauptrolle nominiert, aber nachdem sie gerührt über sich selbst, ihre Trophäe entgegengenommen hatte, durfte zumindest ein ernst zu nehmender Fernsehfilm, "Contergan" ebenfalls ausgezeichnet werden.

     

    Klare Absage durch Reich-Ranicki

    Ab und an sah sich selbst Moderator Gottschalk gemüßigt, kleine Seitenhiebe zu verteilen, etwa den Moderatoren von 9live Rechenschwäche zu unterstellen oder dem Siegerteam einer Reality-Soap über Jugendliche Ausreißer zu wünschen, dass auch in Zukunft viele Kinder von Zuhause weglaufen, damit die Serie weiter gehen kann. Doch das blieben über weite Strecken die einzigen Zweifel am eigenen Tun der Branche. Bis der Ehrenpreis vergeben werden sollte...

    Das klarste und ehrlichste Statement nämlich kam von Reich-Ranicki, der seinen Ehrenpreis rundweg ablehnte und mit Entsetzen das Niveau nicht nur der während der Verleihung angeteasten Sendungen abstrafte. Ein zorniger, intelligenter alter Mann, der im Gegensatz zu all den anderen Teilnehmern der Veranstaltung nicht mehr um seine berufliche Zukunft, die nächsten Aufträge fürchten muss. Der sich traut, auszusprechen, wie es um das deutsche Fernsehen (bis auf wenige löbliche Ausnahmen) steht. Ein kurzer, glücklicher Moment, der leider folgenlos bleiben wird.  Zu einig sind sich all die Grinsegesichter, dass aus der Beliebigkeit ihrer selbstgekrönten Programme längst kein Weg mehr zurück führt.

    Kaum war der Chefkritiker der Literatur von der Bühne und aus dem Saal verschwunden, ging man nahtlos wieder zur Tagesordnung über.

    Nur ein leichtes Nachgewitter ging danach noch durch die deutsche Presselandschaft. So schloss sich Elke Heidenreich dem Zornesausbruch Ranickis an und resümierte in der FAZ: "Wie jämmerlich die dargebotenen Produkte und Arbeiten in der Mehrzahl waren, wie jämmerlich unser Fernsehen ist, wie arm, wie verblödet, wie kulturlos, wie lächerlich."

  • Die Umfrage, wer Werbung spannend, witzig oder gar unterhaltsam findet, können wir uns sparen. Warum nur?

  • ToreinfahrtDie größte Videoplattform der Welt versucht ihr größtes Problem durch simple Wikipedia-Links zu lösen

Workshops 2019

Viel Kreatives vor? Mit Movie-College Hands-On Workshops Filmlicht, Filmton/Location Sound, Kamera, Drehbuch u.v.a, kann man sein Knowhow spürbar verbessern und stärkere Filme machen. Am 27. und 28 Juli findet der nächste Workshop Kamera statt.  Jetzt Anmelden!