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Paula Beer als Laura in "Miroirs No. 3" © Schramm Film

 

D 2025, 86 min, 1:1,85 

Drehbuch, Regie: Christian Petzold
Cast
Paula Beer (Laura)
Barbara Auer (Betty)
Matthias Brandt (Richard)
Enno Trebs (Max)

Die junge Klavierstudentin Laura will, weil sie sich nicht so gut fühlt, doch nicht mit ihrem Freund und einem Filmproduzenten und dessen Freundin einen Ausflug machen und wird von ihrem Freund im Auto des Produzenten zum nächsten Bahnhof gefahren, um allein wieder nach Hause zu fahren. Dabei fährt Ihr Freund zuächst beinahe Betty, eine Frau vor ihrem Haus (Barbara Auer) an, um dann danach hinter der nächsten Wegbiegung zu verunglücken. Betty eilt zur Unglücksstelle: Während der Freund von Laura offenbar tot ist, hat sie selbst nur minimale Verletzungen. Sie wird im Haus von Betty ambulant versorgt und bittet Betty, vorübergehend bei ihr bleiben zu dürfen, was diese bereitwillig zusagt.

Einmal mehr wird ein Autounfall zum Drama- auslösenden Element in einem Film von Christian Petzold, diesmal gleich zu Beginn, eigentlich tragisch aber irgendwie auch wieder belanglos. Niemand reagiert wirklich darauf, weder der Besitzer des verunglückten Autos, noch Angehörige, Freunde des gestorbenen Freundes, noch Lauras Freunde oder Eltern, die sich vielleicht fragen könnten, wo Laura denn eigentlich geblieben ist. 

Zwischen den beiden Frauen entsteht schnell eine enge Verbindung. Barbara Auer verkörpert die Betty und ihre verborgene Traurigkeit sehr feinfühlig und sensibel, wirkt zugleich etwas ausgebremst, so als dürfe sie die Zuschauer nicht so berühren, wie sie es könnte und wolle. Paula Beer kann als Laura ebenfalls zurückhaltend und sensibel agieren, sehr schön und fast schon überraschend emotional für den Erzählstil, als sie mit Bettys Sohn Max (Enno Trebs) vor der Autowerkstatt am Tisch sitzt, beide sich verlegen anschauen und dann loslachen müssen.

 

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Paula Beer und Barbara Auer in "Miroirs No. 3" © Schramm Film

 

Recht bald lernt man auch Bettys Ehemann und ihren Sohn kennen, die eine Autowerkstatt betreiben. Seltsamerweise wohnen diese aber nicht in Bettys Haus, ob sie sonst irgendwo wohnen, bleibt unerzählt. Vielleicht bedient der Ort der Autowerkstatt die alte Metapher für die Reparatur und Veränderung von Menschen- die Filmfiguren reparieren eben nicht nur Autos, sondern auch ihr Leben. Die beiden Frauen leben eine Weile in einer Wohlfühl-Blase. Blase auch, weil die reale Welt offenbar gar nicht existiert,- niemand kümmert der Unfall eigentlich, die Polizei interessiert sich nicht für den Unfallhergang und später selbst nach ihrer Traurigkeit wegen des verstorbenen Freundes befragt, antwortet Laura, dass sie eigentlich nicht traurig sei. 

Irgendwie merkt Laura in der harmonischen Zweisamkeit mit Betty, dass es da irgendein Geheimnis gibt. Das merkt man an der Betroffenheit vor allem von Bettys Mann und Sohn, die zunächst sehr verhalten sind. Ebenso verhalten wie die emotionale Ebene des Filmes durchgehend verhalten bleibt, als sollte der Zuschauer keine Emotionen vermittelt bekommen. Das kleine, wohlgewählte Schauspielensemble (Paula Beer, Barbara Auer, Matthias Brandt und Enno Trebs) spielt hervorragend, zugleich spürt man, sie spielen nur das, was das Drehbuch und die filmische Umsetzung erlauben. Die vordergründige Unfallstory und die etwas verborgenere Geschichte rund um Betty und ihre Familie, hätten mehr Tiefe und emotionale Schwere verdient. Dem Plan, vieles ungesagt zu lassen und die Geschichte zu verrätseln, hätte das keinen Abbruch getan und man würde die Geschichte länger in sich tragen, nachdem der Film zu Ende ist. 

 

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Enno Trebs (Max), Matthias Brandt (Richard), Barbara Auer (Betty) und Paula Beer (Laura) in "Miroirs No. 3" © Schramm Film

 

Die wenigen Special Effects sind ins Off gelegt,- das Beinahe Anfahren von Betty, selbst der Autounfall passieren weitgehend akustisch. Petzold legt Wert auf Sounddesign, das spiegelt sich nicht nur in allerlei tropfenden, schnarrenden oder blätterrauschenden Geräuschen und Atmos wieder, sondern auch in der Anzahl der genannten Sounddesigner, nämlich Dominik Schleier, Marek Forreiter und der Cutterin des Films, Bettina Böhler. Irgendwie sind auch die Emotionen über weite Strecken ins Off gelegt worden. Unabhängig davon gerät man als Zuschauer recht bald in diese Landhaus-Sommerfrische Taktung hinein und folgt den Filmfiguren widerstandslos bei ihren Fahrradfahrten und Spaziergängen, fast ein wenig kontemplativ.

Das alles ist auf jeden Fall sauber fotografiert, sehr gut montiert und hochwertig produziert, nur wenige Locations, ein Kammerspiel. Der ganze Film wird unaufgeregt erzählt in unbewegten, nur selten leicht geschwenkten Bildern, die französisches Kino der 70er und 80er Jahre zitieren, schönes, spätsommerliches Licht, ein Landhaus, eine Autowerkstatt, ein wenig Eric Rohmer, ein wenig Claude Chabrol, Claude Sautet und natürlich auch Jean Becker. Man hat tatsächlich das Gefühl, einen der langsam erzählten Filme aus dieser Zeit zu sehen, ob man das als aus der Zeit gefallen oder als komplex betrachtet, kann Jeder für sich entscheiden.

 

Gesehen von Mathias Allary

 

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